Wo Herr wortmax und ich früher den lieben langen Tag ziellos durch die Gänge der Buchmessen irrten, haben wir heute unsere Termine. Das ist zwar einerseits sehr schön, artet aber andererseits immer mehr in Arbeit aus. Irgendwie ist da die Leichtigkeit abhanden gekommen, dachte ich mir, als ich in einer freien Stunde allein durch die Gänge schlurfte. Leicht bekleidete Manga-Mädels, Literaten mit dünnen Fettfrisuren, Schüler mit dicken Rucksäcken; sie alle habe ich in den letzten Jahren immer weniger wahrgenommen.
Heutzutage hat mich mein Agent an der Kandarre, der mich mehrmals am Tag über den aktuellen Stand der Dinge informierte. Zum Schluss drückte er mir eine Liste mit Hausaufgaben in die Hand, die ich schleunigst zu erledigen habe. Daher fasse ich mich diesmal etwas kürzer. Ich will ja keinen Ärger.
Der Spaßfaktor ist gewaltig in den Hintergrund gerückt. Schließlich hängt vom Ausgang der vielen Gespräche die eigene Zukunft ab. Für Spaß sorgten indes neue Autoren und alte Freunde, denen man in Leipzig begegnete. Oder das geschäftstüchtige Indische Restaurant in der Innenstadt, in dem wir flugs in die Rumpelkammer verfrachtet wurden, nachdem alles besetzt war.
Während ganz Leipzig von einer Lesung zur nächsten eilte, gingen wir zur »Party der jungen Verlage«, auf der sich die hippe coole Leipziger Szene tummelte. Verdammt lange her, dass ich so viele interessante Frauen auf einem Haufen gesehen habe. Nur war ich zu diesem Zeitpunkt viel zu müde und erledigt, um etwas davon zu haben.
Außerdem werden wir immer mehr zu Snobs. Als es keine schicken arte-Taschen mehr gab, zog es Herr wortmax vor, den vielen Kram, der sich tagsüber angesammelt hatte, den ganzen Abend über lieber unter den Arm zu klemmen. Eine prollige 3Sat-Tüte war ihm offenbar nicht gut genug.
Im Gegensatz zum letzten Jahr gab es spürbare Fortschritte: 2009 stand ich noch schmachtend im Publikum, während die bezaubernde Aspekte-Moderatorin Luzia Braun auf dem blauen Sofa saß und die großkopferten Schreiberlinge dieser Welt befragte. In diesem Jahr stand sie direkt neben mir; in einer lebhaften Unterhaltung verstrickt – nur leider nicht mit yours truly. Doch bald kommt ja 2011 …

Es gibt viele Gründe, um im März nach Leipzig zu fahren. Zum Beispiel, um sich im berüchtigten Club 21 an der »Mr. und Mrs. Knackarsch«-Wahl zu beteiligen. Oder um im »Don Camillo« alternde Intellektuelle mit ihren jungen Geliebten zu beobachten. Mein alter Freund Herr wortmax und ich zogen dagegen wie in jedem Jahr die Buchmesse vor. Wir sind nun mal Gewohnheitstiere.
Letzte Kommentare