Letzte Woche waren Herr Weyershausen und ich keine Braunschweiger. Letzte Woche waren wir Bremer, und das ist wirklich eine tolle Nachricht. Denn es gibt nicht wenige Momente, in denen Braunschweiger lieber Bremer sein wollen.
Angefangen hatte alles im Forum von www.tcboyle.de. Wir wurden dort gefragt, ob wir nicht unsere aktuellen Bücher »111 Gründe, erwachsen zu werden« und »111 Gründe, sich selbst zu lieben« im Rahmen einer kleinen Lesung vorstellen möchten – in einem kleinen, aber feinen Café unweit der Weser. Weil wir beide selbst noch nie in Bremen waren (Asche auf unsere Häupter) und wir uns natürlich gerne von sympathischen Menschen einladen lassen, sagten wir umgehend zu.
Was wir weder wussten noch ahnten: Radio Bremen befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Café. Und: Unser Gastgeber, Rauch’s Cafe und WunderBar in der Langenstraße, hatte einen guten Draht dorthin. So folgte der Einladung zur Lesung am 05. Dezember noch eine weitere Einladung in die Weserstadt, und zwar am 03. Dezember in die TV-Sendung »Ansichten«.
Es gibt diese Sendung noch nicht lange. Vorgestellt werden dort Bremer mit interessanten Geschichten, aber auch auswärtige Personen, die gerade in Bremen gastieren, darunter Braunschweiger, die gerne mal Bremer sein wollen, und hin und wieder ein prominentes Gesicht. Alfred Biolek, Kevin Costner, Sven Regener, Jan Weiler und Jan Delay standen bereits auf der Gästeliste. Es ist schon toll, aber auch merkwürdig, den eigenen Namen auf einer solchen Liste wiederzufinden.
Geradezu verwirrt hat uns die Nachricht, wir hätten Kevin Costner in der Zuschauergunst um 1% geschlagen und seien die neuen Quotenkönige der Sendung. Denn man selbst findet sich natürlich furchtbar, wie man da auf der Fernsehcouch die richtige Haltung einzunehmen versucht und krampfhaft nach witzigen Antworten fahndet. Dass Menschen sich furchtbar finden, wenn sie sich im Fernsehen sehen, ist nicht neu. Seit unserem TV-Auftritt habe ich eine eigene Theorie, warum das so ist. Doch jetzt schweife ich ab.
Bei der Lesung in Rauch’s Café ging es wesentlich entspannter und lockerer zu. Das lag zum einen an den entspannten und lockeren Gastgebern, die zudem überaus sympathisch waren – und spendabel. (In dem Luxus-Hotel, in dem wir einquartiert wurden, konnte man von der Badewanne direkt ins stilvoll beleuchtete Bett stolpern.)
Zum anderen lag es an dem netten Publikum, das nur leider nicht sehr zahlreich erschienen war. Vielleicht wegen des miesen Wetters oder weil »Wetten dass …?« am selben Abend in Bremen gastierte und alle Bremer für eine bekloppte Außenwette benötigt wurden. Trotzdem: Die Stimmung war prächtig, und jeder kaufte mindestens ein Buch, was die zwischenzeitlichen Zweifel an der Attraktivität der eigenen Veranstaltung auflöste.
Zualledem wurde uns die große Ehre zuteil, zusammen mit einer echten britischen Gitarrenlegende aufzutreten: Robert Wood.
Vielleicht bin ich zu jung, als dass mir dieser Name auf Anhieb etwas hätte sagen können. Als ich jedoch – wieder daheim – nach Robert Wood googelte, stieß ich auf sein Album Vibrarock, an dem Musiker mitgewirkt haben, die namentlich mehr als einmal in meinem gut sortierten Plattenschrank auftauchen. Der Bassist und Produzent Mike Howlett zum Beispiel oder der inzwischen leider verstorbene Schlagzeuger Pierre Moerlen.
Schon erstaunlich, was alles passieren kann, wenn man einer Lesung in Bremen zusagt. Ich könnte jetzt der Vollständigkeit halber noch von unserer After-Show-Party berichten, an Bord des Betonschiffes »Treue«, und vom morgen danach, als wir ein Café quasi ganz für uns allein hatten, doch das gehörte alles nicht zum offiziellen Teil unseres Bremenbesuchs und wird nur unter der Hand weitererzählt.
Ein ganz wichtiger Termin wurde in diesem Jahr unter den Tisch fallen gelassen: Vor 40 Jahren nämlich wurde die erste Folge von »Monty Python’s Flying Circus« ausgestrahlt. Ich persönlich war immer verwundert, dass »Always look on the bright side of life« das bekannteste Lied der Pythons wurde. Mein eigener Favorit war dagegen stets das legendäre Holzfäller-Lied. Und da auf dieser Website (zum Glück) keine Demokratie herrscht, sondern eine kuschelige kleine Diktatur, werden wir machen, was ich will! Hier also ein kurzer Blick auf die Pythons:
Pappige Kulissen
Die erste Version des Lumberjack-Sketches wurde 1970 vom BBC ausgestrahlt. Hier sieht man am besten, dass »Monty Python’s Flying Circus« eine absolute Billigproduktion war, in die der Sender nicht gerade viel Vertrauen hatte. Für Kostüme und Kulissen wurde kein Pound zuviel ausgegeben. Selbst den Briten war diese Form des britischen Humors zunächst einmal suspekt.
Lässige Lederhosen
1971 wurden zwei Monty Python-Folgen eigens für den deutschen Markt produziert. Initiator war Alfred Biolek. Die erste Folge »Monty Python’s Fliegender Zirkus: Blödeln für Deutschland« wurde komplett in Deutsch gedreht. So wurde aus dem kanadischen Holzfäller ein braver deutscher Holzhacker in Lederhosen. Die Pythons gaben sich zwar große Mühe, unsere Sprache zu sprechen, aber das Ergebnis wirkt schon etwas sonderbar. Klar, dass die Deutschen mit solcher Komik nichts anfangen konnten.
Unter Bäumen
In dem Film »Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft«, einem Sammelsurium der besten Sketche der Comedytruppe, konnte man 1971 eine neue, opulentere Version des Holzfäller-Songs erleben. Dieses Mal vor echten Kulissen. Die Mütze und die Hosenträger sind jedoch geblieben. Inzwischen war die Sendung zwar kein richtiger Erfolg, aber zumindest Kult. Hier zur Abwechslung die deutsch synchronisierte Version.
Pythons go Hollywood
Lange nachdem »Monty Python’s Flying Circus« abgesetzt war, trat die gesamte Truppe 1982 live in Hollywood auf, um ihre Sketche vor einem tobenden amerikanischen Publikum zum Besten zu geben. Es dauerte lange, bis das Publikum den absurden Humor der Pythons zu schätzen wusste. Den Holzfäller-Song sang statt Michael Palin hier jedoch Eric Idle.
Goodbye George
Ex-Beatle George Harrison zählte zu den größten Python-Fans auf diesem Planeten. Schließlich produzierte er später etliche Filme der einzelnen Mitglieder. 2002, ein Jahr nachdem Harrison verstorben war, versammelten sich all seine Freunde, um im »Concert for George« seiner zu gedenken. Mit dabei waren auch die (fast) vollständigen Pythons, um eine bislang letzte Version des Holzfäller-Liedes vorzutragen.

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