Anfang der 90er Jahre hatte ich das große Vergnügen, an einem Buch über die Hamburger Zeit der Beatles mitzuarbeiten. Nicht als Autor, sondern als Mädchen für alles: Satz, Gestaltung, Pressearbeit, Vertrieb, die Beteiligten bei Laune halten, Kaffee kochen usw.
Ich habe das Buch im wortmax Blog schon des öfteren erwähnt. Es trägt den Titel »Mach Schau! – Die Beatles in Hamburg«. Es wurde von den Autoren Thomas Rehwagen und Thorsten Schmidt verfasst und ist inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich (aktuell bei amazon ab 62,00 Euro aufwärts), inklusive einer Single-Schallplatte, für die sich die Macher des Buches damals ein originelles Label haben einfallen lassen: His Mother’s Voice – statt des Hundes sitzt da ein Kleinkind vor dem Grammophon.
Das Buch bekam viele gute Kritiken. Radio-Heroen wie Frank Laufenberg oder Elmar »Elmi« Hörig stellten es in ihren Sendungen vor. Und auch in der ZDF-Rateshow »Der große Preis« mit Wim, Wum und Wendelin wurde es erwähnt, weil sich gerade einer der drei eingekapselten Rategäste mit den Beatles beschäftigte.
Rückblickend war es eine aufregende Zeit, vor allem jene Woche im Dezember 1992, in der wir das frisch gedruckte Buch in Hamburg vorstellten, offiziell in einem Lokal auf St. Pauli, das der Ex-Frau von Tony Sheridan gehörte (»My Bonnie lies over the Ocean«). Ich erinnere mich an viele interessante Begegnungen, u. a. mit John Lennons voluminöser Star-Club-Freundin Betty. Aber auch Größen wie Günter Zint oder Ulf Krüger liefen einem über den Weg.
In den letzten Tagen durfte ich erneut in die ruhmreiche Vergangenheit St. Paulis eintauchen, als ich nämlich das Buch »Rohrkrepierer« las (erschienen bei Edition Temmen). Autor Konrad Lorenz (Jahrgang 1942) beschreibt darin seine Kindheit und Jugend auf St. Pauli, eine Zeit vor den Beatles, als der halbe Stadtteil noch in Trümmern lag.
Die Väter fehlten oder waren kriegsgeschädigt – vor allem im Kopf. Die Mütter organisierten den Kampf ums Überleben, und die Kinder rannten zur Mutprobe einmal pro Woche durch die Herbertstraße und tranken bei Tante Hermine (»Wo geiht, Jungs?«), der ersten Szene-Kneipe in der Hafenstraße, ihre ersten Biere (»Mut jo.«).
Als ich das Buch las, bekam ich große Lust, mich nach 18 Jahren mal wieder auf dem Kiez blicken zu lassen. Eine gute Gelegenheit böte sich diesen Donnerstag oder auch am Freitag, wenn Konrad Lorenz sein Buch »Rohrkrepierer« im St. Pauli Museum bzw. in der »Makrele« vorstellt. Nur leider fehlt es mir wieder mal an Zeit für spontane Reisen. Aber vielleicht hat ja jemand von Euch Lust, eine der Lesungen zu besuchen und mir – bitteschön – anschließend zu berichten. Ich würde mich freuen.
Hier meine Buchbesprechung. Und hier die bisher feststehenden Termine:
Donnerstag, 24. Februar 2011, St. Pauli Museum, Davidstr. 17
Beginn: 19:00 Uhr, Eintritt: 5,00 € (inkl. Ausstellungsbesuch)
Freitag, 25. Februar 2011, Makrele, Talstr. 29
Beginn: 21:00 Uhr, Eintritt frei
Montag, 28. März 2011, Literaturhaus, Schwanenwik 38
Beginn: 20:00 Uhr, Eintritt: 7,00 €/erm. 4,00 €
