Wenn ein wortmax auf Reisen geht, muss die Sonne scheinen und gerade irgendwo eine Veranstaltung stattfinden, die mit Büchern zu tun hat. So wie letzte Woche, als die Sonne schien und in Leipzig eine Veranstaltung stattfand, die mit Büchern zu tun hatte. Mit vielen Büchern. Richtig! Die Leipziger Buchmesse hatte wieder einmal ihre Tore geöffnet, und alle waren sie gekommen, die Rogers und die Dieters und die Henryks und auch der wortmax.
Nur mein treuer Messebegleiter, Herr Weyershausen, konnte dieses Mal nicht dabei sein. Er war wegen eines arbeitsintensiven Buchprojekts an seinen Zeichentisch gefesselt und hatte zu zeichnen und zu zeichnen, statt gemeinsam mit mir die Keksschalen der uns (noch) wohl gesonnenen Verlage zu plündern und des Abends in pseudo-literarischer Atmosphäre über eine leckere Thomaskirchen-Pizza herzufallen. Der arme Kerl, er hat was verpasst.
Luzia Braun zum Beispiel. Die Moderation von ZDF-Aspekte hat sie unlängst abgegeben, aber auf dem Blauen Sofa kann man sie noch sehen. In diesem Frühjahr teilte sie das berühmte Sitzmöbel u. a. mit der Radiomoderatorin Marion Brasch, der ich im Mai 2005 schon einmal zugehört hatte, als sie zusammen mit T.C. Boyle und Jan-Josef Liefers die Berliner Kulturbrauerei rockte. Nun hat sie selbst ihren ersten Roman veröffentlicht, »Ab jetzt ist Ruhe« (Verlag S. Fischer), in dem sie in fiktiver Ausschmückung die nicht unspannende Geschichte ihrer Familie erzählt. Das Werk liegt ziemlich weit oben auf dem Stapel mit Büchern, die ich gerne lesen und für den Boylevard besprechen möchte.
Verpasst hat Herr Weyershausen auch den würzigen Sauvignon Blanc und die köstlichen Mini-Waffeln mit Käsefüllung, die am Stand der Frankfurter Buchmesse serviert wurden. Nein, keine Bange, ich berichte hier nicht von der Grünen Woche, sondern immer noch von der Leipziger Buchmesse, wo der große Buchmessenbruder aus Frankfurt sein nächstes Gastland vorstellte: Neuseeland. Wie ich jetzt weiß, sind die Neuseeländer bekannt für ihren würzigen Sauvignon Blanc und für köstliche Mini-Waffeln mit Käsefüllung. Und ab Herbst, wenn über die Büchershow in Frankfurt berichtet wird, vielleicht auch für ihre Literatur.
Jedenfalls hielt ich es für angebracht, einen Tag später noch einmal bei den gastfreundlichen »Kiwis« vorbeizuschauen und den Autoren Elizabeth Knox und Damien Wilkins zuzuhören, die über ihre Werke und die Literatur in Neuseeland sprachen. Was sie erzählten (bzw. was ich ohne die Unterstützung der über Kopfhörer mitplappernden Simultandolmetscher verstehen konnte), machte neugierig. Man darf gespannt sein, wie sich das Land vom anderen Ende der Welt in Frankfurt präsentieren wird.
Mein lieber Freund Stefan meinte ja (während wir gemeinsam die käsegefüllten Mini-Waffeln futterten und uns eine exotisch aussehende Dame noch einmal ordentlich nachschenkte), Neuseeland sei einst die Strafkolonie der Australier gewesen. Ein böser Witz. Ein sehr böser Witz.
Aber so sind sie, die Bewohner aus der Nachbarstadt: Kaum erreicht ihr Fußballteam mit viel Losglück mal ein europäisches Viertelfinale, schon werden sie überheblich. Doch es macht Spaß, ihnen dabei zuzusehen – wissend: Hochmut kommt vor dem Fall -, und so fand ich mich am Donnerstagabend zunächst in einer Sportsbar wieder und drückte zum ersten Mal in meinem Leben heimlich einer belgischen Fußballmannschaft die Daumen.
Danach ging es zu viert ins Café Waldi, wo wir u.a. über die Gewinner des diesjährigen Preises der Leipziger Buchmesse spekulierten. Anders als beim Fußball legte mein lieber Freund Stefan hier viel Sachverstand an den Tag. Mit seinen Tipps in den Kategorien »Übersetzung« und »Essay/Sachbuch« lag er goldrichtig. Fachkundig stellte er mir auch eine neue Biersorte vor: den Augustiner Edelstoff. Hat lecker geschmeckt. Merkwürdig nur, dass das Getränk recht unedel in Flaschen serviert wurde.
Übrigens soll auch Henryk M. Broder im Café Waldi gewesen sein, angeblich direkt hinter meinem Rücken. Gern hätte ich gelauscht, was er so ganz ohne Mikros und Kameras im Schummerlicht einer kleinen Leipziger Lokalität von sich gibt. Doch als ich hörte: »Hey, war das eben nicht Henryk M. Broder?«, war er auch schon draußen und weg.
Also musste ich am nächsten Messetag zum Literaturkolloseum der Leipziger Volkszeitung latschen, um den streitbaren und streitlustigen Journalisten reden zu hören. Leider waren die hier eingenommen Plätze erneut eher ungünstig – mit dem Unterschied, dass Broder dieses Mal nicht hinter meinem Rücken saß, sondern ich hinter seinem. Aber was soll’s? Wichtiger ist ja, was vorne rauskommt, und nicht, was man von hinten sieht. Und hören, konnte ich Broder in der LVZ-Arena gut. Aber konnte ich ihn auch immer verstehen?
Am Freitagabend stand dann das erste offizielle tcboyle.de-Treffen auf dem Programm, in einem kleinen, gemütlichen italienischen Restaurant nahe des Hauptbahnhofs. Die Teilnehmer kamen aus Leipzig, Halle, Magdeburg, Braunschweig, Düsseldorf und dem Westerwald. Es war ein schöner Abend mit vielen interessanten Gesprächen – und sogar mit exklusiver Live-Musik.
Unter den Teilnehmern war nämlich auch Jurek, seines Zeichens Berufsmusiker. Als wir im Laufe des Abends thematisch von T.C. Boyle und seinen Romanen abwichen, was übrigens mehrfach geschah, und auf Woody Allen zu sprechen kamen, holte er auf einmal unaufgefordert seine Klarinette hervor und verwandelte das Restaurant Piccola mit zwei Jazzklassikern in Michael’s Pub.
Wiederholt bedauerte ich, dass Herr Weyershausen nicht dabei sein konnte. Denn nachdem wir bei einem Messebesuch in Frankfurt mal versehentlich in eine Bar geraten waren, in der Berufsmusiker in Smokings ihren Feierabend feierten, weiß ich, unser tcboyle.de-Abend hätte ihm gefallen. Und sicherlich auch die Party der jungen Verlage, die traditionell den Messefreitag beschließt und wo mir inzwischen regelmäßig der Herr Nagel über den Weg läuft. Dazu mein Tipp für alle Leserinnen und Leser dieses Blogs aus Braunschweig und Umgebung: Im April/Mai ist Nagel mit einer Ausstellung und Lesung im Café Riptide zu Gast. Ich werde auf jeden Fall vorbeischauen.
Besuche beim Hanser Verlag und Schwarzkopf & Schwarzkopf gehören wegen T.C. Boyle und der eigenen Bücher bei jeder Messe zur angenehmen Pflicht. Hier schaute ich am Samstag, den letzten Tag meines Aufenthalts in Leipzig, vorbei. Und ich traf mich mit Gilbert Dietrich, einem lieben Kollegen, den ich über die Websites kolumnen.de und tcboyle.de schon seit vielen Jahren kenne. Nur persönlich waren wir uns bisher noch nicht begegnet. Jetzt hat es endlich einmal geklappt. Eine gute Gelegenheit, auf sein philosophisches Webprojekt Geist und Gegenwart hinzuweisen, zumal dort das Lebensglück eine wichtige Rolle spielt, und davon können wir ja alle etwas gebrauchen.
War’s das? Nicht ganz! Auf Empfehlung meines lieben Freundes Stefan bin ich am Samstag noch zum Stand des Eulenspiegel Verlages gestiefelt, weil dort ein gewisser Morten Grunwald Bücher signierte, besser bekannt als Benny von der Olsenbande, ein Held meiner Kindheit. Ihn auf der Buchmesse anzutreffen, fand ich »mächtig gewaltig«.
Leider war es so gut wie unmöglich, an ein Autogramm zu kommen, und leider sieht Benny heute gar nicht mehr aus wie Benny, sondern eher wie Kjeld. Er hat auf der Buchmesse in Leipzig auch kein eigenes Buch signiert, sondern die Biografie seines 2004 verstorbenen Filmpartners Ove Sprogøe, besser bekannt als Egon Olsen. Der hatte in den Olsenbande-Filmen immer das, was mir bei meinen Besuchen auf Buchmessen oftmals fehlt: einen Plan!

Nächste Woche ist es endlich wieder soweit: Der März beginnt. Bis die Bäume erblühen, dauert’s noch ein Weilchen, aber ich bekomme schon wieder Triebe. Denn die
Packt das Popcorn aus und macht es Euch bequem, liebe Freunde. Heute ist Kino angesagt. Wer sich für Comics interessiert und sich immer gefragt hat, was für komische Käuze freiwillig ihr ganzes Leben gebeugt über einen wackligen Zeichentisch verbringen, dem wird gleich geholfen. Zwar gab es schon immer Berichte über Cartoonisten, doch seriöse Dokumentationen werden erst seit wenigen Jahren gedreht.
Was gibt’s Silvester zu feiern? Dass wir dem Tod wieder ein Stück näher gekommen sind? Diese Frage wirft Woody Allen in seinem Film »Whatever works« auf. Da kann man nur hoffen, dass das neue Jahr nicht beginnt wie einst das Jahr 1966.
Ein Kollege erzählte mir vor einigen Jahren, dass unser »Lebenswerk«, welches wir hinterlassen, das Wichtigste für uns sein sollte. Unsinn, hätte ich da am liebsten erwidert. Marlene Dietrich hatte sich, um ihren Mythos unbeschädigt zu lassen, das letzte Jahrzehnt ihres Lebens in ihrer Wohnung verbarrikadiert. Sie starb einsam und krank.
Weiß hier eigentlich jemand, was eine Gammeltimpe ist? Oder eine Gackerröhre?
Normalerweise gehen mir Band Reunions auf den Keks. Denn oft ist es ja so, dass Fans mit der schwülstigen Ankündigung einer großen Abschiedstournee in die Konzerthallen gelockt werden. Und wenn dann eine zerstrittene Formation nach ein paar Jahren – tadaa! – doch wieder einträchtig auf der Bühne herumhüpft, weil die geplanten Solokarrieren nicht so recht zünden wollten, fühlt man sich als Konsument irgendwie verschaukelt.
Das Geschäft mit den Comics ist leider alles andere als komisch – besonders in den USA. Lange Stunden am Zeichentisch, keinen Urlaub, ohne Kranken- oder Altersversicherung. Viele Karrieren enden traurig. Zeichner Dave Cockrum starb zum Beispiel in völliger Armut. Dabei war er einer derjenigen, die den späteren Filmerfolg »X-Men« aus der Taufe hoben. Comics liebte er bis zum Schluss: Cockrum wurde in seinem Superman-Pyjama beigesetzt. Die meisten Künstler sind leider keine Geschäftsleute, sondern deren Opfer.
Vor zehn Jahren ging das Bild einer Maus, auf deren Rücken ein
Vor etwa zehn Jahren erschien das erste Buch, an dem ich beteiligt war: 
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