Neulich war ich auf der tollen Party einer Werbeagentur, für die ich schon seit über zehn Jahren arbeite. Ich stand an der Theke und hielt Ausschau nach bekannten Gesichtern, als mir plötzlich jemand ins Auge fiel, den ich von irgendwoher zu kennen glaubte. Einige Minuten lang kramte ich tief in meinen Erinnerungen, dann sprach ich ihn an: »Entschuldigung, wir kennen uns doch von irgendwoher, oder?«
Wir kannten uns tatsächlich von irgendwoher. Der Angesprochene entpuppte sich als mein früherer Lieblings-Schallplattenverkäufer. Als er noch Schallplatten verkaufte und wir uns das letzte Mal gesehen hatten, waren Lukas Podolski und Keira Kneightley noch nicht einmal ein »Quak« im Schaufenster.
Man schrieb das Jahr 1983. Wir jubelten damals gemeinsam in der Eilenriedehalle in Hannover der kanadischen Rockband Saga zu, die gerade ihr Album »Heads or Tales« veröffentlicht hatte. Im Vorprogramm von Saga schwitzte und trällerte Chris Rea, auf den ich hier aber nicht weiter eingehen möchte. Denn den kannte damals kaum eine Sau. Ja, so lange ist das schon her.
Doch zurück zur Agenturparty. Die lief leider etwas an mir vorbei. Statt wichtige neue Geschäftskontakte zu knüpfen und mich an dem originellen Programm der Gastgeber zu erfreuen, hatte ich nur noch Ohren und Augen für meinen Schallplattenverkäufer. Wir saßen über Stunden hinweg an einem Tisch und unterhielten uns, über unsere Lebenswege, über die 80er Jahre, die so schlecht nicht waren, und natürlich über Schallplatten.
Eine Woche später, am 12. August 2010, machte mich der Journalist und Kommunikationsberater Jörg Marx über Twitter darauf aufmerksam, dass es den »Welttag der Schallplatte« zu feiern gibt. Reiner Zufall, könnte man jetzt behaupten. Ich glaube jedoch eher daran, wieder einmal auf das Mystische gestoßen zu sein, das die Schallplatte seit jeher umgibt.
Beispielsweise erinnere ich mich noch gut und gern daran, wie ich als Jugendlicher Mitte der 80er Jahre eine Tante in Köln besuchte, wie sie mir einen Hunderter zusteckte und mich zum Shoppen in die Stadt schickte, und wie ich – Kind der Provinz – daraufhin erstmals das dreistöckige Schallplattenhaus Saturn am Hansaring betrat, wo die Schallplatten nicht alphabetisch sortiert waren, sondern nach Bestellnummern. Von da an wusste ich, wie sich Christoph Kolumbus gefühlt haben musste, als er nach endlosen Wochen auf See Amerika entdeckte.
»Also«, dachte ich heute morgen, »schreib doch in deinem Blog mal eine Geschichte über deine Schallplattensammlung.« Ein Ding der Unmöglichkeit, wie ich gleich darauf feststellte. Denn es befinden sich über 700 Exemplare schwarzen und farbigen Vinyls in meinem Regal. Es gibt dazu nicht nur eine Geschichte, sondern über 700!
Schon klar: Nicht jede dieser Geschichten ist für andere interessant, und nicht jede dieser Geschichten würde ich hier erzählen wollen. Doch soviel steht fest: Wenn ich mal nicht weiß, über was ich schreiben soll, genügt ein Blick in meine Schallplattensammlung.
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edit: Habe nochmal auf die Schallplatte »Heads or Tales« geschaut und musste nachträglich die Jahreszahl von besagtem Saga-Konzert korrigieren. Das war nicht – wie zuerst angegeben – 1985, sondern 1983. Da quakten Philipp Lahm und Amy Winehouse im Schaufenster. Mann, mann, mann.

Wenn ich schreibe, muss es mucksmäuschenstill sein, beim Zeichnen hingegen ist etwas Gedudel im Hintergrund eher förderlich. Die Zeit vergeht einfach schneller. Deshalb nutze ich die Stunden vorm Computer gern, um meinen musikalischen Horizont zu erweitern.
Die meisten Heavy Metal-Fans sehen Ozzy Osbourne als den besten Black Sabbath-Sänger aller Zeiten an. Nicht wenige sind sich vielleicht gar nicht bewusst, dass es da auch noch andere gab. Eigentlich sogar ganz schön viele, denn Black Sabbath zählen zusammen mit Deep Purple zu den zickigsten Bands in der an Diven nicht eben armen Metal-Szene. Trennungen und Reunions sind da an der Tagesordnung. Für mich persönlich jedenfalls ist Ronnie James Dio der eigentliche Black Sabbath-Sänger. Der erste Eindruck ist ja immer der prägende und bevor ich die Ozzy-Alben kannte, hörte ich damals, 1982, den Konzertmitschnitt »Live Evil« rauf und runter und natürlich rückwärts, auch wenn ich dabei die versprochenen satanischen Botschaften nicht entdecken konnte. Dafür wurde mir die Platte allerdings bei einer Geburtstagsparty gestohlen, weshalb ich sie mir ein zweites Mal zulegen musste. Ich denke, das zeigt deutlich, wie sehr ich sie schätzte.
In dem Film »Die Royal Tenenbaums« gibt es
Schon wieder ein Moment, an den man sich erinnern muss: Wo warst Du, als Michael Jackson starb? Ich erinnere mich noch an jenen Tag, als ein anderer King den Löffel abgab.
Eines Abends konnte ich auf einer Party, auf der ich vor einigen Jahren eingeladen war, erleben, wie ein Dutzend braver Ärzte zu den Klängen des NDW-Oldies »Ich will Spaß« zu prolligen Teenagern mutierten.
Dank
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