etzt ist mir Kollege Weyershausen mit den wesentlichen Informationen zur Leipziger Buchmesse schon wieder zuvorgekommen. Was gibt es da von meiner Seite aus noch hinzuzufügen? Vielleicht die sich allmählich zementierende Erkenntnis, dass es im Gegensatz zur Frankfurter Buchmesse in Leipzig eher beschaulich zugeht. Der große Vorteil: Längere, entspannte und wirklich informative Gespräche mit den Ausstellern sind hier viel eher möglich als in der Main-Metropole, wo das hektische Verkaufsgespräch deutlich spürbar im Vordergrund steht.
Als Besucher braucht man in Leipzig vielleicht zwei Tage, bis sich das Gefühl einstellt, man hat das Meiste gesehen und viele interessante Anregungen bekommen. In Frankfurt kann man alle fünf Tage durch die Gänge wandeln, hat dann vielleicht alles gesehen, aber überhaupt nichts behalten. Weil es einfach zu viel des Guten ist.
In Leipzig ist alles ein bißchen gelassener, lockerer und bunter. Letzteres ist wohl vor allem (aber nicht nur) auf die Manga-Szene zurückzuführen, auf die vielen leicht bekleideten Girlies, die mit ihren seltsamen Fellkostümen, präparierten Augen und rosa leuchtenden Perücken den ganzen lieben langen Messetag durch die Gänge schwirren.
Zu empfehlen ist die Frühjahrsbuchmesse aber auch für das, was nach dem Messetag passiert. Beide Buchmessen bieten reichlich Veranstaltungen. In Frankfurt muss man allerdings schon sehr genau wissen, wohin man will, nachdem man sich tagsüber in den Messehallen die Füße platt gelaufen hat – und (ganz wichtig!) man sollte immer eine Einladung in der Tasche haben.
In Leipzig kann man sich treiben lassen. Schlimmstensfalls landet man in einem der vielen netten Restaurants oder Bars, die in der Innenstadt zu finden sind, trinkt zu relativ günstigen Preisen tschechisches Lagerbier oder einen leckeren Rotwein, lässt den Tag Revue passieren und sieht zu mitternächtlicher Stunde Axel Hacke an sich vorbeischlendern.
Wenn’s besser läuft, so wie in diesem Jahr, landet man völlig unerwartet im Funkhaus des MDR und schaut sich Die große ARD-Radionacht der Hörbücher an. Dort gab es für mich übrigens ein interessantes Wiedersehen mit der sympathischen Anna Thalbach. Vor circa zwei Jahren hatte ich in Hannover mal ein Interview mit ihr geführt, das am Ende leider nicht verwertet werden konnte. Gern wäre ich während der Veranstaltung in Leipzig auf die Bühne marschiert und hätte sie gefragt, ob sie sich noch an mich erinnert. Aber das wäre peinlich geworden, denn man war ja live auf Sendung.
Wo wir schon bei den Prominenten sind: Bei früheren Messebesuchen hatte ich stets das Gefühl, in Frankfurt sieht man die großen Berühmtheiten, wie zum Beispiel Muhammad Ali, Susan Sonntag oder Chris Rea, während in Leipzig nur skurrile B-Promis wie Christian Anders oder allgegenwärtige Nervensägen wie Frau Fröhlich zu bestaunen sind. Aber das ist längst nicht mehr der Fall.
Inzwischen sind die celebrities auch in Leipzig zahlreich vertreten. Ich sah Denis Scheck in seiner schnuckligen Glaskabine und erinnerte mich daran, wie der Glückliche zwei Wochen zuvor für seine Sendung »druckfrisch« nach Kalifornien gereist war, ins sonnige Santa Barbara, zu einer kleinen Teestunde mit T.C. Boyle.
Ebenso bemerkenswert waren in Leipzig die Sichtungen von Christian Brückner, den ich gern einmal darum bitten würde, einen Satz zu sprechen, in dem mein Name vorkommt, oder Thea Dorn, die live eine noch erfrischendere Wirkung hat als in ihrer SWR-Sendung »Literatur im Foyer«. Vielleicht sollte ich demnächst mal ein Buch von ihr lesen, wenngleich ich kein Krimifan bin und mich ihr aktuelles Buchthema, das so genannte Stockholm-Syndrom, nicht wirklich interessiert.
Zu guter Letzt war ich in Leipzig nah dran an Charlotte Roche. Sie spazierte mit ihren »Feuchtgebieten« direkt an mir vorbei, und zwar just in dem Moment, als ich nach Ablauf eines anstrengenden Messetages in der großen Halle saß und das Glas zum ersten wohlverdienten Bier des Tages erhob. Was will man mehr?

Leipziger Allerlei – ein aromatischer Appetitshappen als Nach(speise)lese zur Leipziger Buchmesse 2008.