Prominente Selbstmörder – Teil 2

Das Lexikon der prominenten SelbstmörderVor zehn Jahren erschien das erste Buch, an dem ich beteiligt war: Das Lexikon der prominenten Selbstmörder. Es war immerhin so erfolgreich, dass zwei Auflagen gedruckt wurden.

Weil ich mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden war, habe ich in den Folgejahren, immer wenn ich Zeit hatte, an einer neuen Version gebastelt. Andere Projekte waren jedoch Schuld, dass nie etwas Konkretes daraus wurde. Es war schwer, ein ganzes Menschenleben in wenigen Zeilen abzuhandeln. Zumal es sich um ein Lexikon handelte. Leider sind wir vielen Personen nicht gerecht geworden.

Auch der von mir geschätzte Comic-Zeichner Wallace Wood gehörte zu den Unglücklichen, für die Selbstmord der letzte Notausgang war. Vor einigen Tagen hätte er Geburtstag gehabt. Hier sein bislang nie erschienener Eintrag (der auch schon wieder fünf Jahre alt ist):

WALLACE (WALLY) WOOD
(*17.06.1927, Menagha, Minnesota, + 31.09.1981, Los Angeles, Kalifornien) amerik. Comic-Zeichner

Der Einfluss, den Wallace Wood auf das Science Fiction-Genre ausübte, ist bis heute spürbar. Sein eleganter Strich eignete sich besonders gut für Abbildungen heldenhafter Raumfahrer, die meist leichtbekleidete Vamps vor hässlichen Monstern schützen – ein Klischee, an dem er eifrig mitgestrickt hat. »Woody«, wie ihn seine Freunde nannten, verbrachte einige Jahre bei der Handelsmarine, bevor er 1948 zum Zeichenstift griff. Wood später: »Nachdem ich von fast jedem in der Branche ausgebeutet wurde, fand ich meine Heimat beim guten alten EC-Verlag«.

EC beschäftigte in den fünfziger Jahren grundsätzlich nur Spitzenkünstler. Woods Zeichnungen erfreuten sich durch eine unglaubliche Detailverliebtheit großer Popularität bei den Lesern. Er zählte zu den ersten richtigen »Stars«, die seine Branche hervorbrachte. Am Ende seiner bekanntesten Geschichte, »My World«, tritt er im letzten Bild sogar als Erzähler auf.

Wood gehörte zu den Gründervätern des kultigen Satiremagazins MAD

Zu seinen Fans gehörten etablierte Science Fiction-Autoren wie Ray Bradbury, dessen Geschichten Wood in Comicform umsetzen durfte. Nachdem 1952 das Satiremagazin MAD aus der Taufe gehoben wurde, gehörte er die ersten zwölf Jahre zum festen Mitarbeiterstab.

Äußerlich wirkte der Zeichner bescheiden und schüchtern. Doch hinter dieser Fassade brodelten Hass und Gewaltphantasien, die sich vor allem gegen Redakteure und Art Direktoren richteten, die oft willkürliche Eingriffe in seine Arbeit vornahmen. »Mein Rat: Werde nie Künstler! Es ist viel spaßiger und befriedigender, ein Schmierfink mit einem Titel wie ›Creative Director‹ oder ›beratender stellvertretender Aushilfsredakteur‹ zu sein,« schrieb er verbittert.

Im Laufe der Jahre griff er immer öfter zur Flasche, um sich Luft zu verschaffen, denn nur im Vollrausch konnte er seine Frustrationen herauslassen. Um der Einsamkeit seines Berufs zu entfliehen, engagierte er Assistenten, die ihm in erster Linie als Gesprächspartner dienten. Einer von ihnen verglich später die Arbeitsatmosphäre mit einer Therapiesitzung. Seine eigenen Therapiesitzungen endeten hingegen damit, dass er seine Psychologin heiratete. Die Ehe war jedoch nur von kurzer Dauer.

Alka-Seltzer brachte nicht den erhofften Durchbruch

In den sechziger Jahren wurde seine Anzeigenserie für die Magentablette »Alka-Seltzer« ein nationaler Erfolg. Ein Anderer hätte diese Chance als Karrieresprungbrett genutzt, nicht Wood. Wegen seiner mittlerweile chronischen Unzuverlässigkeit wurde er von MAD gefeuert. Einmal war er sogar als Zeichner für die bekannte Comic-Serie »Prinz Eisenherz« im Gespräch. Es blieb bei einer einzigen Seite.

Trotz seines enormen Talents lief seine Karriere vollends aus dem Ruder. Wood verdingte sich als Vielzeichner bei den großen Comicverlagen, um seine eigenen unprofitablen Lieblingsprojekte zu finanzieren. Bekannte Serien waren »Daredevil« (2003 verfilmt), »T.H.U.N.D.E.R.-Agents« und »Sally Forth«. Oft saß er rund um die Uhr am Zeichentisch – nur wachgehalten von etlichen Litern Kaffee. Sein Stern war am sinken. In den 70ern war er für seine Kollegen nur noch ein ausgebrannter Vielzeichner, der seine besten Jahre hinter sich hatte. Am Ende produzierte er Comics für Hardcore-Pornomagazine.

Nikotin und Koffein waren sein Treibstoff

Während der ganzen Zeit dachte er an ein Comeback. Wood wollte es seinen Kritikern noch einmal so richtig zeigen. Doch der Raubbau an seinem Körper zeigte Folgen. Sein hoher Blutdruck hatte Auswirkungen auf sein Sehvermögen, die Nieren gaben den Geist auf und er erlitt mehrere Schlaganfälle, die ihm das Zeichnen fast unmöglich machten.

Mit Anfang fünfzig war er ein gesundheitliches Wrack, ohne Aussicht auf Besserung. Er kündigte an, lieber sterben zu wollen, als dass er zuließ, an ein Dialyse-Gerät angeschlossen zu werden. Keiner nahm ihn ernst. Doch der Waffennarr machte seine Drohung wahr und schoss sich in den Kopf, genau einen Tag vor seinem ersten Dialyse-Termin.

»Er hatte auf ein Wunder gehofft, dass ihn wieder zu dem sorglosen Achtzehnjährigen machte, als den er sich immer noch sah. Als er einsah, dass so ein Wunder nie passieren würde, sondern er ein Leben voller Unannehmlichkeiten und Abhängigkeit vor sich hatte, war dies mehr, als er verkraften konnte«, meinte sein ehemaliger Assistent Paul Kirchner. Ein anderer Kollege verglich ihn mit einem Dampfkessel, der stets unter Hochdruck stand und sich am Ende selbst ausgebrannt hatte.

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DatenautobahnSeltsamerweise scheinen viele Leute zu denken, ich verbringe meine gesamte Freizeit vorm Computer, um die Links, die ich hier in regelmäßigen Abständen präsentiere, aufzutreiben. Keine Angst: In Wahrheit sind es nur wenige Seiten, die ich regelmäßig besuche, um interessante Dinge zu entdecken. Und das dauert meist nur eine Kaffeetassenlänge.

Was mich interessiert? Natürlich das Abseitige, das Schräge und das fast Vergessene. Kuriose Radiohörspiele, Musik jenseits der Charts, ungewöhnliche Bücher, seltene Filmdokumente und alte Comics. Hier sind wieder ein paar Beispiele:

Prollige Plakate

Obwohl die Streifen, die mit ihnen beworben wurden, niemals meine Augäpfel besudeln werden, liebe ich alte C-Film-Plakate. Lächerliche Aliens, abgehalfterte Stars und natürlich jede Menge lasterhafter Frauenzimmer – all das findet man auf der »Wrong Side Of The Art«, eine Sammlung der »schlimmsten« Filmplakate aller Zeiten. Nur dort reichen sich Trash, billiger Sex und unfreiwillige Komik die Hand. Wer über einen starken Magen und den entsprechenden schlechten Geschmack verfügt, kommt hier garantiert auf seine Kosten.

Clevere Comicer

Wer wissen möchte, was die Comic-Legenden Stan Lee, Jack Kirby, Will Eisner und Jim Steranko 1975 auf der »San Diego Comic Convention« zu sagen hatten, sollte hier reinhören. Wie immer war ein findiger Fan an Ort und Stelle, um die Weisheiten der Comic-Gurus für die Nachwelt festzuhalten. Auch der Schriftsteller Ray Bradbury war in jenem güldenen Jahr vor Ort, um über seine Liebe zu den bunten Bildern zu schwadronieren. Die Freunde des Groben können hingegen den Worten des damals blutjungen Karate-Holzhackers Chuck Norris lauschen. Allerdings sollte man nicht zu viel erwarten. Die Gespräche jener Herrschaften haben leider nur die Tiefe einer handelsüblichen Sperrholzplatte.

Flennende Filmemacher

Einer der größten Unfälle der Filmgeschichte, war der nie aufgeführte Streifen »Der Tag, an dem der Clown weinte« von und mit Jerry Lewis, in dem der Komiker einen erfolglosen Clown spielt, der im KZ landet, um dort seine wahre Berufung zu entdecken. Der 1972 gedrehte Film landete aufgrund von Rechtstreitigkeiten im Giftschrank. So blieb die erste KZ-Komödie Roberto Begnini vorbehalten. Die Wenigen, die einen Rohschnitt gesehen haben, halten ihn für eine der größten Geschmacklosigkeiten aller Zeiten. Jerry dagegen erhoffte sich damit ein Comeback. Die einzige Kopie befindet sich heute im Tresor von Mr. Lewis. Neugierige, die mehr über diesen berüchtigten Film erfahren wollen, sollten hier reinschauen.

Sensationelle Seiten

Die Mutter aller Unterhaltungsblätter war die amerikanische Wochenzeitschrift LIFE. Wer dort auf dem Titelbild erschien, hatte es im Showbusiness geschafft. »Stern«, »Bunte« und »Quick« versuchten im Nachkriegsdeutschland mehr oder weniger erfolgreich, das Konzept zu kopieren. Vier Jahrzehnte versorgte die Zeitschrift ihre Leserschaft mit erstklassig geschriebenen Reportagen, sensationellen Fotos und ganz viel Klatsch: Von den (damals) aktuellen Filmen der Marx-Brothers, dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu Marilyn Monroe und der Mondlandung. Im Internet kann man nun kostenlos das komplette Archiv des legendären Magazins nutzen – inklusive Suchfunktion. Wer Zeitgeschichte hautnah erleben oder einfach nur schmökern möchte, ist hier goldrichtig.

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