A boring night at the very old opera

Axel Klingenberg am 12. Juli 2012 in Screenshot

BühneAm 20. Juni – ich war gerade dabei, mich an einem spielfreien EM-Tag durch das Fernsehprogramm zu zappen – wurde ich Zuschauer und Zeuge eines ganz besonderen (wenn auch regelmäßig stattfindenden) Schauspiels, denn der WDR übertrug die Prix Pantheon-Gala aus der Bonner Oper, bei der auch der gleichnamige Preis verliehen wurde. »Toll«, dachte ich, »das Beste aus dem deutschen Kabarett in einer Abendshow. Das wird ganz großes Kino!«

Wurde es aber nicht. Leider. Und wenn das ein »Best of« war, bleibt mir nur der Rückschluss, dass sich die hiesige Kleinkunst-Szene in einem erbarmungswürdigen Zustand befindet. Wobei natürlich der Begriff »Kleinkunst« – den der kamillenteeartig moderierende Eckart von Hirschhausen beharrlich benutzte – ja auch nichts Großartiges erwarten lässt.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, welche Preisträger dort auserkoren worden sind: Mag man Christine Prayon und das Reptil mit seinem sprechenden Michael Hatzius (die Sieger in der Kategorie »Frühreif & Verdorben«) noch ganz amüsant finden, vergeht einem beim »Reif & Bekloppt«-Sonderpreisträger Konstantin Wecker dann das Lachen, denn dieser geht einem mit seinem Betroffenheitsgestus doch schon mächtig auf seinen Nachnamen. Schlimmer ist nur noch Roger Willemsen, das personifizierte Gesamtgewissen aller Bildungsbürger, der deshalb folgerichtig auch in der Kategorie »Geben & Nehmen« ausgezeichnet wurde – also für karitatives Engagement, nicht für Komik.

Schön, dass wenigstens das Publikum weiß, was gut ist und deshalb den Hauptpreis »Beklatscht & Gevotet« an Maybebop verlieh, die immerhin zumindest eines waren: verdammt lustig. Bei der Gala brillierten sie mit der Rammstein-soundalike-Version des Comedian Harmonists-Klassikers »Mein kleiner grüner Kaktus«. Man vergleiche hiermit übrigens ihre Coverversion des Rammstein-Songs »Engel« – da gehen sie den umgekehrten Weg und zeigen, wie nah an der Rührseligkeit die Martialität der Neuen Deutschen Härte doch eigentlich ist.

Insgesamt wusste mich diese Galashow also nicht zu überzeugen. Weder Hennes Bender noch Hagen Rether oder Reinald Grebe waren mit ihren Programmauszügen (die vielleicht auch deshalb nicht wirkten, weil sie einfach aus dem Zusammenhang gerissen waren) wirklich witzig – fast freute man sich da schon über den Auftritt von Ingo Appelt (dass ich den mal loben werde, hätte ich auch nicht gedacht), der sich wenigstens bemühte, dem steifen Publikum den Stock aus dem Arsch zu ziehen. Den Stock hätte er übrigens gut gebrauchen können, um zwei grantelnde und zappelnde alte Männer, die als Statler und Waldorf für Anspruchslose fungierten, vom Balkon zu prügeln – und damit wenigstens für ein wenig Heiterkeit zu sorgen.

Also alles für den Arsch? Nicht ganz, denn immerhin zeigten Piet Klocke und der Stand up-Comedien Dave Davis, dass Kabarett (hier verstanden als Comedy für Leute mit Abitur) nicht gänzlich humorfrei sein muss (das hätte man angesichts der meisten anderen Gäste durchaus denken können), auch wenn es dann doch vielleicht ein wenig an Originalität mangelte. Gute Hausmannskost eher.

Immerhin bewies Horst Evers an diesem Abend, dass Kleinkunst sogar intelligent sein kann – auch wenn sich Hirschhausen in seiner Ankündigung quasi dafür entschuldigte, dass der Berliner Lesebühnen-Star seine Texte in der Regel abliest. Auswendiglernen ist in diesen Kreisen eben angesehener als Lesen. Mit anderen Worten: solides Handwerk ist wichtiger ist als der Inhalt des Dargebotenen.

Apropos Lesen: Horst Evers war der einzige Vertreter der blühenden Lesebühnen-Szene, und auch aus dem Slam Poetry-Bereich hatte man vorsichtshalber niemanden eingeladen. Vielleicht aus Furcht, dass die Slammer und Vorleser den Kabarettisten und Comediens die Schau stehlen könnten? Aber ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit bis das Kleinkunst-Allerheiligste zeitgemäßen Nachwuchs bekommt. Nur ein paar Jahrzehntchen noch, dann dürfen bspw. auch Tobias Kunze, Björn Högsdal oder Micha-El Goehre ihre Rollatoren auf die Bühne schieben …

März Spezial Dragees

wortmax am 3. März 2011 in Bumsdorf

dragees»Schlaf ist eine Unhöflichkeit gegenüber der Nacht«, schrieb einst der deutsche Aphoristiker Hans Kudszus. Ich adaptiere diese komische Feststellung mal für mein Urteil über Jahreszeiten: »Der Winter ist eine Unhöflichkeit gegenüber den Rest des Jahres«. Zum Glück ist er jetzt vorbei, der Winter, nicht der Rest des Jahres.

Wir haben März und damit beginnt – Hurra! – die schönste Zeit des Jahres. Nicht nur für mich. Auch die Autorenkollegen bekommen wieder Triebe und schlagen aus. Lange genug haben sie sich in dunklen Spelunken ihren Winterdepressionen hingegeben. Jetzt sind sie wieder da, voller Tatendrang, und mailen mir dauernd frische Termine und erzählen von neuen Buchvorhaben.

Den Anfang machte vor zwei Tagen unsere Hausrockband »Read ‘em all«. Till Burgwächter, Axel Klingenberg und Frank Schäfer unternahmen mit ihrer Heavy-Metal-Lesung den Versuch, Bielefeld aufzumischen. Ob ihnen dies gelungen ist, werden wir bestimmt in Kürze erfahren, wenn »Axelotl Roadkill« Klingenberg seinem Tour-Tagebuch eine weitere Seite hinzufügt.

Um Autos geht es morgen, am 4. März, in Sinsheim. Im Auto und Technik Museum auf dem Museumsplatz (wo sonst?) liest Matthias Penzel aus seinem neuen Buch: »Objekte im Rückspiegel sind oft näher, als man denkt«. Eine Veranstaltung nicht nur für Oldtimer- und Automobil-Freaks. Zum Programm gehören auch eine Filmvorstellung und ein kurzer Rundgang durch die American Dream Cars Ausstellung des Museums. Die Fahrt beginnt um 19.30 Uhr.

Unterwegs ist Herr Penzel mit seinem neuen Buch auch im Fernsehen. Er war zu Gast in der Sendung Lese:Zeichen des Bayrischen Rundfunks. Einmal wird sie als Wiederholung noch ausgestrahlt, und zwar auf dem Digitalkanal br alpha, am Samstag, den 05.03. um 22.00 Uhr. Also bitte mal kurz vom Aktuellen Sportstudio rüberzappen!

Von Sinsheim geht es anschließend zurück nach Braunschweig, wo das 8. Braunschweiger Satirefest eröffnet wird. Dieter Hildebrandt, Frank Lüdecke, Richard Rogler, Matthias Deutschmann und Frank Goosen gehören zu den bekannteren Namen des Programms, welches sich über mehrere Wochen erstreckt. Autoren aus dem wortmax-Netzwerk sind ebenfalls am Start. Zum Beispiel Thorsten Stelzner, der am 13. März in seiner gewohnt lyrisch-agressiven Art über »Stinker, Schleimer und Wiederholungstäter« herzieht.

Einen Monat später, am 15. April, haben die Punchliner ihren Auftritt beim Satirefest: mit der Punchliner-Show 2011. Durch das Programm führt Axel Klingenberg, seines Zeichens Gründer der Lesebühne »Bumsdorfer Auslese«. Seine Gäste sind: Marcel Pollex (der lässigste Vorleser, den Braunschweig zu bieten hat), Dominik Bartels und Björn Högsdal.

Doch zurück zum März. Wir bleiben in Braunschweig, springen aber in die Bücherei Wenden (Heideblick 20), wo Karsten Weyershausen und Holger Reichard noch einmal die Perlen aus ihren Büchern »111 Gründe, erwachsen zu werden« und »111 Gründe, sich selbst zu lieben« vortragen werden. Um Anmeldung wird gebeten. Der Eintritt kostet 6,00 €, Schüler dürfen umsonst rein. (Unser Beitrag für die Bildungsrepublik Deutschland, welcher dringend notwendig ist, nachdem ein Doktortitel hierzulande nichts mehr zählt).

Lange feiern können wir nach unserer Lesung in Wenden nicht. Es sei denn, wir machen durch. Denn am 18.03. geht es in aller Herrgottsfrühe nach Leipzig. Buchmessenzeit. Wer nicht mitfährt, muss zur Strafe bei der 7. Bumsdorfer Auslese ran. Diese findet am Abend des Tages statt, wie immer in der KaufBar in der Helmstedter Straße 135. Mit dabei sind: MarcD. aus W., Wiebke Saathoff, Marcel Pollex, Daniel Terek und Till Burgwächter. Am Klimperkasten sitzt Play-it-again-Ben Büttner. Gaststar ist Finn Bostelmann. Das Thema des Abends lautet: Tragische Momente in schönen Landschaften.

Um die tragischen Momente gesamtdeutsch ins Visier nehmen zu können, reisen wir gleich weiter. Zunächst gen Osten. Marc D. aus W. und Marcel Pollex sind voraussichtlich am 19.03. zu Gast bei Hauke von Grimm und seinen Kollegen, in der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz. (Detaillierte Infos reiche ich nach, sobald sie vorliegen.) Und am 26.03. gibt’s Neues im Westen. Till Burgwächter besucht die Alte Molkerei in Bocholt (Werther Str. 16), um im Vorprogamm der großartigen »No Inner Limits« aus seinem Werk »Tillicus Glossicus Metallicus« zu lesen.

Klassisch verabschiedet sich der März von uns, in der KaufBar, unserer Heimspielstätte, mit: Einfach G.E.L. Eine (auto-)biografische Lesung über Gotthold Ephraim Lessing. Von Hardy Crueger und Thorsten Stelzner. Am Sonntag, den 27. März 2011 um 11.00 Uhr. Achtung: Sommerzeit! Und nochmal ein kräftiges Hurra!

Nach so viel Bühnenpräsenz und Wanderlust sollte man sich im April aufs Sofa legen und ein gutes Buch zur Hand nehmen. Wir empfehlen »Eintracht und Zwietracht. Braunschweiger Geschichten«, welches dann ganz frisch auf dem Markt ist und idealerweise den Weg der hiesigen Fußballmannschaft in die Zweite Bundesliga begleitet. Nein, kein Aprilscherz!