Neues vom Straßenrand der Datenautobahn 14

Weyershausen am 8. August 2010 in Netzball

datenautobahn_14Wie gut, dass die Hitzewelle vorbei ist. Es gibt nämlich nichts Schlimmeres, als wenn man mit einem Haufen Arbeit in der Butze hocken muss, während sich alle Welt im Strandcafé verlustiert. Nee … Quatsch … es gibt doch Schlimmeres! Nämlich, wenn die Nachbarn bei brütender Hitze mit ihrer Dorfdisco-Kirmes-Musik den Hinterhof berieseln und man gerade keine Kettensäge zur Hand hat.

Da ich grad so schön am Jammern bin: Schlimm fand ich es auch, als ich letzte Woche im Zug nach Augsburg vier Stunden lang die Schmatzgeräusche eines Teenies anhören musste, der einfach nicht mit geschlossener Futterluke seine Gummibärchen kauen konnte. Das führte dazu, dass ich sofort via Handy mein riesiges Haribo-Aktienpaket abstieß. Seitdem kann ich es kaum erwarten, alt und taub zu sein. Obwohl: Alt bin ich ja schon …

Doch bevor ich die Reise über den Jordan antrete, gibt es hier wieder meine allerletzten Tipps aus den unterirdischen Weiten des Internets:

Speed-Painter

»Maaaaami! Ich will auch so ein Cintiq 21″ haben!!!« würde ich rufen, wenn es etwas nützen würde. Was Grandmaster Moebius und seine Kollegen dieses Jahr in Angouleme mit dem wundersamen Grafiktablett aus dem Hause Wacom anstellten, lässt die Augäpfel größer werden. Kein Zweifel: Die digitale Zukunft ist bereits hier und die großen Künstler haben sich längst darauf eingestellt. Während der Computer für viele minder begabte Zeichner eine prima Krücke ist, stellt er für wahre Könner nur ein weiteres Werkzeug dar.

Beat-Bilder

Hatten die Menschen früher ein besseres Auge? Das denke ich, wann immer ich alte Fotos zu Gesicht bekomme. Man betrachte nur die Privataufnahmen aus den Jahren 1953 bis 1963 von Allen Ginsberg, der einer der Väter der Beat Generation war. Bis September kann man in Washington die Ursprünge von William S. Burroughs, Jack Kerouac und Konsorten fotografisch verfolgen. Angereichert mit erhellenden Kommentaren Ginsbergs. Hoffentlich kommt die Ausstellung auch nach Deutschland! Hier eine kleine Kostprobe.

Comic-Kids

Eine der lustigeren Web-Ideen kann man unter »Hey Kids, Comics!« finden. Der Betreiber des Blogs hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Fotos, auf denen comiclesende Menschen abgebildet sind, zu posten. Besonders nett sind natürlich die Aufnahmen, in denen Kinder der 40er und 50er Jahre auftauchen. Heute werden Comics ja leider vorwiegend von (weniger niedlichen) bierbäuchigen, bärtigen Spätpubertierern, die bei Mama wohnen, gelesen.

Dudeismus

Da wir gerade bei bierbäuchigen, bärtigen Spätpubertierern sind: Nach der Big Lebowski-Action-Figur (mit Milchtüte und Teppich) gibt es nun ein Dude-Poster, das dem letzten Abendmahl nachempfunden ist. Mehr über den Dude und seine Welt finden Freunde eines VERY casual Lifestyles auf »The Dudespaper«, wo man alles über den »Dudesimus« erfahren kann und zum »Dudenheim Store« gelangt, in dem es alles gibt, was das Herz eines kiffenden, White Russian süffelnden Abhängers erfreut.

Radioaktiver Trash

Na gut, die Atombome brachte ihren Opfern einen grausamen Tod, Verstümmlungen, Krebs und jahrzehntelanges Dahinsiechen – aber eben auch ein paar herzallerliebste Filme mit Riesenspinnen, radioaktiven Zyklopen und natürlich Godzilla. Ein Argument übrigens, das von den Befürwortern der Kernenergie viel zu selten genutzt wird. Trotzdem kann ich nur jeden, der den Namen Ishiro Honda mit einem Filmregisseur verbindet, statt mit einem schnittigen Kleinwagen, einen Besuch auf der »Radiation Cinama«-Seite empfehlen.

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