Ruff un' runner

wortmax am 7. Juli 2011 in Bumsdorf

ruff_runnerIn diesem Sommer geht es ruff un’ runner, wie die Hessen sagen. Vor einanderthalb Wochen, beim 12. Jahrestreffen der Douglas-Adams-Fans im Ostharz, mussten wir nach der feierlichen Aufbereitung von Merguez-Würstchen und Halloumi-Käse noch Kaminholz in den Grill schmeißen, um in den kühlen Nächten nicht messnersche Erfrierungen zu erleiden. Natürlich hatten wir alle unser Handtuch dabei. Doch bei den eisigen Temperaturen half das wenig.

Heute soll das Quecksilber mal wieder auf 26 Grad klettern. Eine gute Gelegenheit also, diesen Text auf der Terrasse zu schreiben und nicht im miefigen Büro. Dumm nur, dass die hiesigen Bauern gerade wie verrückt Gülle durch die Gegend fahren – ruff un’ runner, wie die Hessen sagen. Obendrein surren gefühlt 5.000 Fadenmäher durch die Sommerluft. Warum können Bauern und Baumarktfuzzis sowas nicht im Winter machen?

In ein paar Wochen ist mir das egal. Dann geht es wieder unter die mediterrane Sonne nach Spanien. In meinem bevorzugten Urlaubsdomizil bewegen sich die Temperaturen schon seit Wochen konstant zwischen 28 und 32 Grad Celsius. Bei solchen Wetterbedingungen kann man nichts anderes machen als schreiben, lesen, essen, schlafen und den trägen Körper einmal pro Tag durch einen kleinen Pinienwald zum Strand schleppen. Lästig ist hier allenfalls das Auf- und Abbauen der Zeltmuschel.

Allerdings: Nicht alle bei wortmax versammelten Autoren sind in den kommenden Tagen so untätig wie der Herr wortmax selbst. Wiebke Saathoff und Marc Domin zum Beispiel stopfen das Sommerloch mt einer Lesung im Nexus in Braunschweig, am 23. Juli. Und Herr Burgwächter (»Tillicus Glossicus Metallicus«) lässt es – wie nicht anders zu erwarten – wieder richtig krachen. Er schüttelt am 29. Juli in Vorbereitung auf das Wacken Open Air im Ballroom in Osnabrück sein Haupthaar – zu den rustikalen Texten, die er bei solchen Veranstaltungen zu lesen pflegt.

Der August ist ein toter Fisch im Wasser. Erst im September dehnt die Bumsdorfer Autorenschaft wieder ihre Sprechmuskeln, zu den Kulturnächten in Helmstedt und Wolfenbüttel sowie zum Start in die neue Saison der Bumsdorfer Auslese. Damit bin ich bei dem Thema angekommen, über das ich heute schreiben wollte: die nahe Zukunft unserer beschaulichen Lesebühne.

Die Bumsdorfer Auslese – ab September mit neuen Trikots

Vor ein paar Wochen kam es im Café Riptide in Braunschweig zu einem konspirativen Treffen. Bei Wolters, Weizenbier und Nerdbrause wurde beschlossen, dass wir unsere Auftritte in der KaufBar künftig anders gestalten wollen. So haben wir ab September nicht mehr nur einen lesenden Menschen zu Gast, sondern zusätzlich auch einen musizierenden.

Da es auf der Bühne so eng wäre wie in einem Latexanzug, wenn sich die feste Belegschaft plus zwei Gäste plus diverse Instrumente plus Lesebiber darauf tummeln, werden zu einer Veranstaltung nie alle Mitglieder des Ensembles anwesend sein, sondern sich bei den zweimonatigen Auftritten abwechseln. Wandern wird auch das Moderatoren-Mikrofon. Jeder darf mal.

Auf diese Weise wird die Bumsdorfer Auslese eine erfrischende Fluktuation erfahren. Es geht dann ruff un’ runner, wie die Hessen sagen. Die Gäste erwartet alle zwei Monate eine neue Wundertüte. Gleiches gilt für die Vortragskünstler, die sich traditionell gegenseitig verblüffen. Am 16. September, wenn sich die Sonnenbräune zu pellen beginnt, geht’s los, mit den Gästen Sven Kamin und Benjamin Kaiser. Wir freuen uns auf Euch!

»So out wie ein Faxgerät«

wortmax am 16. Mai 2011 in Netzball

faxLetzte Woche veröffentliche die bekannte Schriftstellerin, Journalistin, Fernsehmoderatorin und Twitter-Ikone(?) Else Buschheuer auf den Seiten der Berliner Zeitung einen lesenswerten Artikel, in dem sie verkündet, dass ihre Website – www.else-buschheuer.de – ab sofort geschlossen ist. Sie erklärt in dem Artikel auch, warum: »Ich führte seit Jahren Besucher durch eine Wohnung, die niemand mehr bewohnte.«

Else Buschheuer hat sich im Laufe der Jahre verändert und festgestellt, dass ihre Website nicht mehr das repräsentiert, was sie heute ist und wie sie sich heute sieht. Man kann ihr dazu nur gratulieren. Ich finde, es ist ein gutes Zeichen, wenn man sich irgendwann nicht mehr mit dem identifizieren kann, was man vor fünf oder zehn Jahren gemacht hat. Es zeigt: Man ist noch am Leben, es passiert noch etwas, und es bleibt spannend.

Auch wenn sich die Dinge nicht immer gleich zum Besseren wenden: Schlimmer wäre der absolute Stillstand. Oder man würde das, was man macht, ständig nur verbessern wollen. Der von mir verehrte Volker Remy (siehe auch Blogroll) bezeichnet Optimierung in seinem Buch »Der Imperator im Damensattel« provozierend als Leichenschändung und zitiert Graf Dracula: »Wenn sich etwas nicht mehr bewegt, ist es möglicherweise tot.«

Als ich den Artikel von Frau Buschheuer las, musste ich über www.wortmax.de nachdenken. Die Domain wurde ursprünglich angemeldet, um als Werbetexter im Web präsent zu sein. Doch dann kam alles ganz anders. Statt einer eigenen 08/15-Online-Visitenkarte (meine Vita, meine Leistungen, meine Referenzen) wurde wortmax.de für mehrere Jahre zu einem Treffpunkt für Fans des Computerspiels Starship Titanic von Douglas Adams – bis sich auf den Seiten nichts mehr bewegte.

wortmax.de hat sich danach in ein kleines Autorennetzwerk verwandelt, wurde um diesen Blog ergänzt und ist seit 2009 auch virtueller Anlaufpunkt für die Freundinnen und Freunde der Braunschweiger Lesebühne »Bumsdorfer Auslese«. Kommenden Freitag gibt es die achte Ausgabe dieser Veranstaltung. Vielleicht werden wir danach wissen, wie es um die Zukunft von wortmax.de bestellt sein könnte. Denn das vorgegebene Thema lautet: »Bumsdorf in 50 Jahren«.

Um die Zukunft einer anderen von wortmax-Autoren betreuten Website geht es heute abend, wenn wir www.tcboyle.de vor ca. 40, 50 Webexperten auf dem 2. Braunschweiger Webmontag vorstellen. Der Vortrag ist gegliedert in drei Kapitel: Entstehung der Website, Erfahrungen mit der Website und Zukunft der Website. Hinter dem dritten Kapitel steht ein dickes Fragezeichen. Ich hoffe auf Anregungen, die über eine »Leichenschändung« hinausgehen …

Else Buschheuer schreibt am Ende ihres Artikels: »Vielleicht ist die Zeit der persönlichen Websites überhaupt vorbei. Vielleicht sind Websites out, so wie ein Faxgerät, so wie ein Festnetzanschluss. Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook haben die gute alte Homepage abgelöst.«

Gut möglich, dass persönliche Websites bereits ihrem Ende entgegen taumeln. Es lohnt sich, darüber nachzudenken und dabei ruhig auch mal das Haltbarkeitsdatum von Twitter und Facebook zu hinterfragen.

Letzten Donnerstag, als Dr. Gerald Fricke in den Räumlichkeiten der Evangelischen Studierendengemeinde in Braunschweig über »unseren« Weg in die Webgesellschaft referierte, meinte jemand, die große Zeit von Twitter sei vorüber. Ich habe dem nicht zugestimmt, wollte aber auch nicht widersprechen.

Blaue und schwarze Sofas

wortmax am 23. März 2011 in Reisenotizen

schwarzes_sofaBuchmessen sind flüchtig. Sie huschen zweimal pro Jahr durch den Kalender, und wenn sie plötzlich da sind, sind sie auch schon wieder vorbei. Letzte Woche in Leipzig hat sich dieser Eindruck bei mir verstärkt. Vielleicht deshalb, weil mir dieses Mal nur ein einziger Tag zur Verfügung stand, die liebgewonnenen Menschen aus der großen weiten Welt der Bücher zu treffen, statt wie bisher zwei oder drei Tage.

Anders als sonst bin ich diesmal auch ohne den geschätzten Herrn Weyershausen zur Buchmesse gereist, weil der lieber daheim an neuen Cartoons werkeln wollte als unsere Tradition des Pizza-Essens an der Thomaskirche hochzuhalten. Seinen Platz nahmen der nicht weniger geschätzte Herr Steinert ein, den ich vor einen guten Dekade über die Starship-Titanic-Gemeinde von Douglas Adams kennengelernt hatte, sowie Jacob Nomus, der mir nahebrachte, dass auch ein Buchautor kaufmännisch denken kann.

Es war die richtige Entscheidung, mich den beiden anzuschließen. Denn sie führten mich ein ums andere Mal zum Stand von bookrix, wo Tim Maicher mich mit Cola und Glückskeksen versorgte. Zum Glück. Denn bei einem Messe-Twittagessen, der Name täuscht, gibt’s nichts zu beißen, nicht mal ein leckerer Kaffee war zur Mittagszeit im Mittelgang auf die Schnelle erhältlich.

Immerhin blieb einem so mehr Zeit zum Quatschen, zum Beispiel mit dem sachkundigen Hedoniker aus Peine-West, der Sprachlandschaftsgärtnerin Wibke Ladwig, Fisherman’s Girlfriend Gesine von Prittwitz und unerwarteterweise auch mit Ute Weber, die seit der letzten Herbstbuchmesse zu den Perlen meiner Twittertimeline zählt.

Ansonsten hatte das Twittagessen erneut den Charakter eines Speed Dating. Bei Madame @emju hat es dieses Mal wenigstens zu einem fröhlichen Hallo gereicht. Man steigert sich. Beim nächsten Treffen werde ich versuchen, einen vollständigen Satz mit ihr zu wechseln. Gleiches gilt für @buchgefluester, @Heikeschmidt, @klbkultur und den @BerlinerMax. Ist alles viel zu kurz gekommen. Sollten mir beim nächsten Treffen die Worte fehlen, weiß ich jetzt, wo ich sie finde, nämlich hier.

Doch zurück zur Messe in Leipzig. Freitag, 16 Uhr. Premiere am Eichborn-Stand. Wenn es bei den großen Publikumsverlagen ein Gläschen Sekt oder Wein abzugreifen gibt, mische ich mich gerne mal unter die VIPs und tue so, als gehöre ich dazu. Dabei hatte ich noch nie einen Grund, mich dort wegen eines Getränks anzustellen. Außer Durst vielleicht.

Bei Eichborn gab es dieses Mal einen Grund, das Gläschen zu erheben, und zwar auf den scheidenden Social-Media-Verantwortlichen Dominique Pleimling. Der Verlag mit der Fliege zieht um und Dominique leider nicht mit. Schade! Aber wie las ich kurz zuvor im Glückskeks von bookrix: »Das Glück geht oft Umwege …«, vielleicht war der Keks also gar nicht für mich bestimmt. Und vielleicht hätte ich den bei Eichborn ebenfalls anwesenden @CarstenTergast einen Glückskeks mitbringen sollen, um damit sein ECE-Leid (das ich als Braunschweiger gut nachvollziehen kann) zu lindern.

Beim Eichborn-Sekt gab es schließlich noch ein informatives Gespräch mit @craimann über den von ihm und Leander Wattig initiierten Virenschleuder-Preis – für die erfolgreichsten Marketing-Maßnahmen der Buchbranche im Social Web. Der Preis wird im Rahmen des diesjährigens Buchcamps in Frankfurt am Main am 7./8. Mai 2011 vergeben und in der Durchführung hoffentlich ein voller Erfolg.

Ein Blick auf die Uhr: 17.30 Uhr. Hätte ich die Reise nach Leipzig mit Herrn Weyershausen angetreten, wäre es an der Zeit gewesen, am blauen Sofa vorbei zu flanieren, nach einer gewissen Moderatorin Ausschau zu halten und beim Wein-Ausschank von ZDF-Aspekte so zu tun, als gehöre man dazu. Aber Herr Weyershausen war ja nicht da, und so strandete ich vor dem schwarzen Sofa, wo u. a. Bumsdorf-Kollege »Axelotl Roadkill« Klingenberg saß und Haikus zum Besten gab.

Beim anschließenden Pizza-Essen im Brauhaus an der Thomaskirche war ich kurzzeitig versucht, die Nummer von Herrn Weyershausen zu wählen und die stimmungsvolle Geräuschkulisse mit den klimpernden Gläsern frischen Thomaskirchenbiers und heiterem sächsischen Gebrabbel auf seinem Anrufbeantworter zu verewigen. Es ist schon seltsam: Der Laden wird von Jahr zu Jahr voller, und ich werde den Verdacht nicht los, dass wir mit unserem Werben für diese Lokalität großen Anteil daran haben. Geistige Randnotiz: Die nächste Reise nach Leipzig vom Brauhaus sponsern lassen.

Voll war es auch auf der Party der jungen Verlage, wo ich all diejenigen traf, die auf dem Messegelände an mir vorbeigelaufen waren – oder ich an ihnen. Zudem kreuzte Herr Nagel, dessen Lesung in Braunschweig ich kürzlich besucht hatte, meinen Weg. Und Frédéric Valin, den ich in Leipzig noch gar nicht kennenlernen wollte, sondern erst am 4. April, wenn es zum Jour Fitz nach Berlin geht. Das beweist mal wieder: Wer zu einer Buchmesse fährt, ist der Zeit weit voraus.

Kein Wunder also, dass ich letzten Freitag kein Ende finden wollte, mit Jacob Nomus noch um 4 Uhr morgens an der Hotelbar saß und dem übermüdeten Hotelangestellten monologisierend erläuterte, welche Bücher er bis zur nächsten Buchmesse in Leipzig unbedingt lesen müsse. Ich werde ihn 2012 kontrollieren.

Programmtipps 2

Weyershausen am 21. Juli 2008 in Netzball

batmanDa zu viel Sonne nur Hautkrebs verursacht, rate ich allen Freunden dieser Website vorm Rechner zu hocken und folgende Links anzuklicken – statt sich an die frische Luft zu begeben, die nur so vor Feinstaub strotzt. In der nächsten Woche schreiben wir dann einen Test über das heute Erlernte. Also: Bleistifte raus und los geht’s!

Urlaubsbilder aus Metropolis

In diesem Sommer wurde in Südamerika eine ungekürzte Kopie des Stummfilmklassikers »Metropolis« entdeckt. Dies bedeutet, dass der Film demnächst zum ersten Mal seit acht Jahrzehnten in voller Länge zu sehen sein wird. Passend zum Anlass kann man hier die Illustrationen von Michael W. Kaluta bestaunen, die dieser vor Jahren für eine limitierte Buchausgabe schuf.

Monstren! Mumien! Mutationen!

Wer keinen Spiegel besitzt und trotzdem nicht auf die tägliche Dosis Gänsehaut verzichten möchte, dürfte mit dem Blog The Horrors Of It All bestens bedient sein. Hier werden in schöner Regelmäßigkeit Horrorgeschichten aus dem Golden Age – jener Zeit also, in der es keine Zensurbestimmungen gab – serviert. Trashiger geht’s nimmer!

Schriftsteller-Schnack

Der Journalist Don Swaim interviewte in seiner langlebigen Sendereihe »Book Beat« für CBS alle bedeutenden Schriftsteller seiner Zeit. Allein unter »A« finden wir Edward Abbey, Alice Adams, Douglas Adams, Richard Adams, Vassily Aksyonov, Brian Aldiss, David Allender, Martin Amis, Maya Angelou, Piers Anthony, Jeffrey Archer, Eve Arnold, Isaac Asimov, James Atlas, Margaret Atwood, Louis Auchincloss, Jean Auel, Paul Auster und Nancy Axelrad.

Während die ausgestrahlten Interviews meist nur zwei Minuten liefen, waren die tatsächlichen Gespräche wesentlich ausführlicher. Die ungekürzten Aufzeichnungen bekommt man auf Swaims Website zu hören. Eine Fundgrube für jeden Freund des geschriebenen Wortes.

Die Gelassenheit der Millionäre

Weyershausen am 15. Oktober 2007 in Reisenotizen

messe07Heute mal was ganz Schweres: Ein Buchmesse-Bericht ohne die Erwähnung einer gewissen schriftstellernden Talkshow-Tante.

»Die Frankfurter Buchmesse ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiss nie, was man kriegt.« So würde es wohl Forrest Gumps selige Mami formulieren. Auch in diesem Jahr fuhren mein guter Freund Herr Reichard und ich ins Buchmekka, um unseren geistigen Horizont nebst unserer Plattfüße zu erweitern. Während wir bei unseren ersten Visiten mit offenen Mündern Deutschlands schreibfreudige Zunft bestaunten, waren wir diesmal viel zu beschäftigt. Termine, Termine …

Für den gelegentlichen Small Talk mit Kollegen war deshalb kaum Zeit. Trotzdem schlürften wir das eine oder andere Glas Sekt an dem einen oder anderen Messestand. Was dabei auffiel: Während deutsche Verlagsmitarbeiter ihre Umgebung meist aus der Vogelperspektive wahrnehmen, sind die Österreicher wesentlich herzlicher. Vielleicht ist es die Sachertorte, die für die nötigen Endorphine sorgt.

Deutschlands Kulturschaffende haben hinter den Kulissen Herrenwitze auf Lager, die jeder Gleichstellungsbeauftragten die Zornesröte ins Gesicht treiben würden. Überhaupt strahlen erfolgreiche Autoren eine geradezu obszöne Selbstzufriedenheit aus. Ich nenne es »Die Gelassenheit der Millionäre«. Kein Wunder, denn eben solche Autoren werden innerhalb der Messehallen hofiert wie ein Rockstar in einer Dorfdisco.

Es geht auch anders: »Du Hundsfott!« rief mir mein Verleger Oliver Schwarzkopf enthusiastisch zu, als ich ganz harmlos an seinem Stand vorbeischlenderte – was mich zu der Annahme verleitet, dass es wohl noch eine ganze Weile dauern wird, bis ich das Stadium obszöner Selbstzufriedenheit erreichen werde.

Zumindest schafften wir es in diesem Jahr endlich, eine Halle mit ausländischen Verlagen fast komplett zu durchwandern. So etwas bildet: Jetzt weiss ich, wie es klingt, wenn eine etwas abgehangene New Yorkerin einen Latte Macchiato bestellt.

Die Messe selbst ist recht leicht zu bewältigen. Der Alkoholkonsum zu fortgeschrittener Stunde dagegen kaum. Am nächsten Morgen brauchte ich fast immer eine Viertelstunde, um mein verlebtes Gesicht wieder in erkennbare Formen zu bringen. Die abendlich abgehandelten Themen waren wieder recht vielfältig: Charles Bukowski, Matt Ruff, Ayn Rand, Quentin Tarantino, Douglas Adams, T.C. Boyle und Chuck Norris. Die wichtigen Dinge des Lebens eben.

Eigentlich kann ich jetzt sowieso aufhören. Als ich vor Jahren mit den Cartoons und der Schreiberei anfing, hatte ich das Ziel eines Tages auf der Frankfurter Buchmesse zu signieren – was am letzten Freitag geschehen ist. Aus der anvisierten Stunde waren zweieinhalb geworden!

Mein persönliches Highlight: Plötzlich stand der legendäre Klaus Staeck vor mir, um sich ein Blatt signieren zu lassen. Es ist schon eine verkehrte Welt. Eigentlich sollte ich um sein Autogramm bitten. Sehr merkwürdig. Wahrscheinlich regnet es demnächst Frösche …

Ein weiterer Lichtblick war mein Kollege Harm Bengen, mit dem ich zusammen am Lappan-Stand signierte. Obwohl unsere Cartoons seit Jahren bei web.de erscheinen, habe ich ihn seltsamerweise vorher noch nie getroffen.

Auch seltsam: Normalerweise ist eine Reise nach Frankfurt für einen Mann meines Alters die letzte Chance, von einer jungen Frau in Strapsen angemacht zu werden. Diesmal schafften wir jedoch das Kunststück, das Frankfurter Rotlichtviertel komplett zu umgehen. Wird mein marodes Selbstbewusstsein dies überstehen?

Und sonst? So voll wie diesmal waren die Hallen selten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass an den Fachbesuchertagen immer mehr »Zivilisten« Einzug halten. Wichtiger als die hehre Literatur war diesmal jedoch das Rauchverbot. Überall traf man auf vergrätzte Raucher. Als sich Harm Bengen am Lappan-Stand einen Glimmstängel anzündete, war sofort jemand zur Stelle um »Hey! Hier herrscht Rauchverbot!« zu rufen. Woraufhin Kollege Bengen nur einen tiefen Zug nahm und lächelnd erwiderte: »Ich weiss.«

Das interessanteste Buch entdeckte ich diesmal übrigens auf den Grabbeltischen vor dem Messeeingang: Eine über vierzig Jahre alte Autobiografie des Cartoonisten Cefischer, der im Krieg beide Hände verloren hatte und später mit dem Mund zeichnete. Sicher gar nicht so einfach. Besonders heute, wo viele von uns den Kopf im Arsch haben …

Hee! Doch noch eine Anspielung auf E.H.!

Ein Hoch auf die Drei

wortmax am 9. März 2007 in Netzball

dreiDrei Viertel sind nichts Halbes und nichts Ganzes. Die komplette Drei hingegen ist eine runde Sache. Zumindest in punkto wortmax. Drei Anläufe waren erforderlich, bis wortmax endlich das wurde, was es heute ist: Die offizielle Schublade von Reichard, Weyershausen, Penzel, Burgwächter, Völkel und Steinert.

Die Geschichte einer Domain. wortmax 1.0 entstand bereits im vorigen Jahrtausend (Jaja, so lange gibt es diese Adresse schon.) und stand lange Zeit als schlichte Visitenkarte einsam und verloren in der Weite der vernetzten Welt. »Das bin ich. Das mache ich. Das sind meine Referenzen.« Viel mehr stand da nicht. Klingt wie »Mein Haus. Mein Boot. Mein Auto.« Das Feedback war überwältigend, nämlich Null auf der nach unten geschlossenen Richterskala.

Es musste erst eine ganze Welt zusammenstürzen, bis ich auf den Gedanken kam, die Sache einmal ganz anders anzugehen. Im Mai 2001 war das. Die Welt, die damals zusammenbrach, hieß Douglas Adams. Das große Idol starb um mindestens 120 Jahre zu früh und ließ die treue Fangemeinde seines Computerspiels Raumschiff Titanic, zu der ich bis heute gehöre, allein zurück.

Die Website zum Spiel wurde aus dem Netz genommen, noch bevor der liebe Doug unter der Erde war, geschweige denn in den Dichterhimmel aufsteigen konnte. Plötzlich geisterten wir Kapitäne so einsam und verloren in der Gegend herum wie einst wortmax 1.0 im Netz. Nackt. Nichts zu essen. Nur noch ein Handtuch im Gepäck und eine Anhalter-Weisheit im Kopf: DON’T PANIC!

Okay. Keine Panik. Unter wortmax 2.0 fand die Titanic-Community eine neue Bleibe. Weil ich unter dieser Adresse jedoch nicht nur Douglas Adams huldigen, sondern auch eigene Ergüsse zum Besten geben wollte, wurde das Ganze ein fürchterliches Mischmasch. Nicht unlustig, nicht uninteressant, aber sowas wie Corporate Design gab’s da nicht. Und neue Besucher hatten es schwer, den Sinn von wortmax 2.0 zu erkennen. So richtig erkannten wir diesen ja selbst nicht.

Glücklicherweise fand sich 2005 eine Kapitänin, die bereit war, die Reise mit dem Raumschiff Titanic unter neuer Adresse und mit klareren Vorstellungen fortzuführen. wortmax wurde wieder frei und schließlich das, was es heute ist: Die offizielle Schublade von Reichard, Weyershausen, Penzel, Burgwächter, Völkel und Steinert. Hatte ich das schon erwähnt?

Im Mai 2007 wird wortmax 3.0 zwei Jahre auf Sendung sein. Im vergangenen Februar haben wir die Website erstmals relauncht. Und neu hinzugekommen ist dieses weblog. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Ich hatte vorher schon zweimal versucht, ein weblog zu starten. 2005 und 2006. Nach einigen wenigen Einträgen verlor ich aber beide Male die Lust daran. Technisch und im Kontext zur eigentlichen Website stellten mich die ersten zwei Lösungen einfach nicht zufrieden.

Dieses weblog ist jetzt der dritte Versuch, und serendipity* sei Dank scheint jetzt alles zu passen. Das Technische, die Gestaltung und die Anzahl der Versuche, etwas mit Hand und Fuß ins Leben zu rufen. (Damit es hier nicht so leer aussieht, habe ich einige der Beiträge aus früheren weblogs importiert.)

Möglicherweise ist nach drei Einträgen wieder Schluss. Dann heißt es eben: »Ein Hoch auf die Vier!« Oder wir müssen bis zum 42sten Versuch warten, damit endlich ein Schuh draus wird. Denn laut Douglas Adams soll »42« die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests sein. Einstweilen sehe ich das noch anders.

*Inzwischen sind wir erneut umgezogen: auf wordpress.