Neues vom Straßenrand der Datenautobahn 20

Weyershausen am 24. Mai 2011 in Netzball

datenautobahn_20Mein Kumpel das Internet ist schon ein toller Typ. Immer, wenn ich von der großen bösen Welt die Nase voll habe, verbringe ich viel Zeit mit ihm. In seinem face kann man lesen, wie in einem book. Das Internet schafft es fast immer mich etwas aufzuheitern. Wie neulich, als ein Familienmitglied im Krankenhaus lag.

Das Internet hat viele alte Geschichten zu erzählen, aber auch eine Menge Neuigkeiten parat. Dumm ist nur, dass es ständig versucht mir irgendwelchen Ramsch anzudrehen. Das nervt. Außerdem lügt es oft wie gedruckt. Deshalb sollte man nicht zu viel Zeit mit ihm verbringen, dem alten Hallodri. Trotzdem: Hier sind wieder ein paar nette Sachen, die wir kürzlich zusammen entdeckt haben.

Comic-Cleese

Jahre bevor John Cleese die legendäre Comedy-Truppe »Monty Python« gründete, traf er in New York einen jungen Amerikaner namens Terry Gilliam, der für ein Satiremagazin namens »Help!« arbeitete. Da Gilliam sofort von der grandiosen Mimik des Briten angetan war, überredete er ihn, im Fotocomic »Christopher’s Punctured Romance« aufzutreten, die von einem Mann handelt, der sich in die Barbie-Puppe seiner Tochter verliebt.

Huppens Hände

Auch im fortgeschrittenem Alter ist der belgische Comic-Zeichner Hermann Huppen noch immer am Ball. Seine Klassiker »Andy Morgan«, »Comanche« und »Jeremiah« sind auch hierzulande ein Begriff. Er ist einer der ganz Großen. Hier kann man den Meister mit ergrauender Brustbehaarung beim Arbeiten am heimischen Zeichentisch zusehen. Ein wahrer Könner!

Emsige Eddings

Wer mit einem Edding zeichnen möchte, ohne den Gestank jener Filzschreiber ertragen zu müssen, kann dies jetzt im Internet tun. Auf einer sogenannten »Wall of Fame« wird jeder zwanghafte Kritzler und Krakler eingeladen, sich zu verewigen. Natürlich gibt es auch hier unsoziale Elemente, die sich an den Kunstwerken der Anderen vergehen. So wird jede »Wall of Fame« natürlich ganz leicht zur »Wall of Shame«.

Unfassbare Umschläge

Dass es uns allen immer noch ganz gut geht, sieht man besonders bei ebay. Dort wird nämlich gerade ein sogenannter »No-Prize« versteigert, wie er in den Swinging Sixties vom Comicverlag Marvel verschickt worden ist. Einen »No-Prize« gewann damals jeder Leser, der in den Heften einen Fehler entdeckte (und auf originelle Weise wegerklären konnte). Der Preis bestand jedoch nur aus einem leeren Umschlag – daher die Bezeichnung. Wer zahlt für einen über 40 Jahre alten leeren Unschlag mehr als $1.000? Die Comic-Fans natürlich! Was beweist, dass Comics tatsächlich blöd machen …

Jeffrey Catherine Jones (1944-2011)

Angefangen hatte er als Fantasy-Illustrator und Frank Frazetta-Imitator. Diese Phase war jedoch schnell vorbei. Jeff Jones entwickelte sich zu einem der herausragendsten Künstler seiner Generation. Selbst sein einstiges Idol Frazetta bezeichnete ihn später als »den größten lebenden Maler«. Doch Jones war eine gequälte Seele, die sich 1998 einer Geschlechtsumwandlung unterzog, deren Auswirkungen ihn/sie fast aus der Bahn warfen. Am 19. Mai ist Jeffrey Catherine Jones verstorben. Was zurück bleibt, ist ein einzigartiges Lebenswerk.

And now for something completely different

Weyershausen am 9. November 2009 in HiStory

mp_footEin ganz wichtiger Termin wurde in diesem Jahr unter den Tisch fallen gelassen: Vor 40 Jahren nämlich wurde die erste Folge von »Monty Python’s Flying Circus« ausgestrahlt. Ich persönlich war immer verwundert, dass »Always look on the bright side of life« das bekannteste Lied der Pythons wurde. Mein eigener Favorit war dagegen stets das legendäre Holzfäller-Lied. Und da auf dieser Website (zum Glück) keine Demokratie herrscht, sondern eine kuschelige kleine Diktatur, werden wir machen, was ich will! Hier also ein kurzer Blick auf die Pythons:

Pappige Kulissen

Die erste Version des Lumberjack-Sketches wurde 1970 vom BBC ausgestrahlt. Hier sieht man am besten, dass »Monty Python’s Flying Circus« eine absolute Billigproduktion war, in die der Sender nicht gerade viel Vertrauen hatte. Für Kostüme und Kulissen wurde kein Pound zuviel ausgegeben. Selbst den Briten war diese Form des britischen Humors zunächst einmal suspekt.

Lässige Lederhosen

1971 wurden zwei Monty Python-Folgen eigens für den deutschen Markt produziert. Initiator war Alfred Biolek. Die erste Folge »Monty Python’s Fliegender Zirkus: Blödeln für Deutschland« wurde komplett in Deutsch gedreht. So wurde aus dem kanadischen Holzfäller ein braver deutscher Holzhacker in Lederhosen. Die Pythons gaben sich zwar große Mühe, unsere Sprache zu sprechen, aber das Ergebnis wirkt schon etwas sonderbar. Klar, dass die Deutschen mit solcher Komik nichts anfangen konnten.

Unter Bäumen

In dem Film »Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft«, einem Sammelsurium der besten Sketche der Comedytruppe, konnte man 1971 eine neue, opulentere Version des Holzfäller-Songs erleben. Dieses Mal vor echten Kulissen. Die Mütze und die Hosenträger sind jedoch geblieben. Inzwischen war die Sendung zwar kein richtiger Erfolg, aber zumindest Kult. Hier zur Abwechslung die deutsch synchronisierte Version.

Pythons go Hollywood

Lange nachdem »Monty Python’s Flying Circus« abgesetzt war, trat die gesamte Truppe 1982 live in Hollywood auf, um ihre Sketche vor einem tobenden amerikanischen Publikum zum Besten zu geben. Es dauerte lange, bis das Publikum den absurden Humor der Pythons zu schätzen wusste. Den Holzfäller-Song sang statt Michael Palin hier jedoch Eric Idle.

Goodbye George

Ex-Beatle George Harrison zählte zu den größten Python-Fans auf diesem Planeten. Schließlich produzierte er später etliche Filme der einzelnen Mitglieder. 2002, ein Jahr nachdem Harrison verstorben war, versammelten sich all seine Freunde, um im »Concert for George« seiner zu gedenken. Mit dabei waren auch die (fast) vollständigen Pythons, um eine bislang letzte Version des Holzfäller-Liedes vorzutragen.

Neues vom Straßenrand der Datenautobahn 4

Weyershausen am 28. September 2009 in Netzball

datenautobahnFür Menschen, die in einer Traumwelt leben wollen, habe ich nur einen Tipp: Kauft Euch einen iMac mit 24 Zoll Display! Jeder, der vor diesem Wunderwerk der Computertechnik gesessen hat, will gar nicht mehr in die große böse Realität zurück. Stattdessen verbringt man fortan jede wache Stunde im Internet, um unendliche Websites zu entdecken, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Gäbe es zum Beispiel folgende Seiten nicht, müsste man sie glatt erfinden:

Flimmernde Filmtitel

Das Schönste an einem Film ist oft der Vorspann. Echte Filmfans vergleichen ihn mit einer Vorspeise, die einen auf das Hauptgericht einstimmt. Wer käme allerdings auf die Idee hunderte von Filmtiteln per Screenshot einzufangen und ins Netz zu stellen? Jemand ohne soziales Leben, der ganz, ganz viel Zeit hat wahrscheinlich (vielleicht ist er aber auch nur glücklicher Besitzer eines iMacs). Egal: Freuen wir uns, dass es solche Menschen gibt.

Alte Autogramme

Ich selbst bin nur ein einziges Mal schwach geworden, um mir ein Autogramm zu holen: Nämlich als der geniale Lucky-Luke-Zeichner Morris in Hannover weilte, um einer Ausstellung seiner Werke beizuwohnen. Noch heute bewahre ich die Einladungskarte, die er mir auf die Schnelle signierte, auf. Mehr kann man von einem Star seines Kalibers nicht erwarten. Früher nahmen sich Cartoonisten richtig Zeit, wenn ein Fan eine signierte Zeichnung haben wollte. Hier ein paar schöne Beispiele.

Furchterregende Fotos

Alte Fotos finde ich einfach faszinierend. Bilde ich es mir nur ein, oder hatten die Leute damals andere Gesichter als heute? Als Kind fand ich deshalb alte Stummfilme geradezu furchterregend. Im Internet kann man eine Menge schöner Beispiele entdecken. Hier zum Beispiel einige Fotos, die im Buch »Mirrors. Photographs from the Arkansas State Prison, 1915-1937« erschienen sind.

Gilliam, der Große

In einigen Monaten kommt »Das Kabinett des Dr. Parnassus«, der mit Spannung erwartete neueste Film des Regie-Exzentrikers Terry Gilliam (»Brazil«) in unsere Kinos. Ich freue mich ganz besonders darauf, verspricht dieser Streifen doch nach einer langen Durststrecke eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Bevor Gilliam als Mitglied der Comedytruppe Monty Python zu Ruhm und Ehren kam, brachte er 1968 den Kurzfilm »Storytime« heraus, in dem bereits sämtliche Elemente vorhanden waren, die seinen ganz speziellen Humor ausmachten.

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