New Jörg Times

JorgedeeÜber ein Jahrzehnt bin ich nun schon in den Weiten des Internets unterwegs und habe in diesem Zeitraum eine Vielzahl an interessanten Menschen kennengelernt, zunächst in diversen Foren oder per E-Mail, später auch im realen Leben. Nicht wenige, sehr enge Freundschaften sind daraus entstanden.

Zu den faszinierendsten und zugleich sympathischsten Persönlichkeiten, die ich kennenlernte, oder besser gesagt: kennenlernen durfte, gehört zweifellos Jörg »Jorgedee« Dreisörner. Unsere Wege kreuzten sich erstmals vor ca. sieben Jahren im Forum der Website von T.C. Boyle.

Als wir 2005 auf unserer deutschsprachigen Boyle-Website den 2. »Being Boyle« Kurzgeschichtenwettbewerb durchführten, war Jorgedee einer der Teilnehmer. »Backpfeife für Goebbels« lautete sein Beitrag. Die Geschichte hielt, was der Titel versprach und begann so:

Das Leben war ein feuchtes Taschentuch, das den guten Zeiten nachweinte, als Smitty dem London-Express entstieg und zwei Nazi-Agenten aus einer Wolke Wasserdampf traten, um ihn übergangslos in ihre Mitte zu schließen, Metropolis Style.

Was ich weder wusste noch ahnte: Die Geschichte von »Onkel Smitty« scheint ein Teil der Lebensgeschichte von Jorgedee zu sein. Er selbst führte später ein Aussteiger-Leben, ein Beat-Leben, und begegnete Personen wie David Bowie, Meat Loaf, Andy Warhol oder auch Allan Ginsberg, dem er die Weihnachtskekse seiner Mutter anbot.

Und Jorgedee malte: auf New Yorks Straßen, für bekannte Theaterproduktionen und berühmte Studios, für das Native American Theatre Ensemble, Aquarius, Rauschenberg, Lichtenstein und viele andere. Zentrales Thema seiner Bilder (aus guten, mit seinem Leben eng in Zusammenhang stehenden Gründen): Indianer, indianische Kultur und indianisches Leben.

Die E-Mails, die ich von Jorgedee erhielt, seine wenigen Geschichten, die ich las, seine Bilder, die er auf unseren Internetseiten veröffentlichte, und eine Kurz-Kurzvita, die er den Bildern beipackte, ließen erahnen, dass er ein ebenso bewegtes wie bewegendes Leben hinter sich hat. Tiefere Einblicke in dieses Leben bekam ich jedoch erst zu Beginn des Jahres bzw. hätte sie bekommen können, als er mir das im Selbstverlag veröffentlichte Buch »Gringo« schickte – seine Lebensgeschichte, erzählt im Jorgedee-Stil, einzigartig und unnachahmlich.

Gelesen habe ich sein Buch dummer- und unverzeihlicherweise erst vor drei Wochen, als mich ein heftiges Gewitter dazu zwang, den Computer einen Abend lang auszuschalten. Leider konnte ich Jorgedee meine Eindrücke nicht mehr mitteilen, denn kurz nachdem ich den Buchdeckel zugeschlagen hatte, erhielt ich die Nachricht: Ya’ at’ eeh’ one more time. A great spirit stopped dancing on our planet. Jorge decided to go on July 14th. He was in great spirits and transcended with dignity.

Zum Andenken an Jörg Dreisörner findet an diesem Samstag, den 7. August 2010, um 15 Uhr, eine Finissage statt. In Rumpelstilz‘ Brauscheune in Krummenhagen (Nordvorpommern).

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Prominente Selbstmörder – Teil 2

Das Lexikon der prominenten SelbstmörderVor zehn Jahren erschien das erste Buch, an dem ich beteiligt war: Das Lexikon der prominenten Selbstmörder. Es war immerhin so erfolgreich, dass zwei Auflagen gedruckt wurden.

Weil ich mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden war, habe ich in den Folgejahren, immer wenn ich Zeit hatte, an einer neuen Version gebastelt. Andere Projekte waren jedoch Schuld, dass nie etwas Konkretes daraus wurde. Es war schwer, ein ganzes Menschenleben in wenigen Zeilen abzuhandeln. Zumal es sich um ein Lexikon handelte. Leider sind wir vielen Personen nicht gerecht geworden.

Auch der von mir geschätzte Comic-Zeichner Wallace Wood gehörte zu den Unglücklichen, für die Selbstmord der letzte Notausgang war. Vor einigen Tagen hätte er Geburtstag gehabt. Hier sein bislang nie erschienener Eintrag (der auch schon wieder fünf Jahre alt ist):

WALLACE (WALLY) WOOD
(*17.06.1927, Menagha, Minnesota, + 31.09.1981, Los Angeles, Kalifornien) amerik. Comic-Zeichner

Der Einfluss, den Wallace Wood auf das Science Fiction-Genre ausübte, ist bis heute spürbar. Sein eleganter Strich eignete sich besonders gut für Abbildungen heldenhafter Raumfahrer, die meist leichtbekleidete Vamps vor hässlichen Monstern schützen – ein Klischee, an dem er eifrig mitgestrickt hat. »Woody«, wie ihn seine Freunde nannten, verbrachte einige Jahre bei der Handelsmarine, bevor er 1948 zum Zeichenstift griff. Wood später: »Nachdem ich von fast jedem in der Branche ausgebeutet wurde, fand ich meine Heimat beim guten alten EC-Verlag«.

EC beschäftigte in den fünfziger Jahren grundsätzlich nur Spitzenkünstler. Woods Zeichnungen erfreuten sich durch eine unglaubliche Detailverliebtheit großer Popularität bei den Lesern. Er zählte zu den ersten richtigen »Stars«, die seine Branche hervorbrachte. Am Ende seiner bekanntesten Geschichte, »My World«, tritt er im letzten Bild sogar als Erzähler auf.

Wood gehörte zu den Gründervätern des kultigen Satiremagazins MAD

Zu seinen Fans gehörten etablierte Science Fiction-Autoren wie Ray Bradbury, dessen Geschichten Wood in Comicform umsetzen durfte. Nachdem 1952 das Satiremagazin MAD aus der Taufe gehoben wurde, gehörte er die ersten zwölf Jahre zum festen Mitarbeiterstab.

Äußerlich wirkte der Zeichner bescheiden und schüchtern. Doch hinter dieser Fassade brodelten Hass und Gewaltphantasien, die sich vor allem gegen Redakteure und Art Direktoren richteten, die oft willkürliche Eingriffe in seine Arbeit vornahmen. »Mein Rat: Werde nie Künstler! Es ist viel spaßiger und befriedigender, ein Schmierfink mit einem Titel wie ›Creative Director‹ oder ›beratender stellvertretender Aushilfsredakteur‹ zu sein,« schrieb er verbittert.

Im Laufe der Jahre griff er immer öfter zur Flasche, um sich Luft zu verschaffen, denn nur im Vollrausch konnte er seine Frustrationen herauslassen. Um der Einsamkeit seines Berufs zu entfliehen, engagierte er Assistenten, die ihm in erster Linie als Gesprächspartner dienten. Einer von ihnen verglich später die Arbeitsatmosphäre mit einer Therapiesitzung. Seine eigenen Therapiesitzungen endeten hingegen damit, dass er seine Psychologin heiratete. Die Ehe war jedoch nur von kurzer Dauer.

Alka-Seltzer brachte nicht den erhofften Durchbruch

In den sechziger Jahren wurde seine Anzeigenserie für die Magentablette »Alka-Seltzer« ein nationaler Erfolg. Ein Anderer hätte diese Chance als Karrieresprungbrett genutzt, nicht Wood. Wegen seiner mittlerweile chronischen Unzuverlässigkeit wurde er von MAD gefeuert. Einmal war er sogar als Zeichner für die bekannte Comic-Serie »Prinz Eisenherz« im Gespräch. Es blieb bei einer einzigen Seite.

Trotz seines enormen Talents lief seine Karriere vollends aus dem Ruder. Wood verdingte sich als Vielzeichner bei den großen Comicverlagen, um seine eigenen unprofitablen Lieblingsprojekte zu finanzieren. Bekannte Serien waren »Daredevil« (2003 verfilmt), »T.H.U.N.D.E.R.-Agents« und »Sally Forth«. Oft saß er rund um die Uhr am Zeichentisch – nur wachgehalten von etlichen Litern Kaffee. Sein Stern war am sinken. In den 70ern war er für seine Kollegen nur noch ein ausgebrannter Vielzeichner, der seine besten Jahre hinter sich hatte. Am Ende produzierte er Comics für Hardcore-Pornomagazine.

Nikotin und Koffein waren sein Treibstoff

Während der ganzen Zeit dachte er an ein Comeback. Wood wollte es seinen Kritikern noch einmal so richtig zeigen. Doch der Raubbau an seinem Körper zeigte Folgen. Sein hoher Blutdruck hatte Auswirkungen auf sein Sehvermögen, die Nieren gaben den Geist auf und er erlitt mehrere Schlaganfälle, die ihm das Zeichnen fast unmöglich machten.

Mit Anfang fünfzig war er ein gesundheitliches Wrack, ohne Aussicht auf Besserung. Er kündigte an, lieber sterben zu wollen, als dass er zuließ, an ein Dialyse-Gerät angeschlossen zu werden. Keiner nahm ihn ernst. Doch der Waffennarr machte seine Drohung wahr und schoss sich in den Kopf, genau einen Tag vor seinem ersten Dialyse-Termin.

»Er hatte auf ein Wunder gehofft, dass ihn wieder zu dem sorglosen Achtzehnjährigen machte, als den er sich immer noch sah. Als er einsah, dass so ein Wunder nie passieren würde, sondern er ein Leben voller Unannehmlichkeiten und Abhängigkeit vor sich hatte, war dies mehr, als er verkraften konnte«, meinte sein ehemaliger Assistent Paul Kirchner. Ein anderer Kollege verglich ihn mit einem Dampfkessel, der stets unter Hochdruck stand und sich am Ende selbst ausgebrannt hatte.

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Home Sweet Home Recording

PianoVergangene Woche habe ich mir das Linux Multimedia Studio aus dem Netz heruntergeladen. Wie gut das Programm ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen, aber ich war verblüfft, welche Sounds es zu bieten hat – ohne irgendein Keyboard oder Expander. Es ist nämlich schon ein Weilchen her, dass ich mich mit Home Recording beschäftigt habe. Fast 20 Jahre, um ehrlich zu sein.

Damals sah die Welt noch etwas anders aus. Wir waren 18 und rannten in Düsseldorf rum, gründeten schließlich einen kleinen Verlag in Braunschweig. Das Geld war knapp. Apple und Quark konnten wir uns nicht leisten. Die preiswerte Alternative hieß Atari und Calamus. Hach! Ich habe beides geliebt.

Den Umgang mit Calamus, dem DTP-Programm, erlernte ich, indem ich in vielen langen Nachtschichten ein Buch setzte und gestaltete, das heute eine echte Rarität darstellt: »Mach Schau! Die Beatles in Hamburg«. Von Thomas Rehwagen und Thorsten Schmidt. Es ist inwischen nur noch antiquarisch erhältlich – für nicht weniger als 66 Euro.

Atari war zu Unrecht als reiner Spiele-Computer verschrien. Man konnte damit z. B. auch im Bereich Desktop Publishing ganz wunderbare Sachen machen – und natürlich Musik. Als ich das Programm Cubase auf meinem Atari ST 2 installierte, eröffnete sich mir eine neue Welt. Zwar konnte ich außer etwas Maultrommel und Luftschlagzeug kein einziges Musikinstrument spielen (bis heute nicht), legte mir aber Bass, E-Gitarre und ein billiges Keyboard zu und … fing an zu komponieren.

Unzählige Nächte verbrachte ich daraufhin in meinem kleinen Home Recording Studio, das eigentlich meine Küche war. Tisch, Stühle und Küchenschrank hatte ich entfernt, nur den Kühlschrank im Zimmer gelassen – für die kalten Getränke. Komponieren macht durstig.

Bis etwa 1995 ging das so. Danach verlor ich die Lust am Musizieren, weil mir die klangtechnisch arg limitierten Möglichkeiten, die ich hatte, nicht mehr ausreichten. Bass und Gitarre musste ich nach kurzer Zeit leider wieder verkaufen. Also stand mir nur noch eine alte Casio Tone Bank mit blechernem Sound zur Verfügung sowie ein kleiner, in die Jahre gekommener Expander von Kawaii. Geld für ein neues leistungsfähigeres Equipment hatte ich nicht, und Zeit, mich weiterhin Nacht für Nacht in Cubase zu verlieren, auch nicht. Also stellte ich mein Home Recording Studio ein.

Hier ein Stück aus jener Zeit. Es wird Euch sicher nicht vom Hocker reißen, ist historisch gesehen hoffentlich aber auch nicht so peinlich, dass man es für immer in der Schublade lassen muss. Außerdem ist es doch nett, mal ein bisschen Musik auf diese Seiten zu bringen, ohne gleich die GEMA am Hals zu haben.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Das Linux Multimedia Studio habe ich mir übrigens besorgt, weil ich überlege, erneut von mir hören zu lassen. Es gibt inzwischen wieder ein E-Piano in meinen vier Wänden, und die Kollegen von der Bumsdorfer Auslese haben die wirre Idee, auf der Bühne demnächst gemeinsam etwas zu singen. Da sollte ich vorbereitet sein. Und Ihr auch.

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Stimmen aus der Vergangenheit

Billige Groucho ImitationSeit Weihnachten hocke ich fast jeden Tag mehr als zehn Stunden vor dem Rechner, um die Farben meiner alten Cartoons zu ändern.

Damit die Hirnzellen bei solch stumpfsinniger Tätigkeit nicht vollends absterben, höre ich dabei seit einigen Tagen alte Aufzeichnungen aus der goldenen Zeit des amerikanischen Radios (die 30er und 40er Jahre). Woody Allen hat dieser Ära in seinem Film »Radio Days« ein wunderbares Denkmal gesetzt.

Es ist schon merkwürdig, die Werbung jener Jahre, die Witze über Lebensmittelmarken und die patriotischen Aufrufe zu hören. Gerade während des Zweiten Weltkriegs war das Radio das Medium, das alle miteinander verband. Die Macher jener Sendungen waren damals ebenso bekannt wie Filmstars. Folgerichtig traten viele Filmstars auch im Radio auf, um ihre Popularität zu steigern. Für Wortakrobaten wie Jack Benny, Bob Hope und Groucho Marx war es die ideale Plattform, um sich auszutoben.

Buchadaptionen, Quizshows, Sitcoms und viel Musik natürlich – alles, was man heute im Fernsehen sieht, konnte man auch damals live im Radio erleben. Nur damals waren die Ideen tatsächlich neu. Das Fernsehen war es auch, das jener goldenen Epoche ein Ende bereitete. Schade, denn vieles, was den Radiohörern vor siebzig Jahren geboten wurde, ist weitaus unterhaltsamer, als die monotone Unterhaltungspampe unserer Fernsehsender. Das Fernsehen sei eine »Phantasieprothese« las ich neulich. Ich denke eher, dass es uns alle erst zu »Phantasiekrüppeln« macht.

Der König des Radios war Multitalent Orson Welles. Mit dem legendären Hörspiel »Krieg der Welten« versetzte er ganz Amerika in Angst und Schrecken. Selbst Hitler ging in einer Rede auf dieses Ereignis ein. Bevor Welles nach Hollywood verschwand, um sein Meisterwerk »Citizen Kane« zu drehen, war er Woche für Woche mit seinem »Mercury Theatre On The Air« (später das »Campbell Playhouse«) in den amerikanischen Wohnstuben zu Gast, um klassische Theaterstücke, Filme oder populäre Romane fürs Radio zu adaptieren. Welles’ Bildungsprogramm war dabei alles andere als langweilig, denn er und seine Truppe waren, wenn es sein musste, hemmungslose Schmierenkomödianten, die vor nichts zurückschreckten. Als Gastmoderator der »Jack Benny-Show« konnte Welles hingegen beweisen, dass er auch komisch sein konnte. Im Museum Of Orson Welles findet man etliche Sendungen aus jener Schaffensperiode des Meisters.

Die wortgewaltigste und schillerndste Figur des Radios war zweifelsohne Groucho Marx. Als die Filmkarriere der Brüder Marx in den Vierzigern abebbte, startete der geschäftstüchtige Groucho eine lange Solokarriere als Quizmaster. Allerdings war »You Bet Your Life« keine altbackene Sendung mit dauergrinsendem Moderator, wie wir sie heute kennen. Groucho benutzte seine Gäste eher wie heute Kurt Krömer: als Stichwortgeber – nur viel, viel witziger. Später, als das Fernsehen seinen Siegeszug antrat, wechselte er das Medium und hatte auch dort über viele Jahre immensen Erfolg. Einige seiner komischsten Radiosendungen findet man hier.

Bevor Dean Martin und Jerry Lewis die Leinwand eroberten, konnten sie 1948 ihre Familientauglichkeit in einer (recht formelhaften) Radiosendung perfektionieren. Bis dahin traten sie mit wesentlich zotigerem Material hauptsächlich in Nachtclubs auf. Das Interessanteste an ihren Sendungen waren die illustren Gaststars, die sich Woche für Woche die Klinke in die Hand gaben: Marlene Dietrich, Boris Karloff, Frank Sinatra und Burt Lancaster sind nur einige von ihnen. Wer Jerry Lewis jedoch im Original gehört hat, kann verstehen, dass die Hälfte der Amerikaner ihn am liebsten auf den Mond geschossen hätte. Hier einige Episoden.

Selbst Stan Laurel und Oliver Hardy versuchten sich während ihrer letzten Jahre in Hollywood an einer eigenen Sendung. Doch ihre Popularität in Amerika war damals auf dem Tiefpunkt. So entstand lediglich eine Pilotsendung mit dem Titel »Mr. Slater’s Poultry Market« (1943), in der unsere Freunde mit zwei Profikillern verwechselt werden. Unglücklicherweise ist der Humor dieser Sendung genau so nett und harmlos wie in ihren letzten Filmen. Die Komik von Mr. Laurel und Mr. Hardy ist nun mal zum großen Teil rein visueller Natur und daher fürs Radio nur bedingt geeignet. Trotzdem bleibt es ein nettes Fundstück, das über Jahrzehnte als verschollen galt.

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mp_footEin ganz wichtiger Termin wurde in diesem Jahr unter den Tisch fallen gelassen: Vor 40 Jahren nämlich wurde die erste Folge von »Monty Python’s Flying Circus« ausgestrahlt. Ich persönlich war immer verwundert, dass »Always look on the bright side of life« das bekannteste Lied der Pythons wurde. Mein eigener Favorit war dagegen stets das legendäre Holzfäller-Lied. Und da auf dieser Website (zum Glück) keine Demokratie herrscht, sondern eine kuschelige kleine Diktatur, werden wir machen, was ich will! Hier also ein kurzer Blick auf die Pythons:

Pappige Kulissen

Die erste Version des Lumberjack-Sketches wurde 1970 vom BBC ausgestrahlt. Hier sieht man am besten, dass »Monty Python’s Flying Circus« eine absolute Billigproduktion war, in die der Sender nicht gerade viel Vertrauen hatte. Für Kostüme und Kulissen wurde kein Pound zuviel ausgegeben. Selbst den Briten war diese Form des britischen Humors zunächst einmal suspekt.

Lässige Lederhosen

1971 wurden zwei Monty Python-Folgen eigens für den deutschen Markt produziert. Initiator war Alfred Biolek. Die erste Folge »Monty Python’s Fliegender Zirkus: Blödeln für Deutschland« wurde komplett in Deutsch gedreht. So wurde aus dem kanadischen Holzfäller ein braver deutscher Holzhacker in Lederhosen. Die Pythons gaben sich zwar große Mühe, unsere Sprache zu sprechen, aber das Ergebnis wirkt schon etwas sonderbar. Klar, dass die Deutschen mit solcher Komik nichts anfangen konnten.

Unter Bäumen

In dem Film »Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft«, einem Sammelsurium der besten Sketche der Comedytruppe, konnte man 1971 eine neue, opulentere Version des Holzfäller-Songs erleben. Dieses Mal vor echten Kulissen. Die Mütze und die Hosenträger sind jedoch geblieben. Inzwischen war die Sendung zwar kein richtiger Erfolg, aber zumindest Kult. Hier zur Abwechslung die deutsch synchronisierte Version.

Pythons go Hollywood

Lange nachdem »Monty Python’s Flying Circus« abgesetzt war, trat die gesamte Truppe 1982 live in Hollywood auf, um ihre Sketche vor einem tobenden amerikanischen Publikum zum Besten zu geben. Es dauerte lange, bis das Publikum den absurden Humor der Pythons zu schätzen wusste. Den Holzfäller-Song sang statt Michael Palin hier jedoch Eric Idle.

Goodbye George

Ex-Beatle George Harrison zählte zu den größten Python-Fans auf diesem Planeten. Schließlich produzierte er später etliche Filme der einzelnen Mitglieder. 2002, ein Jahr nachdem Harrison verstorben war, versammelten sich all seine Freunde, um im »Concert for George« seiner zu gedenken. Mit dabei waren auch die (fast) vollständigen Pythons, um eine bislang letzte Version des Holzfäller-Liedes vorzutragen.

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Pippis Patentante

lindgren»Die arme Astrid! Jetzt versucht wohl anscheinend jeder mit ihrem Namen Geld zu machen«, erklärte Heidi Oetinger barsch, als Manuela und ich ihr Haus betraten.

Selbst meine sonst so forsche Co-Autorin erbleichte, ließ sich aber nichts anmerken. Eigentlich hatten wir einen netten Plausch erwartet. Heidi Oetinger war zu diesem Zeitpunkt bereits 95 Jahre alt. Sie hatte gerade einen Oberschenkelhalsbruch erlitten. Für die meisten Menschen ihres Alters wäre dies das gesundheitliche Aus gewesen. Wir hatten daher eine gebrechliche alte Dame erwartet. Frau Oetinger spazierte jedoch nur wenige Wochen nach ihrer Operation energisch mit einem Krückstock durchs Haus.

Nervös erklärten wir, wieso die Welt ein »Astrid-Lindgren-Lexikon« braucht. Klar, Geld wollten wir auch gern damit verdienen. In erster Linie aber waren wir große Bewunderer der schwedischen Autorin und wollten die Lücken füllen, die andere Publikationen unserer Meinung nach aufwiesen. Das stellte sie erst mal zufrieden.

Als wir mit der Arbeit an unserem Buch begannen, war uns klar, dass wir an einem Gespräch mit Heidi Oetinger nicht herumkommen würden. Sie und ihr Mann waren es, die mit Autoren wie Astrid Lindgren den trüben Mief der Nachkriegsära aus den deutschen Kinderzimmern blies. Sie machten uns mit Janosch bekannt, der uns zeigte, wie schön Panama ist. Zusammen mit Autoren wie Paul Maar, Kirsten Boie und dem heute fast vergessenen James Krüss ist der Name Oetinger seit über sechs Jahrzehnten ein Garant für hochwertige Kinderbücher. Wenn Astrid Lindgren Pippi Langstrumpfs Mutter war, war Heidi Oetinger ihre deutsche Patentante.

Der Verleger Friedrich Oetinger wollte eigentlich sozialkritische Autoren wie Upton Sinclair verlegen. Damit war im Nachkriegsdeutschland jedoch kein Blumentopf zu gewinnen. Als er 1948 das schwedische Kinderbuch »Pippi Långstrump« entdeckte, ergriff er, wie man so schön sagt, das Glück beim Schopfe.

Astrid Lindgren beschrieb ihn folgendermaßen: »Ein sanftmütig blickender, braunäugiger, freundlich lächelnder Mann, der Franz Schubert auffallend ähnlich sah.« Seine Sekretärin, die im Krieg verwitwete Heidi von Hacht, Mutter einer kleinen Tochter, war fast von Anfang an dabei. Die beiden heirateten 1952. Auch wenn sie selbst es gern abstritt: Es war vor allem Heidi Oetinger, die über Jahrzehnte die Geschicke des Kinderbuchverlages mitprägte. James Krüss bezeichnete sie als »Mutter des Verlags«. Die beiden arbeiteten und mühten sich zusammen ab »wie Ochsen unter dem gleichen Joch«, so Lindgren. Als ihr Mann sich zurückzog, leitete sie den Verlag allein.

Selbst mit 95 Jahren war sie über alles, was in ihrem Haus passierte, bestens informiert und fuhr noch immer zur Frankfurter Buchmesse. Ihre Tochter Silke Weitendorf, die wir ebenfalls kennenlernen durften, hatte in Schweden (wo sie neben Astrid Lindgren arbeitete) das Verlagsgeschäft erlernt, bevor sie die Geschicke des elterlichen Betriebs übernahm. Der Apfel fiel in diesem Fall nicht weit vom Stamm.

Der Oetinger Verlag ist nicht das riesige Kinderbuch-Imperium, wie man es sich vielleicht vorstellt, sondern wirkt wie ein sympathischer kleiner Familienbetrieb, mit hilfsbereiten, freundlich dreinblickenden Mitarbeitern. Heidi Oetinger lebte nur einen Steinwurf vom Verlagsgebäude entfernt.

Viele Fragen, die wir ihr stellten, hatte sie sicher hunderte Male beantwortet, doch geduldig und ohne mit ihrer Meinung hinterm Berg zu halten, gab sie Auskunft. Klatsch und Tratsch dufte man von dieser Frau nicht erwarten. Spürbar war indes ihre Liebe zur Literatur, zu ihrer Familie und natürlich zu ihrer verstorbenen Freundin Astrid. Auf ihrem Schreibtisch türmten sich Bücher, einige Briefe und die Übersetzung eines skandinavischen Bandes, die sie speziell zur eigenen Lektüre anfertigen ließ. Daneben lag eine große Leselupe.

Dass ihre Freundin Astrid Lindgren nach dem Tod ihres Sohnes den Lebensmut verlor, verstand sie nie: »Warum altert Astrid so? Muss das denn nun sein?« fragte sie einmal konsterniert. Sie selbst hätte wahrscheinlich die Zähne zusammengebissen und weitergemacht.

Nach zwei Stunden mit ihr bekam man das Bild einer eisernen Lady, die vergessene Tugenden wie »Fleiß«, »Disziplin« und besonders »Loyalität bis über den Tod hinaus« verkörperte. »Ich habe immer gearbeitet«, sagte sie, »und wer arbeitet, hat wenig Zeit, sich Gedanken ums Kranksein zu machen.«

Während unseres Gesprächs betonte sie ausdrücklich die Rolle, die ihr Mann im Verlag inne gehabt hatte. Unter der rauen Schale konnte man die Warmherzigkeit eines Menschen spüren, dessen Freundschaft, wenn man sie erst gewonnen hatte, unverbrüchlich war – sehr hanseatisch eben. Allein dass Astrid Lindgren sie zu ihren engsten Vertrauten zählte, machte sie in unseren Augen über jeden Zweifel erhaben. Als wir die Stufen ihres Hauses herabschritten, schwiegen wir eine Weile. Die Bandaufnahme unseres Gesprächs habe ich heute noch.

Ihr Rezept für ein langes Leben lautete: »Wer liest, der hat immer mehrere Leben, nämlich in Büchern.« Am 5. Oktober 2009, einen Monat vor ihrem 101. Geburtstag, verließ sie uns. Kinderbücher und deren Verleger spielen im Literaturbetrieb leider keine bedeutende Rolle. Noch immer werden sie vom Feuilleton weitgehend ignoriert. Dabei haben gerade Menschen wie Heidi Oetinger unser aller Leben elementar beeinflusst, denn sie waren es, die uns die Freude am Lesen geschenkt haben.

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Tabu or not tabu?

tabuAls am 11. September 2001 die Flugzeuge ins World Trade Center stürzten (die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht) fragte ich mich, wer wohl als Erster einen Witz über dieses Drama reißen wird.

Zu meinem Erstaunen dauerte es nur drei Monate, bis die Entertainerin Joan Rivers auf der Bühne scherzte, dass die Witwen der Feuerwehrleute, die durch die Anschläge ums Leben kamen, enttäuscht gewesen wären, hätte man ihre Gatten lebend geborgen. Schließlich sei jede hinterbliebene Ehefrau mit fünf Millionen Dollar entschädigt worden. Das Publikum fand das damals gar nicht komisch. Drei Monate Wartezeit waren zu wenig, denn die magische Formel lautet: Tragödie + Zeit = Komödie.

Wer jetzt an seinen letzten Zahnarztbesuch denkt, wird mir sicher recht geben. Es gibt auch eine Formel, die besagt: Jugend + Armut = Komödie. Leider trifft dies auch auf Folgendes zu: Alter + Armut = Tragödie. Dies geht mir immer durch den Kopf, wenn ich auf meine Kontoauszüge schaue. Aber ich schweife ab.

Ich glaube, ein guter Humorist hat ein Gespür dafür, wann er Tabus brechen kann, ohne sein Publikum zu verlieren. Als vor einigen Jahren ein Buch mit dem Namen »Wege in die Wanne« erschien, in dem sich mehrere Cartoonisten mit dem vermeintlichen Selbstmord des Politikers Uwe Barschel befassten, konnte fast kaum jemand darüber lachen. So etwas ist einfach nicht komisch. Wer dagegen Witze über leichte Ziele wie Michael Jackson oder Angela Merkel macht, kann ebenfalls keine Lachsalven mehr erwarten – höchstens vielleicht von fünfzigjährigen Sozialpädagogen.

Apropos Tabus: Als Mitglieder der angesehenen deutschen Band »Parzival« 1977 auf die Idee kamen, eine Rock-Oper mit dem Titel »Der Führer« zu veröffentlichen, wurde das Werk ganz schnell verboten. Als dreißig Jahre später Helge Schneider in der Komödie »Mein Führer« mit Adolf-Bärtchen über die Leinwand schlurfte, fanden wir das dagegen saukomisch. So ändern sich die Zeiten. Nun gibt es sogar einen Tarantino-Film, in dem der Nazi-Oberbösewicht am Ende am Leben bleibt. Zwar etwas lädiert, aber immerhin …

Die Zeiten ändern sich tatsächlich. Es gibt keine Tabus mehr. Man muss nur die nötige Geduld besitzen und abwarten. Früher oder später wird einfach alles zur Komödie, das Banale wie das Entsetzliche: Die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten, Hitler und der Holocaust, die Schrecken des Kommunismus und irgendwann auch der 11. September. Dann wird Quentin Tarantino sicher einen Film darüber drehen, in dem die Terroristen in den Flugzeugen über die Konsistenz von Dönern philosophieren werden.

Und wir werden uns köstlich darüber amüsieren.

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Elbe- oder Oderflut?

fragezeichenDie Älteren werden sich erinnern. Oder auch nicht. Silvesterabend 1986. In der ARD wurde die Silvesteransprache des Bundeskanzlers Helmut Kohl ausgestrahlt. Dumm nur: Man hatte versehentlich das falsche Band eingelegt. Statt der aktuellen Ansprache wurde Kohls Rede vom Vorjahr gezeigt, vom Silvesterabend 1985.

Der Fehler blieb nicht unbemerkt. Mehrere Zuschauer riefen empört beim NDR an und beschwerten sich. Dass sie ein altes Band zu sehen bekamen, war ihnen allerdings nicht anhand dessen aufgefallen, was der Bundeskanzler sagte, sondern weil sie sich die Ansprache kurz zuvor schon im ZDF angeschaut hatten – und da trug Helmut Kohl einen ganz anderen Anzug als im Ersten.

Warum erinnere ich hier und heute daran? Weil mir ein ähnliches Malheur wie dem NDR passiert ist. In meinem neuen Buch »111 Gründe, sich selbst zu lieben«, und zwar bei Grund Nr. 19. In diesem Text heißt es:

Wenn wir [Deutschen] solidarisch sein wollen, dann bitte so wie bei der schweren Oderflut 1997. Die dramatischen Ereignisse wurden damals von der gesamten deutschen Bevölkerung mit großer Anteilnahme verfolgt. Bundeswehrsoldaten leisteten Herausragendes. Und es wurden über 50 Millionen Euro gespendet, nicht etwa aufgrund staatlich verordneter Solidarität, sondern aus echtem Mitgefühl, an dem wir nur einen kurzen Moment lang zweifelten, als nämlich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder – nicht nur aus Gründen der Solidarität – am Unglücksort aufkreuzte und in seinen dicken schwarzen Gummistiefeln den Eindruck erweckte, er hätte eigenhändig die meisten Sandsäcke zur Sicherung der Deiche herangeschleppt.

Na? Wo steckt hier der Fehler? Richtig! 1997 war Gerhard Schröder noch gar kein Bundeskanzler. Da hatten wir noch Kohl, und der schrieb nicht in dicken schwarzen Gummistiefeln deutsche Geschichte, sondern in einer blauen Strickjacke.

Ich muss das hier und heute zur Selbstanzeige bringen, weil ich selbstverständlich unterscheiden kann zwischen Kohl und Schröder, zwischen schwarzgelb und rotgrün, zwischen der schweren Oderflut 1997 und dem Elbehochwassser 2002.

Beim Kürzen meines Textes sind versehentlich zwei verschiedene Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte in einen Topf geraten, und niemand hat es rechtzeitig bemerkt. Ich nicht. Die Freunde nicht, die ich bat, das Manuskript zu korrigieren. Und auch die kompetente Lektorin nicht, deren Arbeit ich – abgesehen von dieser kleinen Unachtsamkeit – nur in allerhöchsten Tönen loben kann.

Erst jetzt, wo ich das Buch gedruckt in Händen halte, stoße ich auf die historische Ungenauigkeit. Das ist Murphys Gesetz. Natürlich ärgere ich mich darüber. Allerdings bin ich auch gespannt, wie viele Leserinnen und Leser den Fehler entdecken werden und – woran sie ihn erkennen.

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Vor 40 Jahren

neunundsechszigWer erinnert sich nicht an das glorreiche Jahr 1969? Wahrscheinlich erst mal all jene, die damals noch gar nicht auf der Welt waren. Doch das ist keine Entschuldigung, wenn es um die wichtigen Eckdaten der Weltgeschichte geht. Vor 40 Jahren setzte der erste Mensch einen Fuß auf den Mond. Aber wen interessiert das? Viel wichtiger ist: Vor 40 Jahren schlug die Geburtststunde von Jason King!

Wer das ist? Jason King war dereinst der coolste Kauz auf unserem Erdenrund. Na ja, vielleicht nicht ganz. Aber immerhin schaffte er es auf das Cover der »Bravo«.

Schauspieler Peter Wyngarde, der in den Swinging Sixties diverse Gastauftritte in Serienklassikern wie »Mit Schirm, Charme und Melone«, »Nummer 6« und »Simon Templair« absolvierte, war bis 1969 so gut wie unbekannt.

Das änderte sich schlagartig, als er für die Krimiserie »Department S« eine Zottelperücke aufsetzte und sich einen markanten Schnauzbart stehen ließ. Aus Wyngarde wurde Hobbykriminologe und Bestsellerautor Jason King. Wyngardes Alter Ego King trug Klamotten, die jeden heterosexuellen Mann die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. Die Frauen jedoch waren entzückt.

Für kurze Zeit war Peter Wyngarde ein internationaler Superstar. Eine Umfrage besagte, dass die Mehrheit der australischen Teenies ausgerechnet von Wyngarde zur Frau gemacht werden wollten. Als er das Land besuchte, wurde er von weiblichen Fans so bedrängt, dass er fast einen Nervenzusammenbruch erlitt.

Laurie Johnsons geniale Musik zur Serie Jason King

1971 war es dann so weit: Jason King bekam eine eigene Serie. Die eingängige Musik schrieb Laurie Johnson, der auch für die Titelmusik der Serienklassiker »Mit Schirm, Charme und Melone« und »Die Profis« verantwortlich war. Das Ego des Stars nahm in dieser Zeit gigantische Dimensionen an. Mittlerweile gab Wyngarde eine Modekollektion heraus, die so extravagant war, dass kein gottesfürchtiger Mann sich damit auf die Straße getraut hätte.

Zehn Minuten schwachsinniger Dialoge aus der guten alten Fernsehzeit

In Deutschland bekam die Serie eine Jux-Synchronisation verpasst, die schon »Die Zwei« zum Quotenhit gemacht hatte. Doch es half nichts. Den deutschen Fernsehzuschauern war Wyngarde mit seinen Rüschenhemden und Samtanzügen offenbar suspekt.

Jason King im Original: »Relax, Jason!«, »I’m relaxed. I drink of boredom.«

Zum Beweis: Hier ein kleiner Ausschnitt im Original, in dem Wyngarde seine Schauspielkunst nebst seinen exotischen Modegeschmack zur Schau stellt. So sah 1971 das Sexsymbol aller Frauen aus. Wie haben sich die Zeiten geändert!

Wyngardes Karriere endete in einem Busbahnhof in Gloucester. Dort wurde er 1975 in einer Herrentoilette mit einem LKW-Fahrer erwischt. Jason King sah nämlich nicht nur schwul aus – er war es auch. Unter dem Spitznamen »der Major« war er eine bekannte Größe der Londoner Szene. Der Schauspieler wurde verhaftet und wegen sittenwidrigen Verhaltens verurteilt. Seine Verehrerinnen waren schockiert. Danach war der einstige Modegeck ein Fall für die Sozialhilfe. Die Fernsehgewaltigen gaben ihm nie wieder eine Chance.

Die letzte große Leinwandrolle hatte er in der Filmgurke »Flash Gordon« – hinter einer Maske. Erst nachdem Mike Myers mit Austin Powers quasi eine Neuauflage von Jason King schuf, interessierten sich die Fans wieder für die einstige Erfolgsserie und ihren Star.

Inzwischen ist Wyngardes Ruf als cooler Kauz wiederhergestellt. Wie bereits gesagt: Die Zeiten haben sich geändert. Und das ist auch gut so. Seine Platte When Sex Leers It’s Inquisitive Head (1971) mit so schmalzigen Titeln wie La Ronde De L’Amour besitzt inzwischen Kultstatus.

Was dagegen hat Neil Armstrong vorzuweisen?

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comickauzWer kennt ihn nicht, den dickbäuchigen Comichändler aus der TV-Serie »Die Simpsons«? Das Schlimme: Die meisten Comichändler sehen tatsächlich so aus! Noch gruseliger jedoch sind die Erzeuger jener vierfarbigen Machwerke. Beweise gefällig?

Schon vom Optischen her belegt der britische Autor Alan Moore einen Spitzenplatz unter den Comic-Käuzen. Moore, der nebenbei in einer Rockband auftritt und sich für schwarze Magie interessiert, ließ die Comicwelt vor über zwanzig Jahren mit seinem Meisterwerk Watchmen aufhorchen. Mittlerweile ist er mit seinen ehemaligen Verlagen bis aufs Blut verfeindet. Dies geht sogar so weit, dass Moore seinen Namen von allen Geschichten, die er einst für den US-Verlag DC schrieb, entfernt haben möchte.

Moore findet auch die Filmversionen seiner Bestseller »From Hell«, »Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen« und »V wie Vendetta« völlig misslungen: »Diese Filme haben nichts mit meiner ursprünglichen Vision zu tun.« Da ist es nur konsequent, wenn er dafür kein Honorar akzeptiert, meint er.

Ganz Hollywood ist ratlos in Anbetracht dieses Verhaltens. Höchstwahrscheinlich wird auch im Vorpann der spektakulären Watchmen-Verfilmung Moores Name fehlen. Das sich ein erfolgreicher Autor so konsequent von seinen Werken distanziert, ist bislang ohne Beispiel. Schuld daran ist wohl vor allem das Verhalten amerikanischer Comicverlage, die ihren Autoren jegliches Mitspracherecht verweigern.

Dabei wird fast alles, was er anfasst, zu Gold. So auch der dreibändige Edel-Porno The Lost Girls, den er zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Künstlerin Melinda Gebbie, schuf. Moore: »Das Geheimnis für eine gute Beziehung? 16 Jahre lang geimeinsam an einem pornographischen Comic zu arbeiten.«

Kauzig war auch der 1996 verstorbene Amerikaner Mark Gruenwald. Der herzkranke Comic-Autor und Redakteur identifizierte sich so sehr mit seiner Arbeit, dass er testamentarisch verfügte seine Asche in die Druckfarben seines letzten Comicalbums Squadron Surpreme mischen zu lassen.

So kam es, dass seine sterblichen Überreste für mehrere Wochen auf dem Schreibtisch seines ehemaligen Assistenten lagerten – in einem Tupperbehälter. Leider reichte die Gruenwaldsche Asche nur für ein paar Tausend Exemplare. In den späteren Auflagen wurde daher der Zusatz »Does not contain ashes« ins Impressum gedruckt.

Da geht es in Deutschland wesentlich langweiliger zu. Der merkwürdigste Zeichner, den ich kenne, ist bekennender Sadomasochist und würde seine Freundin gern an der Hundeleine durch die Stadt führen. Aber so etwas gehört in Hannover ja zum Stadtbild.

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