Die weisen Worte der Woche

Weyershausen am 10. September 2009 in Befindlichkeiten

Ausgerechnet in den Memoiren von Shirley MacLaine (die übrigens für Fans des legendären »Rat-Packs« sehr zu empfehlen sind) fand ich folgende Sätze, die mich sehr nachdenklich stimmten:

»Ich glaube auch, dass die Menschen, die uns in unserem Leben am meisten verletzt haben, unsere wahren Lehrer sind. Ich glaube, es ist Zeit, den Kreislauf zwischen Opfer und Bestrafung zu durchbrechen und denen, die uns die Augen geöffnet haben, Tribut zu zollen, egal, wie grob ihre Methoden auch gewesen sein mögen. Auf ihre Art sind sie Meister. Sie spornen uns an, uns selbst zu erkennen.«

Recht hat sie, die Shirley! Nur die Nacken-, Schicksals- und Rückschläge sind es, die uns im Leben weiterbringen. Streicheleinheiten und gelegentliche Urlaube auf dem Ponyhof machen uns dagegen faul und träge.

Oder wie Orson Welles einst so schön formulierte: »Unter den Borghias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut. Aber dafür brachten sie Leonardo da Vinci und die Rennaisance hervor. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckuksuhr!«

Trotzdem würde ich deshalb nicht so weit gehen, allen Lügnern, Betrügern und falschen Freunden, die es in meinem Leben gab »Tribut zu zollen«. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ihnen viel verdanke. Wahrscheinlich bin ich einfach noch nicht so weit wie Ms. MacLaine. Bis ich diese höhere Bewusstseinsebene erreicht habe, halte ich es lieber wie Erich Kästner: »Nie dürft Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!«

Gesponserte Würstchen

Weyershausen am 17. März 2008 in Reisenotizen

leipzig09Was mich bei Buchmessen immer besonders faszinierte, waren die literarischen Talkshows. Das scheue Autorenvölkchen traut sich ja in der Regel selten vor die Kamera. Seit ich zu den Fachbesuchern zähle, sitze ich abends jedoch mit qualmenden Füssen in irgendeiner Bar statt vor dem Fernseher. Diesmal aber, während der Leipziger Buchmesse 2008, konnten mein guter Freund Herr Reichard und ich so eine Talkshow im Studio des MDR aus nächster Nähe beobachten.

Cartoonist Michael Kops (diesjähriger Gewinner des »European Cartoon Awards«) schaffte es, uns in die ausverkaufte Veranstaltung einzuschleusen. Außerdem hatte ich an diesem Abend die Ehre, in Erich Kästners Leipziger Lieblingsrestaurant auf dessen Stammplatz zu sitzen! Eine tolle Sache. Jetzt kann ich nur hoffen, dass etwas von seinem Talent – oder Erfolg – auf meinen Allerwertesten abgefärbt haben.

Ansonsten scheint die Buchmesse in Leipzig immer größer zu werden. So viele prominente Gäste wie diesmal waren noch nie da. Selbst Dokumentarfilm-Legende Georg Stefan Troller ließ es sich nicht nehmen, zu einer Signierstunde zu erscheinen.

Das omnipräsente blaue Sofa des Kulturmagazins »Aspekte« war natürlich wie in jedem Jahr ein Blickfänger. Nur: Was fehlte, war die aparte Moderatorin Luzia Braun, ohne die das Sofa nur halb so bequem wirkt. Nachdem ich auf beiden Messen signieren durfte, ist es nun mein erklärtes Ziel, dereinst mit der Kulturfee auf dem Sofa zu sitzen (ob im Studio oder bei ihr daheim – mir soll alles recht sein).

Auch sonst bot die Buchmesse wieder viele Schauwerte. Manga-Mädels in bauchfreien Bunny-Kostümen, skurrile Buchtitel und tonnenweise Individualisten. Zum Beispiel Schlager-Literat Christian Anders, der frisch gefärbt die Geheimnisse dieser Welt enthüllte. Autorin Thea Dorn gab hingegen zu bedenken, dass sie inzwischen zu alt sei, um auf einer Lesung einer 20jährigen Figur die Stimme zu leihen. Na sowas!

Die Leipziger Buchmesse ist nicht so hektisch wie ihr Frankfurter Pendant. Keine Laufbänder, keine gigantischen Messestände, kein Aufmarsch graumelierter Nadelstreifenträger. Hier kann es einem passieren, dass abends in der Kneipe, beim tschechischen Lagerbier, jemand wie Axel Hacke vorbeischlendert.

Stets präsent ist natürlich die unsichtbare Hackordnung, die vom kritischen Erfolg und hohen Auflagen diktiert wird. Erfolgreiche Lektoren und Verleger treten manchmal auf, als ob sie selbst die Bücher geschrieben hätten. Umarmungen und Komplimente sind oft so falsch wie die Würstchen am Hot Dog-Stand. In diesem Business wird man entweder ganz schnell zum Zyniker oder ein echter Menschenkenner. So ganz entschieden habe ich mich da noch nicht …

Die Kultur steht eher hinten an. In erster Linie sollte man auf einer Buchmesse neue Kontakte knüpfen, alte Kontakte pflegen, neue Projekte vorstellen und vor allem die Ohren offen halten.

Wieder daheim kommt nun der nächste Schritt. Welches der abgesegneten Projekte verwirklicht man zuerst? Hier kann und sollte man sich nur auf seinen Instinkt verlassen.

Das Schöne: Es geht kontinuierlich voran. Demnächst vielleicht mit einem Catering-Sponsor? Die Wiener Würstchen wurden uns zumindest in diesem Jahr von der Combots AG gesponsert. (Danke, Reiner!)