Drei Jahre Seelenstriptease

betroffenSchockschwerenot! Da habe ich doch glatt ein Jubiläum verschlafen! Seit nunmehr drei Jahren tippe ich hier mehr oder weniger regelmäßig meine Texte ins Internet. Manchmal denke ich mir: »Wozu die Mühe? Das interessiert doch eh keine Sau.« Und wahrscheinlich stimmt das sogar. Als ich jedoch im vorletzten Jahr drei Wochen hintereinander meine Seite nicht aktualisiert hatte, kamen die ersten Protestmails. Auch die Statistiken zeigten, dass noch lange danach die Besucherzahlen ganz rapide zurückgingen. Ein untreues Völkchen seid Ihr!

Es gibt ja einige Blogger, die den geneigten Lesern ihr ganzes Privatleben offenbaren. So etwas würde ich schon allein deshalb nicht wagen, weil ich Angst hätte, die geneigten Leser würden gelangweilt wegdösen – so langweilig ist mein Leben nämlich. Es ist schon so manche Tastatur den Bach runter gegangen, weil der Sabber des just Entschlafenen ins Gehäuse getröpfelt ist. Kann ich das verantworten?

Zudem würde ich meinen vielen Erzfeinden, den fiesen Ex-Freundinnen und anderen bösen Menschen, die ich am liebsten nur von hinten sehe, nie die Genugtuung geben, sich an meinem Seelenkummer zu ergötzen. Ich bin nämlich ein Sensibelchen (Sternzeichen Krebs), das sich schon Sorgen macht, wenn der Penner von nebenan Terpentin statt wie üblich Haarwasser trinkt. Genau! So sensibel bin ich.

Egal, wie gut man seine wahre Stimmung verbirgt: Menschen, die einen etwas länger kennen, können natürlich zwischen den Zeilen lesen. Das ist gemein, weil die ganze Bloggerei eine recht einseitige Angelegenheit ist. Es sei denn, man lässt es zu, dass die geneigten Leser ebenfalls ihre geneigten Kommentare auf die Seite stellen können. Da ich jedoch schon immer ein überzeugter Anhänger totalitärer Regime war, an deren Spitze ich stehe, wollen wir mit so einem demokratischen Schwachsinn mal lieber gar nicht anfangen – ganz im Sinne meines alten Idols, Klaus Kinski, dem das »laute Drecksgesindel« (= diskussionsfreudige Publikum) schon immer ein Dorn im Auge war.

Auf der anderen Seite trifft man gerade durch die Bloggerei immer wieder auf interessante Menschen, die man im grauen Alltag oft vergebens sucht; wie zum Bespiel letzte Woche die lässige Frau Weltlaterne. Ja, es ist nicht alles schlecht im World Wide Web. Deshalb werde ich wohl auch in Zukunft wie gehabt neue Zeichnungen und alte Raritäten (= der Kram, der in meiner Schublade vergammelt) vorstellen, mich ab und zu seelisch auskotzen, wenn ich von schlechter Laune überwältigt werde, und vielleicht noch für neue Bücher werben. Mein Vermögensberater teilte mir nämlich vor kurzem mit, dass auf einem meiner Schweizer Nummernkonten noch ein wenig Platz sei. Und das muss ja wohl nicht sein …

Was ist sonst Neues zu vermelden? Am 18. März fahren Herr wortmax und ich wie in jedem Jahr zur Leipziger Buchmesse, um dort das Glück zu suchen. Werden wir es am Ende finden? Ach ja, man weiss so wenig …

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T.C. BoyleZur Einleitung meiner neuen Webtipps eine kleine Karikatur, die ich in wenigen Minuten spontan mit Copic-Markern, einem Buntstift und Tipp-Ex hingeschmiert habe. Mir gefällt besonders, dass man sogar noch die Bleistiftstriche sieht. Wer der komische Kauz ist? Nun, ein amerikanischer Schriftsteller, der gern Wassermusik hört.

Nun aber zu den Webtipps: Obwohl ich eigentlich gar keine Zeit habe, sind mir auch in der letzten Woche wieder einige Seiten begegnet, die zu interessant sind, um sie meinen Mitmenschen vorzuenthalten. Wer produziert eigentlich diese verborgenen Schätze?

Neulich, als ich mit ein paar Freunden ein Bier trank, überlegte ich noch laut, dass Menschen, die sich Tag für Tag die Mühe machen, einen neuen Blog-Eintrag zu schreiben, ganz schön einsam sein müssen – denn: Wer hat so viel Zeit? Wohl nur Arbeitslose, Rentner, Millionäre oder Menschen, die kein Leben haben. Gott segne sie, die armen gepeinigten Seelen (die Millionäre vielleicht etwas weniger)!

Famose Visagen

Auf den Seiten eines Blogs mit dem wohlklingenden Titel »Hey, Oscar Wilde! It’s Clobbering Time!!!« findet man etliche Portraits und Karikaturen bekannter Schriftsteller, die von teils nicht minder bekannten Illustratoren und Cartoonisten verewigt wurden. Natürlich zeichnet ein Jeder gern seinen Lieblingsautor. Deshalb findet man auch ganz viele Edgar Allen Poes, Dashiell Hammetts und Raymond Chandlers, aber keine Barbara Cartland. Na sowas!

Bunte Brillen

Los, kramt Eure vermoderten 3D-Brillen raus! Durch Zufall endeckte ich auf flickr ein tolles Album mit vielen Dreidimensionalen Bildern aus der Vergangenheit. Obwohl es ein Gimmick ist, das schnell langweilig wird, haben dreidimensionale Aufnahmen immer einen besonderen Reiz. Stummfilmkomiker Harold Lloyd fand dies übrigens auch und knipste in seiner Freizeit am liebsten 3D-Fotos von nackten Frauen. Der Mann hatte eben Stil.

Klangvolle Quellcodes

Es soll ja esoterisch veranlagte Menschen geben, die behaupten, dass jeder Farbton seinen eigenen Klang hat. Seit kurzem gibt es sogar Leute, die Internetseiten Klänge entlocken können. Auch hier war die Technik der Esoterik mal wieder eine Nasenlänge voraus. Wer die Hitverdächtigkeit der eigene Homepage oder des eigenen Blogs antesten möchte, sollte ganz schnell seine Webadresse kopieren und sie unter www.codeorgan.com eingeben. Sofort wird dort der Quellcode analysiert und in Töne umgewandelt. Allerdings soll es auch ganz schweigsame Seiten geben, bei denen dies nicht funktioniert.

Farblose Fotos

Blogs, auf denen man alte Filmfotos bewundern kann, mag ich besonders gern. Monochrome Aufnahmen haben eine Optik, die nicht von dieser Welt ist. Höhepunkt jener Art von Fotografie waren wohl die Nachkriegsjahre, in denen viele pessimistische Filme mit dunklen, bedrohlichen Bildern entstanden. Auf filmnoirphotos findet man aber auch Plakate und Starportraits aus anderen Epochen. Eine echte Fundgrube.

Bonus-Tipp: Verenas Weltlaterne

Den für mich seit langem besten Beweis dafür, dass Frauen doch Humor haben, liefert der Blog der Berliner Schriftstellerin und Journalistin Verena Dittrich. Unter »Verenas Weltlaterne« kann man Tag für Tag die Befindlichkeiten der jungen Stadtneurotikerin nachlesen. Witzig, charmant, geistreich und originell.

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rent a wortmaxMan merkt, es wird Frühling. Die Vögel zwitschern wieder, Politiker prügeln das Prekariat, das Feuilleton frönt seiner Unfehlbarkeit und Kirchenobere geistern auf sexuellen Abwegen herum oder fahren betrunken bei Rot über die Ampel.

»Gütige Mutter Gottes«, entfuhr es dem Entdeckungsreisenden Mungo Park in T. C. Boyles Roman »Wassermusik«, als ihm mitgeteilt wurde, dass der große König Mansong, der Herrscher von Bambarra, der Schrecken der Berge und der Ebene, Witwenmacher und Bezwinger von Elefant und Elenantilope, nur seinetwegen 37 Sklaven den Bauch aufschlitzen ließ.

Es ist ganz schön was los zur Zeit. Zur Nachahmung empfohlen sind all diese Dinge nicht, sieht man mal vom Zwitschern der Vögel ab. Gut finde ich persönlich höchstens noch die Idee der nordrhein-westfälischen CDU, sich Gepräche mit dem Ministerpräsidenten teuer bezahlen zu lassen. Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn Politiker so etwas machen, weil sie ja nicht nur dann ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes haben sollten, wenn die Kasse stimmt.

Grundsätzlich verkehrt ist diese Form des Handaufhaltens aber nicht. Man bedenke, eine Außenwelle beim Frisör in Liechtenstein kostet laut spiegel.de mehrere tausend Euro. Wer da nicht anfängt, für sich selbst zu werben, bleibt auf der Strecke. Daher möchte ich hier einmal mit Nachdruck darauf hinweisen: Auch wir bei wortmax sind käuflich! Ganz ohne moralische Bedenken und auch ohne großes Parteitagsgedöns.

Schaut Euch einfach nur mal den amazon Kaufladen an, den wir diese Woche in unsere Seiten eingefriemelt haben. Dort findet Ihr nicht nur Unterhaltsames, sondern auch viel Wissenswertes, umfangreiche Lexika und schwungvolle Ratgeber; Dinge also, die einem wirklich etwas bringen.

Natürlich kann man uns auch für Gespräche mieten. Rent a wortmax! Warum nicht? Ich kann zwar nicht hundertprozentig versprechen, bin mir aber ziemlich sicher, dass schon zehn Minuten lockerer Smalltalk mit uns um ein Vielfaches gewinnbringender sind als zwei Stunden diplomatisches Herumgeschwafel mit einer führenden Politiknase. Auf jeden Fall sind wir erheblich günstiger. Exklusive Gespräche kosten bei uns keine 6.000 Euro, sondern sind – je nach Inhalt – schon für unter 200 Euro zu haben. (Beachtet unsere Sonderangebote!)

Ganz wichtig: Sponsoring gerät bei uns nicht in den Verdacht, es könnte sich um eine Parteispende handeln. Sponsoring ist bei uns einwandfrei Sponsoring: kulturfördernd, sehr umweltverträglich und garantiert steuerlich absetzbar.

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Kinski - Die BiographieAuf youtube kann man seit einiger Zeit Werner Herzogs Kinski-Hommage »Mein liebster Feind« sehen. Mit englischem Kommentar versehen – aber immerhin. Herzog liefert ein faszinierendes Portrait eines widersprüchlichen Menschen.

Wer hat nicht auch schon mal das Gefühl gehabt, dass wir wie Hühner in einer Legebatterie unser Leben fristen? Zugegeben, die Hühner haben kein Sofa, keine Dose Bier und keine Kartoffelchips. Auf der anderen Seite müssen sie aber auch nicht das Fernsehprogramm ertragen. Kein Wunder, dass viele Menschen in der Fußballsaison, im Urlaub und den Sonderangeboten bei Aldi den Sinn des Lebens sehen. Es soll jedoch Leute geben, die gar nicht merken, dass sie in einem langweiligen Job, einer faden Beziehung und einem ödem Reihenhaus gefangen sind. Solche Menschen nennt man auch »Beamte«.

Wer hält uns eigentlich davon ab die Gitterstäbe zu verbiegen, die Käfigtür einzutreten und in die Freiheit zu entkommen? Die Macht der Gewohnheit? Die Angst eingetretene Pfade zu verlassen?

Einer, der absolut furchtlos war, wenn es darum ging, das Leben so zu leben, wie es ihm gefiel, war Klaus Kinski – Egomane, Erotomane und genialer Schauspieler. Obwohl er offiziell als der »Irre vom Dienst« galt, gab es genügend Menschen, die ihn anders kannten. Eine schillernde Gestalt, die auch heute noch die Gemüter spaltet. Wann immer einer seiner Streifen im Fernsehen läuft, bin ich aufs Neue fasziniert. Als kleines Kind erlebte ich den manischen Mimen zum ersten Mal in einem Edgar-Wallace-Film, in dem er sehr überzeugend einen Geisteskranken spielte. Kurz danach sah ich die Talkshow »Je später der Abend«, in der Kinski, ohne eine einzige Frage zu beantworten, den Blut und Wasser schwitzenden Moderator Reinhard Münchenhagen mit »Herr Münchhausen« ansprach. Danach war er mein Held.

Gute Bücher gibt es kaum über ihn. Die Kinski-Biografien bewegen sich stets in der Grauzone zwischen distanzloser Verehrung und analytischem Geschwafel. Eine Ausnahme ist »Kinski – Die Biografie« von Christian David, die gut recherchiert, aber brav wie ein Schulaufsatz daherkommt.

In seinen Autobiografien war Kinski ein schlimmerer Lügenbaron als der bereits erwähnte Münchhausen. Seine frühere Armut, sein Frauenverschleiß, die Tobsuchtsanfälle. Was ist Wahrheit, was Legende?

Viele machen den Fehler, Kinskis Leben als Tragödie zu betrachten. Sicher: Er verschleuderte sein enormes Talent und wirkte in einigen der schlimmsten Filmgurken mit, die je die Leinwand eines Bahnhofskinos besudelt haben. Er hat die Millionen, die er mit diesen Fließbandproduktionen scheffelte, in Rekordzeit zum Fenster hinausgeworfen und starb letztendlich als armer Mann. Doch eigentlich sollte man neidisch sein auf seine pure Lust am Leben. Er hat wohl alles ausprobiert, was ging.

Eines meiner Lieblingszitate des unvergleichlichen Michael Caine lautet: »Viele Menschen leben ihr Leben, als wäre es eine Generalprobe. Leute, wacht auf, das Stück hat bereits begonnen! Ihr tragt Eure Kostüme! Mehr Chancen habt ihr nicht.« Mit anderen Worten: Mach mir den Kinski!

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Hallelujah – das Ende ist nah!

lesenWann immer ich mit meinem Freund Jörn telefoniere, kommt es im Verlauf unseres Gesprächs zu einer hitzigen Debatte über das digitale Lesegerät aus dem Hause Amazon, dem »Kindle«. Während Jörn der Meinung ist, so ein Ding sei praktisch, weil platzraubende Bücherregale damit überflüssig wären, vertrete ich genau die entgegengesetzte Meinung. Meine Bücherwand ist nämlich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Sie ist mit den Jahren stetig gewachsen und hat sich mit mir verändert.

Wenn ich so auf die vielen Buchrücken schaue, sehe ich, wie lang der Weg ist, den wir zusammen zurückgelegt haben, meine Bücher und ich. In einer der untersten Reihen findet man eine illustrierte Version des »Dschungelbuchs«, das ich als Kind geradezu verschlungen habe. Unmittelbar daneben stehen diverse Comicbände mit einer berühmten Ente im Matrosenanzug. Natürlich darf bei meiner Aufzählung auch ein inzwischen total zerfleddertes Buch über alte Segelschiffe nicht fehlen, das ich so oft durchgeblättert habe, bis sich die Seiten lösten. Gerade deshalb wird es immer einen Ehrenplatz in meinem Regal haben.

Viele Bücher, die früher zu meinen Schätzen zählten, fristen heute ein Dasein in meinem Keller. Besonders die Comics, die ich damals geradezu verschlang. Inzwischen weiss ich, dass ich die vielen Hefte und Alben nie wieder durchblättern werde. Sie gehören zur Vergangenheit, der ich entwachsen bin. Um nicht von den Büchern verschlungen zu werden, mustere ich jedes Jahr Urlaubslektüre oder Titel, die ich spontan auf Grabbeltischen erworben habe, aus. Natürlich auch alle Bücher, die mir heute einfach nur peinlich sind. Das Dumme ist nur, dass sich in meinem Keller inzwischen fast so viele Bücher befinden, wie in meinen vier Wänden. Insgesamt 40 Kisten. Das macht jeden Umzug zum Horrorszenario. Ein gutes Argument für digitale Bücher.

Einige Bücher in meinem Regal sind inzwischen Sammlerstücke. Ein paar davon sogar signiert und mit einer Widmung versehen. Einige habe ich von Menschen geschenkt bekommen, die mir sehr viel bedeutet haben. Mit jedem dieser Bücher ist ein Stück Erinnerung verbunden. Nie würde ich mich von ihnen trennen. Ein kleiner Teil meines Regals ist auch für meine eigenen Werke reserviert. Ich bin selbst erstaunt, wenn ich sehe, wie viel ich in den letzten Jahren geschafft habe. Bei aller Selbstkritik bin ich auf diese Leistung stolz. Können ein paar Textzeilen auf einem Lesegerät ähnliche Gefühle auslösen?

Einer der Vorteile der digitalen Bücher ist, dass man in Zukunft alle Titel sekundenschnell aus dem Internet herunterladen kann. Der Weg zum Buchhändler würde damit der Vergangenheit angehören. Aber wäre das wirklich ein Vorteil? Ich liebe es in Buchhandlungen herumzustöbern. Oft entdeckt man durch Zufall Titel, von denen man nie zuvor gehört hat; oder man erwischt ein preisreduziertes Mängelexemplar, dessen einziger Mangel der Stempelaufdruck »preisreduziertes Mängelexemplar« ist. Es sind die kleinen Erfolgserlebnisse des Alltags, um die man sich bringen würde. Sind wir wirklich so träge?

Noch schlimmer finde ich jedoch, wie viele Buchhändler inzwischen diverse Lesegeräte anbieten und so mithelfen ihr eigenes Grab zu schaufeln. Auch die Verlage sehen in erster Linie nur eine höhere Gewinnspanne, falls die Papier- und Druckkosten, der Vertrieb, die 15 Prozent für den Großhandel und die 30 Prozent für die Buchhändler eines Tages wegfielen. Wenn die Leser der Zukunft den neuen Dan Brown direkt von der Website des Verlags downloaden würden, was könnte man für einen Reibach machen! Allerdings: Was sollte Erfolgsautoren wie Dan Brown davon abhalten, ihr nächstes Buch auf der eigenen Website anzubieten?

Ein Blick auf den desolaten Zustand der Musikindustrie würde den Buch-Machern vielleicht die Augen öffnen; denn jeder noch so gute Kopierschutz kann geknackt werden. Die verlockende Aussicht auf kurzfristige Profite scheint einigen Verlagen den Blick auf die langfristigen Konsequenzen zu versperren, die sich ergeben können. Aus Angst einen Trend zu verpassen, stürzen sie sich begierig wie die Lemminge in den Abgrund.

Den besten Kopierschutz bietet immer noch das gedruckte Buch. 300 gute Computerausdrucke sind fast so kostspielig wie ein Taschenbuch. Natürlich kann man mit einem Scanner und einer guten OCR-Software jeden noch so dicken Schmöker selbst digitalisieren. Doch das ist eine Mordsarbeit. Wer schon mal ein komplettes Buch auf dem Fotokopierer vervielfältigen musste, weiss wovon ich spreche. Der Buchhandel bleibt deshalb die letzte Bastion gegen die mittlerweile unkontrollierbare Internet-Piraterie. Andernfalls werden wohl nur noch ältere Leser, die zu blöd sind Unterhaltungsmedien im Internet zu klauen, den Buchmarkt der Zukunft finanzieren.

Kleinstverlage, windige Geschäftemacher und Hobbyautoren sehen diese Entwicklung dagegen als große Chance – da sie nichts zu verlieren haben. Durch die unnötig gewordenen Druckkosten und Vertriebswege könnte ein goldenes Zeitalter der Literatur anbrechen, schwärmen einige Optimisten bereits. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass eine monströse Lawine dilettantisch hingeschluderter »eBooks« auf den digitalen Buchmarkt einbrechen wird, vor der uns die herkömmlichen Mechanismen des Buchhandels bislang verschont haben.

Neulich erzählte mir Jörn, dass er vorhat, sich ein »iPad« zu kaufen. Nicht um damit Bücher zu lesen, sondern um das gute Stück beruflich zu nutzen – und natürlich für die digitale Ausgabe seiner Tageszeitung. Das »iPad« ist zwar im Moment nichts anderes als ein übergroßer »iPod Touch«, doch man kann mit dem größeren Touchscreen allerlei nette Sachen anstellen, die sogar mich begeistern. Natürlich hat Apple dieses Gerät nur auf den Markt gebracht, um dem »Kindle« das Wasser abzugraben. Doch wenn selbst ein renitenter Kauz wie ich mit dem Gedanken spielt, sich so ein Teil zuzulegen, dann sollte man sich um die Zukunft wirklich Sorgen machen. Daher mein Rat, liebe Brüder und Schwestern: Lasset uns das »Kindle« mit dem Bade ausschütten. Und das »iPad« hinterher! Hallelujah!

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DatenautobahnNatürlich interessiere ich mich auch für die Gegenwart, doch oft übt die Vergangenheit eine viel größere Faszination auf mich aus. Gerade in den Wintermonaten, in denen das kalte Wetter geradezu zum Herumstöbern im Internet einlädt. Große Männer wie Groucho Marx, Orson Welles oder John Huston, wo gibt es die noch? Oder welche Frauen können mit Karen Dinesen oder Katherine Hepburn konkurrieren?

Außergewöhnliche Menschen scheint man heutzutage nur in der Vergangenheit anzutreffen. Wir armen Seelen, die unsere traurige Existenz in der Gegenwart fristen, müssen uns mit Dieter Bohlen und Lady Gaga begnügen. Doch wie Humphrey Bogart sagen würde: »Uns bleibt ja immer noch Paris … Hilton.« Hier also wieder einige interessante Fundstücke aus der Vergangenheit.

Rackhams Recken

Der ehemalige Journalist Arthur Rackham war Anfang des 20. Jahrhunderts einer der erfolgreichsten Illustratoren Englands. Die prächtigen Zeichnungen, die er für »Peter Pan«, »Alice im Wunderland« oder den »Sommernachtstraum« schuf, gerieten in späteren Jahren leider in Vergessenheit. Vielen waren sie nicht mehr zeitgemäß genug. Dabei haben Rackhams Zeichnungen etwas geradezu Visionäres. Besonders die Illustrationen, die er 1910 zu Richard Wagners Epos »Der Ring des Nibelungen« zu Papier brachte, zählen mit zum Schönsten, was ich je gesehen habe.

Steinalte Stories

Wer sich für die legendären Marx-Brothers interessiert, findet auf der Seite »Marx Out of Print« steinalte Zeitschriften-Artikel und Interviews mit den Kult-Komikern, die bis ins Jahr 1937 zurückreichen. Darunter das Buch-zum-Film von »Eine Nacht in Casablanca« (1946) und einen interessanten Bericht über Harpos letzten Auftritt. Meist steht allerdings Groucho im Mittelpunkt des Interesses. Einige der Scans sind zwar eine Zumutung, doch einem geschenkten Gaul sollte man nicht ins Maul schauen.

Kommunikativer Komiker

In seinen letzten Lebensjahren traf man Filmkomiker Stan Laurel wohl meist vor seiner elektrischen Schreibmaschine sitzend an. Damals lebte er fast vergessen in einem bescheidenen Apartment in Santa Monica. Nur Jerry Lewis schickte ihm regelmäßig seine aktuellen Drehbücher, damit Stan Verbesserungsvorschläge machen konnte. Allerdings bekam auch jeder andere, der Laurel einen Brief schickte, garantiert eine Antwort. So entstanden tausende von Briefen, die er für Fans und Freunde tippte. Immerhin 927 dieser Dokumente kann man Online lesen. Liebevoll wurden sie vom Webdesigner nachempfunden. Sogar mit dem jeweiligen Briefpapier, das jeweils in einem gesonderten Link abrufbar ist. In seinen Briefen erzählte Laurel Tiefschürfendes, Banales und natürlich viel über seine Zeit mit Oliver Hardy. Für Fans ein Muss.

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Nico Walser trägt Pantoffeln mit Stahlkappe

Pantoffel PunkNico Walser ist kein Schriftsteller, obwohl er gute Geschichten schreibt, er ist kein Liedermacher, obwohl er schöne Songs singt, und er ist auch kein Kabarettist, obwohl er lustig ist. Oder besser: weil er lustig ist.

Wenn Journalisten, die dazu verdammt sind, jeden Monat 76 CD- oder Buchrezensionen zu schreiben, damit die Kasse stimmt, derartige Texte beschreiben sollen, greifen sie gerne auf den Begriff »Komik des Alltags« zurück. Das kann alles sein, sie liegen damit nie falsch und es klingt konkret genug, um den Eindruck zu erwecken, man hätte sich den Kram auch tatsächlich angehört oder durchgelesen.

Auch das Werk von Nico Walser, Pantoffel Punk, ließe sich vielleicht damit ganz gut beschreiben: »Montag ist ein Arschloch« behauptet er, und da stimmt dann auch jeder zu und in den Refrain mit ein. Auch den »Arsch-aus-der-Hose-Mann«, das »Hüfthosenmädchen«, den »Laubbläser-Mann« und die »Brezelverkäuferin der deutschen Bundesbahn« kennt jeder. Die ersten beiden sieht man immer auf Familienfeiern, der »Laubbläser-Mann« macht den Montagmorgen zum Arschloch, und die Brezelverkäuferin ist man vielleicht selbst, irgendwie muss man ja sein Studium finanzieren.

Über all diese Menschen hat Walser Lieder gemacht. Er singt sie mit einer – im besten Sinne! – »knödeligen« Stimme, spielt dazu Gitarre oder Ukulele oder lässt einen Hintergrundchor singen. Das Beste aber ist, wenn Nico diese Songs in seine Shows einbettet, wenn er sich um Kopf und Kragen parliert und wenn er so ganz nebenbei noch Geschichten erzählt, z. B. wie er mal einen Nachmittag Pornos »synchronisiert« hat – wozu das gut sein soll, weiß niemand, er selbst auch nicht, denn auf Dialoge und Dramaturgie wird in dieser Branche ja noch weniger Wert gelegt als bei einem durchschnittlichen deutschen Krimi.

Mein Lieblingslied ist übrigens das über die »Programmmacherfrau eines soziokulturellen Zentrums«: »Sie liest am liebsten Schriftsteller aus Lateinamerika oder dem Iran, wie sie schreiben ist egal, Hauptsache sie wurden dafür gefoltert.« Diese Bösartigkeit macht ihn sympathisch. Walser beschreibt sich selbst als »Ozzy Osbourne, gefangen im Körper von Patrick Lindner«, als »Bon Scott, gefangen im Körper von Helmut Lotti« und als »Max Goldt-Buch, gefangen im Körper eines Buches von Rosamunde Pilcher«.

Vielleicht ist er aber auch Nico Walser im Körper von Nico Walser – und das wäre doch auch schon was.

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DatenautobahnSeltsamerweise scheinen viele Leute zu denken, ich verbringe meine gesamte Freizeit vorm Computer, um die Links, die ich hier in regelmäßigen Abständen präsentiere, aufzutreiben. Keine Angst: In Wahrheit sind es nur wenige Seiten, die ich regelmäßig besuche, um interessante Dinge zu entdecken. Und das dauert meist nur eine Kaffeetassenlänge.

Was mich interessiert? Natürlich das Abseitige, das Schräge und das fast Vergessene. Kuriose Radiohörspiele, Musik jenseits der Charts, ungewöhnliche Bücher, seltene Filmdokumente und alte Comics. Hier sind wieder ein paar Beispiele:

Prollige Plakate

Obwohl die Streifen, die mit ihnen beworben wurden, niemals meine Augäpfel besudeln werden, liebe ich alte C-Film-Plakate. Lächerliche Aliens, abgehalfterte Stars und natürlich jede Menge lasterhafter Frauenzimmer – all das findet man auf der »Wrong Side Of The Art«, eine Sammlung der »schlimmsten« Filmplakate aller Zeiten. Nur dort reichen sich Trash, billiger Sex und unfreiwillige Komik die Hand. Wer über einen starken Magen und den entsprechenden schlechten Geschmack verfügt, kommt hier garantiert auf seine Kosten.

Clevere Comicer

Wer wissen möchte, was die Comic-Legenden Stan Lee, Jack Kirby, Will Eisner und Jim Steranko 1975 auf der »San Diego Comic Convention« zu sagen hatten, sollte hier reinhören. Wie immer war ein findiger Fan an Ort und Stelle, um die Weisheiten der Comic-Gurus für die Nachwelt festzuhalten. Auch der Schriftsteller Ray Bradbury war in jenem güldenen Jahr vor Ort, um über seine Liebe zu den bunten Bildern zu schwadronieren. Die Freunde des Groben können hingegen den Worten des damals blutjungen Karate-Holzhackers Chuck Norris lauschen. Allerdings sollte man nicht zu viel erwarten. Die Gespräche jener Herrschaften haben leider nur die Tiefe einer handelsüblichen Sperrholzplatte.

Flennende Filmemacher

Einer der größten Unfälle der Filmgeschichte, war der nie aufgeführte Streifen »Der Tag, an dem der Clown weinte« von und mit Jerry Lewis, in dem der Komiker einen erfolglosen Clown spielt, der im KZ landet, um dort seine wahre Berufung zu entdecken. Der 1972 gedrehte Film landete aufgrund von Rechtstreitigkeiten im Giftschrank. So blieb die erste KZ-Komödie Roberto Begnini vorbehalten. Die Wenigen, die einen Rohschnitt gesehen haben, halten ihn für eine der größten Geschmacklosigkeiten aller Zeiten. Jerry dagegen erhoffte sich damit ein Comeback. Die einzige Kopie befindet sich heute im Tresor von Mr. Lewis. Neugierige, die mehr über diesen berüchtigten Film erfahren wollen, sollten hier reinschauen.

Sensationelle Seiten

Die Mutter aller Unterhaltungsblätter war die amerikanische Wochenzeitschrift LIFE. Wer dort auf dem Titelbild erschien, hatte es im Showbusiness geschafft. »Stern«, »Bunte« und »Quick« versuchten im Nachkriegsdeutschland mehr oder weniger erfolgreich, das Konzept zu kopieren. Vier Jahrzehnte versorgte die Zeitschrift ihre Leserschaft mit erstklassig geschriebenen Reportagen, sensationellen Fotos und ganz viel Klatsch: Von den (damals) aktuellen Filmen der Marx-Brothers, dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu Marilyn Monroe und der Mondlandung. Im Internet kann man nun kostenlos das komplette Archiv des legendären Magazins nutzen – inklusive Suchfunktion. Wer Zeitgeschichte hautnah erleben oder einfach nur schmökern möchte, ist hier goldrichtig.

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Sacha Brohms Schatztruhe

Sacha Brohms glitzerndes Schatzkästlein voller funkelnder AlltagsmärchenAb und an kommt es vor, dass man mich einen humorlosen Klotz schilt. »Schilt« ist ein schönes Wort – es ist noch schöner als »Schild« und noch viel schöner als »Schuld«. Schuld ist überhaupt nicht schön – man wird sie oft auch nicht wieder los.

Humorlos schelten mich die Leute, die Dinge lustig finden, über die ich selbst nicht lachen kann. Zum Beispiel Mario Barth, wobei Mario natürlich kein Ding ist, sondern durchaus ein Mensch. Oder zumindest ein Comedian. Einmal habe ich versucht, einer Abendshow von ihm im Fernsehen zu folgen und mich immer sehr über die Werbepausen gefreut. Witzig fand ich nur ein Zwiegespräch von ihm mit den Lebensmittelresten in seinem Kühlschrank. Ein Dialog auf Augenhöhe sozusagen.

Was ich dagegen lustig finde sind Lesebühnen. Sie bieten viele Vorteile: Man kann dort Leute treffen, muss sich aber nicht mit ihnen unterhalten, weil man ja den Vorlesern zuzuhören hat. Sacha Brohm ist einer von diesen Lesebühnenautoren, denen man zuhören sollte. Derzeit ist er Ensemble-Mitglied bei »Sitzen 73« aus Bielefeld.

»Mehrere Aspekte machen den Tod unattraktiv«, schreibt Sacha Brohm, »tritt er nämlich ein, kann man nicht mehr sprechen, man kann nicht mehr Einkaufen gehen und alle Bekannten und Verwandten leben meistens noch weiter, das heißt, man ist ziemlich allein, wenn Herr Tod zugeschlagen hat. Alles, was man sich so angewöhnt hat, ist nicht mehr machbar, und jeder, der schon mal die Arme und Beine eingegipst hatte, der weiß, wie frustrierend das sein kann. Tod ist noch mal eine Stufe härter als Gipsverbände, denn man kann nicht mal darauf hoffen, bald wieder alleine auf Toilette gehen zu können. Der Lebende ist hier ganz klar im Vorteil.«

So nonchalant schreiben nur wenige Autoren über den Zustand, der dem Sterben folgt und in einem möglicherweise unverdient schlechten Ruf steht. Wir wissen ja nicht, wie es sich so anfühlt, tot zu sein, und können daher nur Vermutungen anstellen.

Nachlesen kann man das, wenn man sich das nicht vorlesen lassen will, in einem Buch. Es heißt: »Sacha Brohms glitzerndes Schatzkästlein voller funkelnder Alltagsmärchen«. Dort findet man auch Texte über behaarte Männer. Ich kann mir ein Leben ohne behaarte Männer durchaus vorstellen – ein Leben ohne ein Buch über sie, wäre jedoch ein Irrtum, wie schon Nietzsche (oder so) wusste.

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Stimmen aus der Vergangenheit

Billige Groucho ImitationSeit Weihnachten hocke ich fast jeden Tag mehr als zehn Stunden vor dem Rechner, um die Farben meiner alten Cartoons zu ändern.

Damit die Hirnzellen bei solch stumpfsinniger Tätigkeit nicht vollends absterben, höre ich dabei seit einigen Tagen alte Aufzeichnungen aus der goldenen Zeit des amerikanischen Radios (die 30er und 40er Jahre). Woody Allen hat dieser Ära in seinem Film »Radio Days« ein wunderbares Denkmal gesetzt.

Es ist schon merkwürdig, die Werbung jener Jahre, die Witze über Lebensmittelmarken und die patriotischen Aufrufe zu hören. Gerade während des Zweiten Weltkriegs war das Radio das Medium, das alle miteinander verband. Die Macher jener Sendungen waren damals ebenso bekannt wie Filmstars. Folgerichtig traten viele Filmstars auch im Radio auf, um ihre Popularität zu steigern. Für Wortakrobaten wie Jack Benny, Bob Hope und Groucho Marx war es die ideale Plattform, um sich auszutoben.

Buchadaptionen, Quizshows, Sitcoms und viel Musik natürlich – alles, was man heute im Fernsehen sieht, konnte man auch damals live im Radio erleben. Nur damals waren die Ideen tatsächlich neu. Das Fernsehen war es auch, das jener goldenen Epoche ein Ende bereitete. Schade, denn vieles, was den Radiohörern vor siebzig Jahren geboten wurde, ist weitaus unterhaltsamer, als die monotone Unterhaltungspampe unserer Fernsehsender. Das Fernsehen sei eine »Phantasieprothese« las ich neulich. Ich denke eher, dass es uns alle erst zu »Phantasiekrüppeln« macht.

Der König des Radios war Multitalent Orson Welles. Mit dem legendären Hörspiel »Krieg der Welten« versetzte er ganz Amerika in Angst und Schrecken. Selbst Hitler ging in einer Rede auf dieses Ereignis ein. Bevor Welles nach Hollywood verschwand, um sein Meisterwerk »Citizen Kane« zu drehen, war er Woche für Woche mit seinem »Mercury Theatre On The Air« (später das »Campbell Playhouse«) in den amerikanischen Wohnstuben zu Gast, um klassische Theaterstücke, Filme oder populäre Romane fürs Radio zu adaptieren. Welles’ Bildungsprogramm war dabei alles andere als langweilig, denn er und seine Truppe waren, wenn es sein musste, hemmungslose Schmierenkomödianten, die vor nichts zurückschreckten. Als Gastmoderator der »Jack Benny-Show« konnte Welles hingegen beweisen, dass er auch komisch sein konnte. Im Museum Of Orson Welles findet man etliche Sendungen aus jener Schaffensperiode des Meisters.

Die wortgewaltigste und schillerndste Figur des Radios war zweifelsohne Groucho Marx. Als die Filmkarriere der Brüder Marx in den Vierzigern abebbte, startete der geschäftstüchtige Groucho eine lange Solokarriere als Quizmaster. Allerdings war »You Bet Your Life« keine altbackene Sendung mit dauergrinsendem Moderator, wie wir sie heute kennen. Groucho benutzte seine Gäste eher wie heute Kurt Krömer: als Stichwortgeber – nur viel, viel witziger. Später, als das Fernsehen seinen Siegeszug antrat, wechselte er das Medium und hatte auch dort über viele Jahre immensen Erfolg. Einige seiner komischsten Radiosendungen findet man hier.

Bevor Dean Martin und Jerry Lewis die Leinwand eroberten, konnten sie 1948 ihre Familientauglichkeit in einer (recht formelhaften) Radiosendung perfektionieren. Bis dahin traten sie mit wesentlich zotigerem Material hauptsächlich in Nachtclubs auf. Das Interessanteste an ihren Sendungen waren die illustren Gaststars, die sich Woche für Woche die Klinke in die Hand gaben: Marlene Dietrich, Boris Karloff, Frank Sinatra und Burt Lancaster sind nur einige von ihnen. Wer Jerry Lewis jedoch im Original gehört hat, kann verstehen, dass die Hälfte der Amerikaner ihn am liebsten auf den Mond geschossen hätte. Hier einige Episoden.

Selbst Stan Laurel und Oliver Hardy versuchten sich während ihrer letzten Jahre in Hollywood an einer eigenen Sendung. Doch ihre Popularität in Amerika war damals auf dem Tiefpunkt. So entstand lediglich eine Pilotsendung mit dem Titel »Mr. Slater’s Poultry Market« (1943), in der unsere Freunde mit zwei Profikillern verwechselt werden. Unglücklicherweise ist der Humor dieser Sendung genau so nett und harmlos wie in ihren letzten Filmen. Die Komik von Mr. Laurel und Mr. Hardy ist nun mal zum großen Teil rein visueller Natur und daher fürs Radio nur bedingt geeignet. Trotzdem bleibt es ein nettes Fundstück, das über Jahrzehnte als verschollen galt.

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