Mach Schau! – Zeitreisen auf St. Pauli

wortmax am 22. Februar 2011 in HiStory

ewuAnfang der 90er Jahre hatte ich das große Vergnügen, an einem Buch über die Hamburger Zeit der Beatles mitzuarbeiten. Nicht als Autor, sondern als Mädchen für alles: Satz, Gestaltung, Pressearbeit, Vertrieb, die Beteiligten bei Laune halten, Kaffee kochen usw.

Ich habe das Buch im wortmax Blog schon des öfteren erwähnt. Es trägt den Titel »Mach Schau! – Die Beatles in Hamburg«. Es wurde von den Autoren Thomas Rehwagen und Thorsten Schmidt verfasst und ist inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich (aktuell bei amazon ab 62,00 Euro aufwärts), inklusive einer Single-Schallplatte, für die sich die Macher des Buches damals ein originelles Label haben einfallen lassen: His Mother’s Voice – statt des Hundes sitzt da ein Kleinkind vor dem Grammophon.

Das Buch bekam viele gute Kritiken. Radio-Heroen wie Frank Laufenberg oder Elmar »Elmi« Hörig stellten es in ihren Sendungen vor. Und auch in der ZDF-Rateshow »Der große Preis« mit Wim, Wum und Wendelin wurde es erwähnt, weil sich gerade einer der drei eingekapselten Rategäste mit den Beatles beschäftigte.

Rückblickend war es eine aufregende Zeit, vor allem jene Woche im Dezember 1992, in der wir das frisch gedruckte Buch in Hamburg vorstellten, offiziell in einem Lokal auf St. Pauli, das der Ex-Frau von Tony Sheridan gehörte (»My Bonnie lies over the Ocean«). Ich erinnere mich an viele interessante Begegnungen, u. a. mit John Lennons voluminöser Star-Club-Freundin Betty. Aber auch Größen wie Günter Zint oder Ulf Krüger liefen einem über den Weg.

In den letzten Tagen durfte ich erneut in die ruhmreiche Vergangenheit St. Paulis eintauchen, als ich nämlich das Buch »Rohrkrepierer« las (erschienen bei Edition Temmen). Autor Konrad Lorenz (Jahrgang 1942) beschreibt darin seine Kindheit und Jugend auf St. Pauli, eine Zeit vor den Beatles, als der halbe Stadtteil noch in Trümmern lag.

Die Väter fehlten oder waren kriegsgeschädigt – vor allem im Kopf. Die Mütter organisierten den Kampf ums Überleben, und die Kinder rannten zur Mutprobe einmal pro Woche durch die Herbertstraße und tranken bei Tante Hermine (»Wo geiht, Jungs?«), der ersten Szene-Kneipe in der Hafenstraße, ihre ersten Biere (»Mut jo.«).

Als ich das Buch las, bekam ich große Lust, mich nach 18 Jahren mal wieder auf dem Kiez blicken zu lassen. Eine gute Gelegenheit böte sich diesen Donnerstag oder auch am Freitag, wenn Konrad Lorenz sein Buch »Rohrkrepierer« im St. Pauli Museum bzw. in der »Makrele« vorstellt. Nur leider fehlt es mir wieder mal an Zeit für spontane Reisen. Aber vielleicht hat ja jemand von Euch Lust, eine der Lesungen zu besuchen und mir – bitteschön – anschließend zu berichten. Ich würde mich freuen.

Hier meine Buchbesprechung. Und hier die bisher feststehenden Termine:

Donnerstag, 24. Februar 2011, St. Pauli Museum, Davidstr. 17
Beginn: 19:00 Uhr, Eintritt: 5,00 € (inkl. Ausstellungsbesuch)

Freitag, 25. Februar 2011, Makrele, Talstr. 29
Beginn: 21:00 Uhr, Eintritt frei

Montag, 28. März 2011, Literaturhaus, Schwanenwik 38
Beginn: 20:00 Uhr, Eintritt: 7,00 €/erm. 4,00 €

Die Ungnade der späten Geburt

Weyershausen am 6. September 2010 in Befindlichkeiten

KalenderJedes Jahr im August gibt das Beloit College in Wisconsin die sogenannte »Beloit College Mindset List« heraus, die dem Lehrkörper einen Blick auf den kulturellen Horizont der Studenten vermitteln soll. Die Ergebnisse dieser Studie sind schon faszinierend.

Viele Schüler des Jahrgangs 1992 haben zum Beispiel noch nie einen Brief geschrieben. Überhaupt können die meisten nur in Druckbuchstaben schreiben. Schreibschrift ist ihnen unbekannt. Clint Eastwood ist für sie kein Westernheld, sondern ein Regisseur feinsinniger Filme; Beethoven der Name eines Hundes und Fergie ist eine Sängerin, statt ein Mitglied der britischen Königsfamilie.

Da bin ich mal wieder froh, ein alter Sack zu sein! Eine Kindheit in den 90ern stelle ich mir furchtbar vor. Die kontinuierliche Verblödung der Medien hatte damals den ersten Höhepunkt erreicht. Meine letzten wissenschaftlichen Studien lassen kein anderes Urteil zu: Das ideale Geburtsjahr im letzen Jahrhundert wäre 1950 gewesen! Warum ausgerechnet 1950 und nicht etwa 1968 oder 1984, höre ich jetzt einige Zweifler fragen. Doch gemach, liebe Freunde, meine These ist wohl durchdacht!

Wieso also ist 1950 das ideale Geburtsjahr?

Ganz einfach: Um von beiden Weltkriegen verschont zu bleiben, kommt nur die Zeit nach 1945 in Frage. 1950 waren die schlimmsten Schäden des Krieges beseitigt. Als Kind wäre man wohlbehütet mit Heinz Erhardt im Wirtschaftswunderland aufgewachsen, in dem alles Unangenehme unter den Teppich gekehrt wurde. Dann, im Teenageralter, hätte man zu den Klängen der Beatles den ersten Kuss bekommen und wäre mit den Rolling Stones auf die Barrikaden gestiegen.

Besonders die Studienzeit hätte es in sich gehabt. In den Siebzigern wäre man – unbelastet von AIDS, Arbeitslosigkeit und anderen unschönen Dingen – lange Jahre mit Drogen und freier Liebe beschäftigt gewesen, nur um rechtzeitig zur Midlife-Krise den Mauerfall zu erleben. Klar, ich hätte eklige bunte Polyesterhemden tragen müssen, dafür wäre die schlimmste Krise meines Lebens die Ölkrise von 1973 gewesen. Heute wäre ich 60 und könnte mit etwas Glück bis zum endgültigen Zusammenbruch des Sozialsystems sogar noch etwas Rente kassieren. Die Klimakatastrophe würde mir komplett am Arsch vorbeigehen, weil es mich dann nicht mehr gibt.

Stattdessen bin ich mit Abba, den Bay City Rollers, Yps mit Gimmick, Boy George und Costa Cordalis aufgewachsen. Kein Wunder, dass nichts Gescheites aus mir werden konnte. Zu meiner Teenagerzeit liefen alle Mädchen mit Dauerwellen, gigantischen Schulterpolstern und in Karottenjeans durch die Gegend. Da hätte ich die freie Liebe nicht mal geschenkt haben wollen! Dazu musste ich die ganze Ära Helmut Kohl bei vollem Bewusstsein miterleben. Nicht mal der RAF konnte ich beitreten!

Aber es hätte schlimmer kommen können: Wäre ich zum Beispiel nur ein Jahrzehnt später zur Welt gekommen, wäre mein wichtigstes TV-Erlebnis eventuell »Tutti Frutti« mit Hugo Egon Balder gewesen. Vermutlich würde ich heute auf Ü30-Partys abhängen, Heinz Rudolf Kunze hören und zum Anzug prinzipiell keine Socken tragen, weil Don Johnson so etwas ja auch nie tat.

Noch grauenhafter wäre wohl wirklich nur das Geburtsjahr 1992. Dann hätten mir meine Eltern bestimmt ein Sparbuch für das Weglasern meiner Tattoos eingerichtet. Statt Cartoonist wäre ich sicher Sprayer, der zu den Klängen seines Ghettoblasters den lieben langen Tag auf Parkplätzen an seinen Sprühdosen schnüffelt. Ich würde seit meiner Kindheit GZSZ gucken, jeden Satz mit »Ey, Alter …« beginnen und Thomas Gottschalk für den lieben Gott halten.

Aber das ist natürlich nur eine kleine Liste böser Klischees, die ich nicht äußern würde, wenn ich im Heile-Welt-Jahr 1950 zur Welt gekommen wäre. Denn dann hätte ich sicher an etlichen Selbsterfahrungsgruppen teilgenommen, befände mich auf einer spirituell viel höheren Ebene und wäre zufrieden im Hier und Jetzt.

In Heaven or Hell

Axel Klingenberg am 25. Mai 2010 in Plattenkiste

Heaven or HellDie meisten Heavy Metal-Fans sehen Ozzy Osbourne als den besten Black Sabbath-Sänger aller Zeiten an. Nicht wenige sind sich vielleicht gar nicht bewusst, dass es da auch noch andere gab. Eigentlich sogar ganz schön viele, denn Black Sabbath zählen zusammen mit Deep Purple zu den zickigsten Bands in der an Diven nicht eben armen Metal-Szene. Trennungen und Reunions sind da an der Tagesordnung. Für mich persönlich jedenfalls ist Ronnie James Dio der eigentliche Black Sabbath-Sänger. Der erste Eindruck ist ja immer der prägende und bevor ich die Ozzy-Alben kannte, hörte ich damals, 1982, den Konzertmitschnitt »Live Evil« rauf und runter und natürlich rückwärts, auch wenn ich dabei die versprochenen satanischen Botschaften nicht entdecken konnte. Dafür wurde mir die Platte allerdings bei einer Geburtstagsparty gestohlen, weshalb ich sie mir ein zweites Mal zulegen musste. Ich denke, das zeigt deutlich, wie sehr ich sie schätzte.

Ronnie James Dio wurde 1942 als Ronald James Padavona im amerikanischen Portsmouth geboren. Seit seinem 5. Lebensjahr machte er auf Drängen seines Vaters Musik, mit 15 spielte er in seiner ersten Band, »The Vegas Kings«. Bescheiden wie er war, benannte er sie in »Ronnie & The Rumblers« und später in »Ronnie and the Red Caps« um. Sein eigener Name gefiel ihm aber auch nicht so gut. »Dio« (italienisch für »Gott«) fand er treffender, auch wenn er dabei nicht an den Herrn im Himmel, sondern an den damals berühmt-berüchtigten und polizeilich bekannten Mafiosi Johnny Dio gedacht haben soll. Es folgte eine weitere sendungsbewusste Umbenennung der Band in »Dio and the Prophets« und ein erstes Album: »Dio at Domino’s«.

Erste wirkliche Erfolge gab es erst nach einigen Besetzungswechseln und unter neuem Namen: »The Electric Elves«. Dieser wurde später auf ein schlichtes »Elf« verkürzt. Die Musik wurde dagegen härter. Ihr rauer Blues und harter Rock brachte ihnen die Aufmerksamkeit von Deep Purple ein, für die sie schließlich auch als Vorband spielen durften. Nachdem sich Ritchie Blackmore während einer Plattenproduktion mit Deep Purple überworfen hatte, gründete er zusammen mit Dio »Ritchie Blackmore’s Rainbow«. Das trotzig »Rising« betitelte und 1976 unter dem Bandnamen Rainbow veröffentlichte Debüt-Album darf als ein Klassiker des Genres angesehen werden, zudem es hierbei zu einer Beispiel gebenden Zusammenarbeit mit einem Philharmonischen Orchester kam.

Natürlich konnten Blackmore und Dio nicht auf Dauer zusammenarbeiten – es kann eben nur einen Star in der Band geben. Deshalb wechselte Dio zu Black Sabbath, die sich gerade von Ozzy Osbourne getrennt hatten. Auch hier leistete Dio Großes und bescherte den Heavy Metal-Pionieren mit den Platten »Heaven and Hell« und »Mob Rules« Riesenerfolge und hohe Chartplatzierungen. Ob Dio mit seiner theatralischen, opernhaften Stimme besser singt als der immer etwas knödelnde Ozzy, sei dahingestellt, das Songwriting war jedenfalls brillant. Auf diesem Erfolgsweg konnte es natürlich nicht einfach so weitergehen.

Dem oben erwähnten großartigen Album »Live Evil« folgte deshalb konsequenterweise die Trennung von Black Sabbath (wegen »persönlicher Differenzen«) und die Gründung einer eigenen Band, die nun auch ganz einfach nach ihm benannt wurde: Dio. Um im religiösen Bilde zu bleiben, hieß die erste, 1983 veröffentlichte Platte daher konsequenterweise auch »Holy Diver«. Der Erfolg war gigantisch und wurde nur von dem Nachfolgealbum »The Last in Line« übertroffen.

Leider schafft es erfahrungsgemäß kaum eine Band die Qualität ihrer ersten Platten zu erreichen, und so konnten Dio mit ihren weiteren Veröffentlichungen nicht an die beiden Anfangserfolge anknüpfen, spielten aber geschickterweise ihren Klassiker »Holy Diver« einfach noch mal live ein.

Auch der Wiedereinstieg bei Black Sabbath im Jahre 1992 war nur von kurzer Dauer – nachdem man von Dio verlangt hatte, bei zwei »Abschiedskonzerten« (den ersten von vielen) von Ozzy Osbourne zu spielen, verließ er angesichts dieses absurden Vorschlags die Band wieder. Die Feindschaft mit Ozzy Osbourne blieb eine Konstante im Leben von Ronnie James Dio.

Nach der erneuten Trennung von Black Sabbath reaktivierte er seine eigene Band wieder. Sie blieb, sieht man mal von einem Zwischenspiel im Jahre 2007 ab, bei dem er unter dem Namen »Heaven and Hell« mit anderen ehemaligen Black Sabbath-Mitgliedern auftrat, sein Hauptprojekt.

Eine weitere kulturelle Großtat war die Popularisierung des Teufelshörnerzeichens: Zeigefinger und kleiner Finger werden von der Faust abgespreizt. Anders lautenden Gerüchten zum Trotz hat er allerdings dieses Zeichen nicht in die Musikszene eingeführt. Die Beatles benutzten es schon 1968 im Artwork und auf Promofotos für das Album und den Film »Yellow Submarine«. Dio behauptete, dieses Zeichen, das auch gerne als „Pommesgabel“ bezeichnet wird, von seiner Großmutter zu kennen, die es benutzt habe, um den bösen Blick abzuwehren.

Am 16. Mai 2010 starb Ronnie James Dio in Houston an Magenkrebs.

Home Sweet Home Recording

wortmax am 19. April 2010 in HiStory

PianoVergangene Woche habe ich mir das Linux Multimedia Studio aus dem Netz heruntergeladen. Wie gut das Programm ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen, aber ich war verblüfft, welche Sounds es zu bieten hat – ohne irgendein Keyboard oder Expander. Es ist nämlich schon ein Weilchen her, dass ich mich mit Home Recording beschäftigt habe. Fast 20 Jahre, um ehrlich zu sein.

Damals sah die Welt noch etwas anders aus. Wir waren 18 und rannten in Düsseldorf rum, gründeten schließlich einen kleinen Verlag in Braunschweig. Das Geld war knapp. Apple und Quark konnten wir uns nicht leisten. Die preiswerte Alternative hieß Atari und Calamus. Hach! Ich habe beides geliebt.

Den Umgang mit Calamus, dem DTP-Programm, erlernte ich, indem ich in vielen langen Nachtschichten ein Buch setzte und gestaltete, das heute eine echte Rarität darstellt: »Mach Schau! Die Beatles in Hamburg«. Von Thomas Rehwagen und Thorsten Schmidt. Es ist inwischen nur noch antiquarisch erhältlich – für nicht weniger als 66 Euro.

Atari war zu Unrecht als reiner Spiele-Computer verschrien. Man konnte damit z. B. auch im Bereich Desktop Publishing ganz wunderbare Sachen machen – und natürlich Musik. Als ich das Programm Cubase auf meinem Atari ST 2 installierte, eröffnete sich mir eine neue Welt. Zwar konnte ich außer etwas Maultrommel und Luftschlagzeug kein einziges Musikinstrument spielen (bis heute nicht), legte mir aber Bass, E-Gitarre und ein billiges Keyboard zu und … fing an zu komponieren.

Unzählige Nächte verbrachte ich daraufhin in meinem kleinen Home Recording Studio, das eigentlich meine Küche war. Tisch, Stühle und Küchenschrank hatte ich entfernt, nur den Kühlschrank im Zimmer gelassen – für die kalten Getränke. Komponieren macht durstig.

Bis etwa 1995 ging das so. Danach verlor ich die Lust am Musizieren, weil mir die klangtechnisch arg limitierten Möglichkeiten, die ich hatte, nicht mehr ausreichten. Bass und Gitarre musste ich nach kurzer Zeit leider wieder verkaufen. Also stand mir nur noch eine alte Casio Tone Bank mit blechernem Sound zur Verfügung sowie ein kleiner, in die Jahre gekommener Expander von Kawaii. Geld für ein neues leistungsfähigeres Equipment hatte ich nicht, und Zeit, mich weiterhin Nacht für Nacht in Cubase zu verlieren, auch nicht. Also stellte ich mein Home Recording Studio ein.

Hier ein Stück aus jener Zeit. Es wird Euch sicher nicht vom Hocker reißen, ist historisch gesehen hoffentlich aber auch nicht so peinlich, dass man es für immer in der Schublade lassen muss. Außerdem ist es doch nett, mal ein bisschen Musik auf diese Seiten zu bringen, ohne gleich die GEMA am Hals zu haben.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Das Linux Multimedia Studio habe ich mir übrigens besorgt, weil ich überlege, erneut von mir hören zu lassen. Es gibt inzwischen wieder ein E-Piano in meinen vier Wänden, und die Kollegen von der Bumsdorfer Auslese haben die wirre Idee, auf der Bühne demnächst gemeinsam etwas zu singen. Da sollte ich vorbereitet sein. Und Ihr auch.

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Der Tag, an dem der King starb

Weyershausen am 28. Juni 2009 in Plattenkiste

endederweltSchon wieder ein Moment, an den man sich erinnern muss: Wo warst Du, als Michael Jackson starb? Ich erinnere mich noch an jenen Tag, als ein anderer King den Löffel abgab.

1977, als ich erfuhr, dass Elvis in die ewigen Jagdgründe abgewandert ist, stand ich gerade am Fahrradstand meiner Schule. Der Rest des Tages verlief auch nicht besser, denn ich hatte wie so oft meine Hausaufgaben nicht gemacht. Erschüttert hat mich die Nachricht damals nicht sonderlich. Elvis war für mich nur ein Mann, der in seltsamen alten Filmen auftrat, in denen viel gesungen wurde. John Lennons Ende traf mich ein paar Jahre später schon erheblich schwerer.

Noch schlimmer fand ich es, als Carl Barks, der geistige Vater von Dagobert Duck das Zeitliche segnete. Der »Entenmann« verließ im zarten Alter von 99 diese Welt. Er starb meiner Meinung nach viel zu früh!

Und Michael Jackson? Wahrscheinlich tragen die Mitspieler im Medienzirkus jetzt Trauer – war er doch ein gefundenes Fressen für alle Kolumnisten, Comedians und Cartoonisten. Hier ein paar Impressionen aus der Welt der bunten Bilder:

Darf der das?

Kein anderer Cartoonist kommentierte den Tod des King of Pop so ätzend wie Mike Luckovich. Der Hauscartoonist des »Atlanta Journal« erntete dafür viel Kritik. So viel Kritik, dass die Leser der altehrwürdigen Washington Post auf der Website der Zeitung abstimmen sollen, ob der Zeichner nun zu weit gegangen ist oder nicht. Ist er?

Little Michael

Schön war die Zeit, in der der bekennende Comic-Fan Jackson noch die Nase hoch tragen konnte. 1970 war der junge Michael der Liebling der amerikanischen TV-Nation. Die Jackson Five schafften es sogar auf das Cover des kurzlebigen Satireblatts »Spoof« aus dem Hause Marvel, das die fünf Racker neben den Beatles, den Rolling Stones und Elvis abbildete. Damals war Teenie-Idol David Cassidy der King of Pop. Nie gehört? So viel zum Thema Unsterblichkeit.

Show Respect to Michael Jackson!

Bei aller Lästerei sollte man nicht die Leistungen des Mannes vergessen, der in den Achtzigern wie kein Zweiter die Welt der Popmusik beherrschte. Independent-Cartoonist James Kochalka forderte jedenfalls in seinem Blog alle Leser auf, den Verblichenen zu ehren und eine Runde zu moonwalken – vielleicht beim Gassi gehen mit dem Hund. So sehr beschäftigte ihn der Tod des Meisters, dass er sogar den Song »Show Respect to Michael Jackson« intonierte. Let’s hear it, James!

Der ultimative Nachruf

Das letzte Wort hat Cartoonist John Campbell, der am treffendsten belegt, was in der letzten Woche abgelaufen ist. Dummes Geschwafel von B-Prominenten, die Jackson nicht mal kannten, Gerüchte, unhaltbare Spekulationen und schlampige Recherchen – all das erwartet uns, wenn ein Prominenter unerwartet abtritt. Oder wie TV-Urgestein Hans-Joachim Kulenkampff es einst formulierte: »Die Leute sind gar nicht so dumm, wie wir sie durchs Fernsehen noch machen werden.«

Im Falle Jacksons hat man jedenfalls den Eindruck, dass die Medien-Vampire eines ihrer liebsten Opfer am Ende bis zum letzten Blutstropfen ausgesaugt haben.

Unser Roger

Weyershausen am 11. Mai 2009 in Reisenotizen

brilleRoger Willemsen ist ein Mann der Widersprüche. Ein Kerl, der langsam auf die 60 zugeht und noch immer wie ein Konfirmand wirkt. Ein Bücherwurm mit der Statur eines Sportlers. Ein Intellektueller, der gleichzeitig einen Sinn für die trashigen Aspekte des Lebens hat. Wer ihn einmal live erlebt hat, den überkommt eine gewisse Demut, wenn es um die Beurteilung der eigenen Geistesgaben geht.

Statt wie normale Leute in den Mai zu tanzen, fuhr ich in der letzten Woche lieber nach Hamburg, um im Funkhaus des NDR Herrn Willemsens Musikgeschmack zu lauschen. Erneut legte Deutschlands liebster Intellektueller seine Favoriten auf – zum Vergnügen seiner Fans. Die saßen zwei Stunden gebannt auf ihren Klappsesseln. Der Meister selbst nahm dagegen auf einem roten Sofa Platz, während ein ZEIT-Redakteur zu seiner linken den DJ gab.

Von einem »wunderbaren Abend mit geistreichen Worten und faszinierenden Klängen« war in der Presse zu lesen, von einer Veranstaltung, »die uns den Glauben an die Kraft der Musik und Worte zurückgibt«, naja.

Ein gemütliches Café wäre sicher der passendere Rahmen für so eine Veranstaltung gewesen, als das karge Rolf-Liebermann-Studio. So hatte das Ganze ein wenig den Anstrich eines Volkshochschulkurses. Oder einer Morgenandacht. Und was haben wir dabei gelernt? Das Roger W. ein Faible für Christoph Willibald Gluck, John Coltrane, Camille Saint-Saëns und Billie Holiday hat. Und auch für Schmuse-Swinger Harry Connick jr. Wer hätte das gedacht? Die Willemsen-Jünger waren sichtlich zufrieden, während ich zumindest froh war, ein paar Interpreten erkannt zu haben. Nach einem Abend mit Herrn Willemsen bekommen die eigenen Bildungslücken die Dimensionen der St.-Andreas-Spalte.

Mein persönliches Highlight kam später, als wir im legendären »Kemp’s« saßen, das von Gibson Kemp und seiner Frau Tina (beide ehemalige Mitglieder der legendären »Les Humphries Singers«) geführt wird, und unser Bier schlürften. Nach so viel herer Kunst stand uns nun der Sinn nach Trivialem. Die vielen Fotos im Pub zeugten von der ruhmreichen musikalischen Vergangenheit der Betreiber. Vierzig Jahre Musikgeschichte blickten von den Wänden auf uns herab. An manchen Abenden soll sogar Astrid Kirchherr, legendäre Fotografin und Freundin der Beatles, hinter dem Tresen stehen. Bei unserem Besuch im »Kemp’s« glänzte sie durch Abwesenheit.

Am Eingang des Pubs klebte ein Foto der »Les Humphries Singers«. Einer der Abgebildeten war leider kopflos. Sein Konterfei war mit einem alten Portraitfoto von Les Humphries überklebt. Hmmm … höchst sonderbar. Schade, dass Roger Willemsen nicht zugegen war. Denn der weiß ja bekanntlich alles.

Der Soundtrack Deines Lebens

Weyershausen am 21. April 2009 in Plattenkiste

turntableEines Abends konnte ich auf einer Party, auf der ich vor einigen Jahren eingeladen war, erleben, wie ein Dutzend braver Ärzte zu den Klängen des NDW-Oldies »Ich will Spaß« zu prolligen Teenagern mutierten.

Wer braucht schon eine Zeitmaschine? Ein guter Song ist alles, was wir benötigen, um uns in die Vergangenheit zu katapultieren. Die meisten Leute meiner Generation rasten aus, wenn Rio Reiser, Nena, oder die Ramones in den CD-Player geschoben werden. Ich dagegen habe eine Vorliebe für den Sound der Swinging Sixties, denn kein Jahrzehnt war meiner Meinung nach so optimistisch. Es mag eine Rolle gespielt haben, dass meine nostalgisch veranlagte große Schwester während meiner Kindheit diese Musik fast rund um die Uhr spielte und somit entscheidend meinen Musikgeschmack geprägt hat. So was hat Folgen.

Ich erinnere mich zum Beispiel gern daran, wie eine Frau, die ich sehr liebte, eines schönen Nachmittags beim gemeinsamen Tapezieren eine CD mit den frühen Hits der Beatles auflegte. Gut gelaunt beklebten wir zu »Norwegian Wood« die Wände ihres Zimmers – was abermals dazu beitrug, diese Musik untrennbar mit meinem Leben zu verknüpfen.

Die Zeit, in der ich fast jeden Abend auf der Piste war, ist dagegen untrennbar mit Nirvana verbunden, deren Musik damals permanent aus den Lautsprechern wummerte. Bei »Smells Like Teen Spirit« werde ich selbst heute noch sentimental. Ganz schlimm fand ich dagegen Lou Begas »Mambo Nr. 5«, der mich scheinbar einen endlosen Sommer lang auf jeder Party verfolgte.

Selbst meine sonst recht unsentimentale Oma hatte rührselige Anwandlungen. Beim »Schneewalzer« oder bei einem Chanson mit dem Titel »Zigeunerjunge« bekam sie glänzende Augen.

Es funktioniert aber auch anders. Nämlich, wenn man einen bestimmten Song mit einem ganz besonders schlimmen Ereignis verbindet. Es dauert lange, bis man solche Musik wieder ohne einen schalen Beigeschmack hören kann. Das erlebte ich mit dem Soundtrack von »Die fabelhafte Welt der Amelie«. Als ich den Film das erste Mal sah, war auch meine Welt wirklich fabelhaft. Als ich die Filmmusik Jahre später erneut hörte, hätte ich am liebsten den Raum verlassen. Zu viele schlechte Erinnerungen. Zum Glück vergeht so etwas aber irgendwann.

Es gibt auch Songs, die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind. In unzähligen amerikanischen Filmen dudelt in der entscheidenen Liebesszene ein Gershwin-Song im Hintergrund. Bei »Love Is Here To Stay« oder »Someone To Watch Over Me« schaltet unser von Hollywood infiltriertes Hirn schon automatisch auf »Romance«. Dagegen sind selbst harte Gangsta-Rapper machtlos.

Bei mir ist es der Uralt-Schlager »Im Wagen vor mir« eines gewissen Henry Valentino, der in meiner Kindheit fast einen ganzen Sommer lang ständig aus dem Autoradio plärrte. Selbst heute noch habe ich den Geschmack von Langnese-Eis auf der Zunge und den Geruch von Sonnenöl in der Nase, wenn ich diesen Song höre. Man kann sich den Soundtrack seines Lebens nun mal nicht immer aussuchen …

May he burn in hell!

Es gibt eine Menge guter Bücher und Filme, die den Holocaust behandeln. Nur leider gibt es noch viel mehr Bücher und Filme, die das größte Drama des letzten Jahrhunderts zu einer billigen Freak-Show herabwürdigen. Zu oft haben die Schreiber jener Geschichten das Herz auf dem rechten Fleck, aber das Hirn in der Hose – wie dieses Machwerk aus dem Jahr 1981 belegt, das in der amerikanischen Anthologie »Weird War Tales« erschien. Unglaublich? Doch so steht es in den Annalen des schlechten Geschmacks geschrieben!

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Und wo bitte soll nun King Kong hin?

Weyershausen am 15. September 2008 in Screenshot

chicagoIn der letzten Woche wurden wir wie in den vergangenen sieben Jahren an die Terroranschläge in New York erinnert. Die Filme von damals sind noch immer erschütternd. Allerdings hat man beim Betrachten der Bilder inzwischen das Knabberzeug und die Dose Bier neben sich. »Ist es schon so lange her?«, fragte neulich ein Freund am Telefon.

Wir erinnern uns: Im Herbst 2001 setzten die meisten Journalisten die Anschläge mit dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour gleich und warteten mit der euphorischen Hysterie von Lemmingen auf die Apokalypse. Es gab sogar Publizisten, die vermuteten, dass New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani und George W. Bush nun den Status von Idolen erlangen.

Ein Reporterin, die mich im Herbst 2001 interviewte, war so besessen von dieser Idee, dass sie mir die entsprechenden Worte in den Mund legte. Egal. Inzwischen ist Giuliani wieder in der Versenkung verschwunden – genau wie demnächst Bush. Und das ist gut so.

Was die Journalisten dagegen nicht zeigten: Als die Nachricht von den Terroranschlägen im Wolfsburger Volkswagenwerk verlesen wurde, gab es von einigen türkischen Bandarbeitern spontanen Applaus. Der Hass auf Amerika sitzt tief. Die Attentäter haben eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, deren Ausgang niemand abschätzen kann.

Natürlich weiss ich noch, wie ich von den Terroranschlägen in New York erfuhr. Ich weiss auch noch, wie ich Jahre vorher von der Ermordung John Lennons hörte. Beides waren Ereignisse, die mich fassungslos machten. Während der Tod des Ex-Beatles eine Tragödie war, die man nachvollziehen konnte, wirkten die Ereignisse des 11. Septembers so realitätsfern wie ein gigantischer Special Effect aus dem Computer. Dank Enya gab es sogar einen schmalzig-schönen »Soundtrack zur Katastrophe«.

Das World Trade Center war für mich untrennbar mit der »King Kong«-Neuverfilmung von 1976 verbunden. Mein erster Gedanke lautete daher: »Falls man nun einen neuen »King Kong« dreht, auf welches Gebäude soll der arme Affe nun klettern?«

Only time will tell …

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Remember the Seventies!

Weyershausen am 15. August 2008 in Plattenkiste

seventiesDank arte fühle ich mich wie ein Ertrinkender. Mein ganzes Leben zieht vor meinem inneren Auge vorbei. Blaxploitation, Top of the Pops, Geschlechterkampf und die RAF – der Kultur-Heimatsender fährt zur Zeit das große Retro-Aufgebot auf.

Normalerweise hasse ich die Musik meiner Kindheit. Wenn Abba, Gary Glitter, Sweet oder andere plateaubesohlten 70er-Ikonen den Raum beschallen, verlasse ich den selbigen möglichst schnell. Es reicht, wenn man bereits in seiner Kindheit die Zeit der Polyesterhemden, Schlaghosen und Riesen-Koteletten durchlitten hat, finde ich. Ab und zu kommt es jedoch vor, dass man dank solcher Retrospektiven zu neuen Einsichten gelangt.

Vor kurzem gab es auf arte die dreistündige Dokumentation No Direction Home: Bob Dylan, von Martin Scorsese, über die Anfangsjahre Dylans. Der Film hatte zwar mit den 70ern nicht viel zu tun, aber artes Wege waren ja schon immer unergründlich.

Ich selbst entdeckte den Meister lange nach seiner Glanzzeit. Damals sah ich in ihm nur einen näselnden alten Kauz, der mit seinem krächzenden Gesang jedem Song die Melodie austreiben konnte.

In einigen Interviews, die er in den 90ern gab, wirkte die leicht angestaubte Legende – mit Verlaub gesagt – ziemlich stoned. Selbst der Klassiker Don’t Look Back konnte mich nicht zum Dylantantismus bekehren – auch wenn ich den Film als Zeitdokument sehr faszinierend fand.

Wenn man jedoch nach einer dreieinhalbstündigen Dokumentation mit Untertiteln Lust auf mehr bekommt, muss dies wohl etwas bedeuten. In meinem Fall bedeutet es, dass sich auf dem Speicher meines mp3-Players seit geraumer Zeit besagter Herr Dylan breit macht. Obwohl ich mit seinen späteren Produktionen wenig anfangen kann, spürt man bei seinen Frühwerken heute noch die Aufbruchstimmung, die sie vermittelten.

Der Dylan-Klassiker »Don’t Think Twice« wirkt geradezu bahnbrechend, wenn man ihn mit den Machwerken jener Jahre vergleicht. Nicht einmal die Beatles konnten Freewheelin’ Bob – zumindest was die Texte betraf – das Wasser reichen. Was ihn aber so richtig interessant macht, ist die Tatsache, dass er sich allen Versuchen, ihn festzulegen, erfolgreich entzog.

Folksänger, Weltverbesserer, Opportunist, Rockstar, religiöser Eiferer. All das war er. Während seine einstigen Rivalen inzwischen tot oder zumindest scheintot sind, schaffte es Dylan mit Modern Times selbst im Rentenalter noch die Charts zu stürmen. Respekt!

Deshalb werde ich in den nächsten Wochen sicher das eine oder andere Buch über den rätselhaften Mr. Zimmerman lesen. Danke arte, Du alter Snob-Sender!

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Wiedererkennungswerte

wortmax am 17. September 2007 in Plattenkiste

turntableIrgendwann vor ein paar Jahren scheinen einige Leute in den großen Rundfunkhäusern bemerkt zu haben, dass das so genannte Formatradio nicht das Gelbe vom Ei sein kann. Schön zwar (für den Radiomacher), wenn der Hörer anhand der gespielten Lieder sofort erkennt, welchen Sender er im Empfänger hat, doch das musikalische Programm auf nur wenige tausend oder gar hundert Stücke zu begrenzen, stellt nach einer gewissen Zeit den abgestumpftesten Radiokonsumenten auf die Geduldsprobe und kann jeden Musikredakteur, der seinen Beruf ernst nimmt, eigentlich nur in den Wahnsinn treiben, oder in den Selbstmord (im übertragenen Sinne).

Und deshalb kam man in den Rundfunkhäusern wohl auf die Idee, in sich ständig – bis zur Schmerzgrenze – wiederholenden Trailern eine »neue Vielfalt« zu verkünden. Oder dem geneigten Hörer im 20-Minuten-Takt mitzuteilen, man biete ihm »das Beste aus den 70ern, 80ern und 90ern«, wozu man – streng genommen – aber auch nur drei Lieder benötigt. Damit meine ich: Viel abwechslungsreicher und origineller ist das Musikprogramm auf der ultrakurzen Welle seither nicht geworden. Man behauptet inzwischen nur, es sei abwechslungsreich und originell.

Vielleicht täusche ich mich ja. Doch gefühlt nehme ich die Radiostationen immer noch so engstirnig wahr wie 1992. Damals war ich in einer vielgehörten Radiosendung zu Gast, die den Untertitel trug: »Hörer machen ein Musikprogramm«. Haha!

Tatsächlich hatte man mir wenige Wochen vor der Sendung einen Fragebogen zugeschickt, auf dem ich maximal 100 Musikwünsche äußern sollte. Eine schöne Aufgabe. Gespielt wurden innerhalb der einstündigen Sendung jedoch nur zwei Lieder aus meiner Liste: »You took the words right out of my mouth« von Meat Loaf und »Paperback Writer« von den Beatles. Als ich fragte, was mit meinen anderen 98 Wunschtiteln geschehen war, wurde mir mitgeteilt, dass die Musikauswahl des Senders wegen des Wiedererkennungswertes auf insgesamt 6.000 Stücke begrenzt sei. Meat Loaf und die Beatles würden dazugehören, die anderen Songs, die ich einen ganzen Abend liebevoll mit einem Freund zusammen ausgesucht hatte, nicht.

Die Playlist »meiner« Sendung wurde schließlich von der Musikredaktion des Senders komplettiert, unter anderem mit »Eloise« von Barry Ryan, ein Lied, das ich nicht einmal bei einer Million freien Musikwünschen ausgewählt hätte. Immerhin, der Wiedererkennungswert für den Sender war dadurch enorm. Nur ich hatte Schwierigkeiten, mich in der Sendung wiederzuerkennen.

Ein kleiner, aber schwacher Trost: Im Ausland nimmt man es mit dem Wiedererkennungswert noch genauer. In meinem diesjährigen Sommerurlaub hörte ich täglich Balearen-Radio: Kiss FM Durchschnittlich sechsmal am Tag dudelten dort Songs wie »Back to France« von Mike Oldfield, »Somebody to love« von Queen oder »Don’t stand so close to me« von The Police. (Vielleicht noch öfter. Ich saß nicht die meiste Zeit vorm Radio, sondern am Strand.) Aber es war erträglich. Weil so ein Sommerurlaub dauert ja nur zwei Wochen.

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