Tschiller, Kabale und die Liebe der Frauen

Weyershausen am 12. März 2013 in Screenshot

tatort»Das Rumgeblute is schon cool«, meldete Mette neulich bei facebook. Rumgeblute? Da war ich zunächst verwundert. Hatte sich mein hochverehrter Kollege beim Zwiebelschneiden in den Finger geschnitten?

Doch dann sah ich, dass an jenem Abend der erste Tatort mit Til Schweiger lief, der schon im Vorfeld für Aufregung sorgte. Sehr blutig sollte es werden, stand in mehreren Zeitungen – und sehr nuschelig, natürlich.

Dabei fiel mir ein, dass ich den letzten Tatort vor mehr als 30 Jahren sah; und den letzten Film mit Til Schweiger vor vier Jahren. Besagter Film hieß »Phantomschmerz«. Die Frau, die mich an jenem Abend ins Kino einlud, entschuldigte sich nachher bei mir – stellvertretend für Herrn Schweiger – für die 97 verlorenen Minuten, die mir niemand zurückgeben kann. Es war trotzdem ein lehrreicher Abend.

Das Publikum des Streifens bestand nämlich zu 85 Prozent aus Frauen. Wieso war nach wenigen Minuten klar: In jedem Film mit Schweiger gibt es nämlich mindestens eine Szene, in der er seine bodygebuildete Männerbrust in die Kamera reckt. Und immer ist der Kerl nahtlos gebräunt. In exakt diesem Moment konnte man praktisch zuhören, wie im Kinosaal plötzlich sämtliche biologische Uhren aufhörten zu ticken.

Dabei hätte ich gewarnt sein müssen. Selbst »Keinohrhasen«, bislang das »pièce de résistance« des Mimen, konnte mich nicht so recht begeistern. Trotz einiger witziger Szenen glich das Ganze einer seichten Filmklamotte aus den 50ern. Nur eben mit Jürgen Vogel statt Heinz Erhardt in einer launigen Nebenrolle. Den Geschmack der deutschen Kinogänger schien Schweiger jedoch getroffen zu haben. Aber das taten die cineastischen Elaborate von Thomas Gottschalk und Mike Krüger ja auch mal.

Seit »Keinohrhasen« ist Schweiger jedenfalls unantastbar. Zumindest bei Menschen mit XX-Chromosomen. Ich würde eher mit Henryk M. Broder über die Siedlungspolitik Israels diskutieren, als mit einer Frau über »Keinohrhasen«. Schon gar nicht über »Kokowääh«, denn »Schweiger + kleine Bälger«, das ist fürwahr eine diabolische Mixtur, der keine Bürokauffrau jenseits der 30 widerstehen kann.

Ganz schlimm wurde es, als Quentin Tarantino ihn mit einer Rolle in »Inglourious Basterds« adelte. Da wurde selbst ich unsicher. Marlon Brando konnte ja schließlich auch nicht deutlich sprechen, oder? Wandelte Schweiger am Ende gar in den Fußstapfen des legendären Method-Actors? Eher nicht, denn der Quentmeister machte den Fehler, neben Schweiger auch Diane Kruger zu engagieren, neben der selbst das Schauspieltalent von Bohlens Naddel wirkt wie das einer Meryl Streep. Auch ein Tarantino ist eben nicht unfehlbar. Doch sogar ein Tarantino konnte Schweiger nicht zur Hollywoodkarriere verhelfen. Wahrscheinlich lag es daran, dass er in »Inglourious Basterds« sein Hemd anbehielt.

Jetzt im dunklen Jahr 2013, in dem ihm, dem scheinbar Alterslosen, das böse Gespenst der 50 ereilt, wurde der bewegte Mann aus Freiburg gar zum Tatort-Kommissar. Karrierehöhepunkt oder Alterskarriere? Man weiß so wenig. Mir kann es egal sein, denn ich werde mir garantiert keine Folge ansehen. Da kann er noch so bluten, wie ein abgestochenes Schwein, der Til. 97 verlorene Minuten sind genug. »Nick Tschiller« heisst seine Figur – ein Name, der genauso klingt, als hätte ihn der spätpubertierende Laufbursche einer Margarinefabrik im Fieberwahn einer schlaflosen Nacht aufs Papier gepopelt.

Wahrscheinlich ist es der pure Neid, der aus mir spricht, denn Herr Schweiger hat nicht nur mehr Haare auf dem Kopf und mehr Zaster auf dem Konto, sondern auch mehr Schlag bei den Frauen als ich. Das letzte Mal, als ich in Gegenwart einer Person mit XX-Chromosomen mein Hemd auszog, kam jedenfalls als einzige Reaktion der Satz: »Du solltest etwas mehr Sport treiben.« Das könnte einem Kerl wie Nick Tschiller nie passieren. Und einem Til Schweiger sowieso nicht, denn Herr Schweiger weiß, wie der Hase läuft. Vor allem weiß er, was deutsche Frauen wollen. Und jetzt erschleicht er sich ihre Solidarität sogar damit, indem er blutet. Ganz schön berechnend, dieser Mann …

Die Sterne haben Schuld!

Weyershausen am 20. Dezember 2010 in Befindlichkeiten

astroUnd wieder beschäftigen mich die Gestirne. Böse Zungen behaupten schon, ich sei abergläubisch und richte mein Leben nach Horoskopen aus. Nee, nee, kann ich da nur sagen; ist alles Teil meiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit!

Neulich hatte mein Vater Geburtstag. Der 13. Dezember ist eigentlich ein Datum wie jedes andere. Nur blöd vielleicht, wenn der Tag auf einen Freitag fällt. Nun informiert mich das schlaue Internet, wer ebenfalls an diesem Tag Geburtstag hatte: Der britische König Edward III., Robert Louis Stevenson, Autor der »Schatzinsel«, Oskar Werner, Österreichischer Ausnahmeschauspieler, Jean Seberg, attraktive Filmikone und Selbstmörderin sowie die bombastische Whoopi Goldberg. Früher musste man, um Solches herauszufinden, extra dicke Bücher wälzen. Heute genügt ein schnöder Mausklick. Eigentlich eine tolle Sache, wenn große Persönlichkeiten am gleichen Tag wie wir das Licht der Welt erblickten. Da strahlt vielleicht ein wenig von ihrem Glanz auch auf einem selbst ab.

Ein kurzer Blick auf mein eigenes Geburtsdatum bringt jedoch schnell Ernüchterung. An meinem Geburtstag, dem 15. Juli, kamen nämlich fast nur Pfeifen zur Welt. Große Ausnahme ist natürlich Rembrandt van Rijn. Ansonsten? Jürgen Möllemann, glückloser Fallschirmspringer und Politiker, Jan-Michael Vincent, Alkoholiker und Hauptdarsteller der Serie »Airwolf«, Brigitte Nielsen, silikonbrüstige Exfrau von Sylvester Stallone, Diane Kruger, dekorativer Kleiderständer, der in Amerika sein »ü« verloren hat, und Softporno-Aktrice Kitana Baker. Eine überaus dürftige Bilanz.

Wenn ich schon auf mein Geburtsdatum nicht stolz sein kann, habe ich in Zukunft zumindest eine gute Ausrede parat, wenn mal wieder was nicht klappen will in meinem Leben. Die Sterne haben es eben so gewollt! Was soll man auch machen, wenn man an solch einem Tag zur Welt gekommen ist? Alkohol- und Silikonabhängigkeit sowie eine leichte Tendenz zum Suizidieren sind mir bestimmt schon auf die Stirn geschrieben. »Nicht meine Schuld, Leute«, kann ich da nur sagen!

Konnten meine lieben Eltern bei meiner Planung nicht Rücksicht darauf nehmen? Am 10. Oktober zum Beispiel hatte der geniale Orson Welles seinen Geburtstag. Mit ihm der Maler Jean Antoine Watteau, der Komponist Giuseppe Verdi, Hollywoodschönheit Dorothy Lamour, Jazzgröße Thelonious Monk, Trash-Regisseur Ed Wood, Dramatiker Harold Pinter, Bestsellerautorin Nora Roberts und Rocker David Lee Roth. Das kann doch kein Zufall sein! Was wäre ich da in guter Gesellschaft gewesen!

Wie popelig ist dagegen der 15. Juli! Nur einen Tag später, am 16. Juli, feierten dagegen Stummfilmkomiker Larry Semon, Tänzerin Ginger Rogers, Komponist Fritz Mahler und Schauspieler-Ruine Mickey Rourke ihren Ehrentag. Einen Tag vorher, am 14. Juli, betraten Autor Isaac Bashevis Singer, Folksinger Woodie Guthrie, die Filmlegenden Ingmar Bergman und Lino Ventura sowie Biene Maja-Interpret Karel Gott unser irdisches Jammertal. Als Personalchef würde ich immer ein besonderes Augenmerk auf solche Dinge richten. Dann gibt es wenigstens später keine unliebsamen Überraschungen.

Aber mit einem unglückseligen Geburtsdatum wie den 15. Juli wird mich wohl sowieso niemand mehr einstellen …