Meine fabelhafte Fernsehkarriere

Weyershausen am 13. August 2010 in Screenshot

testbildLetzte Woche hat mein Fernseher das Zeitliche gesegnet. Das Ende war lang und schmerzvoll: Zum Schluss musste ich sogar den Stecker ziehen. Wahrscheinlich ist er an Vereinsamung gestorben, denn je älter ich werde, desto weniger hänge ich vor der Glotze.

Dabei fing alles so gut an. Als kleines Kind war ich überglücklich, wenn mich meine Eltern eine Folge von »Mit Schirm, Charme und Melone« oder »Tammie, das Mädchen vom Hausboot« sehen ließen. Natürlich nur, wenn ich brav war. Schon früh begegnete ich meiner ersten Fernseh-Liebe: Stan Laurel und Oliver Hardy, die noch unter den Namen »Dick und Doof« firmierten.

Meine Eltern hatten einen alten Fernsehschrank, der von ihnen abgeschlossen wurde, damit wir Kinder keine verbotenen Sendungen schauen konnten. Als wenn es damals verbotene Sendungen gegeben hätte! Das Programm fing nachmittags mit der Seniorensendung »Mosaik« an und endete meist vor Mitternacht mit den Spätnachrichten. Dann wurde das sogenannte »Testbild« eingeblendet, begleitet von einem unangenehmen Piepton.

Der Höhepunkt der Woche war Samstags (zu Mettbrötchen mit Fanta), »Raumschiff Enterprise« gefolgt von »Disco« mit Ilja Richter, über dessen Sketche ich damals sogar gelacht habe. Heute erscheint mir das unglaublich, aber wir hatten ja nichts, in der schweren Zeit nach dem (Vietnam-)Krieg.

Meine zweite große Fernseh-Liebe war die blonde Moderatorin Hanni Vanhaiden, die in den 70ern zusammen mit einer Stoffpuppe die Kindersendung »Emm wie Meikel« moderierte. In dieser Zeit kauften meine Eltern ihren ersten Farbfernseher. Das war auch mein Anfang als Hardcore-TV-Junkie. Das Fernsehprogramm jener Jahre wurde von Filmklassikern bestritten, die heutzutage höchstens am Wochenende um zwei Uhr morgens laufen.

Humphrey Bogart, James Cagney, James Stewart – sie alle flimmerten fast täglich zur besten Sendezeit über unseren Bildschirm. In den Dritten Programmen gab es im »Gruselkabinett« alte Horrorstreifen sowie bizarre Komödien mit W.C. Fields und den Marx Brothers – in der Originalfassung. Dazu konnten wir auch das DDR-Fernsehen empfangen, wo neben vieler toller Kindersendungen auch die legendäre »Olsenbande« lief – und natürlich wunderbare tschechoslowakische Animationsfilme nach Jules Verne. Neben soviel Fernsehpracht wirkte die Realität des »Zonenrandgebiets« schon etwas kümmerlich.

»Das Fernsehen macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger«, lautet ein weiser Spruch. In meiner Kindheit konnte man im sogenannten »Telekolleg« nachmittags sogar Fremdsprachen büffeln. Im DDR-Fernsehen lief dann »Wir sprechen russisch« und »Medizin nach Noten«. Als Kind fand man so etwas natürlich vollkommen bescheuert. Aber immer noch besser als der »Kindergottesdienst«, der vormittags im ZDF übertragen wurde. Diese Zeit ist unwiederbringlich vorbei.

Spannend wurde es noch mal, als die ersten Privatsender aufkamen und das gesamte Fernsehprogramm in einer rasanten Talfahrt verflachte. Es war geradezu faszinierend zu beobachten, wie sehr die Öffentlich-Rechtlichen panisch versuchten, allen Trends hinterher zu hecheln, nur um sich schließlich als Seniorensender zu re-etablieren. In dieser Zeit verlor ich zusehends das Interesse.

Das Internet hat das Fernsehen als Leitmedium abgelöst. Das sehe ich auch bei mir. Letzte Woche schaute ich mir zum Beispiel lediglich eine Dokumentation über Johnny Cash an. Die Woche zuvor ein paar Episoden der Kultserie »Nummer 6«. Wahrscheinlich werden mich erst die neuen Folgen von »South Park« wieder vor die Glotze locken. Wie konnte aus mir nur so ein elitärer alter Snob werden? Schuld daran ist wahrscheinlich nur das Fernsehen …