Unnützes Wissen

Weyershausen am 1. Oktober 2012 in HiStory

confidentialWussten Sie schon, dass John Wayne das Dach seines Autos ein paar Zentimeter anheben ließ, damit er hinterm Steuer seinen Cowboyhut tragen konnte? Irgendwann wird mir dieses Wissen vielleicht die entscheidenden Punkte bei Trivial Pursuit bringen. So hoffe ich zumindest.

Auf der anderen Seite: Es gibt Dinge, die ich vielleicht lieber gar nicht gewusst hätte. Wenn Marilyn Monroe zum Beispiel von Depressionen heimgesucht wurde und ihre Periode hatte, vergaß sie oft Tampons zu benutzen – was einen unschönen Eindruck bei ihren Besuchern hinterließ.

Kein Wunder, wieso es zwischen Frank Sinatra und ihr nicht klappen konnte, obwohl die beiden eine kurze Liebschaft verband. Der Sänger war nämlich so pedantisch, dass er schon eine neue Hose anzog, wenn sie nach längerem Sitzen Falten bekam. Zudem sprang er mindestens vier Mal am Tag unter die Dusche, während die etwas nachlässige Diva wohl eher vier Tage verstreichen ließ, um etwas Wasser und Seife an ihre Haut zu lassen. So erzählt es zumindest Sinatras ehemaliger Diener in seiner Autobiografie.

Ich liebe Biografien. Besonders von exzentrischen Persönlichkeiten, die ein spannenderes Leben führten als ich. Wie zum Beispiel die Autobiografie von Keith Richards, in der er erzählte, wie er völlig zugedröhnt mit seinem kleinen Sohn Auto fuhr und dabei fast einen fatalen Unfall baute. Jeder andere wäre nach Erscheinen des Buches von der Presse als verantwortungsloser Vater an den Pranger gestellt worden. Nicht Richards. Offenbar genießt er inzwischen absolute Narrenfreiheit. Das ausgerechnet der wilde »Keef« ein begeisterter Pfadfinder war, gefiel mir bei seinen Erinnerungen am besten.

Auch wenn sich Biografien im allgemeinen zwischen kritikloser Heldenverehrung und skandalträchtiger Hinrichtung bewegen, das ist mir das egal. Autobiografien sind sogar noch schlimmer. Wer zum Beispiel wissen möchte, wieso sich Dean Martin und Jerry Lewis getrennt haben, bekommt von diversen Chronisten gleich mehrere Versionen aufgetischt, wobei gerade die Memoiren von Jerry Lewis höchst revisionistisch sind. Doch was ist Wahrheit? Gibt es sie überhaupt?

Auch wer die Wahrheit über William Shakespeare oder Oscar Wilde erfahren möchte, sollte besser gleich zu mehreren Büchern greifen, um sich seinen eigenen Reim darauf zu machen. Die Wahrheit ist anscheinend sehr flexibel. Biografien lesen ist wie Detektivarbeit und Psychoanalyse.

Natürlich wird man gerade in Biografien mit schrägen Anekdoten belohnt, wie bei Carrie Fisher, die in ihrem Buch »Wishful Drinking« von ihrem Vater erzählt, der eines Tages seine ultra-winzigen Hörgeräte verschluckte, weil er sie irrtümlich für Tabletten hielt. Solche Geschichten sind natürlich banal, platt und völlig unwichtig.

Ein wenig schäme ich mich schon dafür, meine Zeit mit solchen Büchern zu verplempern, statt meine immensen Bildungslücken mit großer Literatur aufzufüllen. Andererseits könnte sich mein unnützes Wissen als nützlich erweisen, um die Zeit zu überbrücken, falls ich mal in einem Fahrstuhl feststecke oder in Geiselhaft gerate. Unnützes Wissen ist immerhin besser als gar keines. So hoffe ich zumindest.

Stimmen aus der Vergangenheit

Weyershausen am 13. Januar 2010 in HiStory

Billige Groucho ImitationSeit Weihnachten hocke ich fast jeden Tag mehr als zehn Stunden vor dem Rechner, um die Farben meiner alten Cartoons zu ändern.

Damit die Hirnzellen bei solch stumpfsinniger Tätigkeit nicht vollends absterben, höre ich dabei seit einigen Tagen alte Aufzeichnungen aus der goldenen Zeit des amerikanischen Radios (die 30er und 40er Jahre). Woody Allen hat dieser Ära in seinem Film »Radio Days« ein wunderbares Denkmal gesetzt.

Es ist schon merkwürdig, die Werbung jener Jahre, die Witze über Lebensmittelmarken und die patriotischen Aufrufe zu hören. Gerade während des Zweiten Weltkriegs war das Radio das Medium, das alle miteinander verband. Die Macher jener Sendungen waren damals ebenso bekannt wie Filmstars. Folgerichtig traten viele Filmstars auch im Radio auf, um ihre Popularität zu steigern. Für Wortakrobaten wie Jack Benny, Bob Hope und Groucho Marx war es die ideale Plattform, um sich auszutoben.

Buchadaptionen, Quizshows, Sitcoms und viel Musik natürlich – alles, was man heute im Fernsehen sieht, konnte man auch damals live im Radio erleben. Nur damals waren die Ideen tatsächlich neu. Das Fernsehen war es auch, das jener goldenen Epoche ein Ende bereitete. Schade, denn vieles, was den Radiohörern vor siebzig Jahren geboten wurde, ist weitaus unterhaltsamer, als die monotone Unterhaltungspampe unserer Fernsehsender. Das Fernsehen sei eine »Phantasieprothese« las ich neulich. Ich denke eher, dass es uns alle erst zu »Phantasiekrüppeln« macht.

Der König des Radios war Multitalent Orson Welles. Mit dem legendären Hörspiel »Krieg der Welten« versetzte er ganz Amerika in Angst und Schrecken. Selbst Hitler ging in einer Rede auf dieses Ereignis ein. Bevor Welles nach Hollywood verschwand, um sein Meisterwerk »Citizen Kane« zu drehen, war er Woche für Woche mit seinem »Mercury Theatre On The Air« (später das »Campbell Playhouse«) in den amerikanischen Wohnstuben zu Gast, um klassische Theaterstücke, Filme oder populäre Romane fürs Radio zu adaptieren. Welles’ Bildungsprogramm war dabei alles andere als langweilig, denn er und seine Truppe waren, wenn es sein musste, hemmungslose Schmierenkomödianten, die vor nichts zurückschreckten. Als Gastmoderator der »Jack Benny-Show« konnte Welles hingegen beweisen, dass er auch komisch sein konnte. Im Museum Of Orson Welles findet man etliche Sendungen aus jener Schaffensperiode des Meisters.

Die wortgewaltigste und schillerndste Figur des Radios war zweifelsohne Groucho Marx. Als die Filmkarriere der Brüder Marx in den Vierzigern abebbte, startete der geschäftstüchtige Groucho eine lange Solokarriere als Quizmaster. Allerdings war »You Bet Your Life« keine altbackene Sendung mit dauergrinsendem Moderator, wie wir sie heute kennen. Groucho benutzte seine Gäste eher wie heute Kurt Krömer: als Stichwortgeber – nur viel, viel witziger. Später, als das Fernsehen seinen Siegeszug antrat, wechselte er das Medium und hatte auch dort über viele Jahre immensen Erfolg. Einige seiner komischsten Radiosendungen findet man hier.

Bevor Dean Martin und Jerry Lewis die Leinwand eroberten, konnten sie 1948 ihre Familientauglichkeit in einer (recht formelhaften) Radiosendung perfektionieren. Bis dahin traten sie mit wesentlich zotigerem Material hauptsächlich in Nachtclubs auf. Das Interessanteste an ihren Sendungen waren die illustren Gaststars, die sich Woche für Woche die Klinke in die Hand gaben: Marlene Dietrich, Boris Karloff, Frank Sinatra und Burt Lancaster sind nur einige von ihnen. Wer Jerry Lewis jedoch im Original gehört hat, kann verstehen, dass die Hälfte der Amerikaner ihn am liebsten auf den Mond geschossen hätte. Hier einige Episoden.

Selbst Stan Laurel und Oliver Hardy versuchten sich während ihrer letzten Jahre in Hollywood an einer eigenen Sendung. Doch ihre Popularität in Amerika war damals auf dem Tiefpunkt. So entstand lediglich eine Pilotsendung mit dem Titel »Mr. Slater’s Poultry Market« (1943), in der unsere Freunde mit zwei Profikillern verwechselt werden. Unglücklicherweise ist der Humor dieser Sendung genau so nett und harmlos wie in ihren letzten Filmen. Die Komik von Mr. Laurel und Mr. Hardy ist nun mal zum großen Teil rein visueller Natur und daher fürs Radio nur bedingt geeignet. Trotzdem bleibt es ein nettes Fundstück, das über Jahrzehnte als verschollen galt.

Der King of Comedy

Weyershausen am 29. November 2009 in Screenshot

kingofcomedy_xmasVor einiger Zeit schrieb ich an dieser Stelle über »Dean & Me« von Jerry Lewis. In diesen Buch erzählte Lewis von dem schwierigen Verhältnis zu seinem einstigen Partner Dean Martin, mit dem er zehn Jahre lang der heißeste Act im Showgeschäft war. Auf der Bühne gab Jerry den Spaßvogel, während Dean den Stichwortgeber spielte. Privat waren die Rollen genau andersherum verteilt. Lewis sprach, wenn er seine Rolle als Trottel abgelegt hatte, von sich selbst stets in der dritten Person und hielt sich für ein Genie, während sich Martin nach Aussagen seiner Freunde nie besonders ernst nahm und eine unglaubliche Schlagfertigkeit bewies. Trotz all seiner Schwächen als Mensch brachte Lewis die Menschen jedoch zum Lachen. Für mich war er lange Zeit noch witziger als Didi Hallervorden. Doch damals war ich erst zwölf …

Kariöse Komiker

Viel witziger als die frühen Filme des Duos war ihre Fernsehshow, die »Colgate Comedy Hour«. Hier ließen Dean und Jerry, so ganz ohne festes Drehbuch, ihren Improvisationstalenten einfach freien Lauf. Fast so, wie sie es auf der Bühne taten. In den Filmen verkümmerte Martin nur zu oft zum braven Schnulzenheini. Ein Grund, wieso ihre Partnerschaft später in die Brüche ging.

Gag-Recycling

The Typewriter, eine der berühmtesten Nummern Jerrys, hatte ihren Ursprung in der »Colgate Comedy Hour«. Ein Jahrzehnt später brachte Lewis den Sketch rein pantomimisch in seinem Film »Der Ladenhüter«. Humor ist zwar vergänglich, aber auf der anderen Seite: Man sollte nichts wegwerfen, was funktioniert.

Knutschende Kumpels

Nachdem Jerry und Dean fast zwanzig Jahre kein Wort miteinander gewechselt hatten, brachte Frank Sinatra das Paar 1976 wieder zusammen – live und im Fernsehen. Jerry war davon so überrumpelt, dass er trotz laufender Kameras Sinatra fast unhörbar als Hurensohn bezeichnete. Mehr als zehn Jahre später revanchierte sich Lewis und überraschte Martin zu seinem 72. Geburtstag live auf einer Bühne in Las Vegas. Es sollte ihr letztes Zusammentreffen bleiben.

Solo-Talent

Jerry, was haste Dir verändert! In späteren Jahren legte Lewis die Rolle des liebenswerten Trottels ab und entwickelte auf der Bühne eine zuweilen recht aggressive Komik. Vom Charme der frühen Filme ist nichts mehr geblieben. 1984 hatte Lewis mehr Tiefen als Höhen durchschritten. Inzwischen hatte ihn eine neue Generation von Comedians längst abgelöst. Doch Jerry blieb immer am Ball. Selbst heute noch. Vielleicht ist er ja wirklich der King of Comedy … gleich hinter Didi Hallervorden, natürlich!

Amazon, du unbekanntes Wesen …

Weyershausen am 28. April 2009 in Netzball

erwachsenEndlich ist es da! 252 Seiten voller bahnbrechender Erkenntnisse für alle » Berufsjugendlichen, Peter Pans und Hotel-Mama-Bewohner«. Die Rede ist natürlich von meinen neuem Buch, das seit Ende letzter Woche im Handel ist. Seltsamerweise konnte man bei Amazon bereits gebrauchte Exemplare bestellen. Und das obwohl (wie nur einige Zeilen vorher fett angekündigt) der Artikel noch nicht erschienen war. Das Internet ist wahrlich ein rätselhafter Ort!

Paule Pervers

Die größte Lebensleistung Paul Ankas ist es Frank Sinatra den Welthit »My Way« auf dem Leib geschrieben zu haben. Selbst Altkanzler Gerhard Schröder trat zu den Klängen dieses Evergreens ab. Daneben versüßt der Schmusesänger mit seiner Bühnenshow in Las Vegas den amerikanischen Senioren ihre letzten Stunden. Neben Eigenkompositionen gibt er dabei sogar Nirvanas Smells Like Teen Spirit zum Besten. Die Hymne der Generation X im weichgespülten Big-Band-Sound? Helge Schneider ist nichts dagegen!

Depressive Frösche

Wir schreiben das Jahr 2009: Nach dem Tod des Muppet-Erfinders Jim Henson ist Frosch Kermit in Dauer-Depressionen und Drogensucht abgedriftet. Wenn er nicht stoned in der Ecke liegt, singt er melancholische Coverversionen von »Needle in the Hay« und »Hurt«. Die nicht ganz jugendfreie Seite Sad Kermit überschreitet neben den Grenzen des guten Geschmacks auch alle Copyrightbestimmungen. Mal sehen, wie lange es dauert, bis Junkie-Kermit den Löffel abgibt.

Kartoon-Klau

Der letzte Film, der zu Walt Disneys Lebzeiten beendet wurde, war das »Dschungelbuch«. Danach dümpelte das Zeichentrickstudio über zwanzig Jahre vor sich hin, bis der Animationsfilm eine grandiose Wiederauferstehung feierte. In jenen Jahren kopierten die Disney-Studios ganze Sequenzen aus ihren Erfolgsfilmen, um kreativ halbwegs über die Runden zu kommen. Ein paar Beispiele sieht man hier.

Ein Fall für Parker!

Donald Westlakes »Parker« gehört zu den absoluten Klassikern unter den modernen Kriminalromanen. Darwyn Cooke, einer der hervorragendsten Zeichner der Neuzeit, gibt Parker mit seiner Comic-Adaption »The Hunter« erstmals ein Gesicht. Auf der Website des amerikanischen Verlags IDW kann man schon mal ein Preview der demnächst erscheinenden Graphic Novel sehen. Beeindruckend!

Dead Blue Eyes

Weyershausen am 9. Juni 2008 in Screenshot

dirtyharryIn diesem Jahr wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden. Komisch, denn zum Schluss wirkte er auf der Bühne, als wäre er bereits 110. Ups! Ich sehe gerade, dass ich mich geirrt habe … Frank ist nicht 100 geworden, sondern liegt seit zehn Jahren unter der Erde. Macht keinen großen Unterschied, oder? Auf jeden Fall ist er tot.

Seine Pionierleistungen sind vielfältig. So war Frankie einer der ersten, die auf der Bühne einen Teleprompter benutzten, weil er seine Texte nicht mehr behalten konnte. Außerdem zählte er zu den ersten Altstars, die sich einen grauen Wischmopp auf die Glatze tackern ließen.

Lassen wir doch einfach seinen alten Kumpel Peter Lawford zu Wort kommen: »Einmal auf einer Party in Palm Springs wurde Frank so wütend, dass er ein Mädchen durch eine Glastür stieß. Überall waren Blut und Glassplitter. Der Arm des Mädchens war fast abgetrennt … Frank gab ihr später Geld, und das Ganze wurde natürlich unter den Teppich gekehrt.«

Ein anderes Mal wurde ein Journalist kurz nach dem Erscheinen eines Schmähartikels über Sinatras Hochzeit mit der wesentlich jüngeren Mia Farrow von Gangstern zusammengeschlagen. Zufälle gibt’s …

Frankie-Boy war ein harter Hund. So hart, dass er selbst seine Spaghetti roh aß. Jeder, der Schwäche zeigte, wurde von ihm gnadenlos fertig gemacht. Edward G. Robinson kamen wegen Sinatra am Set sogar die Tränen.

Trotzdem konnte niemand so herzzerreißend ins Mikro schmachten, wie der Mann aus Hoboken, New Jersey. Wenn ein harter Hund Gefühle zeigt, so hat das nun mal seinen ganz besonderen Reiz.

Mein Lieblingssong? Früher war es »New York, New York«, weil ich immer vorhatte dorthin auszuwandern. Inzwischen hängt es von meiner Tagesform ab. In besonders größenwahnsinnigen Momenten kann ich sogar »Fly Me To The Moon« klimpern. Natürlich nur, wenn niemand in der Nähe ist. Selbstverständlich habe ich fast alle Klassiker des Großmeisters auf CD. Die unverzichtbare Musikbibliothek für den nächsten Liebeskummer.

Nur mit Frank S. kann man wirklich stilvoll in einer Bar versacken. Seine Songs verleihen selbst einer heruntergekommenen Dorfkneipe einen Hauch von Welt. Allerdings hasse ich es, wenn ein gealterter Sinatra Songs der Beatles trällert.

Von den Sinatra-Filmen liebe ich am allermeisten den Politthriller »The Manchurian Candidate« (dt.: Botschafter der Angst). Ein toller Streifen, bei dem in der deutschen Fassung die beste Sequenz brutal zusammengekürzt wurde. Man dachte damals, das Publikum sei zu blöd, um die progressive Schnittfolge zu kapieren.

Was Wenige wissen: Ursprünglich sollte Sinatra die Hauptrolle in dem Thriller »Dirty Harry« spielen. Als der Entertainer wegen einer Verletzung ausfiel, übernahm Clint Eastwood die Rolle und wurde so sein Image als Westernheld los. Umgekehrt durfte sich Eastwood im Musical »Paint Your Wagon« auch als Sänger versuchen. Allerdings erfolglos.

Also: Alles Gute zum zehnten Todestag, Mr. Sinatra! Ich freu mich jetzt schon auf den zwanzigsten!