Nächste Woche ist es endlich wieder soweit: Der März beginnt. Bis die Bäume erblühen, dauert’s noch ein Weilchen, aber ich bekomme schon wieder Triebe. Denn die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Juhu! Sie beginnt zwar erst am 15. März, doch die Vorfreude steigt.
Eine Veranstaltung nur für B-Promis und Schlagerstars von gestern, die sich verzweifelt um ein Comeback bemühen, ist die Frühjahrsbuchmesse schon längst nicht mehr. Zwar lässt sich die Gästeliste nicht mal ansatzweise mit der von den Messekollegen aus Frankfurt vergleichen, aber an bekannten literarischen Namen mangelt es nicht.
Aus dem Ausland haben sich unter anderem der Ire John Boyne (»Der Junge im gestreiften Pyjama«) sowie die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev (»Späte Liebe«) angekündigt. »National« werden wir Literaten wie Rafik Schami, Martin Walser, Daniel Glattauer oder Wladimir Kaminer begegnen. Auch der Ankermann der Tagesthemen, Tom Buhrow, ist dabei. Dieter Moor, Denis Scheck, Roger Willemsen sowieso. Und, beinahe hätte ich ihn vergessen, wortmax. Auch der kommt und freut sich auf ein Wiedersehen mit vielen geliebten Büchermenschen, beim Twittagessen, bei diversen Vorträgen, beim allabendlichen Weinausschank oder zwischendurch auf den Gängen. So groß ist das alles in Leipzig ja nicht.
Fettgedruckt auf der diesjährigen Agenda für Leipzig ist der Freitagabend. Dann nämlich wird es in einem schnieken italienischen Restaurant nach über neun Jahren virtueller Präsenz zum ersten offiziellen www.tcboyle.de-Treffen kommen. Es wird eine kleine, aber feine Runde. Wer daran teilnehmen möchte, kann sich gern bei mir melden, sollte sich aber beeilen, denn der Platz am reservierten Tisch ist begrenzt.
Gesprächsthemen haben wir reichlich. Denn der neue Roman von T.C. Boyle, »Wenn das Schlachten vorbei ist«, ist gerade erst erschienen. Die Website www.tcboyle.de präsentiert sich seit kurzem in einem neuen Gewand, und dann gibt es noch den Mai zu bequatschen, wenn Boyle nach zwei Jahren Abwesenheit wieder zu einer Lesereise nach Deutschland kommen wird.
Wer am Abend des 16. März 2012 andere Unterhaltung in Leipzig sucht, dem empfehle ich das unglaubliche Lesebühnenluderdreigestirn Jan-Uwe Fitz, Dirk Bernemann und Christian von Aster. Ab 20.00 Uhr blicken die drei vor sich hin mauschelnden Metaphoriker in MacCormacks Ballroom (Kurt-Eisner-Str. 43) über den eigenen Tellerand und – wie von Herrn Fitz aka @Vergraemer gewohnt – natürlich auch weit hinaus über die Grenzen des guten Geschmacks.
Meine Versuche, Herrn Fitz zu unserer leckeren Familienpizza einzuladen und seine eigene Lesung dafür einfach sausen zu lassen, sind leider gescheitert. Er leidet an einem Knick-Spreiz-Senkfuß, wie er sagt, kann sich nicht bewegen und sitzt daher schon jetzt – auf die ersten Gäste wartend – in MacCormacks Ballroom. Wäre also nicht schlecht, wenn dort mal der eine oder andere Orthopäde vorbeischaut.
edit: Weitere kuriose Veranstaltungen zur Leipziger Buchmesse, unter anderem auch Auftritte der Bumsdorfer Kollegen Axel Klingenberg, Marcel Pollex (Punchliner-Show) und Marc Domin (Crossover-Revierköter), findet Ihr auf unserer Terminseite.

Die Bumsdorfer Auslese am 8. Januar 2010.
Würde die zweite Bumsdorfer Auslese am 8. Januar 2010 wirklich stattfinden? Ich muss gestehen, ich hatte Zweifel. Nicht etwa wegen Auflösungserscheinungen des Ensembles, sondern wegen dem Sturm- und Schneetief Daisy, das mir der Wetterfrosch vom Zweiten Deutschen Fernsehen einen Abend zuvor apokalyptisch angekündigt hatte. Welche Sau mag bei einem solchen Schweine(grippen)wetter schon seinen Fuß vor die Tür setzen, geschweige denn ihn zusammen mit seinem zweiten Fuß durch meterhohe Schneeverwehungen zu einer Dichterlesung schleppen?
Dick vermummt brach ich in Richtung KaufBar auf. Die Bühne dort ist leicht höhergelegt. Ich dachte mir: Wenn dort wider Erwarten jemand in der ersten Reihe Platz nehmen sollte, würde er während der Lesung auf meine billigen Winterstiefel starren. Das durfte nicht sein. Also packte ich mir vorsorglich noch ein Paar Halbschuhe ein. Da es eine literarische Veranstaltung war, zu der ich fuhr, steckte ich die eleganteren Ersatzlatschen in eine Stofftasche mit dem Aufdruck »arte«. Mein Kulturbeutel. Nur so wird ein Schuh draus.
Doch all meine Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Als ich in der KaufBar ankam, war von Daisy noch immer keine Spur. Und dass unsere Zuhörerschaft bei kälterem Wetter lieber auf dem Sofa liegen bleibt, kann man auch nicht behaupten. Im Gegenteil. Dreimal bin ich in der KaufBar inzwischen aufgetreten. So voll wie an diesem Abend war es meiner Meinung nach noch nie. (Ich weiß jetzt, dass die KaufBar einen Keller hat, und dass dort noch jede Menge Stühle stehen.)
Unter solchen Voraussetzungen konnte die anschließende Veranstaltung natürlich nur gelingen. Ich bin sicher, ich hätte etwas verpasst, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Wir haben jetzt ein Maskottchen, den Lesebiber. (Nein, das ist nicht der langhaarige Pianist, der unsere wortreichen Beiträge hinterrücks zu untermalen versucht). Der Lesebiber ist ein in der KaufBar aufgespürtes Plüschtier. Es wird bei künftigen Auslesen in Bumsdorf immer dabei sein und dafür sorgen, dass wir auf dem Autorensofa noch enger zusammenrücken (müssen) und es dort zwangsläufig noch viel kuscheliger wird als bisher.
Achja, und gelesen wurde auch. Zu den Vortragenden gehörten neben den Ensemble-Mitgliedern Wiebke Saathoff, Axel Klingenberg, Marcel Pollex, Holger Reichard, Play-it-again-Ben-Büttner, Daniel Terek die wunderbaren Gäste Luc Degla und MarcD. aus W. (Till Burgwächter war an diesem Abend entschuldigt. Er weilte in Norwegen und hatte dort auf schwarzen Messen sicher nicht nur mit einer hiesigen Black Metal Band zu kämpfen, sondern – so nahe am Nordpol – wohl auch mit der Mutter aller Daisys.)
Einer der vielen Höhepunkte der zweiten Bumsdorfer Auslese war Daniel Terek, der uns den Sinn des Lebens erklärte, und zwar aus der Sicht einer Kinder-Mortadella mit Gesicht. Gelernt haben wir schließlich auch noch etwas: Russischer Wodka kommt nicht aus Russland, sondern aus Benin. Danke Luc! Und Dank an das zahlreich erschienende Publikum, das sich von Daisy nicht beirren ließ und ohne das Bumsdorf (und damit das Leben) keinen Sinn ergäbe.
Bumsdorf-Mäzen Andreas Reiffer hat den Abend – wie immer – wunderbar dokumentiert. Mit vielen Fotos (klickt oben auf das große Bild oder hier) und in bewegten wie auch bewegenden Bildern:
Das neue Jahr ist schon über die Startlinie gestolpert und auch die sechs Literaten der Bumsdorfer Auslese und ihr daumenkinoflinker Pianist scharren schon mit den Hufen, um dem verehrten Publikum den Sinn des Lebens zu erklären. So lautet zumindest das Thema des diesmaligen Abends.
Und eigentlich sind es diesmal auch nur fünf gebürtige Bumsdorfer, denn Till Burgwächter lässt sich vielmals entschuldigen, aber er muss eine menschenopfernde norwegische Black Metal-Band in ihrer geräumigen Wohnhöhle in der Nähe des Nordpols interviewen. Für den Fall, dass er von dieser Mission lebend und vollständig zurückkommt, wird er selbstredend beim nächsten Mal wieder Rede und Antwort stehen bzw. vom Blatt ablesen.
Wie dem auch sei: Die Bumsdorfer Dorfschreiber haben sich diesmal deshalb gleich zwei Gäste eingeladen: Zum einen haben wir da Luc Degla (»Das afrikanische Auge«), seines Zeichens Dichter, DJ und da capo-Kolumnist, der einige seiner schönsten Texte vortragen wird; zum anderen wird MarcD. aus W. an diesem Abend zeigen, was eine Wolfsburger Slam-Harke ist.
Hier nochmal die harten Fakten:
Freitag, 08. Januar 2010
Bumsdorfer Auslese – Braunschweigs Lesebühne
mit Ben Büttner, Axel Klingenberg, Marcel Pollex, Holger Reichard, Wiebke Saathoff, Daniel Terek, MarcD. und Luc Degla. KaufBar, Helmstedter Str. 135, Braunschweig, Beginn: 20.00 Uhr

»Schlaf ist eine Unhöflichkeit gegenüber der Nacht«, schrieb einst der deutsche Aphoristiker Hans Kudszus. Ich adaptiere diese komische Feststellung mal für mein Urteil über Jahreszeiten: »Der Winter ist eine Unhöflichkeit gegenüber den Rest des Jahres«. Zum Glück ist er jetzt vorbei, der Winter, nicht der Rest des Jahres.
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