Zu dumm, dass ich so feige bin, denn sonst hätte ich längst meinen Traum verwirklicht, eine Bank zu überfallen. Ich bin mir sicher, dass meine Knie vor Angst schlottern würden, wenn ich mit der Wumme in der Hand in den Kassenbereich spaziere, aber ich bin auch überzeugt, ich würde mich danach befreit fühlen wie nie.
Geplant habe ich alles bis ins letzte Detail. Da ich niemanden verletzen möchte, würde ich täuschend echt aussehende Spielzeugpistolen benutzen. Für die Flucht habe ich auch schon clevere Ideen, die ich aber hier nicht verraten möchte. Man weiss ja nie.
Das Korsett, in das wir durch das Leben gezwängt werden, ist mir manchmal fast unerträglich. Jeden Morgen brav aufstehen, zur Arbeit fahren, die Klappe halten, wenn der Chef meckert, sich auf Partys nie daneben benehmen, die Form wahren, sich immer hübsch zusammenreissen … die Liste ist endlos. Als Künstler bin ich da fein raus. Allerdings gelten für uns andere Zwänge, die keinen Deut besser sind. Ich habe schon sehr früh erkannt, dass ich in so einem Korsett nicht leben kann. Allein die Schule war eine Qual!
Ausgerechnet der Film »Butch Cassidy & the Sundance Kid« gab mir einen wichtigen Anstoß. Am Ende gehen unsere Helden in den sicheren Tod, indem sie nur zu zweit – mit gezogenen Revolvern – einer Horde Gesetzeshüter entgegentreten, deren Gewehrläufe längst auf sie gerichtet sind. »Aha, für ein unangepasstes Leben muss man einen Preis zahlen«, dachte ich da.
Auch Bonnie und Clyde, ebenfalls zwei meiner Helden, starben im Kugelhagel der Polente. Sicher, Clyde hätte 66 Jahre alt werden können, wäre er Staubsaugervertreter oder Beamter im mittleren Dienst geworden. Und Bonnie wäre vielleicht im Kreise ihre Urenkel gestorben, statt durchlöchert wie ein Sieb, wenn sie die Laufbahn einer Bürokauffrau eingeschlagen hätte. Aber wer will sich so etwas schon ansehen?
Leute, die immer nur bei grün die Straße überqueren, sind mir ein Gräuel. Warum nicht mutig einen Schluck aus der verdächtig riechenden Milchtüte trinken, statt nur ängstlich aufs Verfallsdatum zu schauen? Deshalb liebe ich alle unangepassten Exoten, die furchtlos die Gitterstäbe unserer Konventionen verbiegen wie Lakritzestangen. Natürlich müssen sie alle einen Preis dafür zahlen. Siehe: Michael Jackson. Fast jeder, der vom geraden Weg der Mittelmäßigkeit abweicht, endet irgendwann im Kugelhagel des Lebens. Doch wir alle hoffen natürlich davonzukommen – wie Bankräuber.
