»Sie spielen jetzt kräftig mit Ihrer Anziehungskraft, da brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn die Verehrer bald Schlange stehen« stand es in meinem Wochenhoroskop. Sooo lang war die Schlange bei meinem Signiertermin zwar nicht, doch ich hatte über eine Stunde lang tüchtig zu tun.
Eigentlich ist es ungerecht: Buchautoren müssen nur ihren Namen schreiben, während unsereins noch eine Zeichnung produzieren muss. Oft gibt es ganz spezielle Wünsche wie: »Zeichnen sie eine Ente, die gegen einen Roboter kämpft!« Noch schwieriger wird es jedoch, wenn der Messebesucher einem mit den Worten: »Zeichnen sie irgendwas« einen riesengroßen Papierbogen reicht. »Haben Sie spezielle Wünsche?«, fragt man dann verzweifelt. »Nö … einfach irgendwas!« Tja, dann käst mir das Gehirn, um Dr. Erika Fuchs zu zitieren.
Wenn man es gewohnt ist, in seinem stillen Kämmerlein zu werkeln, ist es schon schwierig vor einem Publikum unter dem Licht eines Scheinwerfers an einem winzigen Pult spontan Zeichnungen zu Papier zu bringen. Vor allem nach einen Messetag, der erst um vier Uhr morgens endete. Und dann noch auf Papier, das eigentlich nicht zum Zeichnen geeignet ist. Es gibt Kollegen wie Michael Holtschulte, die beim Kontakt mit ihren Fans regelrecht aufblühen. Beneidenswert! Ich selbst bevorzuge das stille Kämmerlein.
Es muss die Herbstsonne gewesen sein: Die Frankfurter Buchmesse zeigte sich diesmal von ihrer angenehmsten Seite. Nette Kollegen überall, überraschende Zusammenstöße, interessante Gespräche und wie immer literweise Kaffee.
Die zwei Tage gingen viel zu schnell dahin. Und wie immer habe ich Einiges gelernt: Zum Beispiel, dass man sich vorher die Adresse aufschreiben sollte, wenn man sich auf den Weg zu Verlagspartys macht; dass Alice Schwarzer ganz schön stramme Waden hat; dass in einem indisch-italienischen Restaurant Gästen sogar die Tür aufgehalten wird; dass Herr wortmax etwas Wortspiel-resistent ist und Kollege Burkh immer mehr aussieht wie »Scarface« Tony Montana.
Klar, dass ich auch im nächsten Jahr wieder dabei bin. Wahrscheinlich ist irgendwas in den pappigen Hot Dogs vor Halle 4, was Buchmessen-süchtig macht. Nur: Hoffentlich lässt meine Anziehungskraft bis dahin nicht nach.

[...] Weyershausen war nicht auf dem Twittagessen, sondern damit beschäftigt, gegen Roboter kämpfenden Enten zu zeichnen. Aber der twittert ja auch nicht, hat jetzt aber eine eigene [...]