Nun ist es amtlich: Am 12. Oktober um 15:00 Uhr signiere ich auf der Frankfurter Buchmesse am Lappan Stand. Wer also einen Blick auf meinen fortschreitenden Haarausfall werfen oder gar eine Zeichnung mit Widmung haben möchte, sollte schon mal sein Ticket reservieren.
Signierstunden geben ist übrigens auch eine Kunst, die nur wenige Zeichner beherrschen. Wir sind nun mal ein schüchternes Völkchen.
Der erste Zeichner, den ich beim Signieren beobachtete, war Will Eisner, der 1989 Deutschland besuchte. Der damals zweiundsiebzigjährige Altmeister hatte für jeden Fan ein Lächeln und einen Scherz auf Lager. Ich war beeindruckt, wie souverän der Mann mit seinen Mitmenschen umging.
Im gleichen Jahr hatte ich selbst meine allererste Signierstunde in Köln. Während Eisner stets den Blickkontakt suchte, starrte ich die ganze Zeit verschüchtert auf meine Füße und betete, dass die Zeit schnell vergehen möge. Einsames Highlight: Ein etwas angesäuselter Besucher legte seinen Arm um mich und lallte: »Alter, ich find Deine Sachen gut. Komm, ich geb einen aus!«
Tja, SO sahen also meine Fans aus.
Erst später fand ich heraus, dass einige Cartoonisten ihren Fans wahre Kunstwerke in die Bücher zeichnen. Das konnte ich damals schlecht wissen, da ich früher nie zu Signierstunden ging. Später sah ich einen Zeichner, der sogar seinen Aquarellkasten mitgebracht hatte, um seine Skizzen einzufärben. Ich dagegen nahm meist nur einen Kugelschreiber mit!
Ich kenne Cartoonisten, die derart introvertiert sind, dass sie erst ein paar Gläser trinken müssen, um eine Signierstunde zu überstehen. Kann ich verstehen: Es ist einfach ungewohnt, wenn die Leute einem beim Zeichnen über die Schulter schauen.
Der Kanadier Dave Sim empfiehlt allen signierenden Künstlern folgenden Ablaufplan:
1. Augenkontakt.
2. Ein fester Händedruck (Sim ist sogar so höflich und steht dabei auf).
3. Ein kurzes Gespräch.
4. Ein Dankeschön.
Klingt wie der Albtraum eines Sozialphobikers. Muss das Leben eigentlich so schwierig sein?
Mein bislang letztes Signier-Erlebnis hatte ich mit Morris, dem verstorbenen Vater des Lonesome Cowboys Lucky Luke. Der legendäre Zeichner war damals zu Gast im Hannoveraner Wilhelm Busch-Museum. Während sich viele Gäste vom Meister ihre Bücher signieren ließen, kämpfte ich mit mir selbst. Soll ich? Nachdem der letzte Fan abgefertigt war, eilte ich schließlich doch zu Morris, um mir meine Einladung beschriften zu lassen. Der »Fanboy« in mir hatte in letzter Sekunde gesiegt.
Wenn ich heute auf dieses Autogramm schaue, lässt mich der Anblick recht kalt. Ich finde Morris zwar genial, habe aber nie einen Bezug zu seinen Zeichnungen gehabt. Das gleiche gilt für Albert Uderzo, der mir mal einen Asterix signiert hat. Schade. Ich bin wohl einfach kein Autogrammsammler.
Auf der anderen Seite besitze ich eine signierte Ausgabe von Bernd Pfarr, die mir sehr viel bedeutet. Ebenso ein signiertes Alex-Toth-Buch. Ein anderer Schatz ist ein Strizz-Band, in den mir Volker Reiche eine nette Widmung geschrieben hat. Diese drei Zeichner haben mich sehr geprägt – was wohl das entscheidende Element ist.
Zumindest werde ich in diesem Jahr nicht allein sein. Neben mir am Lappan-Stand wird auch mein Kollege Harm Bengen sitzen, der mit Signierstunden wesentlich mehr Erfahrung hat als ich. Ich bin gespannt.
Mal sehen, ob ich mir sein neues Buch von ihm signieren lasse …
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