datenautobahn_13Zu den größten Herausforderungen im Lebens eines Freiberuflers gehört es zu arbeiten, obwohl man eigentlich nicht die geringste Lust dazu hat. Während ich dies hier tippe, befinden sich meine Füße in einem Eimer Wasser und im Hintergrund pfeift ein Ventilator aus dem letzten Loch. Wie immer im Sommer gibt es zu viel Arbeit, zu viel Hitze und zu wenig Zeit. Zudem klebt beim Zeichnen die verdammte Hand ständig am Papier fest. Bevor ich also mein Rad raushole, um zum Badesee zu brettern, hier meine neuesten Webtipps.

Idyllische Illus

Webseiten mit alten Illustrationen gibt es viele. Doch wo bitteschön kann man ein Kinderbuch aus den 50ern bewundern, das vom unvergleichlichen André Franquin gestaltet wurde? Die recht kitschige Geschichte »Joyeuses Pâques Pour Mon Petit Noël« erschien ursprünglich als Comic. Dass die Story auch in Prosaform umgesetzt wurde, war mir neu. Danke, liebes Internet!

Herrliche Hackfressen

Wie würden Comicfiguren wohl in der Realität aussehen? Dank moderner Computertechnik ist so etwas leicht zu bewerkstelligen. Nur leider sehen Bart Simpson, Beavis und Butthead, Charlie Brown und Barney Geröllheimer in aufwändiger 3D-Optik aus, als wären sie einer Freak Show entsprungen. Da denkt selbst der größte Computerfetischist: Vielleicht ist es doch ganz gut, dass Tusche und Papier noch nicht ausgestorben sind.

Lässiges Luder

Little Lulu ist in Amerika so etwas wie eine Kultfigur weiblicher Comic-Fans. Ein Klassiker ist sie allemal. Die Kreation von Marjorie Henderson Buell erschien ursprünglich als Gag-Cartoon in der Saturday Evening Post. Wegen des großen Erfolges gab es bald Zeichentrickfilme, erstklassige Comichefte und viel Merchandising-Ramsch mit der frechen Göre. Hier eine kleine Auswahl alter Strips. Seltsamerweise ist Little Lulu das einzige Mädchen, das es mit allen anderen Comichelden aufnehmen konnte. Und seltsamerweise ist sie bei uns fast unbekannt. Weibliche Identifikationsfiguren sind rar in der großen bunten Comicwelt. Warum bloß?

Dröge Drehorte

Die Filmfreaks Dane Sears und Duane Graves hatten eine grandiose Idee. Warum nicht die Drehorte all ihrer Lieblingsfilme aufsuchen und vor Ort die Unterschiede zwischen Film und Realität dokumentieren. Auf ihrer Seite Silver Screen Sites kann man nachprüfen, wie gruselig die Schauplätze von »Misery« wirklich sind, wo genau Al Pacino in »Der Pate« seine Rivalen um die Ecke brachte und auf welcher Parkbank Forrest Gump seine Schachtel Pralinen verputzte. Ernüchternd.

Eckiges Ende

Wenn Computer diese Welt übernehmen, wird alles in handliche Pixel zerlegt. Das zumindest befürchtet Patrick Jean, der mit seinem originellen Kurzfilm »Pixels« einen Vorgeschmack auf die schöne neue digitale Welt liefert. Wolkenkratzer werden hier als Tetris-Blöcke zweckentfremdet, und auch der altehrwürdige Pac-Man meldet sich mampfend zurück.

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mediokraZu dumm, dass ich so feige bin, denn sonst hätte ich längst meinen Traum verwirklicht, eine Bank zu überfallen. Ich bin mir sicher, dass meine Knie vor Angst schlottern würden, wenn ich mit der Wumme in der Hand in den Kassenbereich spaziere, aber ich bin auch überzeugt, ich würde mich danach befreit fühlen wie nie.

Geplant habe ich alles bis ins letzte Detail. Da ich niemanden verletzen möchte, würde ich täuschend echt aussehende Spielzeugpistolen benutzen. Für die Flucht habe ich auch schon clevere Ideen, die ich aber hier nicht verraten möchte. Man weiss ja nie.

Das Korsett, in das wir durch das Leben gezwängt werden, ist mir manchmal fast unerträglich. Jeden Morgen brav aufstehen, zur Arbeit fahren, die Klappe halten, wenn der Chef meckert, sich auf Partys nie daneben benehmen, die Form wahren, sich immer hübsch zusammenreissen … die Liste ist endlos. Als Künstler bin ich da fein raus. Allerdings gelten für uns andere Zwänge, die keinen Deut besser sind. Ich habe schon sehr früh erkannt, dass ich in so einem Korsett nicht leben kann. Allein die Schule war eine Qual!

Ausgerechnet der Film »Butch Cassidy & the Sundance Kid« gab mir einen wichtigen Anstoß. Am Ende gehen unsere Helden in den sicheren Tod, indem sie nur zu zweit – mit gezogenen Revolvern – einer Horde Gesetzeshüter entgegentreten, deren Gewehrläufe längst auf sie gerichtet sind. »Aha, für ein unangepasstes Leben muss man einen Preis zahlen«, dachte ich da.

Auch Bonnie und Clyde, ebenfalls zwei meiner Helden, starben im Kugelhagel der Polente. Sicher, Clyde hätte 66 Jahre alt werden können, wäre er Staubsaugervertreter oder Beamter im mittleren Dienst geworden. Und Bonnie wäre vielleicht im Kreise ihre Urenkel gestorben, statt durchlöchert wie ein Sieb, wenn sie die Laufbahn einer Bürokauffrau eingeschlagen hätte. Aber wer will sich so etwas schon ansehen?

Leute, die immer nur bei grün die Straße überqueren, sind mir ein Gräuel. Warum nicht mutig einen Schluck aus der verdächtig riechenden Milchtüte trinken, statt nur ängstlich aufs Verfallsdatum zu schauen? Deshalb liebe ich alle unangepassten Exoten, die furchtlos die Gitterstäbe unserer Konventionen verbiegen wie Lakritzestangen. Natürlich müssen sie alle einen Preis dafür zahlen. Siehe: Michael Jackson. Fast jeder, der vom geraden Weg der Mittelmäßigkeit abweicht, endet irgendwann im Kugelhagel des Lebens. Doch wir alle hoffen natürlich davonzukommen – wie Bankräuber.

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Gedudel im Hintergrund

GedudelWenn ich schreibe, muss es mucksmäuschenstill sein, beim Zeichnen hingegen ist etwas Gedudel im Hintergrund eher förderlich. Die Zeit vergeht einfach schneller. Deshalb nutze ich die Stunden vorm Computer gern, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern.

Vor ein paar Tagen habe ich entdeckt, dass ich laut iTunes ein Stück schon über 100 mal hörte! Reife Leistung! Zumal ich den Rechner erst seit einem Jahr besitze. Im Schnitt befinden sich etwa 500 Titel in meiner Wiedergabeliste. Mehr finde ich unübersichtlich. Allerdings wird ständig ergänzt und ausgemistet, denn ganz oft habe ich eine CD schneller satt, als man »pneumatische Pneutologie« sagen kann.

Es könnte ja jetzt Einige geben, die sich fragen, was der Herr Kartonist so den lieben langen Tag hört. Ein schnöder Mausklick auf den Zähler enthüllt meine ganz privaten Charts (hier in knackigen Live-Versionen). Biddeschööön:

1. Brand New Day – Joshua Radin
(103 Aufrufe)
Joshua Radin habe ich durch Zufall entdeckt. Die allerletzte Folge von Eli Stone, eine der wenigen Serien, die ich gern gesehen habe, endete zu den Klängen von »Brand New Day«. Neugierig wie ich bin, habe ich mir sofort seine beiden CDs »Simple Times« und »We were here« besorgt. »Brand New Day« ist so ein Titel, der einfach jedwede schlechte Laune vertreibt, finde ich. Ulkigerweise singt ihn Radin bei jedem Auftritt völlig anders. Ich mag die CD-Version, doch auch die etwas flottere Video-Fassung hat was.

2. Clair de lune – Alexis Weissenberg
(58 Aufrufe)
Inzwischen höre ich immer öfter klassische Musik. Wahrscheinlich werde ich alt. Zum Glück dirigiere ich dazu (noch) nicht mit dem Kochlöffel. »Clair de lune« von Claude Debussy ist so schön, dass es seit Jahrzehnten für etliche Filme zweifelhafter Qualität missbraucht wurde. Fast jeder hat es daher schon einmal gehört. Ein unglaublich emotionales, fast kitschiges Stück. Allerdings muss ich gestehen, dass mich der Rest der »Suite Bergamasque« nicht unbedingt aus den Latschen haut. Aber ich bin halt ein Banause.

3. A Change – Sheryl Crow
(52 Aufrufe)
Waren es die aufreizenden Pressefotos in knappen Shorts? Sheryl Crow mochte ich jedenfalls auf Anhieb, obwohl mich ihr Debüt »Tuesday Night Music Club« nicht soooo sehr beeindruckt hat. Die zweite CD tat dies umso mehr. Im Schnitt finde ich auf jedem Silberling nur vier Stücke, die mir gefallen. Hier waren es satte acht. Respekt! Ihre nachfolgenden Scheiben waren indes sehr durchwachsen. Bei »C’mon C’mon« sah ich sie schon als spießige Country-Tusse enden. Doch zum Glück hat sich die gute Sheryl wieder gefangen. »Home« und »A Change« sind bis heute zwei meiner allerliebsten Songs.

4. Girl from the North Country – Bob Dylan/Johnny Cash
(46 Aufrufe)
Bob Dylan fand ich viele Jahre lang einfach furchtbar. Für mich war er ein nölender alter Opa, der dringend etwas wegen seiner verstopften Stirnhöhle unternehmen sollte. Erst im vorletzten Jahr entdeckte ich, dank Martin Scorseses genialer Dokumentation, endlich die Heiligkeit von His Bobness. Obwohl sein Duett mit His Cashness kein Karrierehighlight darstellt, ist »Girl from the North Country« ein wunderbar gefühlvoller Titel, an dem ich mich nie satt höre.

5. Isn’t it a Pity – Bettye LaVette
(36 Aufrufe)
Ich habe schon immer eine Schwäche für exzentrische Frauen gehabt. Vor allem, wenn sie so viel Talent besitzen, wie Bettye LaVette. Mit »INTERPRETATIONS: The British Rock Songbook« hat sie im reifen Alter von 64 erstmals einen Welterfolg gelandet. Besonders ergreifend finde ich »Isn’t it a Pity«, die Coverversion eines George Harrison-Klassikers. Wenn eine gestandene Frau wie LaVette die Dummheit dieser Welt besingt, bekommt der Text sofort eine ganz andere Dimension.

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Prominente Selbstmörder – Teil 2

Das Lexikon der prominenten SelbstmörderVor zehn Jahren erschien das erste Buch, an dem ich beteiligt war: Das Lexikon der prominenten Selbstmörder. Es war immerhin so erfolgreich, dass zwei Auflagen gedruckt wurden.

Weil ich mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden war, habe ich in den Folgejahren, immer wenn ich Zeit hatte, an einer neuen Version gebastelt. Andere Projekte waren jedoch Schuld, dass nie etwas Konkretes daraus wurde. Es war schwer, ein ganzes Menschenleben in wenigen Zeilen abzuhandeln. Zumal es sich um ein Lexikon handelte. Leider sind wir vielen Personen nicht gerecht geworden.

Auch der von mir geschätzte Comic-Zeichner Wallace Wood gehörte zu den Unglücklichen, für die Selbstmord der letzte Notausgang war. Vor einigen Tagen hätte er Geburtstag gehabt. Hier sein bislang nie erschienener Eintrag (der auch schon wieder fünf Jahre alt ist):

WALLACE (WALLY) WOOD
(*17.06.1927, Menagha, Minnesota, + 31.09.1981, Los Angeles, Kalifornien) amerik. Comic-Zeichner

Der Einfluss, den Wallace Wood auf das Science Fiction-Genre ausübte, ist bis heute spürbar. Sein eleganter Strich eignete sich besonders gut für Abbildungen heldenhafter Raumfahrer, die meist leichtbekleidete Vamps vor hässlichen Monstern schützen – ein Klischee, an dem er eifrig mitgestrickt hat. »Woody«, wie ihn seine Freunde nannten, verbrachte einige Jahre bei der Handelsmarine, bevor er 1948 zum Zeichenstift griff. Wood später: »Nachdem ich von fast jedem in der Branche ausgebeutet wurde, fand ich meine Heimat beim guten alten EC-Verlag«.

EC beschäftigte in den fünfziger Jahren grundsätzlich nur Spitzenkünstler. Woods Zeichnungen erfreuten sich durch eine unglaubliche Detailverliebtheit großer Popularität bei den Lesern. Er zählte zu den ersten richtigen »Stars«, die seine Branche hervorbrachte. Am Ende seiner bekanntesten Geschichte, »My World«, tritt er im letzten Bild sogar als Erzähler auf.

Wood gehörte zu den Gründervätern des kultigen Satiremagazins MAD

Zu seinen Fans gehörten etablierte Science Fiction-Autoren wie Ray Bradbury, dessen Geschichten Wood in Comicform umsetzen durfte. Nachdem 1952 das Satiremagazin MAD aus der Taufe gehoben wurde, gehörte er die ersten zwölf Jahre zum festen Mitarbeiterstab.

Äußerlich wirkte der Zeichner bescheiden und schüchtern. Doch hinter dieser Fassade brodelten Hass und Gewaltphantasien, die sich vor allem gegen Redakteure und Art Direktoren richteten, die oft willkürliche Eingriffe in seine Arbeit vornahmen. »Mein Rat: Werde nie Künstler! Es ist viel spaßiger und befriedigender, ein Schmierfink mit einem Titel wie ›Creative Director‹ oder ›beratender stellvertretender Aushilfsredakteur‹ zu sein,« schrieb er verbittert.

Im Laufe der Jahre griff er immer öfter zur Flasche, um sich Luft zu verschaffen, denn nur im Vollrausch konnte er seine Frustrationen herauslassen. Um der Einsamkeit seines Berufs zu entfliehen, engagierte er Assistenten, die ihm in erster Linie als Gesprächspartner dienten. Einer von ihnen verglich später die Arbeitsatmosphäre mit einer Therapiesitzung. Seine eigenen Therapiesitzungen endeten hingegen damit, dass er seine Psychologin heiratete. Die Ehe war jedoch nur von kurzer Dauer.

Alka-Seltzer brachte nicht den erhofften Durchbruch

In den sechziger Jahren wurde seine Anzeigenserie für die Magentablette »Alka-Seltzer« ein nationaler Erfolg. Ein Anderer hätte diese Chance als Karrieresprungbrett genutzt, nicht Wood. Wegen seiner mittlerweile chronischen Unzuverlässigkeit wurde er von MAD gefeuert. Einmal war er sogar als Zeichner für die bekannte Comic-Serie »Prinz Eisenherz« im Gespräch. Es blieb bei einer einzigen Seite.

Trotz seines enormen Talents lief seine Karriere vollends aus dem Ruder. Wood verdingte sich als Vielzeichner bei den großen Comicverlagen, um seine eigenen unprofitablen Lieblingsprojekte zu finanzieren. Bekannte Serien waren »Daredevil« (2003 verfilmt), »T.H.U.N.D.E.R.-Agents« und »Sally Forth«. Oft saß er rund um die Uhr am Zeichentisch – nur wachgehalten von etlichen Litern Kaffee. Sein Stern war am sinken. In den 70ern war er für seine Kollegen nur noch ein ausgebrannter Vielzeichner, der seine besten Jahre hinter sich hatte. Am Ende produzierte er Comics für Hardcore-Pornomagazine.

Nikotin und Koffein waren sein Treibstoff

Während der ganzen Zeit dachte er an ein Comeback. Wood wollte es seinen Kritikern noch einmal so richtig zeigen. Doch der Raubbau an seinem Körper zeigte Folgen. Sein hoher Blutdruck hatte Auswirkungen auf sein Sehvermögen, die Nieren gaben den Geist auf und er erlitt mehrere Schlaganfälle, die ihm das Zeichnen fast unmöglich machten.

Mit Anfang fünfzig war er ein gesundheitliches Wrack, ohne Aussicht auf Besserung. Er kündigte an, lieber sterben zu wollen, als dass er zuließ, an ein Dialyse-Gerät angeschlossen zu werden. Keiner nahm ihn ernst. Doch der Waffennarr machte seine Drohung wahr und schoss sich in den Kopf, genau einen Tag vor seinem ersten Dialyse-Termin.

»Er hatte auf ein Wunder gehofft, dass ihn wieder zu dem sorglosen Achtzehnjährigen machte, als den er sich immer noch sah. Als er einsah, dass so ein Wunder nie passieren würde, sondern er ein Leben voller Unannehmlichkeiten und Abhängigkeit vor sich hatte, war dies mehr, als er verkraften konnte«, meinte sein ehemaliger Assistent Paul Kirchner. Ein anderer Kollege verglich ihn mit einem Dampfkessel, der stets unter Hochdruck stand und sich am Ende selbst ausgebrannt hatte.

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Datenautobahn 12Erwachsene Männer, die in kurzen Hosen herumlaufen und von ihren Freunden »Schweini« gerufen werden, waren mir schon immer höchst suspekt. Vom Trikottausch wollen wir lieber gar nicht reden. Zum Glück hab ich so viel zu tun, dass ich von der Fußball-WM beinahe gar nichts mitbekommen hätte – wären da nicht die lauten Vuvi … äh … Vuzzu … äh … Tröten meiner Nachbarn. Für alle, denen der Rummel langsam auf die Nerven geht, kommt hier wieder mein Angebot aus den unendlichen Weiten des Internets.

Internationale Interviews

Die Paris Review ist ein amerikanisches Literaturmagazin, das seit 1953 existiert und für seine Interviews mit zeitgenössischen Autoren bekannt ist. Einige dieser Gespräche kann man auf der Website des Magazins finden. Darunter Dialoge mit Truman Capote, Paul Auster, Woody Allen, T. S. Elliot, William Faulkner, John Irving und vielen anderen. Ja, es sind nicht ALLE Amis doof. Einen besseren Beweis dafür wird man schwerlich finden.

Second Hand Script

Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle über Peter O’Donnell und seine Heldin Modesty Blaise geschrieben. Bevor der großartige Zeichner Jim Holdaway der Figur ihr unverwechselbares Gesicht gegeben hat, versuchte sich der nicht minder großartige Frank Hampson an O’Donnells Script. Es entstanden jedoch lediglich einige Probeseiten, da der Autor der Meinung war, Hampson hätte seine Heldin nicht verstanden. Zum Glück sind diese unvollendeten Skizzen erhalten geblieben. Hier kann jeder selbst vergleichen, was zwei sehr verschiedene Zeichner aus dem gleichen Manuskript gemacht haben.

Zeitlose Zuschauer

Wie wild bewegt es auf dem Bildschirm zuging, als es nur drei Fernsehprogramme gab, kann man auf der Website zuschauerpost.de nachprüfen. Hier gibt es Leserbriefe, Kritiken und Programmtipps, die mittlerweile über vier Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Damals erregte die Flimmerkiste die ganze Nation. Besonders, wenn nackte Tatsachen zu sehen waren. Aus heutiger Sicht ist diese Aufregung fast rührend komisch. Vor allem, wenn man sieht, was dem Publikum zur Zeit der sexuellen Revolution geboten wurde (siehe oben). Seufz! Da haben wir sie wieder, die Ungnade der späten Geburt!

Schrottige Schlagzeilen

Und hier wieder ein Blog aus der Rubrik: »Wenn Leute zu viel Zeit haben«. Erinnert sich noch jemand daran, wie in alten Filmen zu dramatischer Musik eine reißerische Schlagzeile eingeblendet wird? Dieses dramaturgische Klischee gab es natürlich auch bei den Comics. Hier kann man nachlesen, welche Superschurken, fliegenden Untertassen und atomaren Superwaffen die Menschheit mal wieder bedrohten. Wahrlich: Die 50er waren nichts für Weicheier! Aber zum Glück gab es ja Superman.

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Ausnahmezustand

VuvuzelaÜber Fußball gibt es viele Meinungen. Der englische Pamphletist Philip Stobbes hatte keine gute. »Ein teuflischer Zeitvertreib«, so schrieb er in seinem 1583 veröffentlichten Werk The Anatomie of Abuses, »der Neid, Groll und Bosheit wachsen lässt, und manchmal gar zu Streit, Mord, Totschlag und großem Blutverlust führt.«

Wenn man heutzutage den Worten eines Sepp Blatter oder eines Franz Beckenbauer lauscht, dann heißt es: Der Fußball verbindet die Menschen. Das ist leider nur zum Teil richtig. Tatsächlich kann Fußball Brücken schlagen, allerdings nur zwischen Menschen, die sich für Fußball begeistern.

Betrachtet man die Welt einmal nicht aus der Sicht der deutschen Nationalelf und ihrer Anhänger (»Fußball ist unser Leben«), so stellt man fest, dass das kalkulierte Treten nach dem Ball die Menschen auch entzweien kann, besonders während eines langen Weltmeisterschaftsturniers. Da gibt es die eine Hälfte, die mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen am Auto zur Arbeit oder zum Einkaufen fährt und schon vor dem ersten Anpfiff kraftvoll in die Vuvuzela bläst, während die andere Hälfte einfach nicht verstehen will, warum sich plötzlich alle nur noch über schwitzende Männer in kurzen Hosen unterhalten.

Was mich betrifft: Ich fühle mich beiden Lagern zugehörig. Ja, ich bin einer dieser Bekloppten, die sich möglichst alle 64 WM-Spiele im Fernsehen ansehen wollen und sich einen ganzen Abend lang über den Aussetzer eines englischen Torhüters amüsieren können. Und ja, ich kann verstehen, dass es einigen meiner Mitmenschen schwer auf die Nerven geht, wenn ich in diesen Tagen alle beruflichen Verpflichtungen und literarischen Ambitionen aufs Abstellgleis schiebe und man mich nur unter der Androhung von Waffengewalt vom Fernseher wegbekommt.

Ihnen, den Genervten, ist dieser Blogeintrag gewidmet. Entfolgt mich bei Twitter nicht gleich, wenn ich mich mal zu einem Fußballtweet hinreißen lasse. Seid nicht enttäuscht, Ihr lieben Freunde, wenn ich ab 13.30 Uhr nicht wie sonst ans Telefon gehe oder Mails unbeantwortet lasse. Drückt einfach mal beide Augen zu und haltet durch! Denn der ganze Hokuspokus geht schnell vorüber. Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist wie eine nur alle vier Jahre stattfindende Spargelzeit. Vier Wochen lang müffelt es ein wenig auf der Toilette, danach ist es vorbei, und Ihr habt Eure Normalität wieder – wenigstens bis zur Europameisterschaft 2012.

Blendet Euren Unmut über das zweite Gesicht geliebter Menschen, die sich urplötzlich nur noch für Mannschaftsaufstellungen zu interessieren scheinen, für die Zeit der WM einfach mal aus, so wie ich jede Kritik an der FIFA oder an der Brot-und-Spiele-liebenden Menschheit. In beiden Fällen ist Kritik wichtig. Sie macht aber mehr Spaß und Sinn, wenn der Ball nicht mehr rollt (oder die deutsche Elf aus dem Turnier geflogen ist).

Motzen möchte ich augenblicklich nur über diejenigen, die während eines Spiels mit der Vuvuzela am Hals durch die Straßen laufen; über diejenigen, die bei dem ganzen Getröte und Fahnentrubel in der ersten Reihe stehen, obwohl sie sich gar nicht für Fußball interessieren. Menschen, die mit schwarz-rot-goldenen Flaggen oder schwarz-rot-goldenen Außenspiegelüberziehern an ihrem Auto gerade dann durch die Gegend kurven, wenn Schweinsteiger und Co. gegen den Ball treten, sind mir äußerst suspekt – nicht nur während der WM, sondern auch darüber hinaus.

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Textruinen

muelliIrgendwie ist mir in den letzten Wochen der alte Schwung abhanden gekommen. Jawoll, Sie haben richtig gehört, liebe Römer und Landsleute. Manchmal ist es schon eine Kraftanstrengung, eine neue Kolumne zu schreiben. Unglaublich, aber wahr! Vor allem, wenn draußen die Sonne scheint.

Ideen habe ich (natürlich) genug, aber wenn ich erst mal vorm Rechner sitze, scheint mein Elan zu versickern, wie übelriechende Körperflüssigkeiten auf den Polstersitzen eines Pornokinos. Erst tippe ich munter drauf los, bis ich unvermittelt aufhöre und den unvollendeten Text demotiviert zu den Akten lege. Wie zum Beispiel diesen hier:

»Eigentlich wohne ich nur in einer Mietwohnung, weil die Kronleuchter in meinem mondänen Landsitz so laut klappern. Ich bin nämlich etwas lärmempfindlich. Deshalb wohne ich im Herzen der Stadt, inmitten einer illustren Schar Autonomer, rechtradikaler Vollprolls, Rentner und anderer sozialer Randgruppen. Ach ja, meine Nachbarn … Zuerst habe ich ihnen ja noch versucht beizubringen, wie man den Lichtschalter benutzt, welches Ende der Zahnbürste in den Mund gehört, oder dass man die Toilettenspülung nicht zum Haarewaschen benutzt. Inzwischen nehme ich die possierlichen Hausgenossen wie sie sind.

Seit langer Zeit schon akzeptieren sie mich als einen der ihren. Nur manchmal, wenn ich eine Zeitung oder ein Buch unter dem Arm habe, beäugen sie mich misstrauisch und knurren ganz böse. So etwas ist für sie nun mal Teufelszeug.

Bis zum Mai befinden sich meine Nachbarn meist im Winterschlaf. Dann werden sie aktiv. Wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen, reißen sie ihre Fenster auf, um die Ohren aller umliegenden Bewohner mit dem unvergesslichen Melodien Michael Wendlers zu umschmeicheln.«

Hier brach ich ab. Vielleicht kann ja doch einer dieser Menschen lesen. Und außerdem: Immer wenn den Leuten die Ideen ausgehen, fangen sie an über die Leute im Supermarkt zu schreiben, die in der Schlange vor ihnen stehen,« sagte mal ein Kollege. Oder über ihre Nachbarn.

Besonders unoriginell ist auch folgender zerknitterter Textschnipsel, den ich versteckt in einem vergilbten Ordner neben dem Papierkorb auf meiner Festplatte fand:

»Ein Freund von mir hatte mal eine gute Idee für eine Geschichte, die er ›Die Zeitfresser‹ nennen wollte. Er selbst bezeichnete übrigens gern Frauen als solche. Aber zurück zum Thema: Besonders abends frage ich mich immer, wer meine eigene Zeit gefressen hat. Viel zu schnell geht jeder Tag vorbei. Und meist konnte ich nicht erledigen, was ich mir vorgenommen hatte. Nicht mal für die Glotze habe ich Zeit. Allerdings verplempere ich ganz schön viel Zeit vorm Computer, um nachzusehen, ob ich neue Mails bekommen habe. Das ist mit der Zeit schon fast zur Manie geworden.

Viel Zeit fressen auch Telefonate. Seltsamerweise kenne ich zur Zeit nur Plaudertaschen, mit denen man ganz schnell eine Stunde verquatschen kann. Zwei Anrufe und der Abend ist gelaufen. Der größte Zeitfresser aber ist das Internet. Immer, wenn ich mal was Nachschlagen möchte, finde ich garantiert fünf weiterführende Links, die ich aus purer Neugier anklicke. Suche ich einen Artikel zum Thema ›Polnischer Pastinackenpudding‹, kann es gut sein, dass ich mich nur fünf Mausklicks weiter auf einer Website über den spanischen Bürgerkrieg festlese.«

Stop! Das ist ja noch schlimmer als ich in Erinnerung hatte!!! Excuse moi, mes amis! Es soll nicht wieder vorkommen. Man sieht zumindest: Dank einer gnadenlosen Qualitätskontrolle des Generaldirektors (das bin ich) bleibt dem geneigten Leser dieser Seiten Einiges erspart. Ja, diese Website könnte man mit einem Eisberg vergleichen. Neun Zehntel bekommt man nie zu Gesicht. Und das ist auch gut so, wie wir eben gesehen haben.

Wäre ja auch noch schöner, wenn an dieser Stelle minderwertige Texte veröffentlicht werden würden … ähm … außer vielleicht, wenn draußen die Sonne scheint und ich ganz schnell raus möchte.

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Sommerpause in Bumsdorf

SommerpauseEndlich erreicht so etwas ähnliches wie Sonnenschein unsere überfluteten Vorgärten. Sollte das der lang erwartete Sommer sein? Oder nur der Vorbote einer nicht enden wollenden Dürreperiode? Auf jeden Fall ist es ein Anlass, nichts zu tun. Wir, die wir in der Unterhaltungsbranche tätig sind, sagen dazu Sommerpause.

Die Sommerpause fängt zwar früh an, das gebe ich zu, dafür dauert sie aber auch lange. Die gewaltigen Gagen wollen schließlich verprasst und mit gestreckten Drogen (Alster) durchgebracht werden. Mit unserer Lesebühne, der Bumsdorfer Auslese, sind wir erst im September wieder da, dann aber öfter als bisher und sogar regelmäßig. Alle zwei Monate, am jeweils zweiten Freitag des Monats, wollen wir Euch dann Musik, Satire, Literatur und Slam Poetry nahebringen.

Wenn Ihr jetzt schon wissen wollt, was Euch in der kommenden Spielzeit erwartet, muss ich Euch enttäuschen. Wir Bumsdorfer sind immer die letzten, die erfahren, was auf unserer Lesebühne vor sich geht. Der Spontanität zuliebe sprechen wir uns nämlich nicht ab und miteinander sowieso nur über unsere Anwälte. So ist das in der Unterhaltungsbranche. Da muss man durch.

Was unseren Plan betrifft, große Stars zu engagieren, kann ich allerdings schon etwas Licht ins Dunkel bringen. Mario Barth und Atze Schröder zu signen (wie wir in der Unterhaltungsbranche sagen), habe ich nach tagelangen Selbstgesprächen verworfen. Dafür jedoch werden die um einiges weniger prominenten, aber unendlich guten Vortragskünstler Christian Sölter (Hannover), Hauke von Grimm (Leipzig) und Heiko Werning (Berlin) metropolitanen Glamour auf unsere kleine Provinzbühne bringen.

Also, man sieht sich am 10. September in der KaufBar in Braunschweig. Ich freue mich schon jetzt darauf, und meine Bumsdorfer Autorenkollegen vermutlich ebenfalls.

Mit sommerlichen Grüßen

Axel Klingenberg
(nach Diktat verreist)

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Modesty BlaiseErst neulich fiel mir wieder mal auf, wie vergänglich doch alles ist. Als vor ein paar Wochen der britische Kriminalschriftsteller Peter O’Donnell das Zeitliche segnete, griff ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit zu seinen Büchern, die in der hintersten Ecke meines Regals verstauben. Vor etwa zwanzig Jahren war ich einmal ein großer Fan seiner Heldin Modesty Blaise. Jetzt waren mir Druckerzeugnisse mit markigen Titeln wie »Ein Gorilla für die Lady« und »Die Lady lässt es blitzen« eher peinlich. Die deutschen Ausgaben schrecken eher ab, als dass sie zum Lesen animieren. Deshalb legte ich Modesty Blaise und Peter O’Donnell irgendwann unter der Rubrik »Jugendsünde« ab.

Da ich aber wegen einer schmerzhaften Knocheninfektion die letzten Wochen auf dem Sofa verbringen musste, blätterte ich aus purer Langeweile in den vergilbten Taschenbüchern herum. Und siehe da: Ganz schnell hatte ich mich festgelesen und in den nächsten Tagen sämtliche Romane verschlungen. Peter O’Donnells Modesty Blaise-Romane sind nämlich echte Schmöker, die man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Auch heute noch.

Am Anfang steht ein namenloses Flüchtlingskind ohne Erinnerung, das sich ganz allein von Griechenland nach Nordafrika durchschlägt. Mit 17 nennt sie sich Modesty Blaise, wird Chefin einer Verbrecherorganisation mit dem ominösen Namen »Das Netz«, um sich mit 27 als reiche Frau in London zur Ruhe zu setzen. Doch Modesty zieht die Gefahr an, wie Wolle Petry Menschen mit schlechten Musikgeschmack. Das süße Leben ist langweiliger, als sie gedacht hat.

Modesty Blaise war ursprünglich eine Comicheldin. 1963 erschien sie als weibliche Antwort auf James Bond in der britischen Zeitung »Evening Standard«. Der Strip war damals eine Sensation. Eine starke selbstbewusste Frau war etwas vollkommen Neues. Vor allem eine Frau, die regelmäßig von Männern angeschossen oder verprügelt wird. Allerdings konnte sie auch austeilen. Im Gegensatz zu James Bond war Modesty Blaise jedoch keine eiskalte Tötungsmaschine. O’Donnell versah seine Heldin mit menschlichen Zügen und vor allem einen ausgeprägten Sinn für Selbstironie. Zeichner Jim Holdaway verlieh dem Ganzen eine leicht unterkühlte Aura. In seiner Glanzzeit war es wohl der intelligenteste Comic Strip seiner Art.

Die Romanfigur Modesty Blaise war dagegen eher ein Zufallsprodukt, das 1965 im Zuge einer vollkommen missglückten Verfilmung das Licht der Welt erblickte. Im Gegensatz zum Film war das Buch indes ein voller Erfolg. In den nächsten zwanzig Jahren schrieb O’Donnell zehn Romane und zwei Kurzgeschichtenbände über seine Heldin, die fast alle zu Bestsellern gerieten und von der Kritik gefeiert wurden. Hierbei übertraf er seine Comicszenarios um Längen. Die Modesty Blaise der Romane ist wesentlich vielschichtiger als in den Comics.

Im O’Donnell-Universum wimmelt es vor skurrilen Schurken, ausgeklügelten Todesfallen und spleenigen Nebenfiguren. An erster Stelle steht Modestys treuer Gefährte Willie Garvin, der für jede Situation den passenden Bibelspruch parat hat und für seine einstige Chefin sein Leben geben würde. Willie nennt Modesty liebevoll »Prinzessin«, denn sie hat ihn dereinst in Saigon aus der Gosse geholt. Dazu gesellen sich der britische Geheimdienstler Sir Gerald Tarrant, für den Modesty zu einer Art Tochterersatz wird, ihr versnobter chinesischer Hausboy Weng und einige Freunde und Liebhaber, die fast ebenso eigenwillig charakterisiert werden, wie die Titelheldin. Etwas Unerhörtes waren vor allem Modestys Kontakte zum anderen Geschlecht. Eine Frau, die unabhängig ist, offene Beziehungen lebt und deren Spielregeln bestimmt, gab es damals nicht.

Das Interessante dabei ist: Eigentlich geht es bei den Romanen nicht nur um spannend erzählte Geschichten, sondern um die Beziehungen der Figuren zueinander. Loyalität und Freundschaft sind die zentralen Themen, die sich durch sämtliche Bücher ziehen. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Modesty und Willie, die trotz ihrer Intensität stets platonisch bleibt. »Frauen scheinen dies eher zu verstehen als Männer«, meinte dazu O’Donnell. Die Plots sind dabei so originell, dass sie einfach nur Spaß machen. »Ich habe keine Botschaft. Ich will die Leser bloß unterhalten,« sagte er einmal.

Die Modesty Blaise-Bücher hatten allein in Deutschland eine Gesamtauflage von über einer Million. Doch nachdem 1986 der letzte Band erschien, verschwand die Serie langsam in der Versenkung. Seitdem haben sich viele prominente Figuren als Fans geoutet. Quentin Tarantino ließ John Travolta in »Pulp Fiction« auf dem Klo die Modesty-Blaise-Erstausgabe von 1965 lesen. Gerade in seiner »Kill Bill«-Saga ist O’Donnells Einfluss unübersehbar. Autor Neil Gaiman hat vor einigen Jahren sogar ein Modesty Blaise-Drehbuch entworfen, das leider unverfilmt blieb. Bislang waren alle Versuche, »die tödliche Lady« auf die Leinwand oder den Bildschirm zu bringen, erbärmliche Rohrkrepierer. »Der erste Film war so schlecht, dass im Kino meine Nase anfing zu bluten«, scherzte der O’Donnell später.

Im Buchhandel sucht man Modesty Blaise heute vergebens. Als ich vor ein paar Tagen eine Stichprobe machte, entdeckte ich sie jedenfalls nirgends. Immerhin: Vor fünf Jahren startete der Unionsverlag eine Neuedition, die jedoch bald abgebrochen wurde. Modesty Blaise ist wohl zu sehr ein Produkt der Swinging Sixties – wie Emma Peel, deren Vorläuferin sie einst war: Verspielt, very british und beinahe surreal. Die heutigen, vorwiegend weiblichen, Krimileser wollen anscheinend keine abstrakten Fluchtwelten, sondern ihren realen Alltag wiedererkennen. So bleiben die Bücher bis auf Weiteres einer eingeschworenen Fangemeinde vorbehalten.

1996 lies O’Donnell seine unbesiegbare Heldin in einer letzten Kurzgeschichte sterben. Wie es ein etwas altmodischer britischer Gentleman schaffte, eine derartig progressive Heldin in die Welt zu setzen, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Am 3. Mai 2010 starb er im stolzen Alter von 90 Jahren.

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In Heaven or Hell

Heaven or HellDie meisten Heavy Metal-Fans sehen Ozzy Osbourne als den besten Black Sabbath-Sänger aller Zeiten an. Nicht wenige sind sich vielleicht gar nicht bewusst, dass es da auch noch andere gab. Eigentlich sogar ganz schön viele, denn Black Sabbath zählen zusammen mit Deep Purple zu den zickigsten Bands in der an Diven nicht eben armen Metal-Szene. Trennungen und Reunions sind da an der Tagesordnung. Für mich persönlich jedenfalls ist Ronnie James Dio der eigentliche Black Sabbath-Sänger. Der erste Eindruck ist ja immer der prägende und bevor ich die Ozzy-Alben kannte, hörte ich damals, 1982, den Konzertmitschnitt »Live Evil« rauf und runter und natürlich rückwärts, auch wenn ich dabei die versprochenen satanischen Botschaften nicht entdecken konnte. Dafür wurde mir die Platte allerdings bei einer Geburtstagsparty gestohlen, weshalb ich sie mir ein zweites Mal zulegen musste. Ich denke, das zeigt deutlich, wie sehr ich sie schätzte.

Ronnie James Dio wurde 1942 als Ronald James Padavona im amerikanischen Portsmouth geboren. Seit seinem 5. Lebensjahr machte er auf Drängen seines Vaters Musik, mit 15 spielte er in seiner ersten Band, »The Vegas Kings«. Bescheiden wie er war, benannte er sie in »Ronnie & The Rumblers« und später in »Ronnie and the Red Caps« um. Sein eigener Name gefiel ihm aber auch nicht so gut. »Dio« (italienisch für »Gott«) fand er treffender, auch wenn er dabei nicht an den Herrn im Himmel, sondern an den damals berühmt-berüchtigten und polizeilich bekannten Mafiosi Johnny Dio gedacht haben soll. Es folgte eine weitere sendungsbewusste Umbenennung der Band in »Dio and the Prophets« und ein erstes Album: »Dio at Domino’s«.

Erste wirkliche Erfolge gab es erst nach einigen Besetzungswechseln und unter neuem Namen: »The Electric Elves«. Dieser wurde später auf ein schlichtes »Elf« verkürzt. Die Musik wurde dagegen härter. Ihr rauer Blues und harter Rock brachte ihnen die Aufmerksamkeit von Deep Purple ein, für die sie schließlich auch als Vorband spielen durften. Nachdem sich Ritchie Blackmore während einer Plattenproduktion mit Deep Purple überworfen hatte, gründete er zusammen mit Dio »Ritchie Blackmore’s Rainbow«. Das trotzig »Rising« betitelte und 1976 unter dem Bandnamen Rainbow veröffentlichte Debüt-Album darf als ein Klassiker des Genres angesehen werden, zudem es hierbei zu einer Beispiel gebenden Zusammenarbeit mit einem Philharmonischen Orchester kam.

Natürlich konnten Blackmore und Dio nicht auf Dauer zusammenarbeiten – es kann eben nur einen Star in der Band geben. Deshalb wechselte Dio zu Black Sabbath, die sich gerade von Ozzy Osbourne getrennt hatten. Auch hier leistete Dio Großes und bescherte den Heavy Metal-Pionieren mit den Platten »Heaven and Hell« und »Mob Rules« Riesenerfolge und hohe Chartplatzierungen. Ob Dio mit seiner theatralischen, opernhaften Stimme besser singt als der immer etwas knödelnde Ozzy, sei dahingestellt, das Songwriting war jedenfalls brillant. Auf diesem Erfolgsweg konnte es natürlich nicht einfach so weitergehen.

Dem oben erwähnten großartigen Album »Live Evil« folgte deshalb konsequenterweise die Trennung von Black Sabbath (wegen »persönlicher Differenzen«) und die Gründung einer eigenen Band, die nun auch ganz einfach nach ihm benannt wurde: Dio. Um im religiösen Bilde zu bleiben, hieß die erste, 1983 veröffentlichte Platte daher konsequenterweise auch »Holy Diver«. Der Erfolg war gigantisch und wurde nur von dem Nachfolgealbum »The Last in Line« übertroffen.

Leider schafft es erfahrungsgemäß kaum eine Band die Qualität ihrer ersten Platten zu erreichen, und so konnten Dio mit ihren weiteren Veröffentlichungen nicht an die beiden Anfangserfolge anknüpfen, spielten aber geschickterweise ihren Klassiker »Holy Diver« einfach noch mal live ein.

Auch der Wiedereinstieg bei Black Sabbath im Jahre 1992 war nur von kurzer Dauer – nachdem man von Dio verlangt hatte, bei zwei »Abschiedskonzerten« (den ersten von vielen) von Ozzy Osbourne zu spielen, verließ er angesichts dieses absurden Vorschlags die Band wieder. Die Feindschaft mit Ozzy Osbourne blieb eine Konstante im Leben von Ronnie James Dio.

Nach der erneuten Trennung von Black Sabbath reaktivierte er seine eigene Band wieder. Sie blieb, sieht man mal von einem Zwischenspiel im Jahre 2007 ab, bei dem er unter dem Namen »Heaven and Hell« mit anderen ehemaligen Black Sabbath-Mitgliedern auftrat, sein Hauptprojekt.

Eine weitere kulturelle Großtat war die Popularisierung des Teufelshörnerzeichens: Zeigefinger und kleiner Finger werden von der Faust abgespreizt. Anders lautenden Gerüchten zum Trotz hat er allerdings dieses Zeichen nicht in die Musikszene eingeführt. Die Beatles benutzten es schon 1968 im Artwork und auf Promofotos für das Album und den Film »Yellow Submarine«. Dio behauptete, dieses Zeichen, das auch gerne als „Pommesgabel“ bezeichnet wird, von seiner Großmutter zu kennen, die es benutzt habe, um den bösen Blick abzuwehren.

Am 16. Mai 2010 starb Ronnie James Dio in Houston an Magenkrebs.

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