Ich war ein kleiner Junge und konnte noch kein Wort Englisch, als ich zum ersten Mal mit dem Begriff »Talkshow« konfrontiert wurde. Das war Anfang/Mitte der 70er Jahre. Ich studierte damals in einer Fernsehzeitung das Spätabendprogramm, das ich noch nicht sehen durfte, und rätselte darüber, was mit »talk« wohl gemeint sein könnte.
Was Shows sind, war mir bekannt. Die von Jerry Lewis und Dean Martin waren echte Highlights im ZDF-Nachmittagsprogramm der 70er. Nur mit dem Wörtchen »talk« konnte ich nichts anfangen, ebenso wenig mit dem Namen Reinhard Münchenhagen. Er war der Talkmaster, und ich stellte ihn mir vor als eine Mischung aus Jerry Lewis und Dean Martin – Kinderlogik.
Letzte Nacht sah ich auf WDR den ersten Teil einer Dokumentation über 30 Jahre Talkshow im deutschen Fernsehen. Inzwischen weiß ich natürlich, was eine Talkshow ist. Die Leute, die in der Doku zu Wort kamen, hatten es mir 30 Jahre lang vermittelt. Von Schönherr bis Schlingensief. Obwohl ich mit Talkshows nicht mehr viel anzufangen weiß, seitdem jeder in einer solchen auftreten kann und sie zu 95 Prozent von Johannes B. Kerner moderiert werden, hat mir der Streifzug durch die Geschichte des deutschen Fernsehens gefallen.
Besonders die Äußerungen von Roger Willemsen, der meines Erachtens rechtzeitig erkannt hat, dass Talkshows in zu großen Mengen und auf Dauer in einem nicht unerheblichen Umfang verblöden. Ganz gleich, ob man lethargisch vor der Kiste sitzt oder schwafelnd darin.
Den zweiten und dritten Teil der Talkshow-Dokumentation werde ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen. Nur um mir bestätigen zu lassen, dass es besser ist, sich Talkshows nur dann anzusehen, wenn darin Leute etwas erzählen, die auch etwas zu erzählen haben.

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