Als Kind hätte ich gern einmal den Großen der Comicwelt über die Schulter geschaut. Doch damals gab es im Fernsehen nur den Schnellzeichner Oskar (Hans Bierbrauer), der in der Quizsendung »Dalli Dalli« die Gewinner aus dem Publikum skizzierte.
Zum Glück gibt es jedoch Stan Lee, der in seiner Sendung »Comic Book Greats« berühmte Zeichner ins Studio holte, um mit ihnen vor klapprigen Kulissen über die Besonderheiten ihres Metiers zu plaudern. Die ab 1992 für den Videomarkt heruntergekurbelten Shows sind zwar lausig produziert, aber ‘nem geschenkten Gaul sollte man nicht ins Maul schauen.
Sergio Aragones
Der bekannte MAD-Zeichner und Erfinder der Figur »Groo, the Wanderer« Sergio Aragones gilt allgemein als schnellster Zeichner der Branche. Lange Jahre kritzelte er für MAD die winzigen Cartoons, die sich an den Seitenrändern entlang durch das ganze Heft zogen. Bekannt sind auch seine »Wimmelbilder«, prall gefüllt mit unzähligen Gags und Details. Dazu ist Aragones der einzige Cartoonist, der nebenbei eine Karriere als Kleindarsteller in diversen Filmen aufweisen kann.
John Romita und John Romita jr.
Obwohl »Spider-Man« von Stan Lee und dem Zeichner Steve Ditko ersonnen wurde, hat erst sein geistiger »Stiefvater« John Romita dafür gesorgt, dass »Spidey« selbst Superman an Popularität überflügelte. Romita hat über zwei Jahrzehnte den Look dieser Figur geprägt. Heute zeichnet sein Sohn John jr. den Superhelden. Hier kann man den Junior noch in einen schicken roten Pulli nebst gruseliger 80er Jahre Frisur sehen – und sich dabei freuen, dass diese Zeiten vorbei sind.
Will Eisner
»So würde ich später gern auch mal sein – nur mit mehr Haaren«, dachte ich mir, nachdem ich – etwa 1991 – Will Eisner traf. Wenn es unter den amerikanischen Comicmachern eine Legende gibt, trägt sie den Namen Eisner. In seiner Jugend erfand er die Figur »The Spirit«, die erst vor ein paar Jahren verfilmt wurde (nur leider unterirdisch schlecht). Diese Serie machte ihn zum »Orson Welles der Comics«. 36 Jahre später schuf er mit »Ein Vertrag mit Gott« die erste amerikanische »Graphic Novel«. Wem das nicht reicht: Ein anderer Film zeigt, wie virtuos Mr. Eisner mit dem Pinsel umgehen konnte.
Harvey Kurtzman und Jack Davis
Harvey Kurzman war nicht nur der Erfinder der Comiczeitschrift MAD, sondern auch ein genialer Zeichner. Hier ist er leider schon schwer von den Folgen der Parkinson-Krankheit gezeichnet, die ihn ein Jahr später dahinraffen würde – ohne einen Penny in der Tasche, wie es sich für ein echtes Genie gehört. Mit im Studio: MAD-Zeichner Jack Davis, der am Zeichenbrett zeigt, wieso er zu den besten Karikaturisten der Welt zählt.
Bob Kane
Der größte Kotzbrocken der Comic-Geschichte war vermutlich Bob Kane, der Erfinder von »Batman«. Leider war dies auch die einzige Großtat Kanes, der sein Leben lang auf die Hilfe von Assistenten und Autoren angewiesen war, deren Existenz er der Öffentlichkeit aber gern verschwieg. Wie es tatsächlich um die Zeichenkünste des sonnengegerbten Selbstdarstellers bestellt war, kann man hier sehen.
Unglaublich: Nach nur einer Woche haben über 200 Personen das 111 Gründe-Video angesehen. Wie sagte Karl Moik so schön: »Ich frrrrreu mich!«.
Wenn jetzt noch jeder das Buch kauft, würde ich mich sogar noch mehr freuen. Wahrscheinlich werde ich in naher Zukunft ein weiteres Video online stellen. Ein paar Ideen hab ich schon.
Jetzt, wo ich selbst sozusagen unter die Filmschaffenden gegangen bin, hat mich das Filmfieber voll im Griff. Deshalb gibt es diese Woche einen kompletten Kinoabend. Natürlich mit Vorfilm.
Bevor Cartoonist Jules Feiffer Pulitzer-Preise einheimste, Bühnenstücke, Romane und Filme schrieb, verdingte er sich als Assistent und Ghostwriter des legendären Will Eisner. Irgendwo dazwischen entstand ein hübscher kleiner Kurzfilm mit dem Titel »Munro« (1960), der heute leider fast vergessen ist.
»Rushmore« (1999), der zweite abendfüllende Spielfilm von Wes Anderson beinhaltet schon alles, was auch seine späteren Werke auszeichnet: Schrullige Charaktere, ein Hauch von Melancholie, ein toller Soundtrack und ein akribischer Sinn für Details.
Max Fisher, Schüler an der Elite-Highschool Rushmore ist verliebt in die Lehrerin Ms. Cross. Nur dummerweise kommt ihm dabei sein väterlicher Freund Mr. Blume in die Quere, der sich ebenfalls in die hübsche Pädagogin verguckt. Zwischen den ungleichen Rivalen entbrennt ein tragikomischer Kampf um das Herz ihrer Angebeteten.
Mit »Rushmore« startete Bill Murray seine Karriere als »seriöser« Schauspieler. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme, nur hierzulande nahezu unbekannt.
Seltsamerweise scheinen viele Leute zu denken, ich verbringe meine gesamte Freizeit vorm Computer, um die Links, die ich hier in regelmäßigen Abständen präsentiere, aufzutreiben. Keine Angst: In Wahrheit sind es nur wenige Seiten, die ich regelmäßig besuche, um interessante Dinge zu entdecken. Und das dauert meist nur eine Kaffeetassenlänge.
Was mich interessiert? Natürlich das Abseitige, das Schräge und das fast Vergessene. Kuriose Radiohörspiele, Musik jenseits der Charts, ungewöhnliche Bücher, seltene Filmdokumente und alte Comics. Hier sind wieder ein paar Beispiele:
Prollige Plakate
Obwohl die Streifen, die mit ihnen beworben wurden, niemals meine Augäpfel besudeln werden, liebe ich alte C-Film-Plakate. Lächerliche Aliens, abgehalfterte Stars und natürlich jede Menge lasterhafter Frauenzimmer – all das findet man auf der »Wrong Side Of The Art«, eine Sammlung der »schlimmsten« Filmplakate aller Zeiten. Nur dort reichen sich Trash, billiger Sex und unfreiwillige Komik die Hand. Wer über einen starken Magen und den entsprechenden schlechten Geschmack verfügt, kommt hier garantiert auf seine Kosten.
Clevere Comicer
Wer wissen möchte, was die Comic-Legenden Stan Lee, Jack Kirby, Will Eisner und Jim Steranko 1975 auf der »San Diego Comic Convention« zu sagen hatten, sollte hier reinhören. Wie immer war ein findiger Fan an Ort und Stelle, um die Weisheiten der Comic-Gurus für die Nachwelt festzuhalten. Auch der Schriftsteller Ray Bradbury war in jenem güldenen Jahr vor Ort, um über seine Liebe zu den bunten Bildern zu schwadronieren. Die Freunde des Groben können hingegen den Worten des damals blutjungen Karate-Holzhackers Chuck Norris lauschen. Allerdings sollte man nicht zu viel erwarten. Die Gespräche jener Herrschaften haben leider nur die Tiefe einer handelsüblichen Sperrholzplatte.
Flennende Filmemacher
Einer der größten Unfälle der Filmgeschichte, war der nie aufgeführte Streifen »Der Tag, an dem der Clown weinte« von und mit Jerry Lewis, in dem der Komiker einen erfolglosen Clown spielt, der im KZ landet, um dort seine wahre Berufung zu entdecken. Der 1972 gedrehte Film landete aufgrund von Rechtstreitigkeiten im Giftschrank. So blieb die erste KZ-Komödie Roberto Begnini vorbehalten. Die Wenigen, die einen Rohschnitt gesehen haben, halten ihn für eine der größten Geschmacklosigkeiten aller Zeiten. Jerry dagegen erhoffte sich damit ein Comeback. Die einzige Kopie befindet sich heute im Tresor von Mr. Lewis. Neugierige, die mehr über diesen berüchtigten Film erfahren wollen, sollten hier reinschauen.
Sensationelle Seiten
Die Mutter aller Unterhaltungsblätter war die amerikanische Wochenzeitschrift LIFE. Wer dort auf dem Titelbild erschien, hatte es im Showbusiness geschafft. »Stern«, »Bunte« und »Quick« versuchten im Nachkriegsdeutschland mehr oder weniger erfolgreich, das Konzept zu kopieren. Vier Jahrzehnte versorgte die Zeitschrift ihre Leserschaft mit erstklassig geschriebenen Reportagen, sensationellen Fotos und ganz viel Klatsch: Von den (damals) aktuellen Filmen der Marx-Brothers, dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu Marilyn Monroe und der Mondlandung. Im Internet kann man nun kostenlos das komplette Archiv des legendären Magazins nutzen – inklusive Suchfunktion. Wer Zeitgeschichte hautnah erleben oder einfach nur schmökern möchte, ist hier goldrichtig.
Nun ist es amtlich: Am 12. Oktober um 15:00 Uhr signiere ich auf der Frankfurter Buchmesse am Lappan Stand. Wer also einen Blick auf meinen fortschreitenden Haarausfall werfen oder gar eine Zeichnung mit Widmung haben möchte, sollte schon mal sein Ticket reservieren.
Signierstunden geben ist übrigens auch eine Kunst, die nur wenige Zeichner beherrschen. Wir sind nun mal ein schüchternes Völkchen.
Der erste Zeichner, den ich beim Signieren beobachtete, war Will Eisner, der 1989 Deutschland besuchte. Der damals zweiundsiebzigjährige Altmeister hatte für jeden Fan ein Lächeln und einen Scherz auf Lager. Ich war beeindruckt, wie souverän der Mann mit seinen Mitmenschen umging.
Im gleichen Jahr hatte ich selbst meine allererste Signierstunde in Köln. Während Eisner stets den Blickkontakt suchte, starrte ich die ganze Zeit verschüchtert auf meine Füße und betete, dass die Zeit schnell vergehen möge. Einsames Highlight: Ein etwas angesäuselter Besucher legte seinen Arm um mich und lallte: »Alter, ich find Deine Sachen gut. Komm, ich geb einen aus!«
Tja, SO sahen also meine Fans aus.
Erst später fand ich heraus, dass einige Cartoonisten ihren Fans wahre Kunstwerke in die Bücher zeichnen. Das konnte ich damals schlecht wissen, da ich früher nie zu Signierstunden ging. Später sah ich einen Zeichner, der sogar seinen Aquarellkasten mitgebracht hatte, um seine Skizzen einzufärben. Ich dagegen nahm meist nur einen Kugelschreiber mit!
Ich kenne Cartoonisten, die derart introvertiert sind, dass sie erst ein paar Gläser trinken müssen, um eine Signierstunde zu überstehen. Kann ich verstehen: Es ist einfach ungewohnt, wenn die Leute einem beim Zeichnen über die Schulter schauen.
Der Kanadier Dave Sim empfiehlt allen signierenden Künstlern folgenden Ablaufplan:
1. Augenkontakt.
2. Ein fester Händedruck (Sim ist sogar so höflich und steht dabei auf).
3. Ein kurzes Gespräch.
4. Ein Dankeschön.
Klingt wie der Albtraum eines Sozialphobikers. Muss das Leben eigentlich so schwierig sein?
Mein bislang letztes Signier-Erlebnis hatte ich mit Morris, dem verstorbenen Vater des Lonesome Cowboys Lucky Luke. Der legendäre Zeichner war damals zu Gast im Hannoveraner Wilhelm Busch-Museum. Während sich viele Gäste vom Meister ihre Bücher signieren ließen, kämpfte ich mit mir selbst. Soll ich? Nachdem der letzte Fan abgefertigt war, eilte ich schließlich doch zu Morris, um mir meine Einladung beschriften zu lassen. Der »Fanboy« in mir hatte in letzter Sekunde gesiegt.
Wenn ich heute auf dieses Autogramm schaue, lässt mich der Anblick recht kalt. Ich finde Morris zwar genial, habe aber nie einen Bezug zu seinen Zeichnungen gehabt. Das gleiche gilt für Albert Uderzo, der mir mal einen Asterix signiert hat. Schade. Ich bin wohl einfach kein Autogrammsammler.
Auf der anderen Seite besitze ich eine signierte Ausgabe von Bernd Pfarr, die mir sehr viel bedeutet. Ebenso ein signiertes Alex-Toth-Buch. Ein anderer Schatz ist ein Strizz-Band, in den mir Volker Reiche eine nette Widmung geschrieben hat. Diese drei Zeichner haben mich sehr geprägt – was wohl das entscheidende Element ist.
Zumindest werde ich in diesem Jahr nicht allein sein. Neben mir am Lappan-Stand wird auch mein Kollege Harm Bengen sitzen, der mit Signierstunden wesentlich mehr Erfahrung hat als ich. Ich bin gespannt.
Mal sehen, ob ich mir sein neues Buch von ihm signieren lasse …

Packt das Popcorn aus und macht es Euch bequem, liebe Freunde. Heute ist Kino angesagt. Wer sich für Comics interessiert und sich immer gefragt hat, was für komische Käuze freiwillig ihr ganzes Leben gebeugt über einen wackligen Zeichentisch verbringen, dem wird gleich geholfen. Zwar gab es schon immer Berichte über Cartoonisten, doch seriöse Dokumentationen werden erst seit wenigen Jahren gedreht.
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