Die meisten Heavy Metal-Fans sehen Ozzy Osbourne als den besten Black Sabbath-Sänger aller Zeiten an. Nicht wenige sind sich vielleicht gar nicht bewusst, dass es da auch noch andere gab. Eigentlich sogar ganz schön viele, denn Black Sabbath zählen zusammen mit Deep Purple zu den zickigsten Bands in der an Diven nicht eben armen Metal-Szene. Trennungen und Reunions sind da an der Tagesordnung. Für mich persönlich jedenfalls ist Ronnie James Dio der eigentliche Black Sabbath-Sänger. Der erste Eindruck ist ja immer der prägende und bevor ich die Ozzy-Alben kannte, hörte ich damals, 1982, den Konzertmitschnitt »Live Evil« rauf und runter und natürlich rückwärts, auch wenn ich dabei die versprochenen satanischen Botschaften nicht entdecken konnte. Dafür wurde mir die Platte allerdings bei einer Geburtstagsparty gestohlen, weshalb ich sie mir ein zweites Mal zulegen musste. Ich denke, das zeigt deutlich, wie sehr ich sie schätzte.
Ronnie James Dio wurde 1942 als Ronald James Padavona im amerikanischen Portsmouth geboren. Seit seinem 5. Lebensjahr machte er auf Drängen seines Vaters Musik, mit 15 spielte er in seiner ersten Band, »The Vegas Kings«. Bescheiden wie er war, benannte er sie in »Ronnie & The Rumblers« und später in »Ronnie and the Red Caps« um. Sein eigener Name gefiel ihm aber auch nicht so gut. »Dio« (italienisch für »Gott«) fand er treffender, auch wenn er dabei nicht an den Herrn im Himmel, sondern an den damals berühmt-berüchtigten und polizeilich bekannten Mafiosi Johnny Dio gedacht haben soll. Es folgte eine weitere sendungsbewusste Umbenennung der Band in »Dio and the Prophets« und ein erstes Album: »Dio at Domino’s«.
Erste wirkliche Erfolge gab es erst nach einigen Besetzungswechseln und unter neuem Namen: »The Electric Elves«. Dieser wurde später auf ein schlichtes »Elf« verkürzt. Die Musik wurde dagegen härter. Ihr rauer Blues und harter Rock brachte ihnen die Aufmerksamkeit von Deep Purple ein, für die sie schließlich auch als Vorband spielen durften. Nachdem sich Ritchie Blackmore während einer Plattenproduktion mit Deep Purple überworfen hatte, gründete er zusammen mit Dio »Ritchie Blackmore’s Rainbow«. Das trotzig »Rising« betitelte und 1976 unter dem Bandnamen Rainbow veröffentlichte Debüt-Album darf als ein Klassiker des Genres angesehen werden, zudem es hierbei zu einer Beispiel gebenden Zusammenarbeit mit einem Philharmonischen Orchester kam.
Natürlich konnten Blackmore und Dio nicht auf Dauer zusammenarbeiten – es kann eben nur einen Star in der Band geben. Deshalb wechselte Dio zu Black Sabbath, die sich gerade von Ozzy Osbourne getrennt hatten. Auch hier leistete Dio Großes und bescherte den Heavy Metal-Pionieren mit den Platten »Heaven and Hell« und »Mob Rules« Riesenerfolge und hohe Chartplatzierungen. Ob Dio mit seiner theatralischen, opernhaften Stimme besser singt als der immer etwas knödelnde Ozzy, sei dahingestellt, das Songwriting war jedenfalls brillant. Auf diesem Erfolgsweg konnte es natürlich nicht einfach so weitergehen.
Dem oben erwähnten großartigen Album »Live Evil« folgte deshalb konsequenterweise die Trennung von Black Sabbath (wegen »persönlicher Differenzen«) und die Gründung einer eigenen Band, die nun auch ganz einfach nach ihm benannt wurde: Dio. Um im religiösen Bilde zu bleiben, hieß die erste, 1983 veröffentlichte Platte daher konsequenterweise auch »Holy Diver«. Der Erfolg war gigantisch und wurde nur von dem Nachfolgealbum »The Last in Line« übertroffen.
Leider schafft es erfahrungsgemäß kaum eine Band die Qualität ihrer ersten Platten zu erreichen, und so konnten Dio mit ihren weiteren Veröffentlichungen nicht an die beiden Anfangserfolge anknüpfen, spielten aber geschickterweise ihren Klassiker »Holy Diver« einfach noch mal live ein.
Auch der Wiedereinstieg bei Black Sabbath im Jahre 1992 war nur von kurzer Dauer – nachdem man von Dio verlangt hatte, bei zwei »Abschiedskonzerten« (den ersten von vielen) von Ozzy Osbourne zu spielen, verließ er angesichts dieses absurden Vorschlags die Band wieder. Die Feindschaft mit Ozzy Osbourne blieb eine Konstante im Leben von Ronnie James Dio.
Nach der erneuten Trennung von Black Sabbath reaktivierte er seine eigene Band wieder. Sie blieb, sieht man mal von einem Zwischenspiel im Jahre 2007 ab, bei dem er unter dem Namen »Heaven and Hell« mit anderen ehemaligen Black Sabbath-Mitgliedern auftrat, sein Hauptprojekt.
Eine weitere kulturelle Großtat war die Popularisierung des Teufelshörnerzeichens: Zeigefinger und kleiner Finger werden von der Faust abgespreizt. Anders lautenden Gerüchten zum Trotz hat er allerdings dieses Zeichen nicht in die Musikszene eingeführt. Die Beatles benutzten es schon 1968 im Artwork und auf Promofotos für das Album und den Film »Yellow Submarine«. Dio behauptete, dieses Zeichen, das auch gerne als „Pommesgabel“ bezeichnet wird, von seiner Großmutter zu kennen, die es benutzt habe, um den bösen Blick abzuwehren.
Am 16. Mai 2010 starb Ronnie James Dio in Houston an Magenkrebs.
