Neues vom Straßenrand der Datenautobahn 18

Weyershausen am 18. November 2010 in Netzball

datenautobahn_18Das Gute an Photoshop: Jeder, der einen Stift halten kann, ist in der Lage einen halbwegs professionell aussehenden Cartoon zu produzieren. Auch Leute, die eigentlich gar nicht zeichnen können. Das Schlechte an Photoshop: Jeder, der einen Stift halten kann, ist in der Lage einen halbwegs professionell aussehenden Cartoon zu produzieren. Auch Leute, die eigentlich gar nicht zeichnen können.

Es gab jedoch eine Zeit, in der ohne Talent gar nichts lief. Vor allem nicht ohne Papier und Zeichenstift. Einige dieser seltenen Exemplare, die mit Feder und Pinsel umzugehen verstanden, hatten sogar originelle Ideen und einen eigenen Stil, der sie unverwechselbar machte. Leider, leider sind die meisten dieser Leute fast vergessen. »Humor ist vergänglich«, sagte der große René Goscinny einmal. Hier ein paar Cartoonisten, die das Gegenteil beweisen:

John Callahan

Die fiesesten Behindertenwitze der Welt stammten ausgerechnet von einem Behinderten. Der in diesem Jahr verstorbene John Callahan saß nach einem schweren Autounfall im Rollstuhl und konnte nur mit äußerster Mühe zeichnen, indem er beide Hände benutzte. Trotzdem stammten einige der irrwitzigsten Zeichnungen der letzten 35 Jahre aus seiner Feder. Sein berühmtester Cartoon: Zwei Gesetzeshüter finden in der Wüste einen leeren Rollstuhl: »Keine Sorge, zu Fuß wird er nicht weit kommen«. So lautete dann schließlich auch der Titel von Calahans Autobiografie.

Harvey Kurtzman

Kurtzman, der Erfinder von MAD und dessen Maskottchen Alfred E. Neumann, war zeitlebens der Meinung, er könne gar nicht zeichnen. Deshalb spezialisierte er sich in späteren Jahren ganz darauf, Texte und Layouts für andere Cartoonisten zu produzieren. Ein Jammer, denn tatsächlich war er eines der originellsten Talente seiner Zeit. Viele seiner Frühwerke, die lange Zeit verschollen waren, wurden erst in den letzten Jahren von findigen Sammlern ausgegraben. Gerade Kurtzmans Wimmelbilder sind meiner Meinung nach sensationell.

Gahan Wilson

Seine Cartoons, die im Männermagazin »Playboy« erschienen, machten Gahan Wilson berühmt. Als einer der Stars des Magazins zeichnete er nicht dralle Schönheiten, sondern Mörder, Monster und Vampire. Wilson war lange Zeit der unbestrittene König des makabren Humors. Doch nicht nur sein Humor, auch sein Zeichenstil ist in seiner Einzigartigkeit unverwechselbar. Daneben trat er noch als Autor in Erscheinung. Zu seinen Fans gehört auch der Regisseur George Romero, der ihn in einem seiner Zombie-Filme als Untoten durchs Bild wanken ließ.

Jules Feiffer

Der Pulitzer-Preisträger Jules Feiffer bringt in seinen Cartoons keine platten Sketche, sondern boshafte Miniaturen, die sich über mehrere Bilder hinziehen. Feiffer ist seit mehr als fünf Jahrzehnten Amerikas inoffizieller Chronist des liberalen Mittelstands. Neben seiner Arbeit als Cartoonist schrieb er mehrere Theaterstücke, Filme und Kinderbücher. Dass seine Werke bei uns seit Jahrzehnten vergriffen sind, ist eigentlich ein Verbrechen. Auf seiner Homepage kann man einige (leider schlecht gescannte) Zeichnungen bewundern.

Double Feature

Weyershausen am 11. April 2010 in Netzball

Double FeatureUnglaublich: Nach nur einer Woche haben über 200 Personen das 111 Gründe-Video angesehen. Wie sagte Karl Moik so schön: »Ich frrrrreu mich!«.

Wenn jetzt noch jeder das Buch kauft, würde ich mich sogar noch mehr freuen. Wahrscheinlich werde ich in naher Zukunft ein weiteres Video online stellen. Ein paar Ideen hab ich schon.

Jetzt, wo ich selbst sozusagen unter die Filmschaffenden gegangen bin, hat mich das Filmfieber voll im Griff. Deshalb gibt es diese Woche einen kompletten Kinoabend. Natürlich mit Vorfilm.

Bevor Cartoonist Jules Feiffer Pulitzer-Preise einheimste, Bühnenstücke, Romane und Filme schrieb, verdingte er sich als Assistent und Ghostwriter des legendären Will Eisner. Irgendwo dazwischen entstand ein hübscher kleiner Kurzfilm mit dem Titel »Munro« (1960), der heute leider fast vergessen ist.

»Rushmore« (1999), der zweite abendfüllende Spielfilm von Wes Anderson beinhaltet schon alles, was auch seine späteren Werke auszeichnet: Schrullige Charaktere, ein Hauch von Melancholie, ein toller Soundtrack und ein akribischer Sinn für Details.

Max Fisher, Schüler an der Elite-Highschool Rushmore ist verliebt in die Lehrerin Ms. Cross. Nur dummerweise kommt ihm dabei sein väterlicher Freund Mr. Blume in die Quere, der sich ebenfalls in die hübsche Pädagogin verguckt. Zwischen den ungleichen Rivalen entbrennt ein tragikomischer Kampf um das Herz ihrer Angebeteten.

Mit »Rushmore« startete Bill Murray seine Karriere als »seriöser« Schauspieler. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, nur hierzulande nahezu unbekannt.