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		<title>Heintje jagt Frankenstein</title>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 16:50:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sandra Bullock]]></category>

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		<description><![CDATA[Letzte Woche fand ich im Keller eine alte »TV Spielfilm« aus dem Jahr 1995. Wieso ich die Zeitschrift aufgehoben habe, weiß ich leider nicht mehr. Vielleicht lag es ja am aufreizenden Cover, das eine verrucht grinsende Sandra Bullock in schwarzer Unterwäsche abbildet. Ein kurzes Durchblättern zeigte, wie wenig sich das Blatt in den letzten 18 [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/05/heintje_tv.jpg" alt="heintje_tv" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-2093" />Letzte Woche fand ich im Keller eine alte »TV Spielfilm« aus dem Jahr 1995. Wieso ich die Zeitschrift aufgehoben habe, weiß ich leider nicht mehr. Vielleicht lag es ja am aufreizenden Cover, das eine verrucht grinsende Sandra Bullock in schwarzer Unterwäsche abbildet. </p>
<p>Ein kurzes Durchblättern zeigte, wie wenig sich das Blatt in den letzten 18 Jahren verändert hat. Geändert hat sich höchstens das Fernsehprogramm. Schmachtfetzen wie »Heintje &#8211; ein Herz geht auf Reisen« wird man auf Sat1 wohl nie wieder zur Hauptsendezeit präsentiert bekommen. Am 22. Juli 1995 lief der Film gegen »Traumhochzeit«, »Das Traumschiff« und »Das Beste aus Geld oder Liebe«. Es war allerdings nicht alles schlecht am 22. Juli 1995, denn zu mitternächtlicher Stunde konnte man sich mit dem »Schulmädchenreport, Teil 5« (ebenfalls auf Sat1) über die kleinen und großen Ungerechtigkeiten des Lebens hinwegtrösten.</p>
<p>Mit Erstaunen stellte ich fest, dass ich damals die Angewohnheit hatte, alle Sendungen, die für mich von Interesse sein könnten, mit Textmarker hervorzuheben. Fernsehen hatte für mich offenbar einen wesentlich höheren Stellenwert als heute. Zweifellos wegen solcher Meisterwerke des Trashs wie »Dracula jagt Frankenstein«, den ich mir für den Abend des 25. Juni 1995 vorgemerkt hatte. Habe ich den Film damals tatsächlich gesehen? Keine Ahnung. </p>
<p>Dabei fällt mir ein, dass ich das Markieren von Fernsehprogrammen irgendwann aufgegeben habe. Ganz einfach, weil ich mir die meisten Sendungen am Ende sowieso nicht ansah, da ich offenbar Besseres zu tun hatte. Treuer Zuschauer war ich höchstens bei Serien wie »Picket Fences«, die heute fast vergessen sind, damals jedoch besonders dick von mir unterstrichen wurden. Viel interessanter indes sind die vielen Telefonnummern, die ich an den Rändern der Seiten notiert hatte. Wer zum Teufel war »Susi«?</p>
<p>Was beim Durchblättern der Zeitschrift besondern auffällt, ist die Tatsache, dass das Fernsehprogramm von 1995 in erster Linie von erbärmlichen Schrottfilmen und endlosen Wiederholungen jahrzehntealter Klassiker dominiert wurde. Kurz: Zwischen »gut« und »schlecht« klaffte eine enorme Kluft. </p>
<p>Heute dagegen sind Fernsehserien oft besser produziert als Spielfilme. Absoluter Müll wie »Das Geheimnis des Grabmals am Nil« wird höchstens im Nachtprogramm versendet. Der gute alte Softporno ist sogar gänzlich aus dem Fernsehen verschwunden. Die »Ausreißer« nach oben und unten sind weitgehend verschwunden, dafür haben wir ein Mittelmaß auf recht hohem Niveau.</p>
<p>In den letzten 18 Jahren hat sich auch mein Fernsehverhalten grundliegend geändert. Schuld ist sicher das Internet. Doch 1995 war vom Internet noch wenig zu spüren. Damals besaß ich zwar seit einem Jahr einen Computer, auf dem ich zunächst aber hauptsächlich herumdaddelte. Meine erste eigene Mailadresse kam erst fünf Jahre später. Heute verbringe ich wesentlich mehr Zeit im Internet als vorm Fernseher. </p>
<p>Zum Glück haben sich andere Dinge kaum verändert. Zum Beispiel sieht Sandra Bullock in schwarzer Unterwäsche heute fast genauso aus wie damals. Wobei mir einfällt: Photoshop gab es 1995 auch schon. </p>
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		<title>Unwirkliche Buchmesse</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Mar 2013 16:46:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wortmax</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisenotizen]]></category>
		<category><![CDATA[Karsten Weyershausen]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Möller]]></category>
		<category><![CDATA[T.C. Boyle]]></category>

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		<description><![CDATA[Das war sie also, die Leipziger Buchmesse 2013; sehr unwirklich dieses Mal, angesichts eines Winters, der wie ein dicker Pickel an der Backe des Kalenders klebt und sich einen feuchten Dreck schert um irgendwelche meteorologischen oder kalendarischen Frühlingsanfänge. Für mich jedenfalls fühlt es sich an, als habe das Jahr noch gar nicht angefangen. Hinzu kommt [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/03/lbm13.jpg" alt="lbm13" title="lbm13" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-2034" />Das war sie also, die Leipziger Buchmesse 2013; sehr unwirklich dieses Mal, angesichts eines Winters, der wie ein dicker Pickel an der Backe des Kalenders klebt und sich einen feuchten Dreck schert um irgendwelche meteorologischen oder kalendarischen Frühlingsanfänge. Für mich jedenfalls fühlt es sich an, als habe das Jahr noch gar nicht angefangen.</p>
<p>Hinzu kommt die Terminfülle. Viele Termine sind natürlich erfreulich. Einerseits. Andererseits vergehen zwei Messetage, der Donnerstag und der Freitag, wie im Fluge. Man braucht dafür gar nicht mal <em>so</em> viele Verabredungen. Eben noch beim Verlag Schwarzkopf &#038; Schwarzkopf den ersten Keks aus der Schale gemopst und schwups! … schon tuckelt man wieder resümierend auf der A14 heimwärts. Dieses Husch-husch-und-schon-wieder-wech verstärkte nicht unwesentlich das Gefühl, gar nicht auf der Buchmesse gewesen zu sein.</p>
<p>Daher wäre mein Wunsch an die Leipziger Buchmesse, sie würde sich in Zukunft mit dem Mittwoch noch einen Tag vorne drankleben lassen. Wie auf der Buchmesse in Frankfurt. Denn wer will sich schon (freiwillig) am Samstag oder Sonntag einbahnstraßig durch die überfüllten Messegänge quälen und dauernd diese puscheligen Extremitäten der Cosplayer ins Auge gedrückt bekommen? Letzteres darf man wochentags ja sowieso schon in den Straßenbahnen erleben.</p>
<p>Außerdem wünsche ich mir für die nächste Frühjahrsbuchmesse ein besseres Ticket-Bestellsystem. Jawoll! Jedes Jahr muss man sich erneut als Fachbesucher ausweisen, mit Dokumenten, die dafür völlig irrelevant sind, und das alles über ein fehlerhaftes Online-Formular. Dabei sind die beruflichen Daten bei vorherigen Besuchen schon zigmal aufgenommen worden. Kundenbindung geht irgendwie anders, glaube ich.</p>
<p>Sonst aber gibt es keinen Grund zur Klage. Zumindest nicht für mich persönlich. Außer vielleicht noch, dass der Haltbarkeitswert einer Buchveröffentlichung immer weiter zu schrumpfen scheint. Es ist gerade erst ein paar Monate her, da hielt ich in Frankfurt ein <a href="http://www.wortmax.de/pages/schublade/werke/kerle_im_klimakterium.htm">neues eigenes Sachbuch</a> in den Händen, und schon dreht sich alles um die nächste Veröffentlichung, statt erst einmal in Ruhe zu analysieren, wie das letzte Werk so angekommen ist und inwieweit es sich lohnt, noch weiter über dessen Inhalt und Vermarktung nachzudenken. Wie gesagt: Es ist eine schnelllebige Zeit, und alles ist so unwirklich geworden.</p>
<p>Das gilt übrigens auch für die abendlichen Verabredungen. Ich meine, wer denkt als Nichtleipziger bei einem Lokal mit dem Namen »Hotel Seeblick« schon an eine hippe Szenekneipe fernab eines jeden Gewässers, wo einem Flaschenbier und fette Burger serviert werden und sich Leute herumtreiben wie der <a href="http://smoel.wordpress.com/">Chefhedoniker</a>? Das kann doch alles gar nicht wahr sein.</p>
<p>Hätte ich gestern nicht diese Mails meiner Lektorin bekommen, gäbe es zudem nicht einen neuen Kurzgeschichtenwettbewerb vorzubereiten und würde da nicht ein neuer Webauftrag auf meinem Schreibtisch liegen sowie eine Liste mit wichtigen Daten, u.a. zu den nächsten Buchveröffentlichungen und Leseauftritten von T.C. Boyle im September, so könnte man meinen, das alles sei nur im Traum passiert.</p>
<p>Vielleicht sollte ich meinen treuen Buchmessenbegleiter Karsten Weyershausen beim nächsten Besuch in Leipzig mal darum bitten, mir zwischendurch eine zu kleben, um das Wandeln durch die Messehallen und Messegänge, von Termin zu Termin, von Kaffee zu Kaffee, bewusster und vor allem nachhaltiger zu erleben. Ich vermute, er wird mir auf diese Weise äußerst gern behilflich sein.</p>
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		<title>Tschiller, Kabale und die Liebe der Frauen</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Mar 2013 11:20:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Screenshot]]></category>
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		<description><![CDATA[»Das Rumgeblute is schon cool«, meldete Mette neulich bei facebook. Rumgeblute? Da war ich zunächst verwundert. Hatte sich mein hochverehrter Kollege beim Zwiebelschneiden in den Finger geschnitten? Doch dann sah ich, dass an jenem Abend der erste Tatort mit Til Schweiger lief, der schon im Vorfeld für Aufregung sorgte. Sehr blutig sollte es werden, stand [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/03/tatort.jpg" alt="tatort" title="tatort" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-2030" />»Das Rumgeblute is schon cool«, meldete Mette neulich bei facebook. Rumgeblute? Da war ich zunächst verwundert. Hatte sich mein hochverehrter Kollege beim Zwiebelschneiden in den Finger geschnitten? </p>
<p>Doch dann sah ich, dass an jenem Abend der erste Tatort mit Til Schweiger lief, der schon im Vorfeld für Aufregung sorgte. Sehr blutig sollte es werden, stand in mehreren Zeitungen – und sehr nuschelig, natürlich. </p>
<p>Dabei fiel mir ein, dass ich den letzten Tatort vor mehr als 30 Jahren sah; und den letzten Film mit Til Schweiger vor vier Jahren. Besagter Film hieß »Phantomschmerz«. Die Frau, die mich an jenem Abend ins Kino einlud, entschuldigte sich nachher bei mir &#8211; stellvertretend für Herrn Schweiger &#8211; für die 97 verlorenen Minuten, die mir niemand zurückgeben kann. Es war trotzdem ein lehrreicher Abend.</p>
<p>Das Publikum des Streifens bestand nämlich zu 85 Prozent aus Frauen. Wieso war nach wenigen Minuten klar: In jedem Film mit Schweiger gibt es nämlich mindestens eine Szene, in der er seine bodygebuildete Männerbrust in die Kamera reckt. Und immer ist der Kerl nahtlos gebräunt. In exakt diesem Moment konnte man praktisch zuhören, wie im Kinosaal plötzlich sämtliche biologische Uhren aufhörten zu ticken.</p>
<p>Dabei hätte ich gewarnt sein müssen. Selbst »Keinohrhasen«, bislang das »pièce de résistance« des Mimen, konnte mich nicht so recht begeistern. Trotz einiger witziger Szenen glich das Ganze einer seichten Filmklamotte aus den 50ern. Nur eben mit Jürgen Vogel statt Heinz Erhardt in einer launigen Nebenrolle. Den Geschmack der deutschen Kinogänger schien Schweiger jedoch getroffen zu haben. Aber das taten die cineastischen Elaborate von Thomas Gottschalk und Mike Krüger ja auch mal.</p>
<p>Seit »Keinohrhasen« ist Schweiger jedenfalls unantastbar. Zumindest bei Menschen mit XX-Chromosomen. Ich würde eher mit Henryk M. Broder über die Siedlungspolitik Israels diskutieren, als mit einer Frau über »Keinohrhasen«. Schon gar nicht über »Kokowääh«, denn »Schweiger + kleine Bälger«, das ist fürwahr eine diabolische Mixtur, der keine Bürokauffrau jenseits der 30 widerstehen kann.</p>
<p>Ganz schlimm wurde es, als Quentin Tarantino ihn mit einer Rolle in »Inglourious Basterds« adelte. Da wurde selbst ich unsicher. Marlon Brando konnte ja schließlich auch nicht deutlich sprechen, oder? Wandelte Schweiger am Ende gar in den Fußstapfen des legendären Method-Actors? Eher nicht, denn der Quentmeister machte den Fehler, neben Schweiger auch Diane Kruger zu engagieren, neben der selbst das Schauspieltalent von Bohlens Naddel wirkt wie das einer Meryl Streep. Auch ein Tarantino ist eben nicht unfehlbar. Doch sogar ein Tarantino konnte Schweiger nicht zur Hollywoodkarriere verhelfen. Wahrscheinlich lag es daran, dass er in »Inglourious Basterds« sein Hemd anbehielt.</p>
<p>Jetzt im dunklen Jahr 2013, in dem ihm, dem scheinbar Alterslosen, das böse Gespenst der 50 ereilt, wurde der bewegte Mann aus Freiburg gar zum Tatort-Kommissar. Karrierehöhepunkt oder Alterskarriere? Man weiß so wenig. Mir kann es egal sein, denn ich werde mir garantiert keine Folge ansehen. Da kann er noch so bluten, wie ein abgestochenes Schwein, der Til. 97 verlorene Minuten sind genug. »Nick Tschiller« heisst seine Figur – ein Name, der genauso klingt, als hätte ihn der spätpubertierende Laufbursche einer Margarinefabrik im Fieberwahn einer schlaflosen Nacht aufs Papier gepopelt.</p>
<p>Wahrscheinlich ist es der pure Neid, der aus mir spricht, denn Herr Schweiger hat nicht nur mehr Haare auf dem Kopf und mehr Zaster auf dem Konto, sondern auch mehr Schlag bei den Frauen als ich. Das letzte Mal, als <em>ich</em> in Gegenwart einer Person mit XX-Chromosomen mein Hemd auszog, kam jedenfalls als einzige Reaktion der Satz: »Du solltest etwas mehr Sport treiben.« Das könnte einem Kerl wie Nick Tschiller nie passieren. Und einem Til Schweiger sowieso nicht, denn Herr Schweiger weiß, wie der Hase läuft. Vor allem weiß er, was deutsche Frauen wollen. Und jetzt erschleicht er sich ihre Solidarität sogar damit, indem er blutet. Ganz schön berechnend, dieser Mann &#8230;</p>
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		<title>Die Schule des Schreibens</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Feb 2013 12:16:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Befindlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Holger Reichard]]></category>
		<category><![CDATA[Hugh Hefner]]></category>
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		<description><![CDATA[Früher gab es diverse Institute, die leichtgläubigen Menschen weismachen wollten, dass auch in ihnen ein Bestseller steckt, der nur (gegen einen kleinen Obolus natürlich) aus ihnen herausgelockt werden musste. Dass es viel wichtiger ist, sein Machwerk zu verkaufen, so etwas erfährt man leider erst, nachdem das erste Buch aus der Druckerpresse rollt. Ein Autor muss [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/02/schreiben.jpg" alt="schreiben" title="schreiben" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-2022" />Früher gab es diverse Institute, die leichtgläubigen Menschen weismachen wollten, dass auch in ihnen ein Bestseller steckt, der nur (gegen einen kleinen Obolus natürlich) aus ihnen herausgelockt werden musste. </p>
<p>Dass es viel wichtiger ist, sein Machwerk zu verkaufen, so etwas erfährt man leider erst, nachdem das erste Buch aus der Druckerpresse rollt. Ein Autor muss nicht nur Schreiben können, sondern auch Medienprofi sein – oder wenigstens gut aussehen.</p>
<p>Nach dem Schreiben kommt die Pressearbeit. Interviews sind eine heikle Sache. Ist man zu redselig, riskiert man von den Journalisten in die Pfanne gehauen zu werden, ist man andererseits zu sehr auf der Hut, wird das Interview stinklangweilig. Schlimm wird es, wenn man &#8211; wie Herr Reichard und ich &#8211; ein Buch über das Älterwerden geschrieben hat. Es ist ein Thema, das man lieber verdrängt. Dabei sprechen sprechen wir seit drei Monaten über nichts anderes &#8211; auf Lesungen, im Schlaf oder eben in Interviews.</p>
<p>»Wie ist denn das nun mit dem Viagra?«, eröffnete die nette Frau von der »Münchner Abendzeitung« unser Gespräch. In der Pressemappe unseres Verlags hatte ich keck behauptet, dass mein Dahinwelken nicht ganz so dramatisch sei, da es zu Not ja immer noch die soeben erwähnten blauen Pillen gibt. Bei Hugh Hefner zumindest soll das geholfen haben.</p>
<p>Nun musste ich also glaubwürdig erklären, dass dieser Ausspruch pure Ironie war, nicht etwa ein privater Statusbericht. Und so schwitzte ich mich durch unser Gespräch. Erst einige Tage vorher hatten wir ein Interview gegeben, das in drei großen Deutschen Tageszeitungen erschienen ist. Ein paar Wochen davor saßen wir in einem Hörfunkstudio, immer besorgt, uns nicht zum Deppen zu machen. Als wir die <a href="http://www.wortmax.de/pages/schublade/werke/kerle_im_klimakterium.htm">»Kerle im Klimakterium«</a> schrieben, haben wir nicht geahnt, dass wir einmal als Vorzeige-Opis durch die Medienlandschaft geistern könnten.</p>
<p>Aber ich will hier nicht jammern: Die Vorteile, sein Gesicht in einer Zeitung abgebildet zu sehen, überwiegen. Vor allem für den Buchverkauf ist es nicht unerheblich. Und natürlich für die Eltern.</p>
<p>»Waren Sie nicht in der Zeitung?«, fragte einmal die Kassiererin im Supermarkt, als ich mit meinem Vater einkaufen war.</p>
<p>»Ja! Das ist mein Sohn«, strahlte mein Erzeuger wahrheitsgemäß.</p>
<p>Die schlesischen Gurkenhappen haben wir trotzdem bezahlen müssen.</p>
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		<title>Aus, der Klaus!</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Feb 2013 11:47:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Befindlichkeiten]]></category>
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		<category><![CDATA[Pete Townshend]]></category>
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		<description><![CDATA[Ach, war das schön: Viele Jahre konnte ich unbeschwert die Musik von »The Who« genießen. Bis zu jenem Tag im Jahre 2003, an dem Pete Townshend wegen Verdachts der Kinderpornografie festgenommen wurde. Er hatte sich per Kreditkarte auf einer kriminellen Website eingeloggt. »Ich habe das bloß gemacht, um zu sehen, was es dort gab«, stellte [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/02/ausderklaus.jpg" alt="ausderklaus" title="ausderklaus" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-2017" />Ach, war das schön: Viele Jahre konnte ich unbeschwert die Musik von »The Who« genießen. Bis zu jenem Tag im Jahre 2003, an dem Pete Townshend wegen Verdachts der Kinderpornografie festgenommen wurde. Er hatte sich per Kreditkarte auf einer kriminellen Website eingeloggt. </p>
<p>»Ich habe das bloß gemacht, um zu sehen, was es dort gab«, stellte er später klar. »Wenn Sie gegen Pädophilie kämpfen, müssen Sie wissen, wie es da draußen aussieht.«</p>
<p>Dazu fällt mir eine Stelle aus dem Film »Eine Leiche zum Dessert« ein, in der Privatschnüffler Sam Diamond von seiner Sekretärin Tess bezichtigt wird, eine Schwulenbar besucht zu haben.</p>
<p>»Ich habe damals für einen Fall recherchiert«, verteidigt er sich.</p>
<p>»Jede Nacht, für sechs Monate?«</p>
<p>Im Falle Townshends war die Anklage schnell vom Tisch. Alle Fakten sprachen für seine Unschuld. Er kam mit einer Verwarnung davon. Doch trotzdem war mein Verhältnis zu seiner Musik nie wieder dasselbe. »Du musst mehr Vertrauen in die Menschen haben«, heisst es am Ende von Woody Allens Filmklassiker »Manhattan«. Hatte ich auch. Früher einmal. Doch seit 1992 war selbst mein Vertrauen in kurzsichtige Stadtneurotiker etwas angegriffen.</p>
<p>Bleiben wir also lieber bei den etwas weniger neurotischen Lichtgestalten wie Arnold Schwarzenegger, Lance Armstrong oder Karl-Theodor zu Guttenberg – sie alle standen für Integrität und Durchsetzungsvermögen. Wahre Idole eben. Das Dumme bei Idolen ist jedoch, dass sie die Tendenz haben, irgendwann vom Podest zu stürzen, vielleicht, weil ihre Füße eben auch nur aus Ton sind. Wie beim »Gossenpoeten« Charles Bukowski, der seine Jünger enttäuschte, als er ein Häuschen in der Vorstadt bezog, nachdem sich endlich der finanzielle Erfolg einstellte. Das bourgeoise Eigenheim hätten sie ihm vielleicht noch durchgehen lassen, nicht aber den BMW, der bald in seiner Garage stand.</p>
<p>Am besten ist es halt, wenn man die Künstler und ihr Werk immer hübsch getrennt beurteilt. Ein Paradebeispiel ist sicher Leni Riefenstahl, die als Filmpionierin formal sicher brillant war, inhaltlich (und als Mensch) aber kläglich versagte. Gerade Künstler sind leider alles andere als perfekt. Im besten Fall sind sie vom eigenen Wiederschein geblendete Exzentriker, im schlimmsten Fall sich über alle Moralbegriffe hinwegsetzende Monster &#8211; wie Klaus Kinski.</p>
<p>Mit Kinski fiel einer meiner letzten Helden vom Sockel. Vielleicht sollte ich tatsächlich etwas mehr Vertrauen in die Menschen haben. Oder weniger? Vielleicht sollte ich mein Vertrauen eher in Idole wie Lassie setzen, oder Flipper, denn deren Verhalten war immer tadellos. Vielleicht hätte ich auch einfach bei Charles Bukowski bleiben sollen, dessen einziger Fehltritt ein BMW war.</p>
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		<title>Rampensäue gesucht!</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jan 2013 15:07:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisenotizen]]></category>
		<category><![CDATA[Holger Reichard]]></category>
		<category><![CDATA[Karsten Weyershausen]]></category>
		<category><![CDATA[Sven Waida]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt, wo wir schon einige Stationen unserer kleinen Lesetour hinter uns haben, wurden Herr Reichard und ich etwas übermütig. Unser letzter Auftritt brachte uns jedoch schnell auf den Boden der Realität zurück. Er fand in einer urigen Szenekneipe in Hannover statt, in der wir unmittelbar unter einer schillernden Disco-Kugel lasen. Auch wenn uns das Publikum [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/01/buecherhunde2.jpg" alt="buecherhunde2" title="buecherhunde2" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-2010" />Jetzt, wo wir schon einige Stationen unserer kleinen Lesetour hinter uns haben, wurden Herr Reichard und ich etwas übermütig. Unser letzter Auftritt brachte uns jedoch schnell auf den Boden der Realität zurück. Er fand in einer urigen Szenekneipe in Hannover statt, in der wir unmittelbar unter einer schillernden Disco-Kugel lasen.</p>
<p>Auch wenn uns das Publikum an jenem Abend wohlgesonnen war, kamen wir nicht nur wegen der fetzigen Beleuchtung so richtig ins Schwitzen, denn es ist nicht leicht, sich auf eine fremde Umgebung einzustellen. Vor allem in einer Kneipe, in der ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Und so stellten wir mal wieder fest: Es besteht bei unseren Auftritten durchaus »Raum zur Optimierung«.</p>
<p>Zwei Schritte hinter uns stand ein Tischkicker, ein Schritt vor uns befand sich der Bühnenrand. Kerle im Klimakterium am Abgrund also, denn für Männer unseres Alters kann der Sturz von so einer Bühne das Ende bedeuten. Zu leicht bricht man sich das künstliche Hüftgelenk.</p>
<p>Unser nächster Auftrittsort am 29. Januar ist da hoffentlich etwas seniorengerechter. Das Alvar-Aaltohaus (Baujahr 1962 und daher ebenfalls längst im Klimakterium) beherbergt die Stadtbibliothek Wolfsburg. Wer eine heimliche Rampensau ist oder seinen Hinterkopf schon immer für die Nachwelt verewigen wollte, sollte sich diesen Dienstag unbedingt freihalten, denn unser Verlag gedenkt unseren Auftritt als Bonusmaterial für das geplante eBook zu filmen. Menschen die keine eBooks mögen, oder keine Hinterköpfe besitzen, sind natürlich auch willkommen.</p>
<p>Die Aufzeichnung bedeutet für das Publikum zunächst einen erheblichen Mehrwert: Zum einen werden wir unsere Hemden für diesem Abend außergewöhnlich gründlich bügeln. Wahrscheinlich werden sogar unsere Socken eine Bügelfalte haben. Dann planen wir zu diesem speziellen Anlass, unsere Texte ganz besonders brav zu üben und uns dazu noch sensationelle Bonmots für zwischendurch aus den Fingern zu saugen, die diesen Abend (ganz sicher) in die kulturellen Annalen der Stadt eingehen lassen werden.</p>
<p>Und wenn das nicht reicht: Musikalisch unterstützt werden wir dabei vom großartigen Sven Waida, einem Mann, der auf allen Instrumenten zuhause ist. Klingt das gut? Dachten wir uns! Um 19:00 Uhr geht&#8217;s los &#8211; und zwar in der Porschestraße 51 in Wolfsburg. Ein Fernbleiben akzeptieren wir nur mit schriftlicher Entschuldigung der Eltern.</p>
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		<title>Zwei Bücherhunde auf dem Weg zur Hölle</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jan 2013 12:27:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Holger Reichard]]></category>
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		<category><![CDATA[Karsten Weyershausen]]></category>
		<category><![CDATA[Walter Matthau]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Herr Reichard und ich uns auf Lesetour befinden, habe ich die große Befürchtung, dass wir so enden, wie ein anderes seltsames Paar im Klimakterium: nämlich Felix Unger (Jack Lemmon) und Oscar Madison (Walter Matthau). Deren Männer-WG zerbrach, als der genervte Oscar einen Teller mit Nudeln gegen die Wand pfefferte, weil ihm der Ordnungswahn seines [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/01/buecherhunde.jpg" alt="buecherhunde" title="buecherhunde" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-2005" />Seit Herr Reichard und ich uns auf Lesetour befinden, habe ich die große Befürchtung, dass wir so enden, wie ein anderes seltsames Paar im Klimakterium: nämlich Felix Unger (Jack Lemmon) und Oscar Madison (Walter Matthau). Deren Männer-WG zerbrach, als der genervte Oscar einen Teller mit Nudeln gegen die Wand pfefferte, weil ihm der Ordnungswahn seines Freundes Felix gewaltig gegen den Zeiger ging.</p>
<p>Allein ein Blick auf unser Gepäck zeigt, wie bei uns die Rollen verteilt sind. Während Herr R. seine Kleidungsstücke sorgsam gefaltet in einem Rollkoffer transportiert, stopfe ich meine Klamotten notdürftig in einen Rucksack. Auch bei den Reisevorbereitungen ist Herr R. eher der gewissenhafte Typ, der nichts dem Zufall überlässt. Alles wird vorher minutiös geplant und dokumentiert. Ich dagegen bin meist so schlecht vorbereitet, dass es ein Zufall ist, wenn ich ich mein Reiseziel überhaupt erreiche.</p>
<p>Besonders schlimm wurde es, als wir im Dezember durchs eiskalte Berlin stapften und die Weihnachtsfeier unseres Verlages suchten (wir fanden sie). Ich hatte am Bahnhof die Ausdrucke mit unserer Reiseroute verloren, was mein Gegenüber zunächst in ungläubiges Staunen versetzte. Doch zu meinem Glück blieb Herr R. gelassen. Viel zu spät stellte ich fest, dass es nicht der Schnee war, der bei unseren nächtlichen Spaziergang knirschte, sondern Herr Reichards Zähne.</p>
<p>Normalerweise sind meine diversen »Verfehlungen« kein Problem, weil immer Zeit da ist, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Doch nun, da wir ständig auf Achse sind, um unser Buch zu promoten, sehe ich schon den Nudelteller an meinem Ohr vorbeisegeln.</p>
<p>Aber das ist das Gute an unserer Rollenverteilung: Felix würde nie den Teller gegen die Wand werfen, weil dies auf der Tapete üble Flecke gibt. Also bin ich sicher. Es ist  höchst unwahscheinlich, dass wir uns vor Ende unserer kleinen Tour an die Kehle gehen. Vor allem, weil wir die Kehle unseres Gegenübers ohne Lesebrille sowieso nicht finden würden.</p>
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		<title>Schwarze Schlümpfe</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 10:53:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Befindlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Heinrich Lübke]]></category>
		<category><![CDATA[Peyo]]></category>

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		<description><![CDATA[»Meine Damen und Herren, liebe Neger!«, so begann der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke eine Rede in Liberia. 1962 sorgte dies noch nicht mal für eine Schlagzeile. Heute könnte er dafür sofort seinen Hut nehmen. Eigentlich eine gute Sache. Wenn wir dabei bloß nicht immer so verdammt übertreiben müssten! »Les Schtroumpfs Noires« (Die schwarzen Schlümpfe) hieß [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/11/schlumpf.jpg" alt="schlumpf" title="schlumpf" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-1999" />»Meine Damen und Herren, liebe Neger!«, so begann der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke eine Rede in Liberia. 1962 sorgte dies noch nicht mal für eine Schlagzeile. Heute könnte er dafür sofort seinen Hut nehmen. Eigentlich eine gute Sache. Wenn wir dabei bloß nicht immer so verdammt übertreiben müssten!</p>
<p>»Les Schtroumpfs Noires« (Die schwarzen Schlümpfe) hieß ein Kinderbuchklassiker, der erstmals 1963 erschien und seitdem in vielen Sprachen immer wieder veröffentlicht wurde. Peyo, der Vater der Schlümpfe, war ein liebenswürdiger Mann, der bei der Farbgebung seiner Fabelwesen sicher keine finsteren Hintergedanken hatte. Heute sind schwarze Schlümpfe allerdings verdächtig. Als das Album 2010 in den USA veröffentlicht wurde, mussten die schwarzen Schlümpfe retuschiert werden. Der Titel des Buches lautete nun »The Purple Smurfs«, denn gelbe oder rote Schlümpfe wären den Amerikanern ebenfalls viel zu riskant gewesen. Klar, dass die deutschen Gutmenschen da nachzogen.</p>
<p>Die Gutmenschen sind überall. Vor vielen Jahren las ich einmal ein Interview mit einem Schauspieler, der im Fernsehen gerade einen Tatort-Kommissar spielte. »Meine Figur ist Alkoholiker«, erklärte er. »Seine Frau hing ebenfalls an der Flasche. Und ich kann mir vorstellen, dass er ein behindertes Kind hat.«</p>
<p>Ich persönlich würde ja noch weiter gehen. Die Frau sollte nicht nur saufen, sondern auch Klebstoff schnüffeln und das Kind dazu schwul und mit Migrationshintergrund sein. Dann könnten sich alle Beteiligten so richtig wohlfühlen, weil sie mit ihrem mutigen Engagement die Welt ein wenig verbessert haben. Heute sind Blinde »visuell Herausgeforderte«, Bäcker nennen Mohrenköpfe heute »Schokobatzen« und die Klofrau ist nun »Facility Managerin«. Das ändert zwar überhaupt nichts, klingt aber besser.</p>
<p>Eigentlich habe ich nichts gegen Gutmenschen. Auch ich hatte als Jugendlicher eine Jute-statt-Plastik-Tasche. Wenn sie bloß nicht jene Welle der <em>Political Correctness</em> losgetreten hätten, die nun jede Meinungsvielfalt zu ersticken droht. »Ökobratzen« nannten wir sie damals in der Schule. Meist waren es Lehrer mit selbstgestrickten Pullovern und einem spärlichen Resthaarbestand, der trotzig zum Pferdeschwanz zusammengebunden war. Solche Gutmenschen waren unbeliebt. Nicht etwa weil wir ihre Ansichten schlecht fanden, sondern weil sie mit permanent erhobenen Zeigefinger herumliefen, keinen Humor besaßen, uncoole Latzhosen trugen und auf den Holzfußböden ihrer Altbauwohnungen bei Rotwein und Käse (zum Klang einer Wandergitarre) alles zerredeten. Heute kann ich nicht mal mehr über sie lachen, denn heute leben wir in einer Diktatur der Gutmenschen, die peinlichst bemüht ist, niemanden auf die Füße zu treten.</p>
<p>Vor einigen Jahren zum Beispiel kursierte das Gerücht, dass englische Banken das gute alte Sparschwein abschaffen wollten, da so ein feistes Ferkel eventuell muslimische Kunden beleidigen könnte. Die Kreditinstitute dementierten dies natürlich später. Fakt jedoch ist, dass im englischen Huddersfield aus den gleichen Gründen der Titel des Kinderbuchs »Die drei kleinen Schweinchen« in »Die drei kleinen Hündchen« umbenannt wurde.</p>
<p>Natürlich hat die <em>Political Correctness</em> auch ihr Gutes. Dank ihr rauchen wir alle weniger. Muss man aber deshalb gleich alle alte Filme verbieten, in denen gequalmt wird, wie einige Gutmenschen fordern? Und: Ist es nötig, selbst an der freien Luft mit Trennstrichen markierte »Raucherghettos« einzurichten, wie es auf den Halteplattformen der Bahn vorexerziert wird?</p>
<p><em>Political Correctness</em> kann eben auch gewaltig in die Hose gehen: Zum Beispiel, als in den Vereinigten Staaten ein Grundschüler, nachdem er eine Mitschülerin auf die Wange geküsst hatte, wegen sexueller Belästigung der Schule verwiesen wurde. Besonders feinfühlig war auch ein österreichischer Verlag bei der Bearbeitung des Kinderbuch-Klassikers »Hatschi Bratschis Luftballon« aus dem Jahre 1904 vorgegangen, in der die darin auftauchenden »wilden Neger« einfach durch kleine Äffchen ersetzt wurden. Das wäre sicher selbst Heinrich Lübke etwas suspekt gewesen, denn er war kein böser Mensch, sondern einfach ein schlichtes Gemüt, das einer anderen Zeit entstammte.</p>
<p>Doch haben sich die Zeiten so geändert? Der Begriff »Politisch korrekt« wurde schon von Stalin verwendet. Politisch korrekt bedeutete damals linientreu alles nachzuplappern, was die Partei befahl. Geholfen hat dies offenbar wenig, denn <em>Political Correctness</em> ist die Kunst sich besser zu fühlen, ohne wirklich etwas dafür zu tun. Man muss potenziellen Missständen nur ein blumiges neues Etikett verpassen und schwarze Schlümpfe lila färben. Wenn dann der letzte Querkopf von den Gutmenschen »gleichgeschaltet« wurde und die Erde von friedliebenden Teesocken regiert wird, die alle ihren Namen tanzen können, werden wir uns zu Tode langweilen.</p>
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		<title>Berühmte Toupetträger &#8211; Directors Cut</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Nov 2012 11:55:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Weyershausen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leservat]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Albers]]></category>
		<category><![CDATA[Holger Reichard]]></category>
		<category><![CDATA[John D. Rockefeller]]></category>
		<category><![CDATA[Karsten Weyershausen]]></category>
		<category><![CDATA[Sean Connery]]></category>
		<category><![CDATA[Ted Danson]]></category>

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		<description><![CDATA[Als mein Kollege Herr Reichard und ich unser neues Buch »Kerle im Klimakterium« schrieben, blieb so mancher Text auf der Stecke. Vielleicht machen wir ja eines Tages eine »Extended Version« oder einen »Directors Cut«. Aber da wir schon mal beim Thema »Schneiden« sind: Hier sind zwei dieser Texte, die es nicht ins Buch geschafft haben. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/11/toupet.jpg" alt="Toupet" title="Toupet" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-1994" />Als mein Kollege Herr Reichard und ich unser neues Buch <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3862651053/wortmax-21">»Kerle im Klimakterium«</a> schrieben, blieb so mancher Text auf der Stecke. Vielleicht machen wir ja eines Tages eine »Extended Version« oder einen »Directors Cut«.</p>
<p>Aber da wir schon mal beim Thema »Schneiden« sind: Hier sind zwei dieser Texte, die es nicht ins Buch geschafft haben. Sie handeln von prominenten Toupetträgern, die allen kahlen Kerlen im Klimakterium Mut machen sollen:</p>
<p><strong>John D. Rockefeller</strong></p>
<p>Der zu seinen Lebzeiten reichste Mann der Welt, Ölmagnat John D. Rockefeller (1839 &#8211; 1937), besaß alles, was man sich mit Geld kaufen konnte. Als er jedoch in den besten Jahren wahrscheinlich stressbedingt – sämtliche Haare verlor (Alopecia universalis), konnte ihm auch sein immenses Vermögen nicht weiterhelfen. Selbst seine Augenbrauen und Wimpern waren betroffen.</p>
<p>Auch wenn er keine imposante Erscheinung war, legte Rockefeller doch großen Wert auf ein gepflegtes Äußeres. In den nächsten Jahrzehnten trug er abwechselnd Perücken von unterschiedlicher Haarlänge, um das natürliche Haarwachstum zu simulieren. Täuschen konnte er damit allerdings niemanden und so wurden gerade seine Perücken eine beliebte Zielscheibe vieler Karikaturisten, die ihn am liebsten mit windschiefen Pottfrisuren porträtierten. Trotzdem: Rockefeller bewies, dass man auch ohne Haare gut leben kann. Er wurde immerhin 98 Jahre alt.</p>
<p><strong>Ted Danson</strong></p>
<p>Schürzenjäger Sam Malone, Hauptfigur der erfolgreichen Sitcom »Cheers« (1982-1993), war besonders auf seine üppige dunkelbraune Haarpracht stolz. Doch Erfolg hat Neider. Bald kamen Gerüchte auf, dass Ted Danson, der durch die Rolle zum gefeierten Star wurde, kahl sei und eine Perücke trug. Tatsächlich handelte es sich dabei lediglich um ein kleines Haarteil, das eine kahle Stelle auf seinem Hinterkopf verbarg.</p>
<p>Da Danson jedoch zusätzlich seine Haare färbte, die im Laufe der langlebigen TV-Serie ergrauten, war es ihm peinlich das Gerücht zu dementieren. Daher staunten die Fernsehzuschauer nicht schlecht, als der Schauspieler in einer der letzten Folgen der Serie, mit dem vieldeutigen Titel »It&#8217;s Lonely on the Top«, plötzlich blank zog, um vor Studiopublikum und laufenden Kameras sein Haarteil abzunehmen. Natürlich als Teil der Handlung.</p>
<p>Privat stand Danson zu seiner kahlen Stelle und seinem mittlerweile schneeweißen Haar. Auf dem Bildschirm allerdings war er noch viele Jahre mit makellos vollem, dunklen Haarschopf zu sehen, weil die Zuschauer ihn einfach nicht anders akzeptieren mochten. »Es ist angenehm nicht mehr zusammen mit einem Haufen älterer Damen in Lockenwicklern zum Haarefärben beim Friseur zu sitzen«, sagt er heute.</p>
<p>Danson musste in unserem Buch Sean Connery weichen, Rockefeller machte Hans Albers Platz und die Haarpracht aller vier wich ihrer galoppierenden »Alopecia androgenetica«. Womit bewiesen wäre, dass Geld vielleicht glücklich, aber das Haarvolumen nicht unbedingt fülliger macht.</p>
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		<title>Heinrich, mir graut&#039;s vor dir</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Oct 2012 10:16:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Klingenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Plattenkiste]]></category>
		<category><![CDATA[Jimmy Savile]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Qurini]]></category>
		<category><![CDATA[Lale Andersen]]></category>
		<category><![CDATA[Trude Herr]]></category>

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		<description><![CDATA[»Meine Damen und Herren, wir krempeln die Hosenbeine hoch und lassen Wasser in den Saal, denn ein Schiff wird kommen mit Lale Andersen«, so lässig-peppig kündigte Klaus Qurini im Aachener Scotch-Club das Lied »Ein Schiff wird kommen« von – Sie haben es ja sicher längst erraten – Lale Andersen an. Das war am 19. Oktober [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://wortmax.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/10/vinyl.jpg" alt="vinyl" title="vinyl" width="255" height="163" class="alignleft size-full wp-image-1989" />»Meine Damen und Herren, wir krempeln die Hosenbeine hoch und lassen Wasser in den Saal, denn ein Schiff wird kommen mit Lale Andersen«, so lässig-peppig kündigte Klaus Qurini im Aachener Scotch-Club das Lied »Ein Schiff wird kommen« von – Sie haben es ja sicher längst erraten – Lale Andersen an.</p>
<p>Das war am 19. Oktober 1959 und Qurini nannte sich als Reminiszenz an Trude Herrs Hit »Oh, Heinrich, ich hab nur dich« von nun an DJ Heinrich. Und damit war – und jetzt bitte ich um freundlichen Applaus – der Scotch-Club zur ersten Discothek Deutschlands geworden! Der Kulturverfall war damit allerdings nicht mehr aufzuhalten, denn von nun an spielten nicht mehr richtige Menschen (und Schlagzeuger) zum Tanz auf, sondern Plattenreiter legten Platten auf und ritten damit die Live-Musik zu Tode.</p>
<p>Das ist natürlich Quatsch und es steht hier auch nur, weil ich das Wortspiel mit dem Reiter so toll finde. Es zaubert mir ein kleines Lächeln ins unrasierte Gesicht. Das hätte ich natürlich jetzt gar nicht erzählen müssen, denn Sie sehen mich ja gar nicht. Ich dachte nur, dass es mich vielleicht menschlicher macht, wenn ich Ihnen etwas über mich verrate –, dass ich auf diese Weise also eine persönliche Beziehung zu Ihnen aufbauen kann.</p>
<p>Wie ein guter DJ das eben so macht. Auf das Publikum reagieren. So bekommt man die Tanzfläche voll! Das wusste natürlich auch DJ Heinrich. Der übrigens nur deshalb an diesem denkwürdigen Tag im Scotch-Club war, weil er für eine Lokalzeitung darüber berichten sollte, es sich dann aber nicht nehmen ließ, den Opernsänger, der eigentlich an diesem Abend dafür bezahlt wurde, Platten aufzulegen, mit ein paar tänzelnden Schritten beiseite zu schubsen und gleich auch noch ein Mikrofon an sich zu reißen, um liedankündigungstechnisch ein paar gewagte Worte hinein zu lallen (der junge Mann soll schon etwas betrunken gewesen sein!).</p>
<p>Pionierzeiten waren das damals! Der Rest ist Geschichte. Live-Musik gibt es immer noch. DJs auch noch. Glücklicherweise verzichten allerdings die meisten von ihnen heutzutage darauf, launige Sprüche über die Musikanlage loszulassen. Man legt auf und gut ist. Obwohl es in manchen Genres immer noch üblich ist, das Publikum anzusprechen. Eine Unsitte!</p>
<p>Ich möchte nicht von dem DJ angesprochen werden. Ich rede ja auch nicht mit ihm. Er würde mir auch gar nicht zuhören. Und wenn ich mir ein Lied wünsche, kann ich mir sicher sein, dass genau das nicht gespielt werden wird. Kein DJ, der was auf sich hält, lässt sich auf Publikumswünsche ein. Würde ich auch nicht tun! Ein DJ ist doch keine Jukebox.</p>
<p>Genauso wenig wie ein guter Blogger darauf eingeht, was der Leser gerne lesen würde. Dann könnte der Leser ja gleich selber schreiben! Damit macht man sich ja überflüssig! Arbeitslosigkeit droht! Hartz IV! Altersarmut! Das alles nur, weil der Herr Blogger sich vorschreiben lässt, was er zu schreiben hat. Schrecklich!</p>
<p>Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich Ihnen ja erzählen, wie das damals war, als in Deutschland die Discothek erfunden wurde. Na ja, eigentlich wurde sie gar nicht erfunden, sondern importiert. Aus London bzw. Paris bzw. Marseille bzw. Otley, West Yorkshire. Denn dort soll der erste dokumentierte Auftritt eines DJ&#8217;s (Jimmy Savile, der später »Top of the Pops« moderierte) stattgefunden haben. In der tiefsten nordenglischen Provinz also.</p>
<p>Und jetzt kann ich es ihnen ja auch verraten: Der erste deutsche Discjockey war gar nicht DJ Heinrich, denn schon einige Monate vorher – am 15. Mai 1959 – eröffnete in Osnabrück der Ocambo Club, der sich wiederum von dem hannoverschen Okambo Club inspirieren ließ. Beides liegt in der tiefsten niedersächsischen Provinz – was meine beharrlich und durchaus mit einem gewissen Fanatismus vertretene These belegt, dass in Niedersachsen das kulturelle Herz unseres ungeliebten Landes schlägt.</p>
<p>Meine Damen und Herren, wir zücken die nur leicht verschmutzten Taschentücher, um uns die Tränen abwischen zu können, denn nun folgt für heute der Abschied: »Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus &#8230;«</p>
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