Heute wollen wir mal über meinen Job und meine hochverehrten Kollegen sprechen. Wer hat schon das Glück einen Beruf auszuüben, in dem sich so viele helle Köpfe tummeln wie im Cartoon- und Comicbereich? Wer’s nicht glaubt, sollte nur die Frau an der Wursttheke fragen.
Und das Schöne ist, dass man sich – weil man ja auch irgendwie zur Branche gehört – in ihrem Glanz sonnen kann. Schon allein deswegen bin ich allen Herren und Damen Cartoonisten für ihre tolle Arbeit dankbar. Und deshalb wollen wir ihnen an dieser Stelle einmal über die Schulter schauen.
Flinke Filzstifte
72 trafen sich die Starzeichner Joe Kubert, Neal Adams und Jean (Moebius) Giraud in Paris, um vor laufender Kamera ein paar seltsame Figuren an die Wand zu krakeln. Alle drei waren damals auf der Höhe ihres Könnens. Dank des Internets tauchte dieser Film jüngst wieder auf. Schön zu wissen, dass die drei Herren auch vier Jahrzehnte später noch immer am Ball sind.
Klassischer Künstlerklatsch
Da Cartoonisten ein einsames Völkchen sind, freuen sie sich immer zu erfahren, was die Herren Kollegen so treiben. Denn Klatsch und Tratsch ist gleich nach der Zeichnerei die große Leidenschaft aller Cartoonisten. Vor sechs Jahrzehnten gab es die Zeitschrift »The Freelancer«, in der Kollegen für Kollegen ihren Alltag und ihre Arbeitsweise beschrieben. Es ist schon interessant, welche Themen die Zeichner damals bewegten. Hier einige Beispiele aus dem Jahre 1957.
Wissenswertes über Witzzeichner
Eine anderes Magazin, das sich mit den bunten Bildern befasste, war »Cartoonist Profiles«. Diese Zeitschrift, die besonders mit ausführlichen Interviews glänzte, bot besonders angehenden Cartoonisten die einzige Möglichkeit, Wissenswertes über die Branche zu erfahren. Das Internet machte sie schließlich überflüssig. Hier eine der letzten Ausgaben mit Jerry Scott and Jim Borgman aus dem Jahre 2003.
Meisterhafter Mahler
Vor 120 Jahren, als ich meine ersten Comics zeichnete, schickte mir ein junger Österreicher namens Nicolas Mahler ein bescheidenes Frühwerk namens »Trööt!«. Seitdem hat er sich zu einem international gefeierten Cartoonisten entwickelt (während ich noch immer bescheidene Frühwerke fabriziere). Eigentlich kann ich jedem Erdenbürger nur empfehlen, sich seine Bücher zu kaufen. In Luzern kann man am 9. April seine Arbeiten bestaunen: auf dem Comix-Festival Fumetto. Eine kleine Kostprobe seines reichhaltigen Schaffens findet man hier.
Da Lesen so gar nicht zum Zeitgeist passt, habe ich diesmal ein paar Filmchen, die unseren geistigen Horizont garantiert erweitern werden – und wenn es nur ein paar Zentimeter sind. Es ist ja nur zu unserem Besten …
Nobody’s Paul
Einer der schönsten Filme mit dem unvergleichlichen Paul Newman ist mit Sicherheit die 1994 entstandene Kleinstadtballade »Nobody’s Fool«. Die Geschichte eines in die Jahre gekommenen Verlierers, der bei seiner alten Lehrerin zur Untermiete wohnt, ist ein wahres Juwel und einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Leider wurde er damals kaum beachtet. Zu unrecht. In dieser Version kann man sogar Newmans knarzige Originalstimme hören.
Zeichnende Zeichner
Ich selbst mag es gar nicht, wenn mir die Leute beim Zeichnen über die Schulter schauen. Die Comiczeichner John Romita, Bill Sienkievicz, Joe Kubert und John Buscema sind da weniger scheu und lassen sich sogar dabei filmen. Sie sind halt Könner, die ihr Metier perfekt beherrschen. Wer sehen will, wie ein echter »Spider-Man« ensteht, ist hier goldrichtig.
Tölpelige Talkshow Hosts
Wer »Stromberg« liebt, sollte sich unbedingt alle Folgen der »Larry Sanders Show« ansehen, so lange sie noch online sind. Die Serie, die hinter die Kulissen einer fiktiven Late Night Show blickt, wartet mit hochkarätigen Gaststars auf, die sich mit ätzendem Witz selbst persiflieren. Bei uns liefen ein paar Folgen im Spätprogramm. Leider ohne Erfolg. Die Serie »Anke« versuchte das Konzept zu kopieren, ohne jedoch die Schärfe und Brillanz des Originals zu erreichen. Hier einige Minuten aus der letzten Folge, die mit einer schauspielerischen Meisterleistung endet.
Früher Corben
Der Underground-Zeichner Richard Corben ist besonders durch seine Darstellung nackter Frauen mit üppigen Brüsten bekannt geworden. In den Siebzigern wurde er dafür von Frauenrechtlerinnen gescholten. Aufmerksamkeit erregte auch sein Plattencover für Meat Loafs »Bat Out Of Hell«. Nachdem er begann seine Helden mit Kleidung auszustatten, verließ ihn leider der Erfolg. Dabei ist er einer der wenigen Zeichner, denen man das Prädikat »visionär« anheften möchte. Sein wichtigstes Werk ist noch immer der Comic-Roman »Neverwhere«. Nur Wenige kennen den gleichnamigen Film, den Corben bereits 1968 fast ganz allein animierte.
Elender Sommer! Verleitet uns doch glatt zu langen Grillabenden, Besuchen am Badesee oder zum gelegentlichen Glas Wein im Garten. Und überall lauern Hautkrebs, Zeckenbisse und Fußpilz. Wo wir doch am heimischen Computer viel sicherer aufgehoben wären! Egal! Um uns alle auf die langen dunklen Herbsttage vorm Rechner einzustimmen, habe ich hier ein paar Links, die unsere vom Sommer verweichlichten Mausfinger trainieren werden.
Bilder aus der Vergangenheit
Seit vielen Jahren kämpft die Holocaustüberlebende Dina Babbitt darum, jene Gemälde zurück zu bekommen, die sie einst im Konzentrationslager malte. Die Bilder befinden sich heute im Auschwitz Museum, wo sie zu den eindringlichsten Exponaten der Gedenkstätte zählen. Der historische Wert dieser Gemälde sei weitaus bedeutender als die Eigentumsrechte der 84jährigen, argumentiert das Museum. Die Comic-Veteranen Neal Adams, Joe Kubert und Stan Lee sind anderer Meinung und haben nun ein sechsseitiges Pamphlet in Comicform erstellt, das Dina Babbitt endlich zu ihrem Recht verhelfen soll.
Pappige Plattenteller
Für alle, die ihre antike Schallplattensammlung nicht mehr hören können, da der Plattenspieler den Geist aufgegeben hat, gibt es jetzt eine kostengünstige Lösung. Der Tüftler Simon Elvins bastelte einen Plattenspieler aus Pappe, der ganz ohne Strom funktioniert. Als Verstärker dient ein Trichter, an dem eine Nadel angebracht ist. Damit sich der Plattenteller dreht, muss gekurbelt werden. Partytauglich ist er allerdings nur für ganz leise Menschen.
Der Proto-Superman
Mit ihrem Comichelden »Superman« schrieben Autor Jerry Siegel und Zeichner Joe Shuster Geschichte. Jetzt fanden die Erben Siegels ein paar verwitterte Fotokopien, die belegen, dass es bereits eine frühere Version Supermans gab. Statt des jungen Shuster führte hier ein Profi namens Russel Keaton den Zeichenstift. Und auch die Geschichte unterscheidet sich in wesentlichen Elementen von der Version, die wir alle kennen. Ein interessanter Fund.
Orsons Ohrwürmer
Die goldene Zeit des Radios erlebte ihren Höhepunkt, als Orson Welles mit seinem Hörspiel »Krieg der Welten« 1938 ganz Amerika in Angst und Schrecken versetzte. Das Multitalent Welles war danach ein gemachter Mann. Auf der Website The Mercury Theatre on the Air kann man sich selbst ein Bild von der sagenumwobenen Produktion machen. Dazu gibt es Aufzeichnungen weiterer Radiohörspiele, die ebenfalls von Welles populärer Truppe umgesetzt wurden. Im Jahrhundertwerk Citizen Kane konnte Amerika dann endlich die Gesichter der Radiogrößen sehen.

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