Unterwegs mit Quirit

Brüssel»Wer aus Brüssel berichtet, bewegt sich zwischen Traum und Bürokratie«, behauptete mal ein ARD-Korrespondent. Ach ja … Brüssel war jedenfalls schon immer eines meiner Traumziele. Franquin, Tillieux, Hergé und unzählige andere geniale Comiczeichner begannen hier ihre Karriere.

Als wir mit Jean-Marie Mathues alias Quirit durch die Straßen gingen, konnte man fast den Hauch der Geschichte atmen. Überhaupt bietet die Stadt alle zehn Meter andere undefinierbare Gerüche. Am liebsten hatte ich den Hauch von Waffeln in der Nase. Brüssel wäre mein Untergang. Überall gibt es Süßigkeiten und exotische Biersorten, die man natürlich sofort probieren muss. Aus den Restaurants strömen wunderbare Düfte köstlich aussehender Fischplatten. Also: Augen geradeaus, den Bauch einziehen und schnell weiter!

Mein Agent, Herr Licensegarden, ist nicht nur geschäftstüchtig, sondern auch clever. Mit einer Fahrt nach Antwerpen zum legendären Cartoonisten Quirit lockte er selbst den größten Stubenhocker unter den Cartoonisten (= mich) nach Belgien. Schon die Fahrt dorthin war ein Abenteuer. Kurz vorher war in einem Zug der Deutschen Bahn die Klimaanlage ausgefallen, woraufhin etliche Fahrgäste kollabierten. Sollte man so ein Risiko eingehen? Ich entschloss mich dazu, denn im Falle meines Ablebens durch einen Hitzekoller würde die Deutsche Bahn meinen Hinterbliebenen wenigstens den halben Fahrpreis zurückerstatten.

Die Arbeiten von Quirit, der als einer der härtesten Cartoonisten der Branche gilt, kannte ich schon ganz lange. Ich stellte ihn mir immer als eine wilde Mischung zwischen Jack Nicholson und Hugh Hefner vor. Warum weiss ich auch nicht so genau. Natürlich ist er ganz anders. Er ist der einzige Cartoonist, den ich kenne, der einen Säbel besitzt, denn sein Hobby ist es, mit Gleichgesinnten in historischen Kostümen berühmte Schlachten aus Napoleonischen Tagen nachzuspielen. Ungefährlich ist das nicht, wie eine lange Narbe an seinem Unterarm beweist. Jean-Marie Mathues zeichnet tagesaktuelle Cartoons, von einer kompromisslosen Schwärze, die bei uns unmöglich wäre. In diesem Jahr erhielt er sogar Todesdrohungen.

Nebenbei ist er noch ein hervorragender Gastgeber und Erzähler. Als die Invasion seiner deutschen Kollegen anrollte, griff er nicht zum Säbel, sondern rollte den Grill raus. So kam es, dass meine hochgeschätzten Kollegen Kittihawk, Steffen Butz und Harm Bengen in seinem Garten mit Zeltstangen hantierten, statt mit Zeichenfedern. Während die harten Naturburschen noch am Schwitzen waren, hatte Kittihawk alias Christiane Lokar ihr Zelt längst aufgebaut. Kein Zweifel: Die Zukunft gehört den Frauen.

Apropos Zukunft: Auch der Klimawandel ist in Belgien spürbarer als bei uns. Immer öfter gibt es Tornados, die Menschenleben fordern. Das Wetter schlägt in Sekundenschnelle um.

Einmal das berühmte Brüsseler Comicmuseum zu besichtigen, war schon seit Jahren mein großer Traum. Leider kam immer irgendetwas dazwischen. Deshalb war dieses Wochenende fast wie Weihnachten für mich. Besonders schön war es jedoch, solche Eindrücke mit anderen Zeichnern zu teilen, die all dies zu schätzen wussten.

Ursprünglich hatte ich vor, mit einer Tasche voller Bücher zurückzukehren. Doch obwohl ich genügend Geld dabei hatte, kaufte ich mir lediglich ein einziges Album. Das riesige Angebot und die vielen Eindrücke haben mich wie erwartet völlig erschlagen. Vielleicht beim nächsten Mal. Die herrlichen alten Gebäude, der berühmte Grote Markt … man muss viel Zeit haben, um sich alles ansehen zu können. Auf dem Rückweg machten wir sogar einen kleinen Abstecher nach Waterloo. Jetzt werden alle Abba-Fans, die ich kenne, sicher gelb vor Neid!

Was habe ich auf unserer Reise gelernt? Dass ich unbedingt Französisch pauken muss, dass die Sonnenuntergänge in Antwerpen selbst abgebrühten Zynikern Tränen in die Augen treiben, dass Belgierinnen, die Laurence heißen, immer automatisch hübsch sind (hatte ich schon geahnt), dass Harm Bengen nie die Witze ausgehen, dass politische Diskussionen die Stimmung versauen können, dass ich ohne Kopfkissen schnarche, dass die Zugbegleiter in Holland klasse sind und dass Belgien genauso schön ist, wie ich immer dachte. Mein besonderer Dank gilt auch Kittihawk, die dafür sorgte, dass ich den richtigen Zug erwischte.

Auf der Rückfahrt hatte mich die grausame bundesdeutsche Realität wieder. Die Klimaanlage des Zugs von Köln nach Hannover fiel aus. Kein Scherz! Doch diesmal war die Crew der Deutschen Bahn vorbereitet und bat die Fahrgäste in ein anderes Abteil. »Sie können auch bleiben, aber jammern sie nicht, wenn sie zusammenbrechen!« hieß es barsch. Zumindest konnte ich während der Fahrt heimlich meine schlafenden Mitreisenden zeichnen. Cartoonisten sind eben fies!

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Flimmerstunde in Prag

Laterna MagicaIn dem Film »Die fabelhafte Welt der Amélie« von Jean-Pierre Jeunet gibt es diese wunderbare Szene, in der ein älterer Mann namens Dominique Bretodeau nach vielen Jahrzehnten ganz plötzlich mit einer kleinen Blechdose voller Spielzeug, den Schätzen seiner Kindheit, konfrontiert wird. Genau so erging es mir in der vergangenen Woche, als ich für ein paar Tage in Prag weilte.

Als ich das letzte Mal dort war, schrieb man das Jahr 1991. Damals musste man mangels Autobahn noch auf kurvigen Straßen das Elbsandsteingebirge überwinden und den Ort »Oberhäslich« durchqueren, um vom östlichen Niedersachsen aus auf direktem Wege in die goldene Stadt zu kommen. Die Sex-Shops und Spielcasinos rund um den Wenzelsplatz konnte man so kurz nach der Wende noch an einer Hand abzählen. Auf den Hoteltoiletten duftete es unangenehm nach Essig, jeder wollte Geld tauschen, und wer etwas anderes als einen Lada fuhr, der fiel auf.

Heute werden die Prager Straßen von den neuesten Skodas und von dicken Porsches und Audis dominiert. Unweit der Karlsbrücke zischte sogar ein silberner Ferrari an mir vorbei. Was mich daran freut: Die gesichteten Luxuskarossen hatten alle ein tschechisches Kennzeichen. Sicher nicht überall, aber doch vielerorts scheint sich der Wohlstand eingenistet zu haben. Den Pragern gönne ich das von Herzen. Lange genug mussten sie auf schikanöse Weise die Dekadenz westlicher Touristen ertragen.

Ja, es hat sich vieles verändert in Prag in den letzten 20 Jahren. Aber nicht alles. Noch immer ist die Stadt umzingelt von zahlreichen Plattenbauten. Noch immer kann man den Polizisten und Taxifahrern nicht trauen. Und noch immer ist es am Altstädter Ring so laut und voller Menschen wie auf der Reeperbahn nachts um halb eins.

Doch nicht deshalb fühlte ich mich wie Monsieur Bretodeau, sondern weil ich zum zweiten Mal das berühmte Tanz- und Lichtspieltheater Laterna Magica in der Nová Scéna des Nationaltheaters besuchte. Als ich 1991 erstmals dort war, stand »Odysseus« auf dem Programm. Letzte Woche, am 25. März 2010, wurde Kouzelný Cirkus gespielt: der Zauberhafte Zirkus.

Ich wusste nicht, was mich erwartet, hatte aber nach den ersten Eindrücken meines neuerlichen Pragbesuchs mit einer Lasershow und ähnlichem gerechnet. Weit gefehlt! In der Laterna Magica ist die Zeit stehengeblieben. Das Leinwand-Triptychon, die Lichteffekte und auch die Art der Inszenierung – nichts Modernes, alles war wie 1991, wobei ich schon 1991 das Gefühl hatte, in einem Nickelodeon zu sitzen.

Die Bilder und Filme, die während der Aufführung von Kouzelný Cirkus auf die Leinwand projiziert wurden, stammten eindeutig aus den 70ern. Die Frauen, die da zu sehen waren, erinnerten mit ihrem Make-Up und ihren Kostümen an die frühen Pan-Tau-Filme, an »Sechs Bären mit Zwiebel« von Oldřich Lipský und an die Jules-Verne-Adaptionen des tschechischen Trickfilmers Karel Zeman, den ich seit meiner Kindheit verehre. Und eben deshalb fühlte ich mich wie Dominique Bretodeau.

Als ich die Laterna Magica bestaunte, die einfachen, aber charmanten Effekte, die klassische Clownerie, das Flöten, Zwitschern, Klöppeln und Piepen und nicht zuletzt die tschechische Mode der 70er Jahre, da sah ich mich als kleiner Junge, wie ich am Samstagnachmittag mit einer Tafel Milchschokolade in der gemütlichen Fernsehstube meiner Großmutter saß und heimlich Ostfernsehen schaute. Es lief die Flimmerstunde mit Professor Flimmrich.

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leipzig09Wo Herr wortmax und ich früher den lieben langen Tag ziellos durch die Gänge der Buchmessen irrten, haben wir heute unsere Termine. Das ist zwar einerseits sehr schön, artet aber andererseits immer mehr in Arbeit aus. Irgendwie ist da die Leichtigkeit abhanden gekommen, dachte ich mir, als ich in einer freien Stunde allein durch die Gänge schlurfte. Leicht bekleidete Manga-Mädels, Literaten mit dünnen Fettfrisuren, Schüler mit dicken Rucksäcken; sie alle habe ich in den letzten Jahren immer weniger wahrgenommen.

Heutzutage hat mich mein Agent an der Kandarre, der mich mehrmals am Tag über den aktuellen Stand der Dinge informierte. Zum Schluss drückte er mir eine Liste mit Hausaufgaben in die Hand, die ich schleunigst zu erledigen habe. Daher fasse ich mich diesmal etwas kürzer. Ich will ja keinen Ärger.

Der Spaßfaktor ist gewaltig in den Hintergrund gerückt. Schließlich hängt vom Ausgang der vielen Gespräche die eigene Zukunft ab. Für Spaß sorgten indes neue Autoren und alte Freunde, denen man in Leipzig begegnete. Oder das geschäftstüchtige Indische Restaurant in der Innenstadt, in dem wir flugs in die Rumpelkammer verfrachtet wurden, nachdem alles besetzt war.

Während ganz Leipzig von einer Lesung zur nächsten eilte, gingen wir zur »Party der jungen Verlage«, auf der sich die hippe coole Leipziger Szene tummelte. Verdammt lange her, dass ich so viele interessante Frauen auf einem Haufen gesehen habe. Nur war ich zu diesem Zeitpunkt viel zu müde und erledigt, um etwas davon zu haben.

Außerdem werden wir immer mehr zu Snobs. Als es keine schicken arte-Taschen mehr gab, zog es Herr wortmax vor, den vielen Kram, der sich tagsüber angesammelt hatte, den ganzen Abend über lieber unter den Arm zu klemmen. Eine prollige 3Sat-Tüte war ihm offenbar nicht gut genug.

Im Gegensatz zum letzten Jahr gab es spürbare Fortschritte: 2009 stand ich noch schmachtend im Publikum, während die bezaubernde Aspekte-Moderatorin Luzia Braun auf dem blauen Sofa saß und die großkopferten Schreiberlinge dieser Welt befragte. In diesem Jahr stand sie direkt neben mir; in einer lebhaften Unterhaltung verstrickt – nur leider nicht mit yours truly. Doch bald kommt ja 2011 …

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Bremer Woche

Reichard und WeyershausenLetzte Woche waren Herr Weyershausen und ich keine Braunschweiger. Letzte Woche waren wir Bremer, und das ist wirklich eine tolle Nachricht. Denn es gibt nicht wenige Momente, in denen Braunschweiger lieber Bremer sein wollen.

Angefangen hatte alles im Forum von www.tcboyle.de. Wir wurden dort gefragt, ob wir nicht unsere aktuellen Bücher »111 Gründe, erwachsen zu werden« und »111 Gründe, sich selbst zu lieben« im Rahmen einer kleinen Lesung vorstellen möchten – in einem kleinen, aber feinen Café unweit der Weser. Weil wir beide selbst noch nie in Bremen waren (Asche auf unsere Häupter) und wir uns natürlich gerne von sympathischen Menschen einladen lassen, sagten wir umgehend zu.

Was wir weder wussten noch ahnten: Radio Bremen befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Café. Und: Unser Gastgeber, Rauch’s Cafe und WunderBar in der Langenstraße, hatte einen guten Draht dorthin. So folgte der Einladung zur Lesung am 05. Dezember noch eine weitere Einladung in die Weserstadt, und zwar am 03. Dezember in die TV-Sendung »Ansichten«.

Es gibt diese Sendung noch nicht lange. Vorgestellt werden dort Bremer mit interessanten Geschichten, aber auch auswärtige Personen, die gerade in Bremen gastieren, darunter Braunschweiger, die gerne mal Bremer sein wollen, und hin und wieder ein prominentes Gesicht. Alfred Biolek, Kevin Costner, Sven Regener, Jan Weiler und Jan Delay standen bereits auf der Gästeliste. Es ist schon toll, aber auch merkwürdig, den eigenen Namen auf einer solchen Liste wiederzufinden.

Geradezu verwirrt hat uns die Nachricht, wir hätten Kevin Costner in der Zuschauergunst um 1% geschlagen und seien die neuen Quotenkönige der Sendung. Denn man selbst findet sich natürlich furchtbar, wie man da auf der Fernsehcouch die richtige Haltung einzunehmen versucht und krampfhaft nach witzigen Antworten fahndet. Dass Menschen sich furchtbar finden, wenn sie sich im Fernsehen sehen, ist nicht neu. Seit unserem TV-Auftritt habe ich eine eigene Theorie, warum das so ist. Doch jetzt schweife ich ab.

Bei der Lesung in Rauch’s Café ging es wesentlich entspannter und lockerer zu. Das lag zum einen an den entspannten und lockeren Gastgebern, die zudem überaus sympathisch waren – und spendabel. (In dem Luxus-Hotel, in dem wir einquartiert wurden, konnte man von der Badewanne direkt ins stilvoll beleuchtete Bett stolpern.)

Zum anderen lag es an dem netten Publikum, das nur leider nicht sehr zahlreich erschienen war. Vielleicht wegen des miesen Wetters oder weil »Wetten dass …?« am selben Abend in Bremen gastierte und alle Bremer für eine bekloppte Außenwette benötigt wurden. Trotzdem: Die Stimmung war prächtig, und jeder kaufte mindestens ein Buch, was die zwischenzeitlichen Zweifel an der Attraktivität der eigenen Veranstaltung auflöste.

Robert WoodZualledem wurde uns die große Ehre zuteil, zusammen mit einer echten britischen Gitarrenlegende aufzutreten: Robert Wood.

Vielleicht bin ich zu jung, als dass mir dieser Name auf Anhieb etwas hätte sagen können. Als ich jedoch – wieder daheim – nach Robert Wood googelte, stieß ich auf sein Album Vibrarock, an dem Musiker mitgewirkt haben, die namentlich mehr als einmal in meinem gut sortierten Plattenschrank auftauchen. Der Bassist und Produzent Mike Howlett zum Beispiel oder der inzwischen leider verstorbene Schlagzeuger Pierre Moerlen.

Schon erstaunlich, was alles passieren kann, wenn man einer Lesung in Bremen zusagt. Ich könnte jetzt der Vollständigkeit halber noch von unserer After-Show-Party berichten, an Bord des Betonschiffes »Treue«, und vom morgen danach, als wir ein Café quasi ganz für uns allein hatten, doch das gehörte alles nicht zum offiziellen Teil unseres Bremenbesuchs und wird nur unter der Hand weitererzählt.

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Der Deutsche Karikaturenpreis 2009

horst_horstEin seltsames Murmeln erfüllte am letzten Wochenende das nächtliche art’otel in Dresden. Es waren die Stimmen von etwa 70 Cartoonisten, die ihre Dankesreden übten. Ein paar Stunden zuvor wurden sie beim alljährlichen Karikaturistenstammtisch informiert: »Alles ist möglich. Jeder sollte eine kleine Ansprache vorbereitet haben.« Gewonnen haben am nächsten Tag nur diejenigen, die wenige Wochen zuvor – wie fast jedes mal in letzter Zeit – von einem Kamerateam besucht wurden. Denn bei der Preisverleihung werden stets kleine Filme über den Arbeitsalltag der Gewinner gezeigt. Man sieht: Auch Cartoonisten sind manchmal etwas naiv.

Nach der fünften Preisverleihung weiß ich: Gewinner müssen in einem Reihenhaus wohnen, um zu gewinnen. Fast jeder Cartoonist meiner Altersklasse scheint in einem solchen zu wirken. Einst als Sinnbild des spießigen Kleinbürgertums verlacht, scheint das Reihenhaus nun zum bevorzugten Lebensraum von Künstlern zu avancieren. Die Großverdiener der Branche residieren hingegen in einem Landsitz mit Pool, Tennisplatz und römisch-russischem Dampfbad. Zu dumm, dass mich noch nie einer von ihnen eingeladen hat.

Beim Karikaturistenstammtisch konnte man wie jedes Jahr bis zur frühen Morgenstunde über Verträge, Zeichenstifte, Papiersorten und eben über Reihenhäuser diskutieren. Wer der Frau an der Theke einen Teddybären zeichnete, konnte sicher sein, dass die Alkoholzufuhr gewährleistet war. Die witzigsten Typen des Abends waren der immer unverschämt gut gelaunte Til Mette, der auch mal auf der Tischplatte weiterzeichnet, wenn das Blatt zuende ist (wozu ist man schließlich Künstler?) und der rührige Andreas Nicolai, ein Träger geheimnisvoller Ringe, der immer den passenden Spruch auf Lager hat.

Bevor es jedoch ans Buffet ging, musste jeder Cartoonist im Dunkeln seine Schultüte zeichnen. Beim Einchecken im Hotel erwartete uns schließlich ein Bleistiftspitzer, den wir abends mitbringen sollten. Der immer gut vorbereitete Harm Bengen muss dies geahnt haben und hatte eine Taschenlampe im Gepäck. Zumindest weiß ich nun, dass meine Zukunft gesichert ist: Altmeister Karl-Heinz Brecheis prophezeite mir zur fortgeschrittenen Stunde, dass ich 2011 den zweiten Platz des Wettbewerbs belegen werde. Der für seine Bären-Cartoons bekannte Karlsruher Zeichner Steffen Butz wird laut Brecheis sogar noch besser abschneiden. Na, dann kann ich den Wettbewerb im nächsten Jahr ja überspringen.

Am nächsten Morgen war dann die Stunde der Wahrheit gekommen: Wer gehörte zu den Gewinnern? Im ausverkauften Dresdener Schauspielhaus inszenierte die Sächsische Zeitung wie immer eine opulente Preisverleihung, neben die die Oscarnacht wirkte wie ein Tupperabend bei Fräulein Gabi. Besonders der wandlungsfähige Tom Pauls glänzte in seiner Rolle als Laudator, in der er sogar in die Haut Erich Honeckers schlüpfte. Dazu gab es Jazz vom Feinsten.

Die Jury des Deutschen Karikaturenpreises entschied: Til Mette, Dirk Meissner und Christiane Lokar alias Kittihawk sind mit ihren Arbeiten die besten Cartoonisten 2009. Eine gute Wahl. Der 79-jährige Walter Hanel wurde für sein Lebenswerk geehrt. Den Publikumspreis sowie ein Küsschen von Ilse Bähnert und eine Flasche Eierlikör bekam Christian Habicht. Danach ging es zur Ausstellungseröffnung der eingereichten Werke ins Pressehaus der Sächsischen Zeitung.

Zuerst der obligatorische Blick in die Runde: Wo hängen die eigenen Werke? Im Mittelpunkt des Raumes oder draußen schräg gegenüber vorm Klo? Während vor fünf Jahren nur wenige Exoten Computerausdrucke einlieferten, stammten diesmal fast die Hälfte aller Originale aus dem Rechner. Die Drucker der neuen Generation verkraften auch dickstes Aquarellpapier. Bei einigen Exponaten konnte man nur schwer erkennen, ob der Strich mit dem Pinsel gezeichnet wurde, oder auf dem Zeichentablett eines Computers entstand. Die Newcomer verzichten fast vollständig aufs gute alte Papier.

Das Schöne beim Karikaturenpreis ist, dass fast jedes Jahr Gesichter auftauchen, die man vorher noch nicht kannte. Kollege Michael Kops machte mich auf den Österreicher Thomas Kriebaum aufmerksam, der in einen wunderbar skurrilen Stil arbeitet. Die Cartoons der Gewinnerin des dritten Platzes, Kittyhawk, kannte ich bisher nur flüchtig. Die Berlinerin Christiane Lokar machte nicht nur einen ungemein sympathischen Eindruck, sondern hat sensationell witzige Einfälle zu bieten. Sie wird mit Sicherheit einmal zu den Großen der Branche gehören.

Mir selbst ging spätestens bei der Ausstellung der Saft aus. Ich hatte wohl nächtens zu lange an meiner Dankesrede gearbeitet. Fix und fertig schlurfte ich ziellos von Raum zu Raum, bis ich schließlich die Segel strich und mich auf den Heimweg machte. Zwar ohne einen goldenen Bleistift, aber zumindest mit einem silbernen Bleistiftspitzer im Gepäck.

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Nur keine Erwartungen

fbm09Mittwoch, 14. Oktober 2009, Frankfurt am Main, die Sonne scheint, die Frisur sitzt. »Sieh nur«, sagte der Kollege Weyershausen auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Messegelände, »das schöne Wetter, das ist ein Zeichen!«

Tatsächlich geht man immer mit gewissen Erwartungen in so eine Buchmesse, obwohl schon Groucho Marx warnte, es sei besser, keine Erwartungen zu haben, weil diese immer alles kaputt machen. Hatte ich Erwartungen von der Frankfurter Buchmesse 2009? Ja, natürlich hatte ich die, auch wenn ich sie dem weisen Rat Grouchos folgend zu unterdrücken versuchte.

Schön wäre es gewesen, mit einer neuen konkreten Buchidee aus Frankfurt zurückzukehren, den Autorenvertrag eigentlich schon in der Tasche. So wie auf der Buchmesse in Leipzig im Frühjahr 2008, als ich mit der Idee zu den »111 Gründen, sich selbst zu lieben« an meinen Schreibtisch zurückkehrte. Schön wäre es gewesen, endlich einen entscheidenden Impuls für die Fortsetzung des www.tcboyle.de Kurzgeschichtenwettbewerbs zu bekommen. Und schön wäre es gewesen, Roger Willemsen hätte mich wieder angehustet, worauf ich eine Woche lang krank hätte feiern und behaupten können, ein Intellektueller habe mich angesteckt.

Nichts von alledem erfüllte sich. Ein neues Buchprojekt liegt in der Luft, aber noch kann ich es nicht benennen. Für den Short Story Wettbewerb zeichnet sich noch gar keine Lösung ab. Zudem fielen dieses Mal mehrere vielversprechende Messetermine aufgrund von Krankheit und unbegründeter Nichtanwesenheit der zu treffenden Leute ins Wasser. War die Buchmesse 2009 in Frankfurt deshalb – im Gegensatz zu den Frühjahrs- und Herbstbuchmessen der vorangegangenen Jahre – ein Reinfall?

Sicher nicht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Einige Begegnungen, die ich vor fünf Jahren noch als außergewöhnlich empfand, nehme ich heute wohl als selbstverständlich hin. Obwohl sie es nicht sind. So kann ich nach reiferer Überlegung sagen, es gab auch dieses Mal wieder viele interessante Gespräche, die ich nicht missen möchte und die gleichsam die Hoffnung wecken, dass daraus irgendwann etwas Neues, Positives erwachsen wird.

Impressionistisch möchte ich hier mein erstes Twittagessen erwähnen – mit sympathischen Autoren und Verlagsangestellten, allerdings auch mit einer schweineteuren Kartoffel-Lauch-Creme-Suppe; oder den leckeren Weißwein am mare-Stand, begleitet von anregenden Gesprächen über Kinder- und Jugendliteratur, Harry Rowohlt und Gott und die Welt; oder einem wieder mal sehr aufschlussreichen Treffen mit dem Verleger Armin Abmeier – im Schatten eines omnipräsenten Frank Schätzings (sogar in Unterhosen auf mindestens zwei mal vier großen Plakatwänden); und nicht zu vergessen, die stimmungs- und humorvollen Partys am Abend, die mit Go-Go-Girls am Willy-Brandt-Platz und hessischem Senftöpfchen in Sachsenhausen gegensätzlicher nicht hätten sein können.

Fazit: Auch die Herbstbuchmesse 2009 war nicht umsonst. Sie hat mich viel Geld gekostet. Dort gewesen zu sein, wird mir sicherlich etwas bringen. Ich weiß nur noch nicht, was.

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Bestseller und Bratkartoffeln

messe09Reisen bildet. Erst seit der diesjährigen Frankfurter Buchmesse weiß ich zum Beispiel, dass ohne Handy gar nichts geht. Außerdem, so wurde mir gesagt, sei die Selbstbedienungs-Restaurantkette »Vapiano« nur ein »McDonald’s« für Neureiche und Angeber.

Nicht zuletzt hatte ich den Eindruck, dass Läster-Diva Désirée Nick ungestylt aussieht wie jede beliebige 50-jährige Nicht-Diva.

In diesem Jahr hatte ich vorsichtshalber einen Regenschirm in der Tasche. Klar, dass die ganze Zeit die Sonne schien. Dies war wohl ein Vorzeichen: An jeder Ecke warteten unangenehme, aber auch angenehme Überraschungen auf Herrn Reichard und mich. Termine wurden abgesagt. Dinge, auf die man sich gefreut hatte, wurden zu einer Enttäuschung. Ein echtes Kontrastprogramm eben. Dass wir zum Beispiel an einem Abend auf einer hippen After-Work-Party landen würden, um nur einen Tag später bei Äppelwoi und Bratkartoffeln unter riesigen Hirschgeweihen im »Gemalten Haus« zu sitzen, hätten wir nicht gedacht.

Überhaupt stand die Buchmesse ganz im Zeichen von Frank Schätzing, Dan Brown und Til Schweiger. Besonders vor Schätzing gab es kein Entkommen. Selbst unser alljährlicher Plausch mit Herausgeber Armin Abmeier wurde vom umschwärmten Schwarm-Schreiber überschattet, der nur wenige Meter weiter lautstark vom Mut zum Misserfolg predigte, den man als Autor gefälligst haben sollte.

Heiß diskutiert wurde auch die Digitalisierung von Inhalten, die weltweit Buch-Macher in zwei Lager spaltet. Der Nachwuchs sieht dies als Chance, denn schließlich hat er nichts zu verlieren. Die Etablierten befürchten indes – mit Blick auf den desolaten Zustand der Musikindustrie – den Niedergang des Buchhandels, wie wir ihn kennen.

To Kindle oder not to Kindle, das ist hier die Frage. Diese Buchmesse zeigte wie keine zuvor, dass sich große Veränderungen abzeichnen. Beim gemeinsamen »Twittagessen« saßen gestandene Autoren neben hoffnungsvollen Nachwuchsschreibern an einem Tisch. Das Internet als großer Gleichmacher? Was das alles bringen soll, wusste wohl niemand, aber andererseits wollte sich auch keiner vor den Neuerungen des World Wide Web verschließen, sondern dabei sein, bevor der Zug abfährt.

Dramatisch dagegen sind die stetig sinkenden Verkaufszahlen. Selbst große Verlage fahren heute Auflagen, die vor wenigen Jahren Kleinstverlegern vorbehalten waren.

Für mich persönlich war es die erste stressfreie Buchmesse. Während ich gegen Mittag übernächtigt die Hallen betrat, hatte mein neuer Agent bereits mehrere Geschäfte für mich getätigt. So blieb mir nur, mit meinem Verleger Dieter Sekt zu trinken und meiner Lektorin Nadine die Kekse wegzuessen.

Ansonsten traf man an jeder Ecke auf die üblichen Verdächtigen. Selbst Roger Willemsen, der sich im letzten Jahr scheinbar versteckt hatte, saß in der Sonne, um sich angeregt mit einer attraktiven Blondine zu unterhalten. Das einzige, was ich dagegen vernaschen durfte, war – wie so oft – ein Hot Dog mit Röstzwiebeln.

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Unser Roger

brilleRoger Willemsen ist ein Mann der Widersprüche. Ein Kerl, der langsam auf die 60 zugeht und noch immer wie ein Konfirmand wirkt. Ein Bücherwurm mit der Statur eines Sportlers. Ein Intellektueller, der gleichzeitig einen Sinn für die trashigen Aspekte des Lebens hat. Wer ihn einmal live erlebt hat, den überkommt eine gewisse Demut, wenn es um die Beurteilung der eigenen Geistesgaben geht.

Statt wie normale Leute in den Mai zu tanzen, fuhr ich in der letzten Woche lieber nach Hamburg, um im Funkhaus des NDR Herrn Willemsens Musikgeschmack zu lauschen. Erneut legte Deutschlands liebster Intellektueller seine Favoriten auf – zum Vergnügen seiner Fans. Die saßen zwei Stunden gebannt auf ihren Klappsesseln. Der Meister selbst nahm dagegen auf einem roten Sofa Platz, während ein ZEIT-Redakteur zu seiner linken den DJ gab.

Von einem »wunderbaren Abend mit geistreichen Worten und faszinierenden Klängen« war in der Presse zu lesen, von einer Veranstaltung, »die uns den Glauben an die Kraft der Musik und Worte zurückgibt«, naja.

Ein gemütliches Café wäre sicher der passendere Rahmen für so eine Veranstaltung gewesen, als das karge Rolf-Liebermann-Studio. So hatte das Ganze ein wenig den Anstrich eines Volkshochschulkurses. Oder einer Morgenandacht. Und was haben wir dabei gelernt? Das Roger W. ein Faible für Christoph Willibald Gluck, John Coltrane, Camille Saint-Saëns und Billie Holiday hat. Und auch für Schmuse-Swinger Harry Connick jr. Wer hätte das gedacht? Die Willemsen-Jünger waren sichtlich zufrieden, während ich zumindest froh war, ein paar Interpreten erkannt zu haben. Nach einem Abend mit Herrn Willemsen bekommen die eigenen Bildungslücken die Dimensionen der St.-Andreas-Spalte.

Mein persönliches Highlight kam später, als wir im legendären »Kemp’s« saßen, das von Gibson Kemp und seiner Frau Tina (beide ehemalige Mitglieder der legendären »Les Humphries Singers«) geführt wird, und unser Bier schlürften. Nach so viel herer Kunst stand uns nun der Sinn nach Trivialem. Die vielen Fotos im Pub zeugten von der ruhmreichen musikalischen Vergangenheit der Betreiber. Vierzig Jahre Musikgeschichte blickten von den Wänden auf uns herab. An manchen Abenden soll sogar Astrid Kirchherr, legendäre Fotografin und Freundin der Beatles, hinter dem Tresen stehen. Bei unserem Besuch im »Kemp’s« glänzte sie durch Abwesenheit.

Am Eingang des Pubs klebte ein Foto der »Les Humphries Singers«. Einer der Abgebildeten war leider kopflos. Sein Konterfei war mit einem alten Portraitfoto von Les Humphries überklebt. Hmmm … höchst sonderbar. Schade, dass Roger Willemsen nicht zugegen war. Denn der weiß ja bekanntlich alles.

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leipzig09Es gibt viele Gründe, um im März nach Leipzig zu fahren. Zum Beispiel, um sich im berüchtigten Club 21 an der »Mr. und Mrs. Knackarsch«-Wahl zu beteiligen. Oder um im »Don Camillo« alternde Intellektuelle mit ihren jungen Geliebten zu beobachten. Mein alter Freund Herr wortmax und ich zogen dagegen wie in jedem Jahr die Buchmesse vor. Wir sind nun mal Gewohnheitstiere.

Diesmal hatte Herr wortmax seine Kamera im Gepäck, denn Bestsellerautor T.C. Boyle gab sich in Leipzig die Ehre. Als Betreuer der deutschen Website des Meisters war das sein Job. Neugierig, doch vom Boyleschen Œuvre gänzlich unbeleckt, schlurfte ich mit.

Wer reich und berühmt sein will, sollte nur eine Zeit lang den Spuren eines Mannes folgen, der dies bereits geschafft hat. Aufdringliche Fans, Moderatoren, die nicht mal in der Lage sind, die Buchtitel ihres Gegenübers korrekt auszusprechen, ständige Eile und keine Minute für sich selbst. Um ein erfolgreicher Autor zu sein, muss man offenbar die Kondition eines Hochleistungssportlers besitzen – und unendliche Geduld mit seinen Mitmenschen haben. Als Normalbürger ist man da schon vom Zusehen erschöpft. Wer will da berühmt sein? Fazit: Reich zu sein, genügt vollkommen.

Mittlerweile ist die Leipziger Buchmesse die »Rocky Horror Picture Show« unter den Buchmessen. Überall drehen Horden kleiner Mädchen in Korsagen und Netzstrümpfen ihre Runden. Ein Sittenstrolch, der Arges dabei denkt.

Das Schöne an der Leipziger Buchmesse sind die angenehmen Überraschungen, die einem an jeder Ecke erwarten. Besonders, wenn man so unvorbereitet anreist wie ich. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass der legendäre Journalist und Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller auf dem blauen Sofa des ZDF Platz nehmen würde. Insgeheim hoffte ich ja, dass Kulturfee Luzia Braun den großen alten Mann interviewen würde, doch von ihr war weit und breit nichts zu sehen.

Rührend: Zu Trollers Füßen saß ein Fanclub, der aus attraktiven älteren Damen bestand, die ständig zustimmend mit dem Kopf nickten, während der Großmeister des Interviews weise Worte ausstieß, wie unsereins Mundgeruch. »Wir sind alle Außenseiter«, so Troller über die gesamte Menschheit. Während er sich als Interviewer den Menschenfressern zugehörig fühlt.

Am letzten Tag, kurz bevor wir gehen wollten, wagte sich die attraktive Frau Braun doch noch ans Tageslicht. Und ich war in der Nähe! Zum Glück auch Herr wortmax und seine Kamera. Geistesgegenwärtig drückte er auf den Auslöser.

Luzia!!!

Zum Pflichtprogramm gehört natürlich der allabendliche Zug durch die Leipziger Innenstadt, um bei einem Glas Bier das Erlebte aufzuarbeiten und den nächsten Tag zu planen. Diesmal hatten Herr wortmax und ich internationale Besucher aus Luxemburg und Griechenland im Schlepptau. Deshalb wurde die Unterhaltung im radebrechenden Schulenglisch geführt. Und über was wollen Bücherfreunde aus Griechenland reden? Natürlich über die Fußballergebnisse der Bundesliga!

Unser englisch-deutsch-luxemburgisches Geplapper führte immerhin dazu, dass sich wildfremde Frauen interessiert in unser Gespräch einklinkten. Wenn schlechtes Schulenglisch schon sexy macht, was passiert erst, wenn man die Sprache vernünftig beherrscht? Das, liebe Schulkinder, sollte uns allen zu denken geben!

Keine Buchmesse ohne bösartige Gerüchte. Eine der Besucherinnen vertraute mir an, dass sie Wolf Biermann singend auf der Damentoilette antraf. An den Titel des Liedes konnte sie sich leider nicht erinnern. Ein deutscher Schlager soll es gewesen sein. Vielleicht »Ein bisschen Frieden«? Oder »Schön ist es, auf der Welt zu sein«? Da sieht man, was der Kapitalismus so alles anrichtet!

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Go East!

leipzig08_2Endlich ist es wieder soweit: Mein Kollege Herr wortmax und ich brechen in dieser Woche wie in jedem Jahr leichten Herzens und mit klarem Blick auf, um im Land der aufgehenden Sonne (Sachsen) unser Glück zu machen. Oder schlichter formuliert: Wir fahren zur Leipziger Buchmesse! Wird die Pizza an der Thomaskirche wieder so lecker schmecken? Werden wir im Leipziger Nachtleben unter die Räder kommen? Winkt der große Durchbruch? Und viel wichtiger: Wird der große Durchbruch unsere zarten Kinderseelen verderben. Das alles und noch viel mehr erfahrt Ihr in einer Woche!

10 x Bob

Für die einen ist er eine lebende Legende, für die anderen ist er ein alter Mann mit chronisch verstopfter Nase: Bob Dylan – entweder man liebt ihn, oder man hasst ihn. Ich persönlich liebe ihn. Für seltsame Interviews ist er ja bekannt, der gute Bob. In diesen zehn Ausschnitten schwafelt Dylan jedoch so sinnentleert vor sich hin, dass es eine wahre Freude ist. Augepasst, liebe Kinder: Hier sieht man mal wieder, zu was der Konsum illegaler Substanzen führt. Echte Dylanologen werden jedoch trotzdem viel Kluges hineininterpretieren.

Manchmal, aber nur manchmal …

… haben Cartoonisten ein wenig Haue gern. Zumindest wenn jemand anders als sie das Ende des Lederriemens zu spüren bekommt. Bevor Zeichner Joe Shuster 1938 mit »Superman« den Urvater aller Superhelden kreierte, musste sich das erfolglose Jungtalent an dubiose Schundblätter verdingen, um sich in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise einen Teller warmer Suppe leisten zu können. Shuster starb 1992 verarmt und blind in einem Pflegeheim in Los Angeles. Erst jetzt grub ein findiger Lektor diese rührend anmutenden Fetisch-Illustrationen aus, um sie in einem opulenten Hardcoverband heraus zu bringen. Die offizielle Website des Schmökers bringt viele kuriose Bildbeispiele. Aua!

That’s LIFE!

Zwischen 1936 und 1972 wurde braven Amerikanern jede Woche die Welt erklärt, ohne dass sie dafür ihren Hintern vom heimischen Sofa erheben mussten. Eine unterhaltsame Mischung aus Klatsch, Interviews, plus etwas Politik und Zeitgeschehen machte LIFE zum erfolgreichsten Magazin der Welt. Wer in diesen Seiten auftauchte, hatte es geschafft. Dank Google kann man jetzt nach Lust und Laune das riesige Fotoarchiv von TIME/LIFE durchforsten und in vernünftiger Auflösung einige der eindrucksvollsten Fotos des letzten Jahrhunderts genießen.

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