Letzte Woche hat mein Fernseher das Zeitliche gesegnet. Das Ende war lang und schmerzvoll: Zum Schluss musste ich sogar den Stecker ziehen. Wahrscheinlich ist er an Vereinsamung gestorben, denn je älter ich werde, desto weniger hänge ich vor der Glotze.
Dabei fing alles so gut an. Als kleines Kind war ich überglücklich, wenn mich meine Eltern eine Folge von »Mit Schirm, Charme und Melone« oder »Tammie, das Mädchen vom Hausboot« sehen ließen. Natürlich nur, wenn ich brav war. Schon früh begegnete ich meiner ersten Fernseh-Liebe: Stan Laurel und Oliver Hardy, die noch unter den Namen »Dick und Doof« firmierten.
Meine Eltern hatten einen alten Fernsehschrank, der von ihnen abgeschlossen wurde, damit wir Kinder keine verbotenen Sendungen schauen konnten. Als wenn es damals verbotene Sendungen gegeben hätte! Das Programm fing nachmittags mit der Seniorensendung »Mosaik« an und endete meist vor Mitternacht mit den Spätnachrichten. Dann wurde das sogenannte »Testbild« eingeblendet, begleitet von einem unangenehmen Piepton.
Der Höhepunkt der Woche war Samstags (zu Mettbrötchen mit Fanta), »Raumschiff Enterprise« gefolgt von »Disco« mit Ilja Richter, über dessen Sketche ich damals sogar gelacht habe. Heute erscheint mir das unglaublich, aber wir hatten ja nichts, in der schweren Zeit nach dem (Vietnam-)Krieg.
Meine zweite große Fernseh-Liebe war die blonde Moderatorin Hanni Vanhaiden, die in den 70ern zusammen mit einer Stoffpuppe die Kindersendung »Emm wie Meikel« moderierte. In dieser Zeit kauften meine Eltern ihren ersten Farbfernseher. Das war auch mein Anfang als Hardcore-TV-Junkie. Das Fernsehprogramm jener Jahre wurde von Filmklassikern bestritten, die heutzutage höchstens am Wochenende um zwei Uhr morgens laufen.
Humphrey Bogart, James Cagney, James Stewart – sie alle flimmerten fast täglich zur besten Sendezeit über unseren Bildschirm. In den Dritten Programmen gab es im »Gruselkabinett« alte Horrorstreifen sowie bizarre Komödien mit W.C. Fields und den Marx Brothers – in der Originalfassung. Dazu konnten wir auch das DDR-Fernsehen empfangen, wo neben vieler toller Kindersendungen auch die legendäre »Olsenbande« lief – und natürlich wunderbare tschechoslowakische Animationsfilme nach Jules Verne. Neben soviel Fernsehpracht wirkte die Realität des »Zonenrandgebiets« schon etwas kümmerlich.
»Das Fernsehen macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger«, lautet ein weiser Spruch. In meiner Kindheit konnte man im sogenannten »Telekolleg« nachmittags sogar Fremdsprachen büffeln. Im DDR-Fernsehen lief dann »Wir sprechen russisch« und »Medizin nach Noten«. Als Kind fand man so etwas natürlich vollkommen bescheuert. Aber immer noch besser als der »Kindergottesdienst«, der vormittags im ZDF übertragen wurde. Diese Zeit ist unwiederbringlich vorbei.
Spannend wurde es noch mal, als die ersten Privatsender aufkamen und das gesamte Fernsehprogramm in einer rasanten Talfahrt verflachte. Es war geradezu faszinierend zu beobachten, wie sehr die Öffentlich-Rechtlichen panisch versuchten, allen Trends hinterher zu hecheln, nur um sich schließlich als Seniorensender zu re-etablieren. In dieser Zeit verlor ich zusehends das Interesse.
Das Internet hat das Fernsehen als Leitmedium abgelöst. Das sehe ich auch bei mir. Letzte Woche schaute ich mir zum Beispiel lediglich eine Dokumentation über Johnny Cash an. Die Woche zuvor ein paar Episoden der Kultserie »Nummer 6«. Wahrscheinlich werden mich erst die neuen Folgen von »South Park« wieder vor die Glotze locken. Wie konnte aus mir nur so ein elitärer alter Snob werden? Schuld daran ist wahrscheinlich nur das Fernsehen …
Natürlich interessiere ich mich auch für die Gegenwart, doch oft übt die Vergangenheit eine viel größere Faszination auf mich aus. Gerade in den Wintermonaten, in denen das kalte Wetter geradezu zum Herumstöbern im Internet einlädt. Große Männer wie Groucho Marx, Orson Welles oder John Huston, wo gibt es die noch? Oder welche Frauen können mit Karen Dinesen oder Katherine Hepburn konkurrieren?
Außergewöhnliche Menschen scheint man heutzutage nur in der Vergangenheit anzutreffen. Wir armen Seelen, die unsere traurige Existenz in der Gegenwart fristen, müssen uns mit Dieter Bohlen und Lady Gaga begnügen. Doch wie Humphrey Bogart sagen würde: »Uns bleibt ja immer noch Paris … Hilton.« Hier also wieder einige interessante Fundstücke aus der Vergangenheit.
Rackhams Recken
Der ehemalige Journalist Arthur Rackham war Anfang des 20. Jahrhunderts einer der erfolgreichsten Illustratoren Englands. Die prächtigen Zeichnungen, die er für »Peter Pan«, »Alice im Wunderland« oder den »Sommernachtstraum« schuf, gerieten in späteren Jahren leider in Vergessenheit. Vielen waren sie nicht mehr zeitgemäß genug. Dabei haben Rackhams Zeichnungen etwas geradezu Visionäres. Besonders die Illustrationen, die er 1910 zu Richard Wagners Epos »Der Ring des Nibelungen« zu Papier brachte, zählen mit zum Schönsten, was ich je gesehen habe.
Steinalte Stories
Wer sich für die legendären Marx-Brothers interessiert, findet auf der Seite »Marx Out of Print« steinalte Zeitschriften-Artikel und Interviews mit den Kult-Komikern, die bis ins Jahr 1937 zurückreichen. Darunter das Buch-zum-Film von »Eine Nacht in Casablanca« (1946) und einen interessanten Bericht über Harpos letzten Auftritt. Meist steht allerdings Groucho im Mittelpunkt des Interesses. Einige der Scans sind zwar eine Zumutung, doch einem geschenkten Gaul sollte man nicht ins Maul schauen.
Kommunikativer Komiker
In seinen letzten Lebensjahren traf man Filmkomiker Stan Laurel wohl meist vor seiner elektrischen Schreibmaschine sitzend an. Damals lebte er fast vergessen in einem bescheidenen Apartment in Santa Monica. Nur Jerry Lewis schickte ihm regelmäßig seine aktuellen Drehbücher, damit Stan Verbesserungsvorschläge machen konnte. Allerdings bekam auch jeder andere, der Laurel einen Brief schickte, garantiert eine Antwort. So entstanden tausende von Briefen, die er für Fans und Freunde tippte. Immerhin 927 dieser Dokumente kann man Online lesen. Liebevoll wurden sie vom Webdesigner nachempfunden. Sogar mit dem jeweiligen Briefpapier, das jeweils in einem gesonderten Link abrufbar ist. In seinen Briefen erzählte Laurel Tiefschürfendes, Banales und natürlich viel über seine Zeit mit Oliver Hardy. Für Fans ein Muss.
Seit Weihnachten hocke ich fast jeden Tag mehr als zehn Stunden vor dem Rechner, um die Farben meiner alten Cartoons zu ändern.
Damit die Hirnzellen bei solch stumpfsinniger Tätigkeit nicht vollends absterben, höre ich dabei seit einigen Tagen alte Aufzeichnungen aus der goldenen Zeit des amerikanischen Radios (die 30er und 40er Jahre). Woody Allen hat dieser Ära in seinem Film »Radio Days« ein wunderbares Denkmal gesetzt.
Es ist schon merkwürdig, die Werbung jener Jahre, die Witze über Lebensmittelmarken und die patriotischen Aufrufe zu hören. Gerade während des Zweiten Weltkriegs war das Radio das Medium, das alle miteinander verband. Die Macher jener Sendungen waren damals ebenso bekannt wie Filmstars. Folgerichtig traten viele Filmstars auch im Radio auf, um ihre Popularität zu steigern. Für Wortakrobaten wie Jack Benny, Bob Hope und Groucho Marx war es die ideale Plattform, um sich auszutoben.
Buchadaptionen, Quizshows, Sitcoms und viel Musik natürlich – alles, was man heute im Fernsehen sieht, konnte man auch damals live im Radio erleben. Nur damals waren die Ideen tatsächlich neu. Das Fernsehen war es auch, das jener goldenen Epoche ein Ende bereitete. Schade, denn vieles, was den Radiohörern vor siebzig Jahren geboten wurde, ist weitaus unterhaltsamer, als die monotone Unterhaltungspampe unserer Fernsehsender. Das Fernsehen sei eine »Phantasieprothese« las ich neulich. Ich denke eher, dass es uns alle erst zu »Phantasiekrüppeln« macht.
Der König des Radios war Multitalent Orson Welles. Mit dem legendären Hörspiel »Krieg der Welten« versetzte er ganz Amerika in Angst und Schrecken. Selbst Hitler ging in einer Rede auf dieses Ereignis ein. Bevor Welles nach Hollywood verschwand, um sein Meisterwerk »Citizen Kane« zu drehen, war er Woche für Woche mit seinem »Mercury Theatre On The Air« (später das »Campbell Playhouse«) in den amerikanischen Wohnstuben zu Gast, um klassische Theaterstücke, Filme oder populäre Romane fürs Radio zu adaptieren. Welles’ Bildungsprogramm war dabei alles andere als langweilig, denn er und seine Truppe waren, wenn es sein musste, hemmungslose Schmierenkomödianten, die vor nichts zurückschreckten. Als Gastmoderator der »Jack Benny-Show« konnte Welles hingegen beweisen, dass er auch komisch sein konnte. Im Museum Of Orson Welles findet man etliche Sendungen aus jener Schaffensperiode des Meisters.
Die wortgewaltigste und schillerndste Figur des Radios war zweifelsohne Groucho Marx. Als die Filmkarriere der Brüder Marx in den Vierzigern abebbte, startete der geschäftstüchtige Groucho eine lange Solokarriere als Quizmaster. Allerdings war »You Bet Your Life« keine altbackene Sendung mit dauergrinsendem Moderator, wie wir sie heute kennen. Groucho benutzte seine Gäste eher wie heute Kurt Krömer: als Stichwortgeber – nur viel, viel witziger. Später, als das Fernsehen seinen Siegeszug antrat, wechselte er das Medium und hatte auch dort über viele Jahre immensen Erfolg. Einige seiner komischsten Radiosendungen findet man hier.
Bevor Dean Martin und Jerry Lewis die Leinwand eroberten, konnten sie 1948 ihre Familientauglichkeit in einer (recht formelhaften) Radiosendung perfektionieren. Bis dahin traten sie mit wesentlich zotigerem Material hauptsächlich in Nachtclubs auf. Das Interessanteste an ihren Sendungen waren die illustren Gaststars, die sich Woche für Woche die Klinke in die Hand gaben: Marlene Dietrich, Boris Karloff, Frank Sinatra und Burt Lancaster sind nur einige von ihnen. Wer Jerry Lewis jedoch im Original gehört hat, kann verstehen, dass die Hälfte der Amerikaner ihn am liebsten auf den Mond geschossen hätte. Hier einige Episoden.
Selbst Stan Laurel und Oliver Hardy versuchten sich während ihrer letzten Jahre in Hollywood an einer eigenen Sendung. Doch ihre Popularität in Amerika war damals auf dem Tiefpunkt. So entstand lediglich eine Pilotsendung mit dem Titel »Mr. Slater’s Poultry Market« (1943), in der unsere Freunde mit zwei Profikillern verwechselt werden. Unglücklicherweise ist der Humor dieser Sendung genau so nett und harmlos wie in ihren letzten Filmen. Die Komik von Mr. Laurel und Mr. Hardy ist nun mal zum großen Teil rein visueller Natur und daher fürs Radio nur bedingt geeignet. Trotzdem bleibt es ein nettes Fundstück, das über Jahrzehnte als verschollen galt.
Jetzt, wo alle Strandbars geschlossen haben, nur noch Hardcore-Nikotinjunkies vorm Straßencafé sitzen und selbst Hunde und ihre Rentner ungern vor die Tür gehen, ist es wieder an der Zeit sich beim kuscheligen Schein eines TFT-Monitors in den wohligen Wellen des World Wide Web zu tummeln. Es gibt schlimmere Freizeitbeschäftigungen. Die Alternativen wären: Fernsehen gucken, Rauschgiftsucht oder seine Frau schlagen.
Stan, The Man
»Nichts ist so schön und so rein wie die Liebe eines Jungen zu seinem Hund oder zwischen zwei Oberkellnern«, sagte Woody Allen einst treffend. Fast so schön und rein, wage ich zu behaupten, ist die Liebe zu Stan Laurel und Oliver Hardy. Wer Stan und Ollie nicht mag, kann einfach kein guter Mensch sein. Auf YouTube findet man derzeit »The Last Laugh«, einen wunderbaren Dokumentarfilm mit seltenen Aufnahmen und Filmausschnitten über Stan Laurel, der 1991 im Auftrag des BBC entstanden ist.
Die Falten der Filmstars
Das Schöne am Internet: An jeder Ecke findet man tolle Blogs, in denen Filmfreaks mit ihrem (unnützen) Wissen glänzen und Einblicke in ihre Sammlungen gewähren. Ein Paradebeispiel ist die Seite greenbriarpictureshows, die neben vielen sensationellen Fotos, Anzeigen und Plakaten mit Insiderinformationen aufwarten kann, die jeden Filminteressierten zum Staunen bringen. Wer hat zum Beispiel schon mal Studioaufnahmen von Audrey Hepburn gesehen, die mit Anweisungen für die Retusche versehen sind?
Klingonisch für Anfänger
Das endlose Blättern im Taschenwörterbuch »Klingonisch – Deutsch« hat nun ein Ende: Keyboard-Hersteller Cherry hat vor kurzem eine Tastatur für waschechte Klingonen auf den Markt gebracht! Die 26 Tasten entsprechen Schriftzeichen des klingonischen Alphabets »pIqaD« (ein echter Zungenbrecher). Vor allem Star-Trek-Fans, die jenseits der 30 ihr Leben bei Mama und Papa im Kinderzimmer fristen, wird es freuen – denn sollte die Nachfrage den Erwartungen entsprechen, verspricht Cherry eine Tastatur auf vulkanisch! So hat das Leben endlich wieder einen Sinn.
The Dark Super-Knight
Früher fanden die Leute es schon seltsam, wenn der Dramatiker und Karl May-Fan Carl Zuckmayer (»Des Teufels General«) seiner Tochter den ungewöhnlichen Namen »Maria Winnetou« gab. Wie sich die Zeiten geändert haben. Zumindest in Singapur. Dort verpassten kreative Eltern ihrem Sprößling den Namen »Batman Bin Suparman«. Ein echtes Heldensandwich.
Seltsamerweise neige ich dazu, meine Vergangenheit in Pappkartons zu verstauen. Neulich, als ich versuchte ein bestimmtes Schriftstück zu finden, musste ich mich daher erst durch diverse Kartons wühlen, bis ich ans Zielobjekt gelangte.
Sentimental wie ich bin, hebe ich selbst alte Eintrittskarten auf, wenn der Abend eine besondere Bedeutung hatte. Urlaubskarten, Briefe, kleine Geschenke, die heute keine Bedeutung mehr haben – all dies landet früher oder später in meinem Keller. So wurde meine Suche auch zu einer Reise in die Vergangenheit.
In meinen diversen Kartons befinden sich aber hauptsächlich alte Zeichnungen, Bücher, Comichefte und Videokassetten. Berge davon.
Besonders die Videokassetten sind eine echte Last. Hoffentlich bricht niemand meinen Keller auf, denn ich würde mich schon etwas schämen, wenn ein Einbrecher mitbekommen würde, welche Schrottfilme ich in jüngeren Jahren gesammelt habe. Meine einzige Hoffnung ist es, sehr bald senil zu werden. Dann gefällt mir »Batman Returns« vielleicht mal wieder.
Meine einst wohlgehüteten Kopien diverser Kinohits Spielbergscher Prägung fristen seit etlichen Jahren in muffigen Kisten ihr Dasein. Da werden sie wohl auch bleiben.
Die Filme, die mir heute wirklich am Herzen liegen, haben bequem im Fach eines Bücherregals Platz. Meist sind es obskure Streifen, die nur sehr selten im Fernsehen laufen und von denen keine DVD existiert. Die 5000 Finger des Dr. T. ist so ein Kandidat.
Unverzichtbar sind auch die gesammelten Werke von Laurel & Hardy, die sozusagen meine »Hausapotheke« bilden. Wenn ich mal schlechte Laune habe, muss ich mir nur einen Kurzfilm des Duos anschauen. Na und? Andere treten ihre Katze.
Manche Filme hebe ich auch wegen einer einzigen Szene auf, wie zum Beispiel Schießen Sie auf den Pianisten von François Truffaut. Ein Gangster sagt dort im Auto zu einem Jungen: »Wenn das gelogen ist, soll meine Mutter der Schlag treffen!« Schnitt. Nächstes Bild: Eine alte Frau fasst sich ans Herz und fällt tot um.
So ein Streifen sollte doch in keinem gebildeten Haushalt fehlen, oder? Ein anderer Film ist Ein glückliches Jahr mit Lino Ventura. Statt seine hübsche Partnerin zu küssen, sagt Ventura am Schluss nur bitter: »Der Kaffee wird kalt« und ringt sich dann trotzdem für Sekundenbruchteile ein Lächeln ab. Doch dieses kurze Lächeln macht den Schluss zum Happy End. Allein aus diesem Grund hat der Film einen Ehrenplatz in meiner kleinen Sammlung verdient.
Höchst subjektiv meine Auswahl, nicht? Vielleicht landen die gerade erwähnten Filme eines Tages ebenfalls in meinem Keller. In einem Pappkarton mit der Aufschrift »Vergangenheit«. Ist ja auch gar nicht so schlecht, wenn man Vergangenes in den Keller packt, damit Platz für Neues da ist. Aber was fasele ich hier so lange: Der Kaffee wird kalt.
Leider bin ich ein Kulturbanause, denn mein ganz persönlicher Lieblingskomiker war früher Didi Hallervorden. Immer, wenn eine seiner Sendungen lief, wurden am nächsten Tag die Sketche von uns auf dem Schulhof nachgespielt. »Ich hätte gerne eine Flasche Pommes Frittes!« war so ein Hallervorden-Satz, der sich auf ewig in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Noch heute werde ich gelb vor Neid, wenn jemand die berühmte Didi-Lache (Höhöhöh!) nachahmen kann.
Als echtes Kind der »Generation AfriCola« fand ich natürlich auch Otto, Loriot, Insterburg & Co. und Ilja Richter komisch. Es gab ja sonst nichts, in der harten Zeit nach dem Krieg (in Vietnam).
Stan und Ollie waren übrigens die allerersten Komiker, die ich als Kind auf der heimischen Mattscheibe entdeckte. Damals brauchte man noch zwei Leute, um »Dick und Doof« zu sein. Der Film, in dem die beiden ein Klavier transportieren, war sozusagen ein Schlüsselerlebnis für mich. Seltsamerweise gefällt mir heute Oliver Hardy wesentlich besser als Stan Laurel. Als Kind war es genau umgekehrt. Viele Frauen mögen diese Beiden gar nicht. Komisch, nicht?
Das Tolle an Nonstop Nonsens war, dass Hallervorden neben seinen Sketchen absoluten Slapstick im Stil alter Stummfilmklamotten bot. So etwas machten sonst nur die Briten. Außerdem waren einige der Sketche wirklich hervorragend geschrieben. Ich denke da nur an Die Kuh Elsa.
Didis Komik konnte extrem manisch sein. Schließlich gab er ja im »Millionenspiel« einen Killer und einen entsprungenen Irren in Der Springteufel. Aber das war am Anfang seiner Karriere. Leider hat er später nie wieder etwas in dieser Art gemacht. Hallervorden wäre ideal für die Hauptrolle in Kubricks Shining gewesen.
Auch seine Garderobe war außergewöhnlich. Seltsame kleine Hüte. Riesige Krawatten und pomadige Frisuren. Er war schon ziemlich schräg für damalige Verhältnisse, der Didi. Doch ich fieberte als Kind jeder neuen Folge von »Nonstop Nonsens« entgegen. Und singen konnte er auch noch! »Ich bin der schönste Mann in meiner Mietskaserne« hieß sein erster Hit. Ich kenne noch heute jede Textzeile.
Eines Tages hörte Didi mit »Nonstop Nonsens« auf und drehte eine Reihe halbgarer Komödien. Er wollte endlich ernst genommen werden. Schade. Aber das passiert den Besten von uns.
Übrigens: Leider kann man bei solchen Angelegenheiten nicht viel auf mein Wort geben. Auch ich hatte etliche Geschmacksverirrungen zu verzeichnen. Nehmen wir nur den bereits erwähnten Ilja Richter. Es gab eine Zeit, in der ich seine Parodien unheimlich witzig fand. Bei seiner Sendung Disco freute ich mich hauptsächlich auf seine Sketche. Die Musik fand ich total langweilig! Dazu kann ich heute nur wie Fritz Kortner sagen: »Ich habe sehr gelacht, aber unter meinem Niveau.«
Später, als ich älter wurde, entdeckte ich Woody Allen und lachte nur noch auf hohem Niveau. So viel Spaß wie mit Didi habe ich später jedoch nie wieder gehabt.
Was wären manche Schauspieler ohne ihre Synchronsprecher? Im Fall von Stan Laurel erzählte mir mal jemand, dass der Hollywoodstar vor Freude geweint haben soll, als er sich bei einem Besuch in Deutschland zum ersten Mal mit der Stimme von Walter Bluhm sprechen hörte. Wer erinnert sich nicht? Bluhm machte »Kniechen, Näschen, Öhrchen« und viele andere Klassiker auch aural zu einem Genuss, und keiner konnte so schön flennen wie er.
Besonders cool hingegen klingt Manfred Lehmann, der Bruce Willis seine Stimme leiht und der im Werbefernsehen immer 20 Prozent auf alles gibt. Außer auf Tiernahrung. Mit so einem Sound beim Sprechen hält Dich jeder für einen Profikiller.
Man muss sich nur mal vorstellen, wie Lehmann ganz alltäglich in einem Taxi sitzt und kurz Anweisung gibt, wohin er chauffiert werden möchte. Einfach nur nach Hause oder in ein bestimmtes Restaurant. Spielt keine Rolle. Der arme Taxifahrer muss sich fühlen, als würde er gerade bei einem Auftragsmord handlangen.
Die markantesten Stimmen werden immer wieder gern als Sprecher für Dokumentationen gebucht. Am häufigsten wahrscheinlich Otto Sander und Christian Brückner, und das sind auch meine zwei Lieblinge. An beiden kann ich mich einfach nicht satthören. Wenn Sander oder Brückner reden, ist es völlig egal, welche laufenden Bilder sie gerade kommentieren oder erklären. Ob es sich um die Frauenbewegung in Nordfriesland zwischen 1951 und 1964 dreht, oder um einen Furz von Kaiser Karl V. und seine Auswirkung auf das Spätmittelalter. Wenn Sander und Brückner erzählen, wird’s spannend.
Ich komme darauf zu sprechen, weil ich heute morgen einen Blick in das neueste Merkheft von Zweitausendeins geworfen habe. Dort verweist Till Tolkemitt im Vorwort auf Filmaufnahmen, die während der Leipziger Buchmesse 2007 erstellt worden sind. Sie können auf der Website von Zweitausendeins angeschaut werden und zeigen u. a. Christian Brückner, der aus den Werken von Raymond Carver (»Gorki unterm Aschenbecher«) und Herman Melville (»Moby Dick«) liest. Einfach toll, Robert de Niro … äh, ich meine Christian Brückner mal nicht nur reden zu hören, sondern auch lesen zu sehen.
Dennoch geht der Ausschnitt vornehmlich in die Ohren. Man lausche nur dem Beitrag »Mein Boot«, den Brückner mit einem dreckigen »Hähähä« beschließt. Allein dafür lohnt es sich, den Film im Internet aufzurufen. Hähähä.

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