lbm12_01Wenn ein wortmax auf Reisen geht, muss die Sonne scheinen und gerade irgendwo eine Veranstaltung stattfinden, die mit Büchern zu tun hat. So wie letzte Woche, als die Sonne schien und in Leipzig eine Veranstaltung stattfand, die mit Büchern zu tun hatte. Mit vielen Büchern. Richtig! Die Leipziger Buchmesse hatte wieder einmal ihre Tore geöffnet, und alle waren sie gekommen, die Rogers und die Dieters und die Henryks und auch der wortmax.

Nur mein treuer Messebegleiter, Herr Weyershausen, konnte dieses Mal nicht dabei sein. Er war wegen eines arbeitsintensiven Buchprojekts an seinen Zeichentisch gefesselt und hatte zu zeichnen und zu zeichnen, statt gemeinsam mit mir die Keksschalen der uns (noch) wohl gesonnenen Verlage zu plündern und des Abends in pseudo-literarischer Atmosphäre über eine leckere Thomaskirchen-Pizza herzufallen. Der arme Kerl, er hat was verpasst.

lbm12_02Luzia Braun zum Beispiel. Die Moderation von ZDF-Aspekte hat sie unlängst abgegeben, aber auf dem Blauen Sofa kann man sie noch sehen. In diesem Frühjahr teilte sie das berühmte Sitzmöbel u. a. mit der Radiomoderatorin Marion Brasch, der ich im Mai 2005 schon einmal zugehört hatte, als sie zusammen mit T.C. Boyle und Jan-Josef Liefers die Berliner Kulturbrauerei rockte. Nun hat sie selbst ihren ersten Roman veröffentlicht, »Ab jetzt ist Ruhe« (Verlag S. Fischer), in dem sie in fiktiver Ausschmückung die nicht unspannende Geschichte ihrer Familie erzählt. Das Werk liegt ziemlich weit oben auf dem Stapel mit Büchern, die ich gerne lesen und für den Boylevard besprechen möchte.

Verpasst hat Herr Weyershausen auch den würzigen Sauvignon Blanc und die köstlichen Mini-Waffeln mit Käsefüllung, die am Stand der Frankfurter Buchmesse serviert wurden. Nein, keine Bange, ich berichte hier nicht von der Grünen Woche, sondern immer noch von der Leipziger Buchmesse, wo der große Buchmessenbruder aus Frankfurt sein nächstes Gastland vorstellte: Neuseeland. Wie ich jetzt weiß, sind die Neuseeländer bekannt für ihren würzigen Sauvignon Blanc und für köstliche Mini-Waffeln mit Käsefüllung. Und ab Herbst, wenn über die Büchershow in Frankfurt berichtet wird, vielleicht auch für ihre Literatur.

Jedenfalls hielt ich es für angebracht, einen Tag später noch einmal bei den gastfreundlichen »Kiwis« vorbeizuschauen und den Autoren Elizabeth Knox und Damien Wilkins zuzuhören, die über ihre Werke und die Literatur in Neuseeland sprachen. Was sie erzählten (bzw. was ich ohne die Unterstützung der über Kopfhörer mitplappernden Simultandolmetscher verstehen konnte), machte neugierig. Man darf gespannt sein, wie sich das Land vom anderen Ende der Welt in Frankfurt präsentieren wird.

Mein lieber Freund Stefan meinte ja (während wir gemeinsam die käsegefüllten Mini-Waffeln futterten und uns eine exotisch aussehende Dame noch einmal ordentlich nachschenkte), Neuseeland sei einst die Strafkolonie der Australier gewesen. Ein böser Witz. Ein sehr böser Witz.

Aber so sind sie, die Bewohner aus der Nachbarstadt: Kaum erreicht ihr Fußballteam mit viel Losglück mal ein europäisches Viertelfinale, schon werden sie überheblich. Doch es macht Spaß, ihnen dabei zuzusehen – wissend: Hochmut kommt vor dem Fall -, und so fand ich mich am Donnerstagabend zunächst in einer Sportsbar wieder und drückte zum ersten Mal in meinem Leben heimlich einer belgischen Fußballmannschaft die Daumen.

Danach ging es zu viert ins Café Waldi, wo wir u.a. über die Gewinner des diesjährigen Preises der Leipziger Buchmesse spekulierten. Anders als beim Fußball legte mein lieber Freund Stefan hier viel Sachverstand an den Tag. Mit seinen Tipps in den Kategorien »Übersetzung« und »Essay/Sachbuch« lag er goldrichtig. Fachkundig stellte er mir auch eine neue Biersorte vor: den Augustiner Edelstoff. Hat lecker geschmeckt. Merkwürdig nur, dass das Getränk recht unedel in Flaschen serviert wurde.

lbm12_03Übrigens soll auch Henryk M. Broder im Café Waldi gewesen sein, angeblich direkt hinter meinem Rücken. Gern hätte ich gelauscht, was er so ganz ohne Mikros und Kameras im Schummerlicht einer kleinen Leipziger Lokalität von sich gibt. Doch als ich hörte: »Hey, war das eben nicht Henryk M. Broder?«, war er auch schon draußen und weg.

Also musste ich am nächsten Messetag zum Literaturkolloseum der Leipziger Volkszeitung latschen, um den streitbaren und streitlustigen Journalisten reden zu hören. Leider waren die hier eingenommen Plätze erneut eher ungünstig – mit dem Unterschied, dass Broder dieses Mal nicht hinter meinem Rücken saß, sondern ich hinter seinem. Aber was soll’s? Wichtiger ist ja, was vorne rauskommt, und nicht, was man von hinten sieht. Und hören, konnte ich Broder in der LVZ-Arena gut. Aber konnte ich ihn auch immer verstehen?

Am Freitagabend stand dann das erste offizielle tcboyle.de-Treffen auf dem Programm, in einem kleinen, gemütlichen italienischen Restaurant nahe des Hauptbahnhofs. Die Teilnehmer kamen aus Leipzig, Halle, Magdeburg, Braunschweig, Düsseldorf und dem Westerwald. Es war ein schöner Abend mit vielen interessanten Gesprächen – und sogar mit exklusiver Live-Musik.

lbm12_05Unter den Teilnehmern war nämlich auch Jurek, seines Zeichens Berufsmusiker. Als wir im Laufe des Abends thematisch von T.C. Boyle und seinen Romanen abwichen, was übrigens mehrfach geschah, und auf Woody Allen zu sprechen kamen, holte er auf einmal unaufgefordert seine Klarinette hervor und verwandelte das Restaurant Piccola mit zwei Jazzklassikern in Michael’s Pub.

Wiederholt bedauerte ich, dass Herr Weyershausen nicht dabei sein konnte. Denn nachdem wir bei einem Messebesuch in Frankfurt mal versehentlich in eine Bar geraten waren, in der Berufsmusiker in Smokings ihren Feierabend feierten, weiß ich, unser tcboyle.de-Abend hätte ihm gefallen. Und sicherlich auch die Party der jungen Verlage, die traditionell den Messefreitag beschließt und wo mir inzwischen regelmäßig der Herr Nagel über den Weg läuft. Dazu mein Tipp für alle Leserinnen und Leser dieses Blogs aus Braunschweig und Umgebung: Im April/Mai ist Nagel mit einer Ausstellung und Lesung im Café Riptide zu Gast. Ich werde auf jeden Fall vorbeischauen.

Besuche beim Hanser Verlag und Schwarzkopf & Schwarzkopf gehören wegen T.C. Boyle und der eigenen Bücher bei jeder Messe zur angenehmen Pflicht. Hier schaute ich am Samstag, den letzten Tag meines Aufenthalts in Leipzig, vorbei. Und ich traf mich mit Gilbert Dietrich, einem lieben Kollegen, den ich über die Websites kolumnen.de und tcboyle.de schon seit vielen Jahren kenne. Nur persönlich waren wir uns bisher noch nicht begegnet. Jetzt hat es endlich einmal geklappt. Eine gute Gelegenheit, auf sein philosophisches Webprojekt Geist und Gegenwart hinzuweisen, zumal dort das Lebensglück eine wichtige Rolle spielt, und davon können wir ja alle etwas gebrauchen.

lbm12_04War’s das? Nicht ganz! Auf Empfehlung meines lieben Freundes Stefan bin ich am Samstag noch zum Stand des Eulenspiegel Verlages gestiefelt, weil dort ein gewisser Morten Grunwald Bücher signierte, besser bekannt als Benny von der Olsenbande, ein Held meiner Kindheit. Ihn auf der Buchmesse anzutreffen, fand ich »mächtig gewaltig«.

Leider war es so gut wie unmöglich, an ein Autogramm zu kommen, und leider sieht Benny heute gar nicht mehr aus wie Benny, sondern eher wie Kjeld. Er hat auf der Buchmesse in Leipzig auch kein eigenes Buch signiert, sondern die Biografie seines 2004 verstorbenen Filmpartners Ove Sprogøe, besser bekannt als Egon Olsen. Der hatte in den Olsenbande-Filmen immer das, was mir bei meinen Besuchen auf Buchmessen oftmals fehlt: einen Plan!

Familienpizza in Leipzig

wortmax am 22. Februar 2012 in Leservat

Boyle in Leizpig 2009Nächste Woche ist es endlich wieder soweit: Der März beginnt. Bis die Bäume erblühen, dauert’s noch ein Weilchen, aber ich bekomme schon wieder Triebe. Denn die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Juhu! Sie beginnt zwar erst am 15. März, doch die Vorfreude steigt.

Eine Veranstaltung nur für B-Promis und Schlagerstars von gestern, die sich verzweifelt um ein Comeback bemühen, ist die Frühjahrsbuchmesse schon längst nicht mehr. Zwar lässt sich die Gästeliste nicht mal ansatzweise mit der von den Messekollegen aus Frankfurt vergleichen, aber an bekannten literarischen Namen mangelt es nicht.

Aus dem Ausland haben sich unter anderem der Ire John Boyne (»Der Junge im gestreiften Pyjama«) sowie die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev (»Späte Liebe«) angekündigt. »National« werden wir Literaten wie Rafik Schami, Martin Walser, Daniel Glattauer oder Wladimir Kaminer begegnen. Auch der Ankermann der Tagesthemen, Tom Buhrow, ist dabei. Dieter Moor, Denis Scheck, Roger Willemsen sowieso. Und, beinahe hätte ich ihn vergessen, wortmax. Auch der kommt und freut sich auf ein Wiedersehen mit vielen geliebten Büchermenschen, beim Twittagessen, bei diversen Vorträgen, beim allabendlichen Weinausschank oder zwischendurch auf den Gängen. So groß ist das alles in Leipzig ja nicht.

Fettgedruckt auf der diesjährigen Agenda für Leipzig ist der Freitagabend. Dann nämlich wird es in einem schnieken italienischen Restaurant nach über neun Jahren virtueller Präsenz zum ersten offiziellen www.tcboyle.de-Treffen kommen. Es wird eine kleine, aber feine Runde. Wer daran teilnehmen möchte, kann sich gern bei mir melden, sollte sich aber beeilen, denn der Platz am reservierten Tisch ist begrenzt.

Gesprächsthemen haben wir reichlich. Denn der neue Roman von T.C. Boyle, »Wenn das Schlachten vorbei ist«, ist gerade erst erschienen. Die Website www.tcboyle.de präsentiert sich seit kurzem in einem neuen Gewand, und dann gibt es noch den Mai zu bequatschen, wenn Boyle nach zwei Jahren Abwesenheit wieder zu einer Lesereise nach Deutschland kommen wird.

Wer am Abend des 16. März 2012 andere Unterhaltung in Leipzig sucht, dem empfehle ich das unglaubliche Lesebühnenluderdreigestirn Jan-Uwe Fitz, Dirk Bernemann und Christian von Aster. Ab 20.00 Uhr blicken die drei vor sich hin mauschelnden Metaphoriker in MacCormacks Ballroom (Kurt-Eisner-Str. 43) über den eigenen Tellerand und – wie von Herrn Fitz aka @Vergraemer gewohnt – natürlich auch weit hinaus über die Grenzen des guten Geschmacks.

Meine Versuche, Herrn Fitz zu unserer leckeren Familienpizza einzuladen und seine eigene Lesung dafür einfach sausen zu lassen, sind leider gescheitert. Er leidet an einem Knick-Spreiz-Senkfuß, wie er sagt, kann sich nicht bewegen und sitzt daher schon jetzt – auf die ersten Gäste wartend – in MacCormacks Ballroom. Wäre also nicht schlecht, wenn dort mal der eine oder andere Orthopäde vorbeischaut.

edit: Weitere kuriose Veranstaltungen zur Leipziger Buchmesse, unter anderem auch Auftritte der Bumsdorfer Kollegen Axel Klingenberg, Marcel Pollex (Punchliner-Show) und Marc Domin (Crossover-Revierköter), findet Ihr auf unserer Terminseite.

Frankfurter Buchmesse 7.0

Weyershausen am 17. Oktober 2011 in Reisenotizen

fbm11»Sie spielen jetzt kräftig mit Ihrer Anziehungskraft, da brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn die Verehrer bald Schlange stehen« stand es in meinem Wochenhoroskop. Sooo lang war die Schlange bei meinem Signiertermin zwar nicht, doch ich hatte über eine Stunde lang tüchtig zu tun.

Eigentlich ist es ungerecht: Buchautoren müssen nur ihren Namen schreiben, während unsereins noch eine Zeichnung produzieren muss. Oft gibt es ganz spezielle Wünsche wie: »Zeichnen sie eine Ente, die gegen einen Roboter kämpft!« Noch schwieriger wird es jedoch, wenn der Messebesucher einem mit den Worten: »Zeichnen sie irgendwas« einen riesengroßen Papierbogen reicht. »Haben Sie spezielle Wünsche?«, fragt man dann verzweifelt. »Nö … einfach irgendwas!« Tja, dann käst mir das Gehirn, um Dr. Erika Fuchs zu zitieren.

Wenn man es gewohnt ist, in seinem stillen Kämmerlein zu werkeln, ist es schon schwierig vor einem Publikum unter dem Licht eines Scheinwerfers an einem winzigen Pult spontan Zeichnungen zu Papier zu bringen. Vor allem nach einen Messetag, der erst um vier Uhr morgens endete. Und dann noch auf Papier, das eigentlich nicht zum Zeichnen geeignet ist. Es gibt Kollegen wie Michael Holtschulte, die beim Kontakt mit ihren Fans regelrecht aufblühen. Beneidenswert! Ich selbst bevorzuge das stille Kämmerlein.

Es muss die Herbstsonne gewesen sein: Die Frankfurter Buchmesse zeigte sich diesmal von ihrer angenehmsten Seite. Nette Kollegen überall, überraschende Zusammenstöße, interessante Gespräche und wie immer literweise Kaffee.

Die zwei Tage gingen viel zu schnell dahin. Und wie immer habe ich Einiges gelernt: Zum Beispiel, dass man sich vorher die Adresse aufschreiben sollte, wenn man sich auf den Weg zu Verlagspartys macht; dass Alice Schwarzer ganz schön stramme Waden hat; dass in einem indisch-italienischen Restaurant Gästen sogar die Tür aufgehalten wird; dass Herr wortmax etwas Wortspiel-resistent ist und Kollege Burkh immer mehr aussieht wie »Scarface« Tony Montana.

Klar, dass ich auch im nächsten Jahr wieder dabei bin. Wahrscheinlich ist irgendwas in den pappigen Hot Dogs vor Halle 4, was Buchmessen-süchtig macht. Nur: Hoffentlich lässt meine Anziehungskraft bis dahin nicht nach.

Ruff un' runner

wortmax am 7. Juli 2011 in Bumsdorf

ruff_runnerIn diesem Sommer geht es ruff un’ runner, wie die Hessen sagen. Vor einanderthalb Wochen, beim 12. Jahrestreffen der Douglas-Adams-Fans im Ostharz, mussten wir nach der feierlichen Aufbereitung von Merguez-Würstchen und Halloumi-Käse noch Kaminholz in den Grill schmeißen, um in den kühlen Nächten nicht messnersche Erfrierungen zu erleiden. Natürlich hatten wir alle unser Handtuch dabei. Doch bei den eisigen Temperaturen half das wenig.

Heute soll das Quecksilber mal wieder auf 26 Grad klettern. Eine gute Gelegenheit also, diesen Text auf der Terrasse zu schreiben und nicht im miefigen Büro. Dumm nur, dass die hiesigen Bauern gerade wie verrückt Gülle durch die Gegend fahren – ruff un’ runner, wie die Hessen sagen. Obendrein surren gefühlt 5.000 Fadenmäher durch die Sommerluft. Warum können Bauern und Baumarktfuzzis sowas nicht im Winter machen?

In ein paar Wochen ist mir das egal. Dann geht es wieder unter die mediterrane Sonne nach Spanien. In meinem bevorzugten Urlaubsdomizil bewegen sich die Temperaturen schon seit Wochen konstant zwischen 28 und 32 Grad Celsius. Bei solchen Wetterbedingungen kann man nichts anderes machen als schreiben, lesen, essen, schlafen und den trägen Körper einmal pro Tag durch einen kleinen Pinienwald zum Strand schleppen. Lästig ist hier allenfalls das Auf- und Abbauen der Zeltmuschel.

Allerdings: Nicht alle bei wortmax versammelten Autoren sind in den kommenden Tagen so untätig wie der Herr wortmax selbst. Wiebke Saathoff und Marc Domin zum Beispiel stopfen das Sommerloch mt einer Lesung im Nexus in Braunschweig, am 23. Juli. Und Herr Burgwächter (»Tillicus Glossicus Metallicus«) lässt es – wie nicht anders zu erwarten – wieder richtig krachen. Er schüttelt am 29. Juli in Vorbereitung auf das Wacken Open Air im Ballroom in Osnabrück sein Haupthaar – zu den rustikalen Texten, die er bei solchen Veranstaltungen zu lesen pflegt.

Der August ist ein toter Fisch im Wasser. Erst im September dehnt die Bumsdorfer Autorenschaft wieder ihre Sprechmuskeln, zu den Kulturnächten in Helmstedt und Wolfenbüttel sowie zum Start in die neue Saison der Bumsdorfer Auslese. Damit bin ich bei dem Thema angekommen, über das ich heute schreiben wollte: die nahe Zukunft unserer beschaulichen Lesebühne.

Die Bumsdorfer Auslese – ab September mit neuen Trikots

Vor ein paar Wochen kam es im Café Riptide in Braunschweig zu einem konspirativen Treffen. Bei Wolters, Weizenbier und Nerdbrause wurde beschlossen, dass wir unsere Auftritte in der KaufBar künftig anders gestalten wollen. So haben wir ab September nicht mehr nur einen lesenden Menschen zu Gast, sondern zusätzlich auch einen musizierenden.

Da es auf der Bühne so eng wäre wie in einem Latexanzug, wenn sich die feste Belegschaft plus zwei Gäste plus diverse Instrumente plus Lesebiber darauf tummeln, werden zu einer Veranstaltung nie alle Mitglieder des Ensembles anwesend sein, sondern sich bei den zweimonatigen Auftritten abwechseln. Wandern wird auch das Moderatoren-Mikrofon. Jeder darf mal.

Auf diese Weise wird die Bumsdorfer Auslese eine erfrischende Fluktuation erfahren. Es geht dann ruff un’ runner, wie die Hessen sagen. Die Gäste erwartet alle zwei Monate eine neue Wundertüte. Gleiches gilt für die Vortragskünstler, die sich traditionell gegenseitig verblüffen. Am 16. September, wenn sich die Sonnenbräune zu pellen beginnt, geht’s los, mit den Gästen Sven Kamin und Benjamin Kaiser. Wir freuen uns auf Euch!

Autoren sind Rampensäue

Weyershausen am 7. Juni 2011 in Reisenotizen

111_heBislang haben Herr wortmax und ich bei unseren Lesungen nur die magische Zahl 80 erreicht. Im Herbst letzten Jahres traten wir nämlich vor 80 Zuschauern auf, denn mehr Plätze hatte der Veranstaltungsort nicht. 80 weitere Zuschauer standen vergeblich an. Das ärgerte uns schon sehr, denn Autoren sind (heimliche) Rampensäue.

Das änderte sich letzte Woche. Zusammen mit dem Trio »Voices« (siehe Foto) traten wir im Rahmen der Reihe »Musik trifft Sprache« auf – und das bei besten Grillwetter und gegen Volker Pispers, der nur ein paar Straßen weiter über unsere hochverehrte Frau Bundeskanzlerin lästerte.

111_he_2Und auch ein weiteres Novum gab es: Nachdem wir bislang in Buchhandlungen, Cafés und im Theater unsere Texte lasen, war es hier die ehrwürdige St. Christophorus Kirche in Helmstedt. Würden uns die heiligen Gemäuer auf den Kopf fallen, wenn wir Blasphemisches sprachen? Immerhin kam in einem meiner Texte das unschöne Wort »Katzenpisse« vor. In einem anderen war sogar von Sex die Rede. Schockschwerenot!

Dank unserer musikalischen Mitstreiter war es einer unserer entspanntesten Auftritte. Fast 110 Leute saßen zwei Stunden lang still, ohne zu Gähnen. Mehr kann man doch wirklich nicht verlangen.

Noch was ganz anderes: Steve Ditko, neben Stan Lee einer der geistigen Väter des legendären Helden »Spider-Man«, ist chronisch pressescheu. Das letzte Interview gab er 1966. Es existieren nur zwei Fotos mit ihm, die immerhin über fünfzig Jahre auf dem Buckel haben. Nun ist bei eBay ein altes College-Jahrbuch aufgetaucht, in dem Ditko als Teenager zu sehen ist. Aber ist so ein Bild $349 wert?

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Miss & Mister Book Fair 2010

wortmax am 20. September 2010 in Leservat

Miss Book Fair 2010»Wir unterstützen die Wahl zu Miss und Mister Book Fair« hatten wir vor ein paar Wochen vollmundig versprochen. Möglicherweise haben wir das etwas zu laut in der Gegend herum geschrie(b)en. Denn kaum verzeichnete unser Blogeintrag ein »Ping«, schon sahen wir uns im Organisationsteam der Miss und Mister BookFair Event- und Marketing-Organisation k.e.V. (kein ernstzunehmender Verein) wieder.

Aber okay, wir stehen zu unserem Wort, und möchten Euch heute die verfeinerte Ausschreibung des Wettbewerbs kredenzen – mit der Bitte an alle Büchermenschen, sich zur Wahl zu stellen, oder aber die heißen Kandidatinnen und Kandidaten mit erfrischenden Kommentaren oder einem simplen Klick auf »Gefällt mir« zu unterstützen. Hier geht’s zur Wahl! Und hier die ausführliche Ausschreibung, die seit heute im Netz steht:

Miss und Mister Book Fair 2010
Ausschreibung und Ablauf

Herzlich willkommen bei der Wahl zu Miss und Mister Book Fair 2010. Unser Wettbewerb bekam in den letzten Tagen überraschend viel Aufmerksamkeit und erfreut sich bei Facebook und Twitter einer immer größeren Beliebtheit. Die Zahl der Freunde und Follower wächst, zahlreiche Bewerbungen sind bereits eingegangen. Und das ist wirklich erstaunlich. Denn welchem Zweck der Wettbewerb dient, was es zu gewinnen gibt und wo das alles hinführen soll, das wusste bis vor kurzem nicht einmal der Veranstalter, die Miss und Mister Book Fair Event- und Marketing-Organisation k.e.V. Nun aber wollen wir etwas Licht ins Dunkel bringen.

Das Wichtigste vorweg: Der Wettbewerb ist aus einem Spaß heraus entstanden, und Spaß soll es allen Beteiligten weiterhin machen. Ernst muss leider draußen bleiben.

Wer kann sich als Miss und Mister Book Fair bewerben und wie?

Alle Buchliebhaber (Leser, Bibliophile) und Buchschaffenden (Buchhändler, Verleger, Branchenmitglieder und -sparten, Verlagsangestellte, Autoren, Literaturblogger, Web-Literaten, der Börsenverein) usw. usf. Die Bewerbungsunterlagen sind von der Bewerberin/dem Bewerber selbst einzureichen.

Dazu gehören: ein Foto/Konterfei der Bewerberin/des Bewerbers sowie eine knappe Begründung, warum man sich selbst als geeigneter Kandidat für die Wahl zu Miss und MisterBook Fair sieht.

Die Unterlagen sind per Mail an team-missbookfair(at)web.de zu senden. Sie werden nach einer kurzen Prüfung auf Facebook unter »Fotos« in den Alben »Nominierungen« eingestellt. Die jeweiligen Neuzugänge werden vom Veranstalter auf der Pinnwand genannt. In den Alben »Nominierungen« darf fleißig kommentiert und diskutiert werden!

Wer und was entscheidet über die Wahl zu Miss und Mister Book Fair?

Über die Sieger in den beiden Kategorien befinden zwei unabhängige Jurys. Die Miss Book Fair 2010 kürt ein 3-köpfiges Männergremium: Stefan Möller, Volker Scheufens und Holger Reichard. Den Mister Book Fair 2010 wählt ein Kuratorium, das aus drei Frauen besteht: Stefanie Leo, Gesine von Prittwitz und Daniela Skrzypczak. Die Jurymitglieder selbst sind von der Kandidatur ausgeschlossen und wurden namentlich und amtlich verpflichtet, ihre Entscheidung unter Erwägung der öffentlichen Kommentare zu fällen.

Das heißt, alle Freunde unserer Facebookseite, sowohl die Kandidaten als auch die aufmerksamen Beobachter unseres Wettbewerbs, sind aufgerufen, die Nominierungen wie oben beschrieben zu kommentieren, zu diskutieren oder mit einem Klick auf »Gefällt mir« ihre persönlichen Sympathien zu bekunden. Berücksichtigen solltet Ihr bei Euren Kommentaren und Beurteilungen die buchspezifische Kompetenz und Integrität des Bewerbers, seine Belesenheit und Erfahrung, aber auch – ganz allgemein – seinen Witz und Charme sowie die Originalität der Bewerbung. Die gesammelten Reaktionen entscheiden über die Entscheidung der Jury-Mitglieder. Bestechungsgelder werden von der Jury gerne angenommen, beeinflussen die Wahl jedoch nicht.

Was gibt es zu gewinnen?

Zu gewinnen gibt es möglicherweise sehr viel und das schon jetzt: wertvolle Kontakte. Wir haben nämlich festgestellt, dass unser Wettbewerb Buchliebhaber und Buchschaffende auf wundersame Weise zusammenführt. Das treibt uns an und vor allem deshalb lohnt es sich, bei unserem Wettbewerb mitzumachen und diesen zu unterstützen.

Natürlich wird es auch kleine Sachpreise für die Sieger unseres Wettbewerbs geben und … ja, wer weiß? Auf der Frankfurter Buchmesse wollen wir besprechen, ob die Wahl zur Miss und Mister Book Fair eine Zukunft hat, und wenn ja, welche. Was dabei herauskommt, macht für die Attraktivität des ersten Wettbewerbs keinen Unterschied. »Einzige Miss Book Fair aller Zeiten« ist zweifellos ein ebenso erstrebenswerter Titel wie »Erste Miss Book Fair überhaupt«. Gleiches gilt für die Herrenkonkurrenz. Gut möglich, dass die ersten Gewinner der Wahlen 2010 den Titel auf der Buchmesse 2011 persönlich an ihre Nachfolger weiterreichen. Aber soweit wollen wir im Augenblick noch nicht denken.

Zu guter Letzt

Einsendeschluss für die Bewerbungen ist der 2. Oktober 2010. Die Jury-Mitglieder werden die Frankfurter Buchmesse (vom 6. bis 10. Oktober 2010) nutzen, um sich zu beraten. Während oder kurz nach der Buchmesse werden wir die Sieger der Wahl zu Miss und Mister Book Fair 2010 bekanntgeben. (Änderungen vorbehalten.)

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leipzig09Wo Herr wortmax und ich früher den lieben langen Tag ziellos durch die Gänge der Buchmessen irrten, haben wir heute unsere Termine. Das ist zwar einerseits sehr schön, artet aber andererseits immer mehr in Arbeit aus. Irgendwie ist da die Leichtigkeit abhanden gekommen, dachte ich mir, als ich in einer freien Stunde allein durch die Gänge schlurfte. Leicht bekleidete Manga-Mädels, Literaten mit dünnen Fettfrisuren, Schüler mit dicken Rucksäcken; sie alle habe ich in den letzten Jahren immer weniger wahrgenommen.

Heutzutage hat mich mein Agent an der Kandarre, der mich mehrmals am Tag über den aktuellen Stand der Dinge informierte. Zum Schluss drückte er mir eine Liste mit Hausaufgaben in die Hand, die ich schleunigst zu erledigen habe. Daher fasse ich mich diesmal etwas kürzer. Ich will ja keinen Ärger.

Der Spaßfaktor ist gewaltig in den Hintergrund gerückt. Schließlich hängt vom Ausgang der vielen Gespräche die eigene Zukunft ab. Für Spaß sorgten indes neue Autoren und alte Freunde, denen man in Leipzig begegnete. Oder das geschäftstüchtige Indische Restaurant in der Innenstadt, in dem wir flugs in die Rumpelkammer verfrachtet wurden, nachdem alles besetzt war.

Während ganz Leipzig von einer Lesung zur nächsten eilte, gingen wir zur »Party der jungen Verlage«, auf der sich die hippe coole Leipziger Szene tummelte. Verdammt lange her, dass ich so viele interessante Frauen auf einem Haufen gesehen habe. Nur war ich zu diesem Zeitpunkt viel zu müde und erledigt, um etwas davon zu haben.

Außerdem werden wir immer mehr zu Snobs. Als es keine schicken arte-Taschen mehr gab, zog es Herr wortmax vor, den vielen Kram, der sich tagsüber angesammelt hatte, den ganzen Abend über lieber unter den Arm zu klemmen. Eine prollige 3Sat-Tüte war ihm offenbar nicht gut genug.

Im Gegensatz zum letzten Jahr gab es spürbare Fortschritte: 2009 stand ich noch schmachtend im Publikum, während die bezaubernde Aspekte-Moderatorin Luzia Braun auf dem blauen Sofa saß und die großkopferten Schreiberlinge dieser Welt befragte. In diesem Jahr stand sie direkt neben mir; in einer lebhaften Unterhaltung verstrickt – nur leider nicht mit yours truly. Doch bald kommt ja 2011 …

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Drei Jahre Seelenstriptease

Weyershausen am 7. März 2010 in Befindlichkeiten

betroffenSchockschwerenot! Da habe ich doch glatt ein Jubiläum verschlafen! Seit nunmehr drei Jahren tippe ich hier mehr oder weniger regelmäßig meine Texte ins Internet. Manchmal denke ich mir: »Wozu die Mühe? Das interessiert doch eh keine Sau.« Und wahrscheinlich stimmt das sogar. Als ich jedoch im vorletzten Jahr drei Wochen hintereinander meine Seite nicht aktualisiert hatte, kamen die ersten Protestmails. Auch die Statistiken zeigten, dass noch lange danach die Besucherzahlen ganz rapide zurückgingen. Ein untreues Völkchen seid Ihr!

Es gibt ja einige Blogger, die den geneigten Lesern ihr ganzes Privatleben offenbaren. So etwas würde ich schon allein deshalb nicht wagen, weil ich Angst hätte, die geneigten Leser würden gelangweilt wegdösen – so langweilig ist mein Leben nämlich. Es ist schon so manche Tastatur den Bach runter gegangen, weil der Sabber des just Entschlafenen ins Gehäuse getröpfelt ist. Kann ich das verantworten?

Zudem würde ich meinen vielen Erzfeinden, den fiesen Ex-Freundinnen und anderen bösen Menschen, die ich am liebsten nur von hinten sehe, nie die Genugtuung geben, sich an meinem Seelenkummer zu ergötzen. Ich bin nämlich ein Sensibelchen (Sternzeichen Krebs), das sich schon Sorgen macht, wenn der Penner von nebenan Terpentin statt wie üblich Haarwasser trinkt. Genau! So sensibel bin ich.

Egal, wie gut man seine wahre Stimmung verbirgt: Menschen, die einen etwas länger kennen, können natürlich zwischen den Zeilen lesen. Das ist gemein, weil die ganze Bloggerei eine recht einseitige Angelegenheit ist. Es sei denn, man lässt es zu, dass die geneigten Leser ebenfalls ihre geneigten Kommentare auf die Seite stellen können. Da ich jedoch schon immer ein überzeugter Anhänger totalitärer Regime war, an deren Spitze ich stehe, wollen wir mit so einem demokratischen Schwachsinn mal lieber gar nicht anfangen – ganz im Sinne meines alten Idols, Klaus Kinski, dem das »laute Drecksgesindel« (= diskussionsfreudige Publikum) schon immer ein Dorn im Auge war.

Auf der anderen Seite trifft man gerade durch die Bloggerei immer wieder auf interessante Menschen, die man im grauen Alltag oft vergebens sucht; wie zum Bespiel letzte Woche die lässige Frau Weltlaterne. Ja, es ist nicht alles schlecht im World Wide Web. Deshalb werde ich wohl auch in Zukunft wie gehabt neue Zeichnungen und alte Raritäten (= der Kram, der in meiner Schublade vergammelt) vorstellen, mich ab und zu seelisch auskotzen, wenn ich von schlechter Laune überwältigt werde, und vielleicht noch für neue Bücher werben. Mein Vermögensberater teilte mir nämlich vor kurzem mit, dass auf einem meiner Schweizer Nummernkonten noch ein wenig Platz sei. Und das muss ja wohl nicht sein …

Was ist sonst Neues zu vermelden? Am 18. März fahren Herr wortmax und ich wie in jedem Jahr zur Leipziger Buchmesse, um dort das Glück zu suchen. Werden wir es am Ende finden? Ach ja, man weiss so wenig …

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Immer Blogger bleiben

wortmax am 17. November 2009 in Netzball

w_wortmaxWieviel Zeit bliebe uns für die schönen Dinge des Lebens, wenn Bedienungsanleitungen immer recht hätten? Ich könnte jetzt davon erzählen, wie ich heut morgen vor der neuen Kaffeepadmaschine stand und gefühlte zwei Kannen herkömmlichen Kaffeekochens lang am Gehäuse des neuen Geräts herumfummelte, weil sich der blöde Wassereinfüllstutzen nicht freilegen ließ, zumindest nicht so einfach, wie in der Bedienungsanleitung beschrieben. Erzählen möchte ich aber von diesem neuen Blog:

»Oh Tilly, schauen sie sich mal meine alten Texte an!« — »Das muss nicht sein. Probieren sie es mal mit wordpress. Sie werfen gerade einen Blick darauf.« — »Auf ein Blog?« — »Nein, auf wordpress – mit natürlichen Plugins. Das schont die Nerven schon beim Schreiben.«

Die Texte von einem Blogsystem (Serendipity) in ein anderes Blogsystem (wordpress) zu schaufeln, ist so einfach wie die Anwendung eines Geschirrspülmittels. Dachte ich. Denn in irgendeiner Les-mich-Datei las ich etwas von einer nur fünfminütigen Installationsdauer. Das kann jedoch unmöglich für alle gelten. Wer mit einer Schneckenleitung auf dem Lande lebt, kann während des Hochladens der Dateien erst einmal einen Kaffee trinken gehen (vorausgesetzt, er kommt auf Anhieb mit der Kaffeepadmaschine klar.)

Danach, so heißt es, die Texte mit dem entsprechenden Plugin einfach importieren. So so, einfach importieren. Und was ist, wenn das Import-Tool nicht angezeigt wird und man erst nach mühsamer Recherche im Internet erfährt, dass man zusätzlich eine sogenannte .htaccess-Datei braucht, die man selber anzulegen hat? Was muss in dieser Datei stehen? Wo wird sie platziert? Und was ist, wenn sich nach dem ganzen Prozedere immer noch nichts importieren lassen will?

Aus den verlockenden fünf Minuten sind am Ende acht Stunden geworden. Das hört sich viel an. Doch ich glaube, ich lag damit ganz gut in der Zeit. Denn was wäre die Alternative gewesen? Alle Texte mit Copy & Paste rüberkopieren? Das hätte bestimmt eine Woche gedauert. Und wer weiß, ob ich die bisherigen Kommentare mit ihren Absenderdaten und Zeitstempel auf diese Weise hätte retten können.

Was sind außerdem schon acht Stunden, wenn einem am Ende aus heiterem Himmel der Satz entfährt: »Oh! Es funktioniert.« Die Ausschüttung von Glückshormonen in solchen Momenten sollte man nicht unterschätzen, und auch nicht die Motivation, die man aus solchen Erfolgserlebnissen ziehen kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Wassereinfüllstutzen der neuen Kaffeepadmaschine morgen von ganz allein aufspringen wird. Wenn nicht, hilft vielleicht eine .htaccess-Datei.

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Von (Lese-)Ratten und (Bücher-)Würmern

Weyershausen am 17. März 2009 in Reisenotizen

leipzig09Es gibt viele Gründe, um im März nach Leipzig zu fahren. Zum Beispiel, um sich im berüchtigten Club 21 an der »Mr. und Mrs. Knackarsch«-Wahl zu beteiligen. Oder um im »Don Camillo« alternde Intellektuelle mit ihren jungen Geliebten zu beobachten. Mein alter Freund Herr wortmax und ich zogen dagegen wie in jedem Jahr die Buchmesse vor. Wir sind nun mal Gewohnheitstiere.

Diesmal hatte Herr wortmax seine Kamera im Gepäck, denn Bestsellerautor T.C. Boyle gab sich in Leipzig die Ehre. Als Betreuer der deutschen Website des Meisters war das sein Job. Neugierig, doch vom Boyleschen Œuvre gänzlich unbeleckt, schlurfte ich mit.

Wer reich und berühmt sein will, sollte nur eine Zeit lang den Spuren eines Mannes folgen, der dies bereits geschafft hat. Aufdringliche Fans, Moderatoren, die nicht mal in der Lage sind, die Buchtitel ihres Gegenübers korrekt auszusprechen, ständige Eile und keine Minute für sich selbst. Um ein erfolgreicher Autor zu sein, muss man offenbar die Kondition eines Hochleistungssportlers besitzen – und unendliche Geduld mit seinen Mitmenschen haben. Als Normalbürger ist man da schon vom Zusehen erschöpft. Wer will da berühmt sein? Fazit: Reich zu sein, genügt vollkommen.

Mittlerweile ist die Leipziger Buchmesse die »Rocky Horror Picture Show« unter den Buchmessen. Überall drehen Horden kleiner Mädchen in Korsagen und Netzstrümpfen ihre Runden. Ein Sittenstrolch, der Arges dabei denkt.

Das Schöne an der Leipziger Buchmesse sind die angenehmen Überraschungen, die einem an jeder Ecke erwarten. Besonders, wenn man so unvorbereitet anreist wie ich. Zum Beispiel wusste ich nicht, dass der legendäre Journalist und Dokumentarfilmer Georg Stefan Troller auf dem blauen Sofa des ZDF Platz nehmen würde. Insgeheim hoffte ich ja, dass Kulturfee Luzia Braun den großen alten Mann interviewen würde, doch von ihr war weit und breit nichts zu sehen.

Rührend: Zu Trollers Füßen saß ein Fanclub, der aus attraktiven älteren Damen bestand, die ständig zustimmend mit dem Kopf nickten, während der Großmeister des Interviews weise Worte ausstieß, wie unsereins Mundgeruch. »Wir sind alle Außenseiter«, so Troller über die gesamte Menschheit. Während er sich als Interviewer den Menschenfressern zugehörig fühlt.

Am letzten Tag, kurz bevor wir gehen wollten, wagte sich die attraktive Frau Braun doch noch ans Tageslicht. Und ich war in der Nähe! Zum Glück auch Herr wortmax und seine Kamera. Geistesgegenwärtig drückte er auf den Auslöser.

Luzia!!!

Zum Pflichtprogramm gehört natürlich der allabendliche Zug durch die Leipziger Innenstadt, um bei einem Glas Bier das Erlebte aufzuarbeiten und den nächsten Tag zu planen. Diesmal hatten Herr wortmax und ich internationale Besucher aus Luxemburg und Griechenland im Schlepptau. Deshalb wurde die Unterhaltung im radebrechenden Schulenglisch geführt. Und über was wollen Bücherfreunde aus Griechenland reden? Natürlich über die Fußballergebnisse der Bundesliga!

Unser englisch-deutsch-luxemburgisches Geplapper führte immerhin dazu, dass sich wildfremde Frauen interessiert in unser Gespräch einklinkten. Wenn schlechtes Schulenglisch schon sexy macht, was passiert erst, wenn man die Sprache vernünftig beherrscht? Das, liebe Schulkinder, sollte uns allen zu denken geben!

Keine Buchmesse ohne bösartige Gerüchte. Eine der Besucherinnen vertraute mir an, dass sie Wolf Biermann singend auf der Damentoilette antraf. An den Titel des Liedes konnte sie sich leider nicht erinnern. Ein deutscher Schlager soll es gewesen sein. Vielleicht »Ein bisschen Frieden«? Oder »Schön ist es, auf der Welt zu sein«? Da sieht man, was der Kapitalismus so alles anrichtet!