Sprechblasensommer

Weyershausen am 5. September 2011 in Screenshot

Sprechblasensommer»Captain America«, »Green Lantern«, »Thor«, »X-Men« und natürlich »Die Schlümpfe«. So viele Comichelden sah man in einem Kinosommer noch nie. Und das ist noch lange nicht das Ende. Der nächste »Asterix«, das »Marsupilami«, »Batman III« und ganz neue Versionen von »Superman« und »Spider-Man« befinden sich bereits in der Warteschleife. Warum auch nicht? Computertechnologie und 3D-Optik lassen die gezeichneten Helden auf der Leinwand weit eindrucksvoller aussehen als auf dem schnöden Papier.

Überhaupt ist die Optik das Wichtigste bei solchen Filmen. Ein gutes Beispiel für die Superheldenschwemme im Kino ist »Superman Returns« (2006), der trotz eines Budgets von rund 200 Millionen Dollar den ohnehin flügellahmen Plot seines großen Bruders aus dem Jahre 1978 auftragen musste. Die Fans schien das nicht zu kratzen. Auch viele Kritiker sind offenbar von den bombastischen Bildern und den hämmernden Soundtracks jener Verfilmungen geblendet. So wurde der misanthropische »Dark Knight« (2008) zum Beispiel gar zum Kunstwerk hochstilisiert. Da kommen Erinnerungen an Tim Burtons »Batman« hoch, der vor drei Jahrzehnten als »Citizen Kane« der Comicverfilmungen gepriesen wurde. Heute hingegen wirkt der Film ähnlich anachronistisch wie die »Batman«-Fernsehserie aus den Sechzigern.

Die meisten der neuen Comicverfilmungen kommen dank Düster-Optik bedeutungsschwanger daher. Im Wahrheit haben sie jedoch die inhaltliche Substanz einer Seifenblase. Natürlich ist das nicht schlimm. Die Zielgruppe waren von jeher stets Teenager, die in erster Linie zum Popcorn futtern ins Kino gehen oder alternde Comicfans, die ihrer verlorenen Jugend nachtrauern. Dabei bieten die meisten Comicverfilmungen nur dürftige Geschichten, die sich notdürftig von einem Special Effect zum nächsten hangeln. Fehlende Logik wird von digitalen Schauwerten überdeckt. Ausnahmen wie »Spider-Man II« bestätigen hier die Regel.

Doch leider sind die Superhelden auch gedruckt schon lange nicht mehr das, was sie einmal waren. Eine neue Generation von Comic-Machern lässt uns selbst am Sexualleben unserer Kindheitshelden teilhaben. Diese vermeintlich “anspruchsvollen” Erzeugnisse sind beim näheren Hinsehen lediglich prätentiös und pseudointellektuell. Inzest, Kannibalismus und S/M ist für die Verlage Marvel und DC kein Tabu mehr. Trotzdem (oder gerade deswegen?) befinden sich die Auflagen seit Jahren im freien Fall. Das heutige Publikum besteht verwiegend aus Männern ab 30, die mit Händen und Füßen am Lesestoff ihrer Kindheit festklammern. Ohne die Filme gäbe es die beiden Verlage wohl längst nicht mehr. Jugendliche lesen lieber Mangas. Wer kann es ihnen verdenken?

Die Comicverfilmungen sind nur eine weiteres Beispiel für die kontinuierliche Infantilisierung des Massengeschmacks, den man bis zu »Star Wars« zurückverfolgen kann. Die Sehnsucht nach der eigenen Kindheit war nie so groß wie heute. Vielleicht ist das ein Grund, wieso solche Filme den Markt dominieren. Der kommende Sommer scheint in dieser Hinsicht geradezu rekordverdächtig zu sein. Freuen wir uns also auf die nächste Neuauflage einer alten Fernsehserie, auf das nächste Remake eines Oldies, das ebenso überflüssig ist wie das Original. Und um Himmels willen das Popcorn nicht vergessen!

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Neues vom Straßenrand der Datenautobahn 7

Weyershausen am 2. November 2009 in Netzball

datenautobahnEigentlich wollte ich letzte Woche mit meiner patentierten Dr. Frankenstein-Zombie-Maske das Nachtleben unsicher machen. Schließlich war Halloween. Doch dann beschloss meine ungehorsame Nase impertinenterweise, ihren Geist aufzugeben. Stattdessen hockte ich am Wochenende mit Taschentüchern und etlichen Litern Tee sowie mit meinem Laptop bewaffnet auf dem Sofa. Was ich dort alles entdeckte, kann man in den folgenden Zeilen nachlesen.

Dürftige Darsteller

Die meisten von uns kennen Ed Wood aus dem gleichnamigen Film von Tim Burton. Wood gilt allgemein als schlechtester Regisseur aller Zeiten. »Glen or Glenda«, »Bride of the Monster« und sein bekanntestes Machwerk »Plan 9 from Outer Space« dürfen in keiner Trash-Sammlung fehlen. Genau so trashig wie Eds Filme waren auch die Darsteller, die in ihnen auftraten. Die TV-Moderatorin Vampira, der ehemalige Catcher Tor Johnson und der Wahrsager Crisswell sind heute Kultfiguren. So schaurig schön waren sie, dass man ihnen vor einigen Jahren eine Sammelkarten-Serie gewidmet hat. Illustriert hat sie der geniale Zeichner Drew Friedman, der selbst bekennender Fan des woodschen Œuvres ist. Noch mehr über Wood findet man hier.

Fern-Ostalgie

Während amerikanische, französische und deutsche Filmplakate vergangener Jahre fast alle aussahen wie die Titelbilder billiger Groschenromane, hatten sowjetische Filmplakate echte Klasse. Grafisch – vor allem typografisch innovativ und ihrer Zeit weit voraus – zeigten sie beeindruckend auf, dass die Plakate manchmal größere Kunstwerke waren als die Filme, die mit ihnen beworben wurden. Hier eine kleine Auswahl.

Diese Altneunundsechziger!

Vor vierzig Jahren, als Sozialpädagogen die Welt beherrschten, alles bei Käse und Rotwein (und zum Klang einer Wandergitarre) ausdiskutiert wurde und »Humor« in Deutschland oft mit »Tumor« verwechselt wurde, gab es eine Filmzeitschrift, die den treffenden Namen FILM trug. Das klang logisch. Wer wissen möchte, wie in jener Zeit Zeitschriften gemacht wurden, sollte unbedingt einen Blick auf diese Seiten werfen. Humor ist vergänglich, sagte der große René Goscinny einmal. Unfreiwilliger Humor wird dagegen mit den Jahren immer schöner!

Bob, der Klauberger

Als ich neulich zum ersten Mal Nat King Coles Edelschnulze »Red Sails in the Sunset« hörte, wurde ich stutzig. Hatte ich diese Melodie nicht schon mal irgendwo gehört? Ein Griff in meine CD-Kiste brachte Klarheit. Tatsächlich, die Melodie ist nahezu identisch mit dem Stück »Beyond the Horizon« von Bob Dylan, welches man auf seiner hochgelobten CD »Modern Times« findet. Ein dreistes Plagiat, eine Hommage, oder war »his Bobness« einfach nur bekifft? Werden wir es je erfahren? Ich find’s jedenfalls witzig!