Aus, der Klaus!

Weyershausen am 11. Februar 2013 in Befindlichkeiten

ausderklausAch, war das schön: Viele Jahre konnte ich unbeschwert die Musik von »The Who« genießen. Bis zu jenem Tag im Jahre 2003, an dem Pete Townshend wegen Verdachts der Kinderpornografie festgenommen wurde. Er hatte sich per Kreditkarte auf einer kriminellen Website eingeloggt.

»Ich habe das bloß gemacht, um zu sehen, was es dort gab«, stellte er später klar. »Wenn Sie gegen Pädophilie kämpfen, müssen Sie wissen, wie es da draußen aussieht.«

Dazu fällt mir eine Stelle aus dem Film »Eine Leiche zum Dessert« ein, in der Privatschnüffler Sam Diamond von seiner Sekretärin Tess bezichtigt wird, eine Schwulenbar besucht zu haben.

»Ich habe damals für einen Fall recherchiert«, verteidigt er sich.

»Jede Nacht, für sechs Monate?«

Im Falle Townshends war die Anklage schnell vom Tisch. Alle Fakten sprachen für seine Unschuld. Er kam mit einer Verwarnung davon. Doch trotzdem war mein Verhältnis zu seiner Musik nie wieder dasselbe. »Du musst mehr Vertrauen in die Menschen haben«, heisst es am Ende von Woody Allens Filmklassiker »Manhattan«. Hatte ich auch. Früher einmal. Doch seit 1992 war selbst mein Vertrauen in kurzsichtige Stadtneurotiker etwas angegriffen.

Bleiben wir also lieber bei den etwas weniger neurotischen Lichtgestalten wie Arnold Schwarzenegger, Lance Armstrong oder Karl-Theodor zu Guttenberg – sie alle standen für Integrität und Durchsetzungsvermögen. Wahre Idole eben. Das Dumme bei Idolen ist jedoch, dass sie die Tendenz haben, irgendwann vom Podest zu stürzen, vielleicht, weil ihre Füße eben auch nur aus Ton sind. Wie beim »Gossenpoeten« Charles Bukowski, der seine Jünger enttäuschte, als er ein Häuschen in der Vorstadt bezog, nachdem sich endlich der finanzielle Erfolg einstellte. Das bourgeoise Eigenheim hätten sie ihm vielleicht noch durchgehen lassen, nicht aber den BMW, der bald in seiner Garage stand.

Am besten ist es halt, wenn man die Künstler und ihr Werk immer hübsch getrennt beurteilt. Ein Paradebeispiel ist sicher Leni Riefenstahl, die als Filmpionierin formal sicher brillant war, inhaltlich (und als Mensch) aber kläglich versagte. Gerade Künstler sind leider alles andere als perfekt. Im besten Fall sind sie vom eigenen Wiederschein geblendete Exzentriker, im schlimmsten Fall sich über alle Moralbegriffe hinwegsetzende Monster – wie Klaus Kinski.

Mit Kinski fiel einer meiner letzten Helden vom Sockel. Vielleicht sollte ich tatsächlich etwas mehr Vertrauen in die Menschen haben. Oder weniger? Vielleicht sollte ich mein Vertrauen eher in Idole wie Lassie setzen, oder Flipper, denn deren Verhalten war immer tadellos. Vielleicht hätte ich auch einfach bei Charles Bukowski bleiben sollen, dessen einziger Fehltritt ein BMW war.

lbm12_01Wenn ein wortmax auf Reisen geht, muss die Sonne scheinen und gerade irgendwo eine Veranstaltung stattfinden, die mit Büchern zu tun hat. So wie letzte Woche, als die Sonne schien und in Leipzig eine Veranstaltung stattfand, die mit Büchern zu tun hatte. Mit vielen Büchern. Richtig! Die Leipziger Buchmesse hatte wieder einmal ihre Tore geöffnet, und alle waren sie gekommen, die Rogers und die Dieters und die Henryks und auch der wortmax.

Nur mein treuer Messebegleiter, Herr Weyershausen, konnte dieses Mal nicht dabei sein. Er war wegen eines arbeitsintensiven Buchprojekts an seinen Zeichentisch gefesselt und hatte zu zeichnen und zu zeichnen, statt gemeinsam mit mir die Keksschalen der uns (noch) wohl gesonnenen Verlage zu plündern und des Abends in pseudo-literarischer Atmosphäre über eine leckere Thomaskirchen-Pizza herzufallen. Der arme Kerl, er hat was verpasst.

lbm12_02Luzia Braun zum Beispiel. Die Moderation von ZDF-Aspekte hat sie unlängst abgegeben, aber auf dem Blauen Sofa kann man sie noch sehen. In diesem Frühjahr teilte sie das berühmte Sitzmöbel u. a. mit der Radiomoderatorin Marion Brasch, der ich im Mai 2005 schon einmal zugehört hatte, als sie zusammen mit T.C. Boyle und Jan-Josef Liefers die Berliner Kulturbrauerei rockte. Nun hat sie selbst ihren ersten Roman veröffentlicht, »Ab jetzt ist Ruhe« (Verlag S. Fischer), in dem sie in fiktiver Ausschmückung die nicht unspannende Geschichte ihrer Familie erzählt. Das Werk liegt ziemlich weit oben auf dem Stapel mit Büchern, die ich gerne lesen und für den Boylevard besprechen möchte.

Verpasst hat Herr Weyershausen auch den würzigen Sauvignon Blanc und die köstlichen Mini-Waffeln mit Käsefüllung, die am Stand der Frankfurter Buchmesse serviert wurden. Nein, keine Bange, ich berichte hier nicht von der Grünen Woche, sondern immer noch von der Leipziger Buchmesse, wo der große Buchmessenbruder aus Frankfurt sein nächstes Gastland vorstellte: Neuseeland. Wie ich jetzt weiß, sind die Neuseeländer bekannt für ihren würzigen Sauvignon Blanc und für köstliche Mini-Waffeln mit Käsefüllung. Und ab Herbst, wenn über die Büchershow in Frankfurt berichtet wird, vielleicht auch für ihre Literatur.

Jedenfalls hielt ich es für angebracht, einen Tag später noch einmal bei den gastfreundlichen »Kiwis« vorbeizuschauen und den Autoren Elizabeth Knox und Damien Wilkins zuzuhören, die über ihre Werke und die Literatur in Neuseeland sprachen. Was sie erzählten (bzw. was ich ohne die Unterstützung der über Kopfhörer mitplappernden Simultandolmetscher verstehen konnte), machte neugierig. Man darf gespannt sein, wie sich das Land vom anderen Ende der Welt in Frankfurt präsentieren wird.

Mein lieber Freund Stefan meinte ja (während wir gemeinsam die käsegefüllten Mini-Waffeln futterten und uns eine exotisch aussehende Dame noch einmal ordentlich nachschenkte), Neuseeland sei einst die Strafkolonie der Australier gewesen. Ein böser Witz. Ein sehr böser Witz.

Aber so sind sie, die Bewohner aus der Nachbarstadt: Kaum erreicht ihr Fußballteam mit viel Losglück mal ein europäisches Viertelfinale, schon werden sie überheblich. Doch es macht Spaß, ihnen dabei zuzusehen – wissend: Hochmut kommt vor dem Fall -, und so fand ich mich am Donnerstagabend zunächst in einer Sportsbar wieder und drückte zum ersten Mal in meinem Leben heimlich einer belgischen Fußballmannschaft die Daumen.

Danach ging es zu viert ins Café Waldi, wo wir u.a. über die Gewinner des diesjährigen Preises der Leipziger Buchmesse spekulierten. Anders als beim Fußball legte mein lieber Freund Stefan hier viel Sachverstand an den Tag. Mit seinen Tipps in den Kategorien »Übersetzung« und »Essay/Sachbuch« lag er goldrichtig. Fachkundig stellte er mir auch eine neue Biersorte vor: den Augustiner Edelstoff. Hat lecker geschmeckt. Merkwürdig nur, dass das Getränk recht unedel in Flaschen serviert wurde.

lbm12_03Übrigens soll auch Henryk M. Broder im Café Waldi gewesen sein, angeblich direkt hinter meinem Rücken. Gern hätte ich gelauscht, was er so ganz ohne Mikros und Kameras im Schummerlicht einer kleinen Leipziger Lokalität von sich gibt. Doch als ich hörte: »Hey, war das eben nicht Henryk M. Broder?«, war er auch schon draußen und weg.

Also musste ich am nächsten Messetag zum Literaturkolloseum der Leipziger Volkszeitung latschen, um den streitbaren und streitlustigen Journalisten reden zu hören. Leider waren die hier eingenommen Plätze erneut eher ungünstig – mit dem Unterschied, dass Broder dieses Mal nicht hinter meinem Rücken saß, sondern ich hinter seinem. Aber was soll’s? Wichtiger ist ja, was vorne rauskommt, und nicht, was man von hinten sieht. Und hören, konnte ich Broder in der LVZ-Arena gut. Aber konnte ich ihn auch immer verstehen?

Am Freitagabend stand dann das erste offizielle tcboyle.de-Treffen auf dem Programm, in einem kleinen, gemütlichen italienischen Restaurant nahe des Hauptbahnhofs. Die Teilnehmer kamen aus Leipzig, Halle, Magdeburg, Braunschweig, Düsseldorf und dem Westerwald. Es war ein schöner Abend mit vielen interessanten Gesprächen – und sogar mit exklusiver Live-Musik.

lbm12_05Unter den Teilnehmern war nämlich auch Jurek, seines Zeichens Berufsmusiker. Als wir im Laufe des Abends thematisch von T.C. Boyle und seinen Romanen abwichen, was übrigens mehrfach geschah, und auf Woody Allen zu sprechen kamen, holte er auf einmal unaufgefordert seine Klarinette hervor und verwandelte das Restaurant Piccola mit zwei Jazzklassikern in Michael’s Pub.

Wiederholt bedauerte ich, dass Herr Weyershausen nicht dabei sein konnte. Denn nachdem wir bei einem Messebesuch in Frankfurt mal versehentlich in eine Bar geraten waren, in der Berufsmusiker in Smokings ihren Feierabend feierten, weiß ich, unser tcboyle.de-Abend hätte ihm gefallen. Und sicherlich auch die Party der jungen Verlage, die traditionell den Messefreitag beschließt und wo mir inzwischen regelmäßig der Herr Nagel über den Weg läuft. Dazu mein Tipp für alle Leserinnen und Leser dieses Blogs aus Braunschweig und Umgebung: Im April/Mai ist Nagel mit einer Ausstellung und Lesung im Café Riptide zu Gast. Ich werde auf jeden Fall vorbeischauen.

Besuche beim Hanser Verlag und Schwarzkopf & Schwarzkopf gehören wegen T.C. Boyle und der eigenen Bücher bei jeder Messe zur angenehmen Pflicht. Hier schaute ich am Samstag, den letzten Tag meines Aufenthalts in Leipzig, vorbei. Und ich traf mich mit Gilbert Dietrich, einem lieben Kollegen, den ich über die Websites kolumnen.de und tcboyle.de schon seit vielen Jahren kenne. Nur persönlich waren wir uns bisher noch nicht begegnet. Jetzt hat es endlich einmal geklappt. Eine gute Gelegenheit, auf sein philosophisches Webprojekt Geist und Gegenwart hinzuweisen, zumal dort das Lebensglück eine wichtige Rolle spielt, und davon können wir ja alle etwas gebrauchen.

lbm12_04War’s das? Nicht ganz! Auf Empfehlung meines lieben Freundes Stefan bin ich am Samstag noch zum Stand des Eulenspiegel Verlages gestiefelt, weil dort ein gewisser Morten Grunwald Bücher signierte, besser bekannt als Benny von der Olsenbande, ein Held meiner Kindheit. Ihn auf der Buchmesse anzutreffen, fand ich »mächtig gewaltig«.

Leider war es so gut wie unmöglich, an ein Autogramm zu kommen, und leider sieht Benny heute gar nicht mehr aus wie Benny, sondern eher wie Kjeld. Er hat auf der Buchmesse in Leipzig auch kein eigenes Buch signiert, sondern die Biografie seines 2004 verstorbenen Filmpartners Ove Sprogøe, besser bekannt als Egon Olsen. Der hatte in den Olsenbande-Filmen immer das, was mir bei meinen Besuchen auf Buchmessen oftmals fehlt: einen Plan!

Der Anfang vom Ende?

wortmax am 29. Dezember 2011 in HiStory

mayaWas gibt’s Silvester zu feiern? Dass wir dem Tod wieder ein Stück näher gekommen sind? Diese Frage wirft Woody Allen in seinem Film »Whatever works« auf. Da kann man nur hoffen, dass das neue Jahr nicht beginnt wie einst das Jahr 1966.

Das Jahr 1966 hatte noch nicht einmal 120 Stunden auf seinem Konto, als es vom gemeinsten, fiesesten, hinterlistigsten und bösartigsten Januar seit menschlicher Zeitrechnung überfallen wurde. Dieser Januar beschälte die Knospen des noch jungfräulichen Jahres und übergoss sie mit einer stinkenden Jauche von Naturkatastrophen und Betriebsunfällen.

Den Anfang machte am 5. Januar 1966 eine Explosion mit anschließendem Großbrand in einer französischen Erdölraffinerie in der Nähe von Lyon. Nachdem aus unerklärlichen Gründen Butangas ausgeströmt war, knallte es. Mit schlimmen Folgen. Ein sich schnell ausbreitendes Flammenmeer walzte 16 Menschen nieder, 80 kamen mit schwersten Verbrennungen davon.

Zwei Tage später gingen über Rio de Janeiro die schwersten Wolkenbrüche in der 400jährigen Geschichte der Stadt nieder. Ungeheure Wassermassen vernichteten 480 Kilometer des Straßennetzes; die an den Hängen erbauten Armenviertel, die Favelas, sackten hinab und begruben alles, was sich ihnen unvernünftig in den Weg stellte. 477 Menschen fanden den Tod.

Am 18. Januar 1966, einem Dienstag, kam es auch in einer Raffinerie in Raunheim bei Frankfurt am Main zu einer Explosion. Die Trauerliste führte drei Tote auf, 83 Menschen hatten schlimmste Verletzungen zu beklagen. Doch wer nun glaubte, dass mit der Verringerung der Todesopfer eine Verbesserung jener mysteriösen Umstände des Januars 1966 zu verzeichnen gewesen sei, der sollte schon wenige Tage später eines besseren belehrt werden.

Am 24. Januar 1966 prallte in 4.000 Meter Höhe eine Boeing 707 der Air India gegen das Montblanc Felsmassiv Rocher de la Tournette -, rien ne va plus, wie der Croupier am Roulettetisch zu sagen pflegt. 177 Menschen waren in die Maschine gestiegen, hatten ihr Leben aufs Spiel gesetzt und es verloren.

Den sieben Meisterschwimmern der Squadra Italia erging es am 30. Januar 1966 nicht anders. Als sie zum internationalen Schwimmfest nach Bremen aufbrachen, hätten sie ihrem bevorzugten Element Vertrauen schenken und den Seeweg wählen sollen. Sie hatten es sich jedoch in einer Convair der Deutschen Lufthansa bequem gemacht und plumspten schließlich beim Anflug auf die Hansestadt wie ein Stein vom Himmel.

Das Unglück wurde weder von einem Piloten verursacht, noch war es einem Triebschaden zuzuschreiben, behaupte ich mal. Ich sage, es war der verfluchte Januar 1966 – die Wiedergeburt Adolf Hitlers als Wintermonat.

Und was geschah sonst noch so 1966? Nun ja, ich wurde geboren. Zwar nicht im Januar, dafür aber zur Wintersonnenwende, am 21. Dezember, am dunkelsten Tag des Jahres. Als ich meinen Geburtstag vor kurzem zum 45. Mal feierte, erinnerten mich zahlreiche Medien daran, dass ich möglicherweise nur noch ein einziges Mal die Gelegenheit bekomme, das Sektglas darauf zu erheben. Denn am 21. Dezember 2012 ist alles vorbei, zuimndest nach den Berechnungen der Maya.

Am 21. Dezember 2012 steht die Sonne irgendwie in einer dunklen Spalte der Milchstraße, und der Maya-Kalender, der seit dem 11. August 3114 vor Christus die Zeit nach menschlicher Vorstellungskraft zu greifen versucht, kommt dann zu seinem Ende.

Vielleicht ist es ganz praktisch, ausgerechnet an diesem vermeintlich letzten Tag der Menschheit Geburtstag zu haben. Da könnte man ja mal so richtig schön die Sau raus lassen und müsste sich keine Gedanken machen über das Aufräumen und die Katerstimmung am nächsten Tag.

Wahrscheinlich ist der 22. Dezember 2012 aber nur ein schwacher 1. Januar 2000 – mit viel Wind um nichts. Vielleicht gibt’s Nutella wieder in limitierten XXL-Gläsern, wie zuletzt zum Millennium und zur Einführung des Euro. Vielleicht werden Flugreisen angeboten, mit denen man den Weltuntergang bzw. den Übergang in ein neues kosmisches Zeitalter – von Tonga bis zu den Aleuten – auf 24 Stunden strecken kann, aber sonst?

Sehr wahrscheinlich ist alles nur ein großer Irrtum. Ein Cartoon zeigt, wie ein Maya-Indianer den berühmten Kalender in Stein meißelt und ihn ein anderer Maya-Indianer fragt, warum er denn beim 21. Dezember 2012 aufhört. »Kein Platz mehr auf dem Stein«, antwortet der erste Maya-Indianer.

Ja, so wird es wohl gewesen sein.

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Love is Hell

Weyershausen am 13. September 2010 in Befindlichkeiten

HerzAlle haben Liebeskummer! Wohin ich auch blicke, sind die Beziehungen am Kriseln oder sogar mitten im Auflösungsprozess. Dies ist fürwahr ein Jahr der Veränderungen.

Mir tun alle Betroffenen nur herzlich leid. Vor ein paar Jahren, als ich mit Herrn Völkel am Trennungströstbuch »Schade, dass Du endlich weg bist!« arbeitete, gehörte auch ich zu jenen armen Seelen. Mir ging es so schlecht, dass ich stundenlang ziellos durch die Stadt lief – was in einem kleinen Kaff wie Braunschweig gar nicht einfach ist.

Im Trennungströstbuch kann man vom Dichter Joe Orton lesen, der von seinem eifersüchtigen Partner mit dem Hammer erschlagen wurde. Oder von Woody Allen, der seine Freundin mit deren Adoptivtochter betrog. Nett auch die Geschichte von Steve McQueen, der es lautstark mit zwei Frauen trieb, während sein angetrautes Eheweib im Zimmer nebenan lag. Am nächsten Morgen fragte er unbekümmert, ob sie ihm Frühstück macht. Und das tat sie. Die Liebe ist eine zerstörerische Kraft.

Das beste Stück über Liebesleid ist meiner Meinung nach »Love Sick« von Bob Dylan. Wer diesen Song hört, kann sich sofort wieder erinnern, wie sich Liebeskummer anfühlt. Der beste Liebeskummerfilm ist »Die Geschichte der Adéle H.« von François Truffaut, in dem die Tochter des Dichters Victor Hugo (gespielt von Isabelle Adjani) an einer unerwiderten Liebe zerbricht. Allerdings sollten akut Betroffene scharfe Messer und Rasierklingen wegpacken, bevor sie diesen beiden Empfehlungen folgen. Da sollte man vielleicht schon eher zu »High Fidelity« von Nick Hornby greifen, weil es in diesem Buch am Ende wieder einen Hoffnungsschimmer gibt.

Eine Psychologin klärte mich vor Jahren auf:

    a.) Die meisten Menschen sind nicht fähig, tief zu empfinden.
    b.) Jeder sollte sich freuen, wenn er zumindest einmal in seinem Leben richtig verliebt ist.
    c.) Freundschaft ist vielleicht die solidere Basis für eine Beziehung.

Früher habe ich über all die Leute, die Liebeskummer haben, nur gelacht. Wie ich diese Zeit vermisse! Die Sache mit Charlie Brown und dem kleinen rothaarigen Mädchen hätte mir eine Warnung sein müssen.

Dann schon lieber ein verbitterter alter Mann werden, der beim Anblick eines verliebten Pärchens »Humbug!« knurrt. Wahrscheinlich bin ich auf dem besten Wege dahin. Zumindest liebe ich meine Arbeit, denn die kann man am besten im Zustand völliger »Lieblosigkeit« (= Ruhe?) verrichten. Doch wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder mitmische in diesem blödsinnigen Spiel. Und ich gebe zu: Ein wenig bin ich darauf gespannt! Shakespeare hätte jetzt wohl gesagt: Lord, what fools these mortals be!

Klatsch As Klatsch Can

Weyershausen am 23. August 2010 in Befindlichkeiten

confiEin wenig rümpfe ich schon die Nase, wenn ich in der Schlange im Supermarkt anstehe und am Zeitschriftenstand diverse Klatschblätter sehe. Fragen wie »Lügt Liliana Matthäus?«, »Kachelmann: Opfer einer Verschwörung?« oder »Startet Mehrzad Marashi jetzt ohne Dieter Bohlen durch?« scheinen Millionen von Menschen zu bewegen. Doch selbst wenn ich die Nase rümpfe: Warum überfliege ich diese Schlagzeilen, statt mir die Sonderangebote im Nebenregal anzuschauen?

Ich gebe es nur ungern zu, aber: Auch ich liebe Klatsch. Aber hallo! Allerdings sind mir Mette-Marit und Konsorten piepschnurz, denn am liebsten mag ich ganz alten Klatsch, für den sich heute kaum jemand interessiert. Den fördere ich in alten Biografien zutage, die ich geradezu verschlinge. Ein schönes Beispiel sind die Erinnerungen der Bravo-Korrespondentin Frances Schoenberger, die bei einem Treffen mit John Lennon hauptsächlich über Haarprobleme und Diäten mit ihm palaverte. Statt mit bewusstseinserweiternden Drogen experimentierte Lennon damals gerade mit einem Lockenstab, um die dünner werdende Mähne aufzufüllen.

Legenden sind halt auch nur Menschen, denkt sich da der Leser. Gut zu wissen, so was. Von hohem Informationsgehalt war auch jene Stelle in den Memoiren von Jerry Lewis, in der er explizit schilderte, wie sein damaliger Partner, der Schmusesänger Dean Martin, das Gemächte des jungen Komikers nach Filzläusen absuchte. Sehr appetitanregend finde ich auch die Geschichte von Shirley MacLaine, die Plätzchen für Robert Mitchum buk, um so sein Herz zu erobern. Allerdings hatte sie als eine Art »Liebeszauber« ihre klein gehackten Schamhaare in den Teig hinein gerührt. Ohne durchschlagenden Erfolg übrigens.

Wenn wir schon bei den niederen Körperregionen sind. Andy Warhol trug zu Lebzeiten stets ein Aufnahmegerät in der Jackentasche. Viele Privatgespräche, die er auf Parties mit Prominenten führte, landeten in seinem Magazin »Interview«. Da die Größen in Kunst und Showbusiness in Warhol einen Freund sahen, plauderten sie frei von der Leber weg – nur um ihre geistigen Ergüsse ungefiltert in Warhols Magazin wiederzufinden. Mick Jagger hätte sonst wohl sicher nicht so freimütig von seinen Hämorrhoiden erzählt.

Mein liebstes Klatschbuch ist »Personenbeschreibung« von Georg Stefan Troller, wo das Banale neben dem Hellsichtigen steht. In diesem wunderbaren Tagebuch skizziert Troller in knappen Sätzen die Persönlichkeiten, die in einem langen Journalistenleben seinen Weg kreuzten. Ezra Pound, Roman Polanski, Jean-Paul Sartre, Alain Delon und Woody Allen – sie alle werden mit gnadenlosem Auge seziert. Am schönsten ist das Portrait von Muhammad Ali.

Enttäuschend dagegen ist »Karambolagen« von Hellmuth Karasek, in dem man nachlesen kann, wem der knautschige Kulturbeutel so die Hand geschüttelt hat. Ein Leben im Dunstkreis der Reichen und Berühmten lässt wohl auch auch das eigene Dasein wichtiger erscheinen. Die Einsichten, die Karasek hierbei gewann, haben die Tiefe eines Schlagertextes von Michael Wendler. Da bekommt der Stempelaufdruck »Mängelexemplar«, der mein Exemplar ziert, eine ganz neue Bedeutung.

Die letzte Biografie, die ich in einem Rutsch weggelesen habe, handelt vom legendären Regisseur John Ford, der selbst einem harten Macker wie John Wayne so zusetzen konnte, dass dieser auf dem Set heulte wie ein Baby. Aber der Mann hatte auch Humor. Meine Lieblingsstelle: Ford auf der Beerdigung eines alten Freundes zum Charakterdarsteller Andy Devine: »Jetzt bist DU das größte Arschloch, das ich kenne!«

Eine wichtige Sache ist mir beim Lesen solcher Bücher allerdings klar geworden: Die spannendsten Lebensgeschichten sind immer die tragischen. Deshalb sollte man froh sein, wenn das eigene Leben möglichst langweilig dahinplätschert. Zumindest sollte man für seine eigene Biografie eines beherzigen: Es ist es immer besser, ein verkannter Millionär zu sein als ein verkanntes Genie.

Neues vom Straßenrand der Datenautobahn 12

Weyershausen am 20. Juni 2010 in Netzball

Datenautobahn 12Erwachsene Männer, die in kurzen Hosen herumlaufen und von ihren Freunden »Schweini« gerufen werden, waren mir schon immer höchst suspekt. Vom Trikottausch wollen wir lieber gar nicht reden. Zum Glück hab ich so viel zu tun, dass ich von der Fußball-WM beinahe gar nichts mitbekommen hätte – wären da nicht die lauten Vuvi … äh … Vuzzu … äh … Tröten meiner Nachbarn. Für alle, denen der Rummel langsam auf die Nerven geht, kommt hier wieder mein Angebot aus den unendlichen Weiten des Internets.

Internationale Interviews

Die Paris Review ist ein amerikanisches Literaturmagazin, das seit 1953 existiert und für seine Interviews mit zeitgenössischen Autoren bekannt ist. Einige dieser Gespräche kann man auf der Website des Magazins finden. Darunter Dialoge mit Truman Capote, Paul Auster, Woody Allen, T. S. Elliot, William Faulkner, John Irving und vielen anderen. Ja, es sind nicht ALLE Amis doof. Einen besseren Beweis dafür wird man schwerlich finden.

Second Hand Script

Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle über Peter O’Donnell und seine Heldin Modesty Blaise geschrieben. Bevor der großartige Zeichner Jim Holdaway der Figur ihr unverwechselbares Gesicht gegeben hat, versuchte sich der nicht minder großartige Frank Hampson an O’Donnells Script. Es entstanden jedoch lediglich einige Probeseiten, da der Autor der Meinung war, Hampson hätte seine Heldin nicht verstanden. Zum Glück sind diese unvollendeten Skizzen erhalten geblieben. Hier kann jeder selbst vergleichen, was zwei sehr verschiedene Zeichner aus dem gleichen Manuskript gemacht haben.

Zeitlose Zuschauer

Wie wild bewegt es auf dem Bildschirm zuging, als es nur drei Fernsehprogramme gab, kann man auf der Website zuschauerpost.de nachprüfen. Hier gibt es Leserbriefe, Kritiken und Programmtipps, die mittlerweile über vier Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Damals erregte die Flimmerkiste die ganze Nation. Besonders, wenn nackte Tatsachen zu sehen waren. Aus heutiger Sicht ist diese Aufregung fast rührend komisch. Vor allem, wenn man sieht, was dem Publikum zur Zeit der sexuellen Revolution geboten wurde (siehe oben). Seufz! Da haben wir sie wieder, die Ungnade der späten Geburt!

Schrottige Schlagzeilen

Und hier wieder ein Blog aus der Rubrik: »Wenn Leute zu viel Zeit haben«. Erinnert sich noch jemand daran, wie in alten Filmen zu dramatischer Musik eine reißerische Schlagzeile eingeblendet wird? Dieses dramaturgische Klischee gab es natürlich auch bei den Comics. Hier kann man nachlesen, welche Superschurken, fliegenden Untertassen und atomaren Superwaffen die Menschheit mal wieder bedrohten. Wahrlich: Die 50er waren nichts für Weicheier! Aber zum Glück gab es ja Superman.

Stimmen aus der Vergangenheit

Weyershausen am 13. Januar 2010 in HiStory

Billige Groucho ImitationSeit Weihnachten hocke ich fast jeden Tag mehr als zehn Stunden vor dem Rechner, um die Farben meiner alten Cartoons zu ändern.

Damit die Hirnzellen bei solch stumpfsinniger Tätigkeit nicht vollends absterben, höre ich dabei seit einigen Tagen alte Aufzeichnungen aus der goldenen Zeit des amerikanischen Radios (die 30er und 40er Jahre). Woody Allen hat dieser Ära in seinem Film »Radio Days« ein wunderbares Denkmal gesetzt.

Es ist schon merkwürdig, die Werbung jener Jahre, die Witze über Lebensmittelmarken und die patriotischen Aufrufe zu hören. Gerade während des Zweiten Weltkriegs war das Radio das Medium, das alle miteinander verband. Die Macher jener Sendungen waren damals ebenso bekannt wie Filmstars. Folgerichtig traten viele Filmstars auch im Radio auf, um ihre Popularität zu steigern. Für Wortakrobaten wie Jack Benny, Bob Hope und Groucho Marx war es die ideale Plattform, um sich auszutoben.

Buchadaptionen, Quizshows, Sitcoms und viel Musik natürlich – alles, was man heute im Fernsehen sieht, konnte man auch damals live im Radio erleben. Nur damals waren die Ideen tatsächlich neu. Das Fernsehen war es auch, das jener goldenen Epoche ein Ende bereitete. Schade, denn vieles, was den Radiohörern vor siebzig Jahren geboten wurde, ist weitaus unterhaltsamer, als die monotone Unterhaltungspampe unserer Fernsehsender. Das Fernsehen sei eine »Phantasieprothese« las ich neulich. Ich denke eher, dass es uns alle erst zu »Phantasiekrüppeln« macht.

Der König des Radios war Multitalent Orson Welles. Mit dem legendären Hörspiel »Krieg der Welten« versetzte er ganz Amerika in Angst und Schrecken. Selbst Hitler ging in einer Rede auf dieses Ereignis ein. Bevor Welles nach Hollywood verschwand, um sein Meisterwerk »Citizen Kane« zu drehen, war er Woche für Woche mit seinem »Mercury Theatre On The Air« (später das »Campbell Playhouse«) in den amerikanischen Wohnstuben zu Gast, um klassische Theaterstücke, Filme oder populäre Romane fürs Radio zu adaptieren. Welles’ Bildungsprogramm war dabei alles andere als langweilig, denn er und seine Truppe waren, wenn es sein musste, hemmungslose Schmierenkomödianten, die vor nichts zurückschreckten. Als Gastmoderator der »Jack Benny-Show« konnte Welles hingegen beweisen, dass er auch komisch sein konnte. Im Museum Of Orson Welles findet man etliche Sendungen aus jener Schaffensperiode des Meisters.

Die wortgewaltigste und schillerndste Figur des Radios war zweifelsohne Groucho Marx. Als die Filmkarriere der Brüder Marx in den Vierzigern abebbte, startete der geschäftstüchtige Groucho eine lange Solokarriere als Quizmaster. Allerdings war »You Bet Your Life« keine altbackene Sendung mit dauergrinsendem Moderator, wie wir sie heute kennen. Groucho benutzte seine Gäste eher wie heute Kurt Krömer: als Stichwortgeber – nur viel, viel witziger. Später, als das Fernsehen seinen Siegeszug antrat, wechselte er das Medium und hatte auch dort über viele Jahre immensen Erfolg. Einige seiner komischsten Radiosendungen findet man hier.

Bevor Dean Martin und Jerry Lewis die Leinwand eroberten, konnten sie 1948 ihre Familientauglichkeit in einer (recht formelhaften) Radiosendung perfektionieren. Bis dahin traten sie mit wesentlich zotigerem Material hauptsächlich in Nachtclubs auf. Das Interessanteste an ihren Sendungen waren die illustren Gaststars, die sich Woche für Woche die Klinke in die Hand gaben: Marlene Dietrich, Boris Karloff, Frank Sinatra und Burt Lancaster sind nur einige von ihnen. Wer Jerry Lewis jedoch im Original gehört hat, kann verstehen, dass die Hälfte der Amerikaner ihn am liebsten auf den Mond geschossen hätte. Hier einige Episoden.

Selbst Stan Laurel und Oliver Hardy versuchten sich während ihrer letzten Jahre in Hollywood an einer eigenen Sendung. Doch ihre Popularität in Amerika war damals auf dem Tiefpunkt. So entstand lediglich eine Pilotsendung mit dem Titel »Mr. Slater’s Poultry Market« (1943), in der unsere Freunde mit zwei Profikillern verwechselt werden. Unglücklicherweise ist der Humor dieser Sendung genau so nett und harmlos wie in ihren letzten Filmen. Die Komik von Mr. Laurel und Mr. Hardy ist nun mal zum großen Teil rein visueller Natur und daher fürs Radio nur bedingt geeignet. Trotzdem bleibt es ein nettes Fundstück, das über Jahrzehnte als verschollen galt.

Neues vom Straßenrand der Datenautobahn 6

Weyershausen am 26. Oktober 2009 in Netzball

datenautobahnJetzt, wo alle Strandbars geschlossen haben, nur noch Hardcore-Nikotinjunkies vorm Straßencafé sitzen und selbst Hunde und ihre Rentner ungern vor die Tür gehen, ist es wieder an der Zeit sich beim kuscheligen Schein eines TFT-Monitors in den wohligen Wellen des World Wide Web zu tummeln. Es gibt schlimmere Freizeitbeschäftigungen. Die Alternativen wären: Fernsehen gucken, Rauschgiftsucht oder seine Frau schlagen.

Stan, The Man

»Nichts ist so schön und so rein wie die Liebe eines Jungen zu seinem Hund oder zwischen zwei Oberkellnern«, sagte Woody Allen einst treffend. Fast so schön und rein, wage ich zu behaupten, ist die Liebe zu Stan Laurel und Oliver Hardy. Wer Stan und Ollie nicht mag, kann einfach kein guter Mensch sein. Auf YouTube findet man derzeit »The Last Laugh«, einen wunderbaren Dokumentarfilm mit seltenen Aufnahmen und Filmausschnitten über Stan Laurel, der 1991 im Auftrag des BBC entstanden ist.

Die Falten der Filmstars

Das Schöne am Internet: An jeder Ecke findet man tolle Blogs, in denen Filmfreaks mit ihrem (unnützen) Wissen glänzen und Einblicke in ihre Sammlungen gewähren. Ein Paradebeispiel ist die Seite greenbriarpictureshows, die neben vielen sensationellen Fotos, Anzeigen und Plakaten mit Insiderinformationen aufwarten kann, die jeden Filminteressierten zum Staunen bringen. Wer hat zum Beispiel schon mal Studioaufnahmen von Audrey Hepburn gesehen, die mit Anweisungen für die Retusche versehen sind?

Klingonisch für Anfänger

Das endlose Blättern im Taschenwörterbuch »Klingonisch – Deutsch« hat nun ein Ende: Keyboard-Hersteller Cherry hat vor kurzem eine Tastatur für waschechte Klingonen auf den Markt gebracht! Die 26 Tasten entsprechen Schriftzeichen des klingonischen Alphabets »pIqaD« (ein echter Zungenbrecher). Vor allem Star-Trek-Fans, die jenseits der 30 ihr Leben bei Mama und Papa im Kinderzimmer fristen, wird es freuen – denn sollte die Nachfrage den Erwartungen entsprechen, verspricht Cherry eine Tastatur auf vulkanisch! So hat das Leben endlich wieder einen Sinn.

The Dark Super-Knight

Früher fanden die Leute es schon seltsam, wenn der Dramatiker und Karl May-Fan Carl Zuckmayer (»Des Teufels General«) seiner Tochter den ungewöhnlichen Namen »Maria Winnetou« gab. Wie sich die Zeiten geändert haben. Zumindest in Singapur. Dort verpassten kreative Eltern ihrem Sprößling den Namen »Batman Bin Suparman«. Ein echtes Heldensandwich.

Sie waren alt und brauchten das Geld

Weyershausen am 24. August 2009 in Netzball

gelbersackIm letzten Monat war es mal wieder so weit. Der berüchtigte »Tag X« stand vor der Tür. Früher bekannt als »Geburtstag«. Als harter Hund sind mir Sentimentalitäten dieser Art (natürlich) zuwider.

Die einzige Alternative zum Älterwerden ist immer noch, rechtzeitig den Löffel abzugeben. Aber was bedeutet schon rechtzeitig? Seien wir ehrlich: Der Lack ist ab! Da ich nun länger am Leben bin, als James Dean, Elvis und Jesus (aber noch nicht so lange wie alle drei zusammen), kann ich auch genauso gut 99 werden. Vielleicht hilft es ja, wenn ich mich »Jopi« nenne.

Ein Lebensziel wäre vielleicht, so berühmt zu werden, dass ich mein Gesicht für Werbezwecke zu Markte tragen kann, wie folgende Herrschaften:

Der King of Qualm

Steve McQueen, den legendären »King of Cool«, ließ es nicht kalt, als ihm die Zigarettenmarke »Viceroy« 1960 das lukrative Angebot unterbreitete, in ihrem Auftrag die Luft zu verpesten. Da McQueen bekennender Nikotin-Junkie war, fiel ihm die Entscheidung sicher leicht. Er starb zwei Jahrzehnte später an Lungenkrebs.

Der Toyota-Cop

TV-Schnüffler Peter Falk hatten es die Produkte des japanischen Autokonzerns Toyota angetan. Obwohl Inspektor Columbo im Fernsehen stets einen klapprigen Peugeot 403 fuhr. Falk war ein Wiederholungstäter und im Land der aufgehenden Sonne ein bekanntes Werbe-Gesicht. Seien wir milde: Er war alt und brauchte das Geld! Privat paffte Columbo schließlich kostspieligere Zigarren als sein Alter Ego.

Der Woodman goes Italy

Während Woody Allen in seiner Heimat über solch profane Dinge wie Geld stand, war er im Ausland nicht abeneigt, sich für ein paar Dollar mehr zum Kasper zu machen. Besonders die Italiener liebten ihren Werbe-Woody. Dort trat er in Spots einer Supermarktkette, oder wie hier für die italienische Telecom, auf. Ich wüsste zu gerne, was er in diesem Commercial alles erzählt …

Die Doppelnull

Würde Sean Connery für das britische Fernsehen Joghurt mampfend neben einer merkwürdigen Plüschfigur am Steuer eines Autos »Very good! Biogurt!« plappern? Wohl kaum. Es wäre ihm vermutlich peinlich. In Japan aber verloren selbst die größten Stars ihre Hemmungen. Was würde Miss Moneypenny dazu sagen?

Grusel-Arnie

Hauptdarsteller meines liebsten Promi-Werbespots aller Zeiten ist Arnold Schwarzenegger. Obwohl ich ansonsten kein Fan des muskelbepackten Ösies bin, kann ich mich dem Charme dieses absolut durchgeknallten Commercials (für einen Softdrink) nicht verschließen. Wie langweilig war dagegen seine e.on-Reklame? (Von »Terminator 3« ganz zu schweigen.)

Lesen bildet – und Schreiben noch viel mehr

Weyershausen am 2. August 2009 in Leservat

Ich erinnere mich noch oft daran, als ich zum ersten Mal eine Ausgabe der Fachzeitschrift »Comixene« in den Händen hielt. Verstanden habe ich von den Artikeln nur die Hälfte. Die Verfasser der Texte waren emsig bemüht, sich so akademisch wie möglich auszudrücken. Für meinen pubertierenden Verstand war das damals zu hoch. Doch zum Glück gab ich nicht auf. Nach ein paar Monaten hatte ich mir die meisten Fremdwörter angeeignet.

Diese Erfahrung war mir eine Lehre. Wenn ich später etwas nicht auf Anhieb begriff, blieb ich trotzdem am Ball. In den meisten Fällen fiel früher oder später der Groschen.

Als ich vor fast zehn Jahren am »Lexikon der prominenten Selbstmörder« arbeitete, machte ich die Entdeckung, dass die Schreiberei einen interessanten Nebeneffekt hat: Wer sich über Monate ausgiebig mit einem Thema befasst, dringt mit einer Tiefe in die Materie ein, die er als Leser nie erreichen würde.

Wer sich zum Beispiel ausgiebig mit Selbstmördern beschäftigt, verliert ganz schnell die Ehrfurcht vor diesem schwierigen Thema. Viele Selbstmorde sind tragisch und bewegend. Andere sind einfach nur … dumm. Verletzte Eitelkeit, Angst vor den ersten Falten oder Gesichtsverlust – das allein reicht aus, um labile Gemüter in den Tod zu treiben.

Bezeichnend ist die Geschichte der Schauspielerin Lupe Velez, die ihren Abgang im großen Stil inszenieren wollte. Perfekt gestylt schluckte die Diva eine Überdosis Tabletten, musste sich kurz darauf übergeben und starb mit dem Kopf in der Kloschüssel. Merke: Vor dem Suizid immer den Klodeckel zuklappen!

Interessant war auch das »Lexikon der Idole«. Überrascht musste ich feststellen, dass viele der »Unsterblichen« von gestern inzwischen fast aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden sind. Kaum jemand unter dreißig kennt heute Humphrey Bogart, Charlie Chaplin oder Greta Garbo.

Im Falle von Marlene Dietrich ist das tragisch. Um nicht vor den Augen der Öffentlichkeit zu altern, verkroch sich die eitle Actrice in den letzten Jahren ihres Lebens in ihrem Pariser Apartment und führte dort eine erbärmliche Existenz.

Jeder Star ist irgendwann vergessen – was im Falle von Tokio Hotel und Lady Gaga auch sein Gutes hat. Unsterblichkeit? Was ist das? Woody Allen hat es am besten formuliert: »Ich will nicht durch meine Arbeit unsterblich werden. Ich will unsterblich werden, indem ich nicht sterbe.«

»Schade, dass Du endlich weg bist! Das Trennungs-Tröstbuch« ist dafür verantwortlich, dass ich ein wenig zum Zyniker geworden bin. Meine Erkenntnis: Die großen Romanzen wollen wir nur im Kino sehen. Im eigenen Leben sind wir mit sehr viel weniger zufrieden. Die Angst allein vorm Fernseher zu versauern, ist dagegen eine mächtige Triebfeder. Sie führt dazu, dass aus einem One Night Stand die Beziehung fürs Leben wird. Besonders die Männerwelt stellt an ihre Partnerinnen keine hohen Anforderungen. Oder wie Atze Schröder es so schön formulierte: »Ich bin ja gar nicht anspruchsvoll. Nur zwei Arme und zwei Beine sollte sie haben!«

Die größte Erkenntnis, die ich beim Schreiben von »111 Gründe, erwachsen zu werden« gewann, stellte sich erst später ein. Nämlich die, dass »Erwachsensein« eine reine Definitionsfrage ist. Für einige Zeitgenossen bedeutet Erwachsen zu sein einen langweiligen Job zu haben, eine lieblose Ehe zu führen und so zu tun, als wäre man glücklich. Bedingungslose Anpassung als höchstes Ideal. So haben es uns schließlich unsere Eltern vorgelebt. Will man aber zu solchen Leuten gehören?

Allerdings ist es wohl auch nicht viel besser, wenn wir noch im Greisenalter in die Disco humpeln. Wahrscheinlich ist dies die größte Herausforderung an uns alle: Erwachsen zu sein, ohne zum Langweiler zu werden. Doch selbst der Begriff »Langweiler« ist eine Frage der Definition.

Das Leben ist ganz schön kompliziert, oder?

Und welche Erkenntnis brachte mir das »Astrid Lindgren Lexikon«? Nun, das ist eine andere Geschichte …