Sacha Brohms Schatztruhe

Sacha Brohms glitzerndes Schatzkästlein voller funkelnder AlltagsmärchenAb und an kommt es vor, dass man mich einen humorlosen Klotz schilt. »Schilt« ist ein schönes Wort – es ist noch schöner als »Schild« und noch viel schöner als »Schuld«. Schuld ist überhaupt nicht schön – man wird sie oft auch nicht wieder los.

Humorlos schelten mich die Leute, die Dinge lustig finden, über die ich selbst nicht lachen kann. Zum Beispiel Mario Barth, wobei Mario natürlich kein Ding ist, sondern durchaus ein Mensch. Oder zumindest ein Comedian. Einmal habe ich versucht, einer Abendshow von ihm im Fernsehen zu folgen und mich immer sehr über die Werbepausen gefreut. Witzig fand ich nur ein Zwiegespräch von ihm mit den Lebensmittelresten in seinem Kühlschrank. Ein Dialog auf Augenhöhe sozusagen.

Was ich dagegen lustig finde sind Lesebühnen. Sie bieten viele Vorteile: Man kann dort Leute treffen, muss sich aber nicht mit ihnen unterhalten, weil man ja den Vorlesern zuzuhören hat. Sacha Brohm ist einer von diesen Lesebühnenautoren, denen man zuhören sollte. Derzeit ist er Ensemble-Mitglied bei »Sitzen 73« aus Bielefeld.

»Mehrere Aspekte machen den Tod unattraktiv«, schreibt Sacha Brohm, »tritt er nämlich ein, kann man nicht mehr sprechen, man kann nicht mehr Einkaufen gehen und alle Bekannten und Verwandten leben meistens noch weiter, das heißt, man ist ziemlich allein, wenn Herr Tod zugeschlagen hat. Alles, was man sich so angewöhnt hat, ist nicht mehr machbar, und jeder, der schon mal die Arme und Beine eingegipst hatte, der weiß, wie frustrierend das sein kann. Tod ist noch mal eine Stufe härter als Gipsverbände, denn man kann nicht mal darauf hoffen, bald wieder alleine auf Toilette gehen zu können. Der Lebende ist hier ganz klar im Vorteil.«

So nonchalant schreiben nur wenige Autoren über den Zustand, der dem Sterben folgt und in einem möglicherweise unverdient schlechten Ruf steht. Wir wissen ja nicht, wie es sich so anfühlt, tot zu sein, und können daher nur Vermutungen anstellen.

Nachlesen kann man das, wenn man sich das nicht vorlesen lassen will, in einem Buch. Es heißt: »Sacha Brohms glitzerndes Schatzkästlein voller funkelnder Alltagsmärchen«. Dort findet man auch Texte über behaarte Männer. Ich kann mir ein Leben ohne behaarte Männer durchaus vorstellen – ein Leben ohne ein Buch über sie, wäre jedoch ein Irrtum, wie schon Nietzsche (oder so) wusste.

  • Share/Bookmark
Tagged with:
 


Kommentar schreiben